Schlaf ist mein Allheilmittel

Schlafen erst, wenn man tot ist – das könnte mir nicht passieren. Schon von Haus aus brauche ich mehr Schlaf als andere. Das ist mir mittlerweile klar, und ich habe aufgehört dagegen anzukämpfen. Mehr noch: Ich genieße es.

Weil ich zuhause arbeite, habe ich zum Glück die Möglichkeit, länger zu schlafen als die meisten anderen Menschen. So oft es geht, schlafe ich aus. Ich bin dann mehr als nur ausgeschlafen. Schlaf ist auch für viele andere Dinge in meinem Alltag gut:

  • Ich fühle mich ausgeglichener.
  • Schlechte Stimmung, kleinere Probleme – einmal drüber schlafen, und die Sorgen sind oft nur noch halb so groß.
  • Schlafen hilft mir bei der Kreativität. Texte, die ich schreibe, nochmal einen Abend ruhen zu lassen und ihnen am nächsten Morgen den letzten Schliff zu geben, macht sie besser.
  • Gleiches gilt auch für Dinge, für die ich manchmal einfach keine Lösung weiß. Sei es im Beruf oder im Privaten. Manchmal hilft hier tatsächlich ein kurzes Mittagsschläfchen und mir kommt die goldene Idee.
  • Dass Schlaf dabei helfen kann Stress zu reduzieren und Bluthochdruck zu senken, werdet ihr kaum anzweifeln. Ihr erlebt es jeden Morgen beim Aufstehen.
  • Wenn ich mal etwas zu dolle gefeiert habe und fürchte, ein Kater könnte sich anbahnen, schlafe ich am Tag danach einfach ein paar Stunden länger. Oft hat es sich dann mit dem Kater schon erledigt.
  • Merke ich leichte Krankheitssymptome, setze ich alles daran, den nächsten und übernächsten Tag auszuschlafen. Seitdem werde ich viel seltener krank.

Vor allem auf den letztgenannten Punkt möchte ich noch einmal eingehen. Mittlerweile höre ich öfter auf meinen Körper und merke, wenn da irgendetwas nicht in Ordnung ist. Gerade in der kalten Jahreszeit fängt man sich ja schonmal was ein.

Nähern sich Erkältungsbeschwerden, tut man alles, um die drohende Krankheit noch abzuwenden: Tee trinken, was Gesundes essen, die Apotheke plündern. Nur zwei Dinge macht man nicht: Stress reduzieren – und genügend schlafen. Man steht am nächsten Morgen zur gleichen Zeit auf, meist noch kränker, schleppt sich ins Büro, steckt die Kollegen an, merkt mittags dass man nicht mehr kann, geht früher und ist die nächste Woche krank.

Merke ich erste Erkältungsbeschwerden, schlafe ich mich aus. Am nächsten Tag bis Mittag, wenn es sein muss. Meist reicht das schon, um nicht krank zu werden. Den Tag danach auch noch, um ganz sicher zu gehen. Arbeitgeber sollten hier nachrechnen: Was ist wirtschaftlicher? Wenn ein Mitarbeiter mal einen Vormittag ausfällt oder wenn er eine ganze Woche nicht da ist? Leider denkt kaum jemand so weit.

Mein Plädoyer deshalb an euch und alle Chefs da draußen: schlaft mehr! Es wird euch besser gehen. Gute Nacht.

Wann haben wir eigentlich aufgehört, Dinge verbessern zu wollen?

Ich komme gerade aus der Heimat wieder und habe mit dem Auto für die Strecke Meppen-Bonn 2:05h gebraucht. Gut, ich bin ziemlich gerast diesmal. Entspannter war die Hinfahrt mit 2:15h – ein guter Wert und man kann dabei trotzdem flott und doch entspannt durch die Lande kurven.

All die Jahre hat die Fahrt viel, viel länger gedauert. 2:45h war eigentlich lange Zeit normal. Ich kann mich aber auch noch an Fahrten erinnern, die länger als 3 Stunden gedauert haben. Dass es jetzt so viel schneller geht, liegt daran, dass Baustellen auf der A31 weggefallen sind. Die Fahrbahndecke wurde in vergangener Zeit erneuert. Ebenso die Ausfahrt Meppen-West, mit der ich seit ihrer Wiedereröffnung geschätzt 10 Minuten sparen kann.

