Ich vermisse Raucher und ich hab Rücken

Smoker (Abdulaziz Ceylan)

Wenn eine Berufsgruppe viel raucht, dann ist das die der Journalisten – so ein gängiges Vorurteil. Die Wahrheit ist, dass ich in den vergangenen Wochen an zwei Fortbildungen zusammen mit rund 20 Kollegen teilgenommen habe und keiner von ihnen geraucht hat. Ein weiteres Seminar an der Volkshochschule kam noch hinzu – und wieder: keine Raucher. Weiterlesen →

Ach, Bonn…

Testbetrieb

Vielleicht war es Zufall, dass die Verkäuferin bereits eine der zwei Eingangstüren zugeschlossen hatte, als ich um kurz vor 22:30 Uhr an einem Dienstagabend in die Bonner Bahnhofsbuchhandlung stürme. “Sie haben noch zwei Minuten!”, ruft sie mir entgegen, um direkt danach die Pointe hinterher zu schieben: “Spaß. Bisschen länger schon noch. Schauen Sie in Ruhe!”

Ja, das ist Bonn, wie ich es mag. Höflichkeit, es mal fünfe gerade sein lassen, mal Fremden gegenüber einen Witz reißen, das alles nicht zu ernst nehmen.

Aber auch das ist Bonn, wie ich es kaum noch verstehe: Eine 300.000-Einwohner-Stadt mit dem maroden und hässlichen Provinzbahnhof, in dem der letzte Laden um 22.30 Uhr dicht macht.

Meine Cousine, die in Leipzig studiert, schwärmt mir von dort vor. Kultur, preiswerte Mieten, eine lebendige alternative Szene, viele Menschen, die barfuß durch die Stadt laufen…

Gut, mir eigentlich egal, was die Leute in meiner Stadt an den Füßen tragen. Aber Leipzig steht für etwas. Wofür steht Bonn?

Bonn hat den Ruf langweilig zu sein. Anderswo sei so viel mehr los, auch in gleich großen Städten, höre ich oft.

“Ach ja?!”, schwärme ich dann direkt entgegen. Aber Bonn ist die Beethoven-Stadt! Du hast das Beethoven-Haus (eine Touri-Falle), die Beethoven-Statue (hässlich und unspektakulär), die Beethoven-Halle (alt und marode). Du kannst eine (spießige) Bootstour zum Drachenfels machen – der in Königswinter steht – oder im Sommer in der Sieg baden (die durch Troisdorfer und Niederkasseler Stadtgebiet führt). Du hast die alternative Altstadt (in der an einem Wochentag kaum noch etwas los ist), eine alternative Szene (die sich nach reichlich Problemen mit Ordnungsamt und Lärmmotzkis fast aufgelöst hat). Du hast viel Geschichte der Bonner Republik (und das Bundesviertel in einer Viertelstunde abgefrühstückt) und den riesigen Post-Tower (in dem der Rundumblick über die Stadt der Post-Vorstandsetage vorbehalten ist).

Tja, was hat Bonn denn dann eigentlich noch?

Tolle Menschen, definitiv. Aber sorry, das alleine ist mir etwas zu wenig…

Wir sitzen auf einer Kiste voll Gold und machen nichts daraus

Nachdem ich mich an “Big Bang Theory” und “How I met your mother” seit ein paar Monaten satt gesehen habe, habe ich mich nach anderen Comedyserien umgeschaut. “Hung” gefiel mir anfangs gut mit der durchaus sozialkritischen Komponente. In der dritten Staffel fiel das Sozialkritische fast vollends weg und ließ etwas Komödienhaftes mit ein wenig Tragikomik zurück. Ging für mich trotzdem in Ordnung, weil es immer noch gut gespielt war und nie ins Klamaukhafte abglitt. Leider wurde die Show von HBO nach der dritten Staffel abgesetzt. Meine weitere vergebene Suche nach einer guten Comedy-Serie:

- “Rules of Engagement” – einfach nicht lustig
- “Modern Family” – gute Ansatz! Mir aber zu offensichtlich und vorhersagbar
- “Men at Work” – sehr amerikanischer Humor
- “Two broke girls” – Klischeehumor
- “Mike & Molly” – OMG

Außerdem habe ich langsam genug von Sitcoms, bei denen die Lacher des Publikums eingespielt werden. Hab den Sinn dahinter noch nie gesehen und langsam geht mir das auch ein- für allemal auf den Wecker. Genug davon!

