Die Woche vor dem Urlaub

Ich fahre gerne weg. Was ich nicht mag, ist die Woche vor dem Urlaub.

Geht ja nicht, dass der Laden mal ohne einen läuft. Also noch schnell Projekte beenden. Produkttests vorziehen, lange Berichte schreiben, die Geräte verpacken und zur Post bringen, viele Bilder machen, die Kollegen bitten, etwas zu übernehmen.

Es ist immer dasselbe. In der Woche vor dem Urlaub schuftet man für zwei, rennt abends durch die Läden, um noch wichtige Reiseutensilien zu besorgen. (Könnte ja eine Bananenrepublik sein, in die man fährt.) Sachen, die sonst im Schrank hängen, müssen nun gefaltet, gerollt und im Koffer verstaut werden. Schnell noch was zu lesen besorgen, Podcasts runterladen, Netflix-Serien offline speichern, damit im ewig langen Flug ja keine Langeweile aufkommt. Reiseunterlagen ausdrucken, in den Flug einchecken, Buspläne für hier und dort studieren, eine Liste machen mit Aktivitäten, die man vor Ort machen möchte. Sich mit Dingen überfressen, die im Kühlschrank schlecht werden könnten, auf keinen Fall vergessen, die Blumen nochmal zu gießen, den Müll rauszubringen. Oh Gott, ist mein Pass noch gültig??? Bin ich gegen alles geimpft?!? Und was, wenn es die ganze Zeit regnet?

Ich hasse es! So sehr, dass ich schon deswegen eben doch nicht so gerne verreise. Andere haben Reisefieber und Vorfreude, bei mir ist die Woche vor dem Urlaub einfach nur Stress.

Gefolgt vom Weg zum Flughafen. Den Koffer zupressen. Habe ich wirklich an alles gedacht? Eine Jacke anziehen, die nicht mehr in den Koffer gepasst hat, obwohl es viel zu warm dafür ist. Das 20-Kilo-Koffer-Ungetüm vom 3. Stock runterschleppen. Unten schon verschwitzt sein. Zur Haltestelle vom Flughafenbus schieben. Der Bus hat Verspätung und ist voll. Ich darf mich dazu quetschen. Muss mich festhalten, den Koffer auch und 30 Minuten lang die Kurven ausbalancieren. Natürlich ist die Lüftung ausgefallen. Schwitze noch mehr. Komme völlig genervt verspätet am Flughafen an. Und jetzt noch 13 Stunden Flug mit Wartezeit.

Das ist alles nen Driss. Und es ist nichts, wogegen man etwas machen könnte. Man müsste schon Personal beschäftigen.

Erst im Flugzeug kommt bei mir so langsam etwas Entspannung auf. Und am Zielort angekommen blühe ich dann auf, genieße, dass alles so schön anders ist, die Leute freundlich und das Wetter – idealerweise – besser.

Bis ich krank werde, weil die Woche vor dem Urlaub zu viel Nerven gekostet hat. Hach ja. Verreisen…

Ich habe genug Geld, um mir alles zu kaufen, was ich will

Während ich diese Zeilen schreibe, klopfe ich dreimal auf Holz. Ja, das war vor fünf Jahren noch nicht so und nein, ich weiß nicht, ob das in fünf Jahren noch so sein wird. Wer weiß das schon sicher. Aber im Moment habe ich genug Geld, um mir alles zu kaufen, was ich will.

Kürzlich war ich drauf und dran, den Cyberfreak Monday zu nutzen, um mir ein neues Smartphone für 650 Euro zu leisten. Dabei habe ich eigentlich ein gutes und 650 Euro sind eine Summe, bei der ich vor zehn Jahren überhaupt froh gewesen wäre, sie auf dem Konto zu haben.

Die Maßstäbe haben sich verschoben. Ich kann bedenkenlos ein paar Mal im Jahr in Urlaub fahren, ich gönne mir ein – leider recht reparaturanfälliges – gebrauchtes Auto, bin gut versichert, habe eine schöne Wohnung mitten in einem mittlerweile angesagten Viertel in Bonn und kann mir häufig neue Klamotten und Elektronikkram kaufen.

Nicht alles will ich mir leisten. Ich spare nicht auf ein Haus oder einen Neuwagen und finanziere auch beides nicht. Lediglich das mit der Altersvorsorge könnte ich mittlerweile mal etwas strategischer angehen.

Die Frage ist jetzt: Fühle ich mich anders? Macht mehr Geld wirklich nicht glücklicher?