Der Zeitgewinn ist nicht trivial. Wenn ich nun 2:15h fahre statt 3:00h, rechnet der Kopf da eher mit „ungefähr 2 Stunden“ statt „ungefähr 3“. Das ist eine Zeitspanne, die psychologisch wichtig ist. 2 Stunden? Och, kann man ja zur Not auch mal spontan rüberfahren. Vielleicht sogar morgens hin, abends zurück, bevor man sich ein paar Wochen gar nicht sieht. 3 Stunden? Hm, nee, lass ma‘. Hab gerade so viel zu tun…

Man stelle sich vor, man könnte in 2 Stunden von Köln nach Paris fahren, nach Hamburg oder München.

Die Bahn wirbt derweil mit dem Prestigeprojekt Berlin-München in 4 Stunden. Es hätten 3 Stunden sein können, wie der Spiegel damals treffend beschrieben hat. Aber ein Provinzpolitiker hat durchgesetzt, dass Erfurt an die Strecke angebunden wird. Deswegen nun eine Stunde mehr Fahrt, von der – außer in Erfurt – niemand etwas hat.

Von Bonn nach Hamburg dauert eine Fahrt der etwa 450km langen Strecke 4:30h, weil die Bahnen aus einem mir seit jeher unersichtlichen Grund im Ruhrgebiet vor jeder Milchkanne halten. Wanne-Eickel Hauptbahnhof.

In Frankreich zieht der TGV den Weg von Paris nach Marseille in etwas mehr als 3:00h durch. 750 Kilometer! Ohne Zwischenhalt. Das ist länger als von Bonn nach Berlin (was 5 Stunden dauert) und fast so weit wie von Hamburg nach München, wo man fast 6 Stunden fährt.

Ihr werdet mir einen Haufen Gründe nennen können, warum das so ist und warum man daran nichts machen kann. Wir stellen Lokalinteressen und manchmal auch persönliche Interessen über das Gemeinwohl. Vor allem aber über den Fortschrittswillen, vor den Hunger, Dinge besser zu machen. Wir geben wir uns lieber mit Platz 35 zufrieden und sagen: Platz 50 ist ja auch nichts besser als wir.

Wann haben wir damit angefangen? Warum haben wir aufgegeben? Viel wichtiger aber: Wann fangen wir wieder an, Weltspitze sein zu wollen und wie gehen wir das an?

Wenn Grün ist das neue Rot ist, wer ist dann das neue Grün?

Also eins scheint sicher: Die CSU wird bei der Landtagswahl in Bayern – zu Recht – eine historische Niederlage hinnehmen. Wer sich rechts anbiedert, nur um der AFD ein paar rechte Wähler zu klauen, hat es nicht anders verdient. Der SPD wird es auch nicht besser ergehen. Die liegt ebenso am Boden. Irgendwie auch: zu Recht.

Die Frage ist, wer außer der AFD also noch davon profitieren kann. Klare Antwort: Die Grünen. Grün scheint irgendwie das neue Rot zu sein. Die SPD hat fertig. Federführend bei Hartz IV und noch immer keine klare Distanz davon, soziale Gerechtigkeit predigend, Brot und Wasser verteilend. Innerlich zerrüttet, immer irgendwie die nachgebende Fraktion im Koalitionsstreit, keine klare Linie findend, obwohl die sozialen Probleme der Gesellschaft doch so offensichtlich sind.

Nein, eine solche SPD braucht kein Mensch, aber wir brauchen eine funktionierende, demokratische Linke. Wer käme da in Frage?

Irgendwie nur noch die Grünen. Okay, auch die haben Hartz IV mitverantwortet. Dass sie – damals noch an der Regierung in NRW – die Rodung des Hambacher Forstes mitgetragen haben und nun dagegen trommeln, nun ja. Zeigt, dass Wunsch und Realität manchmal unvereinbar sind. Immerhin: Beim Dieselskandal zeigen sie klare Kante gegen die Automobilindustrie, während die GroKo die Schuldigen noch belohnt. Grün also als einzige noch wählbare Volkspartei?

Wer weiß. Die Frage ist einerseits: Wen haben wir denn sonst? Und andererseits: Wie soll diese Welt noch ohne grüne Politik gerettet werden können? Klimaveränderung, Ressourcenverknappung, Migrationsströme, auch dadurch bedingt. Ökologie wird zum beherrschenden Thema des 21. Jahrhunderts. Die einzigen, die das wirklich zu interessieren scheint, während CDU und SPD die Industrie hofieren und lieber noch mehr CO2 rauspusten wollen: die Grünen.