Es mag nur mir so gehen, aber ich sehe derzeit keine wirklich gute neue US-Comedyshow. Wäre das nicht eigentlich die große Chance für das deutsche Fernsehen, ein eigenes Comedy-Format ins Leben zu rufen? Und ich meine jetzt hier weder “Weißblaue Geschichten” (auch wenn die für mich schwer in Ordnung gingen), noch “Bulle von Tölz”, noch platte Klischees à la “Männerherzen” oder “Weißichwiewenig Ohrenhasen” und auch kein weiteres Daily-Soap-Format à la “GZSZ” oder “Verbotene Liebe”.

Ich meine eine gute Serie mit bekannten Schauspielern, starkem Drehbuch und einer neuen Handlung, kein Remake eines US-Formats. Etwas eigenes. Etwas, das so gut ist, dass US-Sender es kopieren wollen, wie sie es mit “Hatufim” aus Israel (“Homeland”) oder “Borgen – gefährliche Seilschaften” aus Dänemark gemacht haben. Come on: Fernsehsender in Isreal und Dänemark sollen Geld für gute Formate haben, aber deutsche nicht? Der deutsche Film ist international angesehen, das deutsche Fernsehen ist ein Witz. Wir haben fantastische und international angesehene Drehbuchautoren, Regisseure und Schauspieler. Wir sitzen auf einem Kessel voll Gold und machen nichts daraus.

Warum eigentlich nicht? Es gab sehr gute deutsche Komödien in den vergangenen Jahren: Ich denke da an “Agnes und seine Brüder”, “Oh Boy”, “Sonnenallee”, “Wer früher stirbt, ist länger tot”, “Alles auf Zucker” oder “Soul Kitchen”. Es gab hoch angesehene Dramen wie “Das weiße Band”, “Gegen die Wand”, “Die Fremde” oder “Barbara”.

Warum nicht zum Beispiel mal einen Sven Regener engagieren und “Herr Lehmann – die Serie” produzieren? Oder wenn es lieber Drama oder Horror sein soll: “Das weiße Band” oder “Hell” in Serienform als Gegenstück zu “The Walking Dead” oder “Game of Thrones”. Warum nicht mal einen Fatih Akin für eine zehnteilige Serie gewinnen oder den großartigen Jan Ole Gerster für einen Dreiteiler im Stile von “Oh Boy”? “Soul Kitchen – die Serie” mit Hamburg im Mittelpunkt – warum denn nicht?

Ja, das würde eine ganze Stange Geld kosten. Ja, das würde eine große Portion Mut erfordern. Ja, es kann passieren, dass die Quote hier nicht stimmen wird. Aber soll ich euch was sagen: die Gefahr ist immer da, und es wird nicht besser dadurch, dass niemand etwas riskiert. Es gibt nur wenige erfreuliche Ausnahmen pro Jahr wie den “Tatortreiniger” und “Unsere Mütter, unsere Väter” – eine Serie, die allerdings sehr gute Quoten erzielte und zum Exportschlager wurde.

Und da soll niemand dazu in der Lage sein, das zu wiederholen?
Niemand, der eine gute Serie für das deutsche Fernsehen produzieren kann?
Kein Sender, der Geld dafür hätte, eine aufwändige Serie zu produzieren?
Kein Intendant oder Produzent, der den Mut dazu hätte, das zur besten Sendezeit auszustrahlen?
Kein Drehbuchschreiber mit einer Idee für eine gute Serie?
Keine bekannten Leinwand-Schauspieler, die sich für eine qualitativ hochwertige Serie hergäben, wenn sie sich nicht einmal für eine Reihe von lächerlichen McDonald’s-Werbespots zu schade sind?
Kein deutscher Regisseur, der genug Zeit für eine solche Produktion hätte?
Wirklich niemand?