Und die Antwort ist: Glücklicher bin ich nicht, aber das habe ich auch nicht erwartet. Was das Geld angeht, ist es aber so, dass mehr davon mich gelassener macht. Herrje, dann kostet der Liter Milch halt mal 89 Cent statt 49. Und die Brötchen sind schon wieder um 2 Cent teurer geworden? Was soll’s! Ein neuer Koffer muss her, ein neues Funktionsshirt für den Sport? Dann gar nicht groß rummachen, sondern einfach kaufen. Die Jacke für 70 Euro sieht einfach besser aus als die für 50? Dann wird’s eben die für 70! Es ist schön, wenn man diese Pfennigfuchserei nicht mehr nötig hat.

Das Smartphone für 650 Euro habe ich mir am Ende trotzdem nicht gekauft. Ich hätte Bock drauf gehabt, ich hätte das Geld übrig gehabt. Aber ich habe es einfach nicht gebraucht. Und das freut mich irgendwie auch.

Cyberfreak Monday

Kaum jemand, der dieses Jahr nicht mit Angeboten zum Black Friday, Cyber Monday oder zur Cyberweek gelockt hätte. Ein weiteres Ding aus Amerika, das nun endgültig auch in Deutschland findige Geschäftemacher die Euro-Zeichen in neongelbe Augen treibt.

Ganz ehrlich: Im klassischen Sinne finde ich es gar nicht schlecht. Der Black Friday ist der Tag nach Thanksgiving, einem der höchsten Feiertage in den USA und einem Familienfest, das immer am vierten Donnerstag im November stattfindet. Den Freitag danach nutzen viele Menschen als Brückentag, gehen in die Warenhäuser und nutzen die freie Zeit, um mal so richtig groß einzukaufen. In Amerika haben die Menschen bekanntlich weniger Urlaub als hier. Kaufhäuser machen an diesem Tag einen Großteil ihres Jahresumsatzes und locken dafür mit Angeboten. Ein fairer Deal für beide Seiten.

Und hier könnte man schon reingrätschen und die Frage aufwerfen, ob es dann überhaupt passt, wenn auch Online-Händler mit den besten Deals locken. Aber warum nicht: Unser Konsumverhalten hat sich verändert, findet immer mehr online statt. Den freien Tag werden viele US-Bürger auch nutzen, um online einzukaufen. Von daher schon einmal okay.

Wenn nun international tätige Versandhäuser wie Amazon ihren Black Friday aus den USA auch nach Deutschland rüberholen, dann kann man da noch eine gewisse Verwandtschaft erkennen. Ganz passt es nicht, denn der genannte Freitag ist in Deutschland kein Feiertag. Soll meinetwegen trotzdem okay sein. Ist ja nett, wenn nicht nur US-Bürger international begehrte Produkte günstiger bekommen. Zum Black Friday bekam ich von den genannten US-Retailern in diesem Jahr auch wirklich gute Deals. Amazon hat seine Echo- und Fire-Produkte nahezu verramscht. Ich habe lange mit einem Pixel 3 geliebäugelt, das Google für 200 Euro weniger verkauft hat als regulär.

Und dann, nun ja, hat Amazon als Versandhaus eben auch Mitbewerber in Deutschland. Einer davon ist mein Kunde und ich kann verstehen, wenn der Wettbewerbsdruck eben dafür sorgt, dass er versuchen muss, mit Angeboten dagegenzuhalten.

Aber dann sieht man es in letzter Zeit immer häufiger, dass auch Unternehmen einen Cyber-irgendwas-Tag ausrufen, bei denen ich eine harte Konkurrenzsituation zu einem großen US-Unternehmen nicht mehr ganz so klar entdecken kann. Möbelshopper Home24 etwa wirbt in diesem Jahr besonders aggressiv für die besten Wohnzimmerdeals. Nur noch 6 Stunden, dann endet der Cybermonday!1!11 Jetzt noch schnell 20% abgrasen, bevor der Digital Tuesday kommt, von dem wir euch allerdings erst morgen erzählen.

Und dann gibt es noch diejenigen, bei denen ich so gar keinen Zusammenhang mehr mit irgendwelchen Black-Friday-Geschichten entdecken kann. Höhepunkt war wahrscheinlich in diesem Jahr der freie Coach und Speaker, dessen Newsletter ich nie bestellt aber trotzdem bekommen habe, und der seine Dienste schon vor dem Black Friday bis zum Cybermonday zum Sparpreis feilbot. 1x Coaching nur 800 Euro, 1x Vortrag 3.000. Alles muss raus!