Ohnehin: Was zu Gründungszeiten der Grünen anarchistisch und revolutionär war, ist heute Mainstream. Die Grünen sind alt geworden, ihre Ideen in der aktuellen Eltern-Generationen fest verankert. Spießig geworden und sich damit im Kern eigentlich widersprechend. Aber für dieses derzeit so verunsicherte, rückwärtsgewandte Land gäbe es wahrlich Schlimmeres.

Die Frage ist nur: Wenn die Grünen jetzt zu Volkspartei aufsteigen, also Grün das neue Rot wird, was wäre dann das neue Grün? Wer käme wieder so aufmüpfig, alternativ und revolutionär daher wie in den frühen 80ern die Grünen? Und brauchen wir da was Neues?

Meppen, Weltkulturerbe

Meppen Rathaus Weltkulturerbe

Meppen Rathaus Weltkulturerbe

Ja, richtig gelesen. Es fing damit an, dass der Moorbrand in der Tinner Dose bei Meppen nun nach gerade mal sechs Wochen gelöscht worden war. Schade eigentlich. So oft war Meppen nicht einmal zu glorreichsten Zweitligazeiten in den Schlagzeilen. Das sah auch Horst Hutzel so, der auf Twitter schrieb:

Darauf musste ich selbstverständlich reagieren:

Und wie so oft kommt beim Schreiben (oder dem Trinken) der glorreiche Gedanke: Meppen! Weltkulturerbe! Warum eigentlich nicht?

Einerseits habe ich es ja nicht so mit Weltkulturerben. Einige davon fand ich maßlos überschätzt (sorry, Tallinn!), bei anderen fragt man sich: warum jetzt ausgerechnet dieses und nicht jenes? Immer verbunden mit einem Weltkulturerbe sind auf jeden Fall steigende Preise, Touristennepp, Souvenirshops und vor allem viel, viel mehr Besucher in der Stadt.

Im Falle von Meppen könnte das höchst interessant werden:

  • Hop-on-Hop-Off-Busse, die von der Innenstadt zur legendären Hänsch-Arena des SV Meppen rausfahren. Eine deutliche Aufwertung des in Meppen quasi brach liegenden Nahverkehrs.
  • Die atemberaubende Gymnasialkirche wäre für den Pöbel nicht mehr dauernd geschlossen, könnte Influencern Zutritt gewähren und damit noch mehr Touristen anlocken, vielleicht sogar Eintritt verlangen.
  • Mike’s Pub am südlichen Ende der Fußgängerzone, in dem schon Generationen von Schülern lieber ihren Mathematikunterricht verbrachten, wäre die neue Szenekneipe mit „Free WiFi, even for tourists“, hahaha.
  • Bur’n Schänke up’n Bült, heute ein, sagen wir, eher dörfliches Gasthaus, würde endlich in seiner angestammten Rolle aufgehen, zum traditionellen Spezialitätenlokal zu werden. Lecker Moorbrand zu jedem Buchweizenpfannkuchen.
  • Restaurant Delphi würde zur klassischen Tourifalle mit 10% off every beer und free tourist menu mit Blick auf das historische Rathaus. Natürlich ließen sich hier auch Gutscheine einlösen. Wobei, Moment, das geht eigentlich auch jetzt schon.
  • Mobile Handelsvertreter böten auf der Fußgängerbrücke zum Bootshaus Selfie-Sticks feil, um Besuchern der Stadt traumhafte Erinnerungsfotos vor der malerischen Höltingmühle zu ermöglichen.
  • Der Rockpalast würde in Reiseführern zum Geheimtipp erklärt. Besitzer George Gambier würde ein (ohnehin überfälliges!) Denkmal gepinselt.
  • Der Jesuitengang von der Gymnasialkirche zur Schülerwiese könnte zum Walk of Shame ausgebaut werken in Gedanken an die vielen traurigen Schüler wie einst @leidartikel.

Ich sehe Hipster-Cafés und Burgerbuden an allen Ecken und Enden. In der MEP könnte endlich mal was los sein. Boßeln würde zum Ganzjahressport erklärt und das Pilgern zur Hase am Vorabend des 1. Mai zum Fest des Jahres mit Bischofssegnung und 500.000 Besuchern aus aller Welt.