Bitte nicht!

Bitte nicht noch einer. Es ist etwa das zehnte Angebot, das in dieser Woche von einer SEO-Agentur kommt: Das Angebot, einen Gastbeitrag über ein eigenes Produkt bei uns zu “platzieren”. Dafür würde man sich auch erkenntlich zeigen, etwa mit einem geschenkten Produkt oder einem Gewinnspiel. Der Text sei nach journalistischen Grundsätzen erstellt. Man wolle nur einen Link auf das eigene Produkt platzieren, schreibt man inzwischen recht unverholen. Bei der Recherche nach geeigneten Blogs sei man nämlich auf unser Blog gestoßen und man habe gemerkt, wie interessant die Beiträge und Themen dort seien.

Was die Agentur damit bezweckt, ist klar: das eigene Produkt soll mehr Links bekommen und damit weiter oben in den Ergebnislisten der Google-Suche erscheinen. Was der Blogger davon hat: nichts. Die Reputation wäre sofort dahin, weil jedes kleine Kind sofort merkt, dass der Beitrag gekauft ist. Müssten die Agenturen sich eigentlich denken können. Können Sie sich wahrscheinlich auch. Aber ein paar Willige scheinen sie trotzdem zu finden. Warum nur?

Great Beasts of the Southern Gatsbys

Zwei der Filme, die ich zuletzt gesehen habe: “Beasts of the Southern Wild” (Budget: 1,3 Millionen US-Dollar) und “The Great Gatsby” (Budget: 105 Millionen Dollar).

“Beast of the Southern Wild” hat mich mehr beeindruckt.

Und jetzt frage ich mich natürlich wieso. Dabei habe ich eigentlich gar nichts gegen “The Great Gatsby“. Die Geschichte hat alles, was ein guter Film braucht. Macht, Bewunderung, Intrigen, Liebe, tolle Kostüme, computergenerierte Spezialeffekte, Leo DiCaprio. Regisseur Baz Luhrmann hat eine gute Geschichte vor die bildgewaltige Kulisse der 20er Jahre gehievt. Die Geschichte eines tragischen Helden, mit Stars besetzt – und heute noch so aktuell wie vor knapp 90 Jahren, als die Romanvorlage entstand.

Auf der anderen Seite haben wir das Erstlingswerk von Nachwuchsregisseur Benh Zeitlin, einen Low-Budget-Film. Die Geschichte eines kleinen Mädchens, das mit ihrem exzentrischen Vater in den Sümpfen Louisianas wohnt, als eines Tages der Hurricane kommt. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als ihre Angst vor den Monstern aus ihrer Fantasie (und in der Realität) zu besiegen. Erstaunlicherweise ist das nicht minder bildgewaltig als “The Great Gatsby”, auch wenn Zeitlin auf beeindruckende Kostüme und computergenerierte Kulissen nahezu verzichten musste.

Die Schlagzeile “Guter Low-Budget-Film schlägt bösen Hollywood-Blockbuster” ist mir eigentlich zu plakativ. Luhrmann hat sich hier ordentlich ins Zeug gelegt. Und doch geht man hier eher mit einem Achselzucken aus dem Kino als beim genannten Low-Budget-Streifen. Wahrscheinlich ist er dem Anspruch nicht gerecht geworden, mit einem Budget, das das eines “Herr der Ringe”-Teils übersteigt, ein schlichtes Drama zu einem bilgewaltigen Hollywood-Epos aufzupusten. Weniger und mehr und so. Das Auge gibt sich mit Magerkost zufrieden, wenn eine gute Geschichte das Hirn stimuliert. So können Einzelheiten bei “Beasts of the Southern Wild” besser in Erinnerung bleiben. Und das sind neben der Geschichte die tolle Leistung der erst neunjährigen Quvenzhané Wallis sowie Dan Romers fantastischer Soundtrack.