Und wenn dann genannte fachfremde Gestalten gar eine ganze Cyberweek ausrufen, Pre-Friday-Sales oder Post-Cyberweek-Deals, dann wird’s auch irgendwie lächerlich und eine unsägliche Rabattschlacht der Ladenhüter, die man selbst bei Rabattaktionen nicht losbekommen hat. Cyberfreak Monday. Weniger wäre mehr, gar nichts wäre besser.

Überdachte Fahrräder bitte! Ja, im Ernst!

Das Thema Elektromobilität lässt mich derzeit nicht los. Elektroautos retten nicht die Welt, sie fördern nur die Wirtschaft und reinigen das Gewissen einer reichen Elite. Elektroflugzeuge könnten es, aber hier sind wir noch Jahrzehnte von tauglichen Elektropassagiermaschinen entfernt. Könnte zu spät sein.

Was uns eigentlich fehlt: überdachte Fahrräder.

Jetzt ernsthaft? Come on, Jürgen, das hast du doch als Junge geträumt! Ja, ist vielleicht so. Aber würde wirklich helfen, denn:

  • Es geht nicht nur um saubere Autos, es geht auch um verstopfte Innenstädte.
  • Und es geht um Komfort. Autos sind schlicht komfortabler als Fahrräder. Außer bei gutem Wetter fährt kaum jemand wirklich lieber mit dem Rad als mit dem Auto.
  • Nein, auch nicht mit E-Bikes. Ja, die helfen ein Stück dabei, weniger verschwitzt am Zielort anzukommen. Aber bei nasskalten 4 Grad ist damit auch niemand gerne unterwegs.
  • Ihr wisst ja: Nur Produkte können uns retten.

Und jetzt stellt euch vor, es gäbe überdachte Fahrräder mit eigener Klimatisierung. Oder, auch nicht schlecht, überdachte E-Scooter mit Radwegzulassung. Die dürften natürlich nicht viel schneller unterwegs sein können als 20, 25 km/h und dürften eine bestimmte Maximalbreite nicht überschreiten. Mehr als drei Räder dürften sie nicht haben, damit man damit auf Radwegen fahren darf.

Man könnte damit genauso gut wie mit einem Fahrrad – aber komfortabler – an der Autoschlange vorbeifahren. Es gäbe plötzlich mehr Fürsprecher für ausgebaute Radwege. Es könnte den Innenstadtverkehr wirklich entlasten.

Nja klar, gibt es noch nicht so wirklich und natürlich gibt es Hürden, wie die Radwegzulassung für solche Gefährten. Aber, hey, wenn Politik und Wirtschaft momentan fast alles recht ist, um die Innenstädte sauber und verkehrsberuhigter zu kriegen, warum nicht mal in die Richtung denken?

Es muss nicht unbedingt ein Velomobil sein, also ein überdachtes Liegefahrrad. Es könnte mehr in die Richtung Renault Twizy gehen, aber noch etwas weniger automäßig. Der PodRide geht in die Richtung – wäre aufgrund seiner 4 Räder aber nicht auf deutschen Radwegen zugelassen.

Das überzeugendste Konzept, was ich dazu bei der ersten Suche gefunden habe: das leider 4.500 Euro teure Podbike aus Norwegen. Das hat auch den nötigen Stil. Vielleicht kann man damit dann doch den einen oder anderen Deutschen aus seinem Auto locken. Nicht alles muss der Traum eines kleinen Jungen bleiben…

Beitragsbild: Podbike

Bonjour Spiderman

Spiderman

Spiderman

Ich habe da einen Mitbewohner im Wohnzimmer. Dass er eine Spinne ist, stört mich dabei nicht. Erst hatte er nur ein so kleines Netz, man hat es gar nicht ernst genommen. Doch inzwischen hat sich Spidy da richtig was aufgebaut und gemütlich eingerichtet. Ob er es da besonders hübsch wohnt? Na ja, muss er wissen.

Es wäre eigentlich nur ein Wisch mit dem Handfeger und alles wäre weg. Kämen Gäste, müsste ich das. Aber einfach so das Lebenswerk meines Hausgastes zerstören? Mich selbst stört er ja nicht. Angst muss man vor ihm auch nicht haben. Er ist die Art von Spinne, die so klein ist, dass sie fast schon putzig ist.

Klein sein, sich viel aufbauen. Nur mit Zuversicht und Beharrlichkeit. Weil einem jemand eine Chance gibt und einen einfach mal machen lässt. Dann braucht es keine großen Ressourcen, scheint mir.