Erstmal einen Korn auf den Gedanken… passt!

Die meisten Weltkulturerben leiden heute unter den Touristenströmen. Aber sagt, was ihr wollt: Meppen würde das enorm aufwerten. Ich fände das eine ziemlich witzige Sache und werde nicht eher ruhen, bis es so weit ist.

Paid Content

Es ist bemerkenswert, wie schnell sich Plus-Bezahlmodelle unter den großen Verlagen in Deutschland durchgesetzt haben. Spiegel Plus, Bild Plus, Zeit Plus, Süddeutsche Plus, seit Jüngstem auch die FAZ: F+.

Das kann natürlich überhaupt nur funktionieren, wenn alle mitmachen. Und da sich alle Produkte ziemlich gleichen, könnte man fast auf die Idee kommen, da hätte sich wer abgesprochen. Fast. Außer wenn man das Gefühl hat, dass die Verlage sich mittlerweile preislich unterbieten. Und dann wird das schon wieder interessant.

Die FAZ hatte ziemlich lange ein sehr teures, starres E-Paper-Angebot, kostet mit F+ jetzt aber nur noch 2,95 Euro pro Woche, also knapp 12 im Monat. Das unterbietet Spiegel Plus, das 20 kostet, so viel wie auch Zeit Plus.

Beginnt da ein Preiskampf? Dann könnte das Ganze schon wieder interessant werden. Gerade wenn man sich anschaut, dass das vergleichbare Angebot der New York Times gerade mal noch 1 Euro pro Woche kostet, also 4 Euro im Monat.

Den ganzen Spiegel für 4 oder 5 Euro im Monat? Das wäre interessant. Nur wohl nicht für den Spiegel…

Nur Produkte können uns retten

Geht es eigentlich noch zynischer, frage ich mich. Der Weltklimarat warnt vor einem globalen Kollaps, wenn die Welt bis zum Ende des Jahrhunderts um 2 Grad wärmer wird. Und danach sieht es aus. Selbst 1,5 Grad sind schon viel zu viel. Come on, sagt da UN-Generalsekretär António Guterres sinngemäß auf Twitter. 1,5 Grad seien drin. Wenn sich alle am Riemen reißen, auch weniger.

Als könnte man mit dem Klima feilschen wie mit einem Kunden. Nee, 1,6 Prozent sind mir zu viel, ich will nur 1,2. 1,4? Deal!

Wir können nicht auf Politiker vertrauen, dass sie die passenden Ideen haben, um die Welt zu retten. Wir müssen selber aktiv werden. Der im Jahr 2000 unterlegene Präsidentschaftskandidat Al Gore hat mit dem Film „Eine unbequeme Wahrheit“ mehr Menschen aufgerüttelt, als er es als US-Präsident jemals hätte können. Nicht die allerschlechteste Idee. Ich habe vielleicht noch eine bessere: Das tun, was wir ohnehin den ganzen Tag tun. Kaufen.

Die Klimaerwärmung ist nur eine Folgeerscheinung unseres maßlosen Konsums. Mehr Fleisch, mehr Flugreisen, mehr Smartphones, mehr Klamotten, mehr mehr mehr mehr mehr. Wenn nur ein paar Menschen auf Dinge verzichten, reicht das nicht. Wir können die Welt nur mit Konsum retten.

Elektroautos zähle ich zwar nicht dazu. Die lösen nur das Luxusproblem nicht ganz sauberer Luft in europäischen Städten und sorgen bei der Batterieproduktion gleich für neue Probleme. Aber vom Marketing der Idee, mit einem Tesla die Welt retten zu können, kann man sich was abschauen. Es müssten nur die richtigen Produkte sein:

  • Fleisch, das nicht mehr aus Fleisch besteht, sondern aus Insekten oder fleischähnlichen Substanzen. Könnte das retten, was von den tropischen Regenwäldern noch übrig ist. Gibt es bereits, etwa Impossible Foods.
  • Solarzellen für jedermann, die so sexy daherkommen wie neue iPhones. Warum ist die halbe Technikwelt eigentlich völlig überflüssigerweise damit beschäftigt, viel zu viele neue Smartphones zu bauen und nicht mal clevere Wind- oder Solaranlagen für Zuhause? Für das Euronics Trendblog habe ich mich in diesem Jahr mit Solarstrom befasst. Ein preiswertes, Out-of-the-Box-Solarsystem gibt es leider noch nicht.
  • Und was wir eigentlich am dringendsten brauchen, sind Solarflugzeuge. Den Leuten vorschreiben zu wollen, weniger zu fliegen, weniger Auto zu fahren, weniger Fleisch zu essen und Strom zu sparen, hat meist den gegenteiligen Effekt. Den Zahn der Zeit zurückzudrehen, halte ich außerdem für keine gute Idee. Die globalisierte Welt hat die Chance, ein Geschenk zu werden. Bezahlbare Flugreisen müssen da möglich bleiben. Forschen wir also lieber an Elektroflugzeugen als an Elektroautos.

Der Kapitalismus hat uns darauf getrimmt zu konsumieren. Und weil wir nichts Anderes können, kann nur Kaufen die Lösung sein. Nur Produkte können die Welt retten. Wenn es Produkte sind, mit denen wir das Klima retten können. Suchen wir lieber nach denen als nach dem nächsten iPhone.

Es gibt zu viele Serien

Es gab mal eine Zeit, da haben mich Freunde gefragt, ob ich ihnen eine neue Serie empfehlen könnte. Das ist irgendwie vorbei seit… ach, seht selbst.

Wenn man mit Freunden über Serien spricht, verlaufen Gespräche seit einiger Zeit etwa so:

„American Gods galt ja als unverfilmbar, aber die Serie hat es echt hingekriegt.“
„Nie gehört. Ist das sowas wie Lucifer? Da fand ich Preacher als Parodie ja besser.“
„Lucifer kenne ich nicht. Aber Preacher war doch die Parodie auf Outcast?“
„Was ist Outcast? Hat eigentlich schon einer Jack Ryan gesehen?“
„Ja, das ist die Hollywood-Version von American Odyssey.“
„Was ist das schon wieder? Guckt ihr Babylon Berlin?“
„Wenn das so schlecht ist wie Dark, dann lieber nicht.“
„Dark?“

Es. gibt. zu. viele. Serien. Spätestens seit 1-2 Jahren, seit jeder Netflix hat und seit jede Woche neues gekauftes oder eigenproduziertes Netflix-Material auf die Plattform geschoben wird. Dazu noch Serien, die auf Arte laufen, bei Amazon Prime oder sogar mal in der ARD-Mediathek.

Wenn Freunde mich nach Serientipps fragen, dann längst nicht mehr, weil sie nichts mehr zu gucken haben. Es geht dann eher um Geheimtipps. Irgendwas, was unter den gefühlt 30 neuen Qualitätsserien pro Woche besonders heraussticht.

Weiß ich auch nicht!

Ich habe als Letztes Mad Men gesehen. Jetzt wollte ich mir mal die alten Black Mirror-Folgen anschauen. Es ist wie im Supermarkt: Bei zu viel Auswahl schaltet der Kopf ab und geht nach dem, was er schon kennt – oder was am besten aussieht. Muss das zwingend das Beste sein? Nö, aber es verschafft Ruhe, und verpassen kann man ja eh nichts. Es ist für immer im Netflix-Universum gespeichert.

Jetzt bloß keinen Fehler machen!

Egal, ob im Sport oder im Berufsleben: Profis machen keine Fehler. Isso. Und wenn es doch einmal passiert, hatte man einen schlechten Tag oder es war der Praktikant. Thema erledigt.

Stimmt schon. In Bereichen, in denen es um Leben, Tod oder viel, viel Geld geht, muss man sich darauf verlassen können, dass keine fatalen Fehler passieren. In allen anderen Lebensbereichen würde ich sagen: Um Himmels Willen, macht doch bitte Fehler!

Fehler passieren täglich. Der Burger im Restaurant, bei dem die Salatgurke fehlt. Der Laptop, der eindeutig ein Montagsgerät ist. Der Paketbote, der im Stress zu klingeln vergisst. Ist blöd, aber bringt niemanden um.

Wichtig finde ich nur den Umgang damit. Nennt man einen Fehler unverzeihlich oder lernt man daraus und macht es beim nächsten Mal besser? Der Unterschied ist wichtig.