Krank sein

Etwa einmal im Jahr erwischt es mich und fast immer auf die gleiche Weise. Es beginnt mit einem Kratzen im Hals im Büro. Und ab da ist es eigentlich schon zu spät, ich kann die Uhr danach stellen und mich bei meinem Chef schon einmal für den nächsten und die kommenden Tage krank melden – was ich diesmal auch vorsorglich getan habe. Denn ab da gibt es kein Zurück mehr: Ich werde krank. Erst kommen die Halsschmerzen, dann das Fieber, Schnupfen, Gliederschmerzen, schließlich der Husten. Ich habe in der Vergangenheit alles versucht, um das abzuwenden. Von heißem Bier bishin zu Metavirulent; helfen tut nie etwas. Der Arzt nennt es “Bronchitis” und fragt, ob ich Antibiotika oder lieber Soledum will. Bei letzterem würde ich bald wie ein Koala-Bär riechen. Klingt erstrebenswert, kaufe ich also.

In den ersten zwei Tagen bin ich beinahe dankbar für die Zwangspause. Ich verlasse das Bett kaum, gucke meine Lieblingsserien und Filme auf DVD oder iTunes. Mein Körper erholt sich vom Stress der vergangenen Wochen, der sicherlich eine Mitschuld für die Krankheit trägt. Ich bin zu nichts zu gebrauchen, tue nur hin und wieder draußen ein paar Schritte an der frischen Luft, klinge laut einem Freund, den ich zufällig auf dem Heimweg vom Arztbesuch treffe, wie Alf. Weiterlesen →

Der unangenehmste Gast, mit dem man einen Abend verbringen kann

… ist: man selbst. Ein Gast, der einfach da ist und nicht wieder geht, selbst wenn man drauf besteht, aber immer wieder was zu essen und zu trinken haben will. Am besten noch was Gutes. Dann erzählt er den ganzen Abend nichts, will aber gut unterhalten werden und sich dabei am besten noch auf den gemütlichsten Teil der Couch ausstrecken. Dann nörgelt er am Fernsehprogramm rum und will ständig den Sender wechseln. Die Werbung hat er schon gesehen, den Spot betet er auswendig mit. Meistens trinkt er dann zu viel, was überhaupt nicht gut für ihn ist, aber er verbittet sich jede Einmischung in sein Intimleben. “So dick bin ich doch gar nicht”, sagt er dann. “Guck mal, der Steffen, der kann nicht mal mehr einen Blick auf seinen Maschinenraum werfen, so dick ist der. Aber ich?”. Und wenn er dann doch mal Ruhe gibt, dann auch nur, wenn er auf der Couch eingeschlafen ist.

Raus mit ihm!

Nichtstun

Einfach mal nichts tun. Kein iPhone, kein Computer, kein Internet, kein Buch, das man schon lange einmal lesen wollte. Kein Fernsehbild, keine Musik, keine Hausarbeit, die schon lange gewartet hat. Niemanden anrufen, nichts essen, kein Whisky, um diese kurze Phase der Gemütlichkeit zu genießen, kein lecker Bierchen zur Hand nehmen. Mal nichts arbeiten. Nichts, was ablenkt, nichts, was die Sinne betäubt. Nur du und du selbst für ein, zwei, drei Stunden, in denen du sonst locker dies und das machen könntest. Einfach nur daliegen und absolut nichts tun. Nichts.

Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Ah?!
Aah!

Lehrer

Die Schule lässt einen nie ganz los. Vielleicht, weil sie in dieser sehr emotionalen Phase des Erwachsenwerdens unverhältnismäßig viel Raum einnimmt. Als Schüler ist man tagtäglich nicht nur der dynamischen Herrschaftsform der Klasse ausgesetzt, sondern gleich mehreren politischen Regimen verschiedener Lehrer. Zurückblickend erinnere ich mich an folgende sechs Typen von Pädagogen:

  1. Der Freigeist: Mein Deutschlehrer war so einer. Begnadeter Theater-Regisseur, kräftige, markante Stimme, und es gab auch immer etwas zu lachen im Unterricht. Nur, wenn es um das Stoffliche ging, wurde es prekär. Fragte uns vor der Stunde über Grammatik ab, die er uns noch gar nicht beigebracht hatte und schalt dann die ganze Klasse, wie schlecht wir seien, weil es keiner wusste. Im Nachheinein betrachtet: der Typ Lehrer, der vom Unterrichtsstoff am wenigsten wusste, es nicht vermitteln konnte und seinen Beruf eigentlich verfehlt hat.
  2. Der Diktator: In meinem Falle ein Sport- und Biolehrer. Gibt einem besonders gerne viel Hausaufgaben auf, damit man alles auswendig lernt, reagiert auf Fragen mit Sarkasmus und stellt Schüler vor der ganzen Klasse bloß, die etwas nicht wissen. Im Nachhinein betrachtet: der Lehrer, der es einfach nicht drauf hat, Unterrichtsstoff verständlich rüberzubringen, bei dem man aber doch erstaunlich viel gelernt hat.
  3. Der machtlose Staatschef: Typ Kunst- oder Musiklehrer: Väterliche oder mütterliche Figur, die es nicht so richtig schafft, ernst genommen zu werden oder sich durchzusetzen. Sorgt meist für eine laute Geräuschkulisse in der Klasse, fachlich kommt nicht viel bei rum. Im Nachhinein betrachtet trotzdem der Typ Lehrer, an dessen Unterricht man sich gerne zurückerinnert und oft der Typ, der überraschend gerechte Noten verteilt hat.
  4. Der Kumpeltyp: Nimmt es weder mit den Hausaufgaben noch mit der Pünktlichkeit so genau, hat einen sehr lockeren, fast freundschaftlichen Ton im Umgang mit den Schülern, und in den letzten Stunden vor den Sommerferien werden im Unterricht auch schon mal die neuesten Spielfilme auf Video geguckt. Im Nachhinein betrachtet aber der Typ Lehrer, der erstaunlich schlechte Noten verteilt hat.
  5. Die Labertasche, vor allem in Fächern wie Geschichte oder auch Englisch in der Oberstufe: Unterricht hieß hier, dass vorne einer aus dem Nähkästchen plaudert, während der Rest im Raum sich in eine andere Realität flüchtet. Spätestens ein paar Tage vor der Klausur gerät dann die ganze Klasse in Aufruhr, weil sie keinen greifbaren Stoff zum Lernen hat. Was aber nichts macht, da es eh nur eine Textinterpretation gibt und alle mit einer Note zwischen 2 und 4 wegkommen. Im Nachhinein betrachtet der Typ Lehrer, an den man sich am schlechtesten erinnern kann. Für viele Schüler allerdings auch endlich die Möglichkeit, ihre Nichtaufmerksamkeit in wirklich Produktives umzumünzen, das ihnen im späteren Leben einmal etwas nützen wird: Malen, kreatives Schreiben, Fußball-Tippgemeinschaften.
  6. Der Demokrat. Und dann gab es ihn tatsächlich noch: den Lehrer, der so war, wie man ihn sich immer gewünscht hat. Der alle Schüler fair behandelt und sich gar nicht erst durchsetzen muss, weil ihn schon aufgrund seines Auftretens alle Schüler respektieren. Der den Stoff so interessant und anschaulich rüber bringt, dass man sich auf den Unterricht fast freut. Im Nachhinein betrachtet der einzige Typ Lehrer, den man auf einem Nachtreffen gerne wieder treffen wollte und mit dem es kein Problem wäre, ein gemeinsames Gesprächsthema zu finden. Ich war in meiner Schulzeit auf drei verschiedenen Schulen. Diesen Typus Lehrer gab es in jeder Schule nur genau einmal. Das dürfte in etwa jeder 15. Lehrer gewesen sein, den ich hatte.

Werberelevante Zielgruppe

Musikantenstadl

Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ich einmal auf die Barrikaden gehe, weil Volksmusik im Fernsehen ausstirbt. Und es ist wahrlich nicht so, dass ich auf Musikantenstadl und Co. nicht sehr gut verzichten könnte. Was mich stört, ist der Grund, aus dem es passiert. Weiterlesen →

Filmverriss: “Eat, Pray, Love”

Eat Pray Love

Ich bin heute eher zufällig im Kino gelandet und habe “Eat, Pray, Love” gesehen. Julia Roberts spielt darin eine unglückliche New Yorker Enddreißigerin, die nicht weiß, was aus ihrem Leben noch werden soll. Sobald Alltag in eine ihrer Beziehungen kommt, hat es sich auch schnell mit selbiger. So schießt sie ihren Ehemann Stephen ebenso in den Wind wie den unkomplizierten Theaterschauspieler David und verordnet sich ein Jahr Selbstfindung im Ausland. In Italien lernt sie das zwanglose Genussleben kennen, in Indien gefällt es ihr schon weniger gut, weil sie da früh aufstehen und arbeiten muss. Außerdem setzt ihr anfangs der cholerische Richard mit seiner rauhen texanischen Art zu. Auf Bali schließlich lernt sie zwischen den täglichen Meditationssitzungen mit einem – ja – Schamanen den brasilianischen Beau Felipe kennen, der nach seiner Scheidung vor zehn Jahren keinen Sex mehr hatte. Klar. Natürlich kommen die beiden zusammen, aber verlieben kann sie sich nicht, weil… weil… ja warum, das wird dem Zuschauer nicht so ganz klar. Dass der Film trotzdem nicht tragisch endet, liegt aber wohl in der Natur des amerikanischen Selbstfindungsfilms.

Beim Urteil muss man fair bleiben. 1. Was erwartet man denn bitteschön, wenn man sich so einen Film anschaut? 2. Der desillusionierte, aber erstaunlich wenig vergnügungssüchtige Charakter der Julia Roberts ist dem männlichen Zuschauer nicht gerade angenehm und deswegen wohl umso authentischer. 3. Mit Javier Bardem darf einer meiner Lieblingsschauspieler den Latin Lover spielen. Der vielseitige Oscar-Preisträger (er gewann die begehrte Trophäe für seine Darstellung des gefühllosen Profikillers in “No Country for old Men”) ist mit seiner Rolle als wenigschichtiger Sunnyboy allerdings so unterfordert, dass er einem fast Leid tut. Wobei wir auch schon mitten in den Nachteilen wären. An Klischees über Italiener, Inder und Balinesen mangelt es diesem eigentlich klassischen Flugzeugunterhaltungsfilm nicht, den Regisseur Ryan Murphy auf stolze 133 Minuten gezogen hat. Der alte Mann im Sessel neben mir ist drei (!) Mal eingeschlafen, zweimal in Indien, einmal auf Bali (ich hab’s protokolliert). Dass er neben mir saß, ist der erstaunlichen Tatsache geschuldet, dass das Kino an einem Dienstagnachmittag ausverkauft war. In den USA hat der Streifen, der angeblich 60 (!) Millionen US-Dollar in der Produktion gekostet haben soll, auch bereits erstaunliche 80 Millionen Dollar wieder eingespielt.

Ich vermute, dass dies an den Zuschauerinnenmagneten Roberts und Bardem liegt, die ansonsten durchaus für Qualität stehen, in diesem flachen Film aber ihr Talent verschleudern. Die Moral von der Geschicht? Lernen, alles los und sich mal gehen zu lassen, geht nur dort, wo andere Urlaub machen. Wer Antworten auf seine Lebenskrisen sucht, dürfte aber enttäuscht werden, denn die bleibt der Film schuldig. Und wenn es um gelungene offene Enden geht, ist Woody Allens Lebensfindungssatire “Vicky Cristina Barcelona” – ebenfalls mit Bardem – deutlich unterhaltsamer. Lust hätte ich jetzt allerdings schon, mal ins schöne Bali zu fliegen…