Ich kann einen Kollegen völlig dafür runter machen, wenn er zum wiederholten Male ein Komma falsch setzt. Oder ich kann ihn jedes Mal auf die richtige Regel hinweisen. Letzteres dürfte mehr Erfolg haben. Nur eins muss ich machen: ihn darauf hinweisen. Ich versuche das möglichst konstruktiv.

Tischtennis ist immer eine wunderbare Analogie auf das Leben. Früher habe ich mich für jeden Fehler selbst kritisiert und „wie kann man nur so schlecht sein“ eingeredet. Heute analysiere ich jeden Fehler im gleichen Moment, in dem er passiert, und motiviere mich selbst, z.B.: „Da hattest du den Schläger beim Block zu weit auf. Mach ihn beim nächsten Ball weiter zu, dann müsste es reichen.“

Ratet mal, welche Taktik besser funktioniert…

Ich muss Fehler machen, um besser zu werden, ich sollte jeden Fehler analysieren. Warum, woher kommt der jetzt, welche Regel hast du da nicht beachtet, was genau hast du falsch gemacht, was kannst du tun, um es beim nächsten Mal besser zu machen, wie wirst du es beim nächsten Mal besser machen?

Nur so wird man besser. Und natürlich klappt das nur in einem Klima, in dem Fehler erlaubt sind. Das soll nicht bedeuten, dass schlampige Arbeit geleistet wird. Es sollte natürlich Kontrollinstanzen geben, die einen Fehler noch korrigieren, bevor das Produkt das Werk verlässt. Aber Fehler selbst sollten gemacht werden dürfen. Wer er schafft und die Geduld dafür hat, kann sie sogar als Bereicherung sehen.

Zu viele Autos in der Stadt? Dann macht den Nahverkehr attraktiv, gottverdammt!

Die Straßen sind voll und ich mittendrin. Ich muss von der Altstadt nach Beuel und von dort weiter nach Troisdorf. An einem Samstagnachmittag. Teilweise Standverkehr. Die Leute fahren mit dem Auto und nehmen lieber einen Stau in Kauf. Ich auch.

Bist du blöd? Warum steigst du nicht einfach auf Bus oder Bahn um?

Weil das so verdammt unattraktiv ist. Busse stehen genauso lange im Stau. Sind überfüllt. Fahren unverständliche Umwege. Klar, es macht nichts, mal zwei, drei Stationen in der Bahn nur zu stehen. Aber dabei bleibt es ja nicht. Fährst du zur falschen Zeit, musst du eine ganze Halbstundenfahrt stehen und wirst durchgeschüttelt.

Hatte ich kürzlich noch im Flughafenbus, der – oh Wunder – an einem Freitagnachmittag überfüllt war. Der Fahrer hielt überhaupt nur an meiner Haltestelle, weil zufällig jemand ausstieg. „Wir sind eigentlich voll. Wenn Sie sich noch dazu quetschen wollen…“. Wollte ich. Der nächste Bus wäre ja auch überfüllt gewesen. Die Fahrgäste an der nächsten Haltestelle wurden einfach stehen gelassen.

Eine 20-Minuten-Fahrt von Bonn nach Köln und zurück kostet 16 Euro. Für kaum mehr fliegt man schon einmal nach Berlin. Dass die Bahn Verspätung hat, wenn man sie mal braucht, daran hat man sich längst gewöhnt. Dass dann Toiletten defekt sind, Reservierungen verloren gehen, ganze Wägen fehlen und Anschlusszüge verpasst werden, verschmerzt man nicht so leicht. Als ich im (Jahrhundert-)Sommer im Generalanzeiger las, dass Klimaanlagen für Linienbusse in Bonn gar nicht vorgesehen seien, ging mir der Hut hoch.

Ja, was bitteschön erwartet ihr denn?! Dass die Leute ihr Auto stehen lassen, um mit Bus und Bahn länger zu fahren, mehr zu bezahlen, in der Hitze zu schmoren und ewig zu stehen? Warum sollten sie denn?

Die Idee des ausgebauten, kostenlosen Nahverkehrs ist längst wieder vom Tisch. In der Politik beliebter ist die Idee, CO2-Ausstoß und Feinstaubbelastung zu verringern, indem man das Fahren mit dem Auto in den Städten weniger attraktiv macht. Also lieber Bestrafungs- als Belohnungsprinzip. So funktioniert das nicht.