Foto: Sony Pictures

Meine Lebensphilosophie in 25 Punkten

Ich hoffe, das klingt nicht zu hochtrabend. Anfang 2004 kam ich von einem halben Jahr Aufenthalt in Südostasien wieder und hab mir, basierend auf meine Eindrücke dort, ein paar Punkte notiert, nach denen ich von da an leben wollte. Ich denke, in Teilen hat das auch geklappt. Vieles davon klingt selbstverständlich, einiges vielleicht ungewöhnlich, einiges wie im jugendlichen Leichtsinn verfasst. Anyway, ich glaube, es kann nicht schaden, sie mal in loser Reihenfolge unkommentiert zu veröffentlichen, auch wenn es damit hier einmal ein wenig esoterisch wird. Für eventuelle Überschneidungen mit den Lebensregeln und Anregungen anderer Religionen, Bewegungen oder Philosophien übernehme ich keinerlei Verantwortung. Sollte mich aber wundern, wenn es die nicht gäbe.

  1. Verbiege dich nicht. Sei immer du selbst. Langfristig hat nichts anderes Erfolg.
  2. Stehe zu deinem Wort. Mach keine Versprechungen, wenn du nicht weißt, wie du sie halten sollst.
  3. Behandle jeden Menschen unvoreingenommen und mit Respekt.
  4. Hab keine Angst vor neuen Erfahrungen, sondern sei mutig und nimm sie wahr.
  5. Steh dir nicht selbst im Weg, indem du nur die schlechte Seite einer Möglichkeit siehst.
  6. Für (fast) alles gibt es einen Grund. Urteile nicht, ehe du alle Hintergründe kennst. Hör auf, schwarz-weiß zu denken.
  7. Schalte nicht ab, wenn du frustriert bist, sondern rede darüber und gib anderen die Chance, dir zu helfen.
  8. Kümmere dich nicht darum, was andere Leute über dich denken. Vieles beruht auf Unverständnis.
  9. Tue auch etwas, was dir kurzfristig nichts einbringt. Du weißt nie, was du damit in Zukunft noch einmal anfangen kannst.
  10. Spare nicht am falschen Ende.
  11. Ziehe Gesellschaft der Einsamkeit vor und gib jeder Gesellschaft erst einmal eine Chance.
  12. Wir können nicht alles, aber wir können (fast) alles lernen. Glaub an dich und versuche es!
  13. Scheue keine Konfrontationen.
  14. Sehe Notlagen als Herausforderungen.
  15. Gib dich nicht mit der zweitbesten Lösung zufrieden.
  16. Fragen ist mutig.
  17. Verstell dich nicht. Tu nicht so als seist du glücklich, wenn du todtraurig bist.
  18. Wenn dir etwas Schlimmes widerfahren ist, tobe und jammere, bis der größte Ärger verflogen ist! Und dann überlege, was du aus der Situation machen kannst.
  19. Trauern ist menschlich, Selbstmitleid ist unkonstruktiv. Jammere nicht für immer!
  20. Gib deinen Ärger zurück, aber nicht weiter. Lass ihn nicht an den Falschen aus, schon gar nicht an denen, die es gut mit dir meinen.
  21. Kämpfe nur um das, was Aussicht auf Erfolg hat.
  22. Freu dich nie zu früh, aber vergiss auch nie, dich irgendwann zu freuen. Feier die Feste, wie sie fallen.
  23. Selbst wenn du unangenehme Leute triffst, ist die Chance größer dabei oder auf dem Weg dorthin nette Leute zu treffen, als wenn du allein zuhause bleibst.
  24. Nutze niemanden aus und lass dich auch selbst niemals ausnutzen.
  25. Jeder Mensch denkt und fühlt. Und wir alle wollen nur leben. Respektiere das, jederzeit.

Die Punkte habe ich nach heutigem Wissensstand ein wenig erweitert. Ich veröffentliche sie jetzt, nachdem ich gerade meine Wohnung aufgeräumt und meinen Notizblock von damals wiedergefunden habe. Habt ihr Ergänzungen? Nach welcher Philosophie lebt ihr?