Kriegt es irgendwie hin, dass der Nahverkehr komfortabler wird als Autofahren, DANN könnt ihr die Leute dafür gewinnen. Bequemere Sitze, schnellere Routen, höhere Takte, Klimatisierung, WLAN, vernünftige Preise. Und, oh Wunder. Die Autos würden plötzlich stehen gelassen.

Einfach mal „nö“

Es ist erstaunlich, wie viel man in diesem Alltag erreichen kann, wenn man einfach mal „nö“ sagt:

– „Nein, stimmt nicht.“
– „Nein, mache ich nicht.“
– „Nein, habe ich nie gesagt.“

Wenn man das nur stur genug durchzieht, kann man Diskussionen für sich entscheiden, für mediale Aufmerksamkeit sorgen, Wahlen gewinnen, US-Präsident werden.

Sagt man „nö“, müssen die Anderen aktiv werden. Argumente vorlegen, auf den Sturkopf einreden. Wie viel Energie verwenden gute Leute damit zu recherchieren, Studien zu wälzen, Fakten vorzutragen, zu argumentieren, dem Idioten vielleicht sogar noch entgegenzukommen, weil der sich nicht bewegen will?

Warum nicht den Spieß einfach umdrehen, das Verhalten spiegeln, selbst einfach mal „nö“ sagen und dabei bleiben. Was kann schlimmstenfalls passieren? Dass einen die Anderen, die man für dumm hält, selbst für dumm halten? Sollen sie doch. Vielleicht einfach mal ausprobieren, da wo Argumente nicht mehr ankommen.

Steuern, welche Steuern?

Fünfmal im Jahr geht mir die Pumpe, wenn ich mich mit dem Steuerdriss befassen muss. Ich hab es jetzt aufgegeben und suche eine/n Steuerfachmann/-frau. Problem ist: Der- oder diejenige kann mir auch nur die Hälfte abnehmen. Kontoauszüge durchgehen, Rechnungen zusammensuchen und sortieren muss ich selbst.

Klar. Die Politik hat kein ehrliches Interesse daran, die Steuererklärung zu vereinfachen. Zu viele Arbeitsplätze hängen da dran, man liefe Gefahr, am Ende weniger Steuern einzunehmen. Und überhaupt: „Steuererklärung auf einem Bierdeckel“ – wie sollte das funktionieren?

Ja, wie nur? Vielleicht so:

– Einnahmen addieren
– Krankenversicherung/Rente abziehen
– Darauf pauschal 30% Steuern für jeden

– Haste den/die Richtige(n) fürs Leben gefunden? Glückwunsch, ./. 2% und ich hoffe, et hält!
– Haste Kinder? Für jeden Dötz ./. 2%
– Pflegste nen Angehörigen? ./. 2%
– Biste in ner Ausbildung? ./. 2%
– Kannste nachweisen, dass dein Arbeitsplatz mehr als 5km von deiner Wohnung weg ist? ./. 2%
– Warste länger krank, haste ne Einschränkung? ./. 2%

Fertig. Steuererklärung in 5 Minuten na gut, 1 Stunde. Paar Nachweise dafür musste schon liefern.

Zu einfach gedacht? Höchstwahrscheinlich. Oder?

Elektrodiesel

Politisch gesehen ein interessanter Tag heute. Die Große Koalition kann sich also doch auf etwas einigen. Die deutsche Autoindustrie soll Dieselfahrzeuge nachrüsten, wird aber dazu nicht verpflichtet, das auf eigene Kosten zu tun. Ah ja.

Volkswagen – wo die ganze Misere damals begann – postet auf der eigenen Website eine Info à la „Wir nehmen jeden Kunden ernst“. BMW sieht sich als Saubermann und will nur Umtauschprämien zahlen, keine Nachrüstungen. Das würde VW am liebsten auch nicht.

Überhaupt, wie wäre das denn eigentlich gewesen: Jedem vergrämten Dieselfahrer eine saftige Umtauschprämie für ein Elektroauto oder einen Hybridwagen? Und die Politik legt noch was obendrauf. Mehrere Fliegen mit einer Klappe. Weniger Emissionen, wenige vergrämte Kunden, die ebenso wichtige wie schwerfällige deutsche Autoindustrie zum nötigen Wandel motiviert. Chance leider verpasst.

Halt, nein, ein Hersteller warb dann doch mit Prämien für den Umtausch von Diesel auf Elektro: Renault. Ein Franzose.