Bis eine höhere Macht alles wieder zerstört.

Noch haben sich keine Gäste angekündigt. Ob die Zeit reicht, dass er weiterziehen und sich was Größeres aufbauen kann? Ein paar Tage gebe ich ihm noch.

Gut gemacht, und jetzt bitte noch die Zwei-Klassen-Medizin abschaffen!

Ganz nebenbei kann die Große Koalition sogar noch Gesetze erlassen, und hin und wieder sogar mal eins, das gar nicht so schlecht ist. Etwa dieses, dass für Selbstständige der Mindestbeitrag für die Krankenkasse halbiert wird. Mit dem schönen Nebeneffekt, dass Selbständige und Freiberufler sich bald eine gesetzliche Krankenkasse leisten können. Yay!

Ah, da werden Erinnerungen wach! Als ich mich damals selbstständig machte, war die Krankenkasse das größte Hindernis. Ich kam gerade frisch von der Hochschule, hatte ein paar lose Aufträge für den Anfang, womit ich gerade so über die Runden hätte kommen können, hätte ich nur um die 100 oder 150 Euro für die Krankenkasse zahlen müssen. Die gesetzliche Krankenkasse wollte aber fast 500 Euro im Monat für KV und Pflege. Rente hatte ich damit noch gar nicht abgedeckt.

Ich hatte noch Glück, konnte in die Künstlersozialkasse eintreten, die nicht nur die Hälfte der Beiträge übernimmt (gleichwertig mit dem Arbeitgeberanteil für Angestellte), sondern den Krankenkassenbeitrag auch an tatsächlichen Einkünften misst. In den Anfangsjahren, in denen ich sehr wenig verdiente, rette mir das den Allerwertesten.

Wer selbständig ist und nicht unter die Berufsgruppe der Künstler fällt, wurde bislang gleich mehrfach gevö****. Er musste den vollen Krankenkassenbeitrag bezahlen, den der Staat willkürlich an einem Einkommen von 2.240 Euro maß. Und wenn er Pech hatte, kam noch die IHK-Gebühr obendrauf. Wenn man Selbstständige heute als „die Besserverdienenden“ sieht, dann liegt das auch daran. Man musste besser verdienen, um sich die sozialen Abgaben überhaupt leisten zu können.

Wer sich selbstständig machen wollte, konnte es also entweder bleiben lassen – oder in eine private Krankenversicherung eintreten, die mit niedrigen Anfangsbeiträgen lockt. Für viele ein Traum. Bis im hohen Alter die Beiträge kräftig steigen und, wer schlecht verdient, sich diese kaum noch leisten kann. Also den Mist, den junge Selbstständige mit der gesetzlichen Krankenversicherung erleben, erleben Privatversicherte im Alter.

Es ist gut und richtig, dass der Gesetzgeber diesen Bemessungsbeitrag nun auf nicht mehr weit über 1.000 Euro senkt – was eine Halbierung der Krankenkassenbeiträge mit sich bringt. Jetzt könnte man eigentlich auch einen Schritt weiter gehen und die elendige Zwei-Klassen-Medizin noch dazu abschaffen.

Woran mich das noch erinnert? Als ich mich damals selbständig machte und die Krankenkasse mich mit den Gebühren zu erschlagen drohte, war ich zufällig gerade Mitglied im Journalistenverband DJV. Ich fragte bei der Beratung an, ob man nicht mal versuchen könnte, gegen die willkürlich erlassene Bemessungsgrenze vorzugehen.

Die Antwort war: „Nö, das ist nicht unsere Aufgabe.“ – „Aha, und was ist Ihre Aufgabe?“ – „Na, für die Tarife der Kollegen in den großen Verlagshäusern zu kämpfen!“ Dann bekam ich noch den Ratschlag, ich könne ja vors Bundesverfassungsgericht ziehen. „Ich alleine?!“ – „Ja, wenn Sie wirklich etwas ändern wollen…“

Ratet mal, wer seitdem kein DJV-Mitglied mehr ist.

Retten Elektroautos die Welt? Sorry, nein.

Als mich Richard Gutjahr vor einigen Wochen begeistert anrief und fragte, ob ich Teil seines Teams bei einem neuen Portal über Elektroautos sein wollte, da sagte ich spontan ja. So viel Energie ist ansteckend. Ein paar Dinge über Elektroautos wollte ich ohnehin schon einmal für mich selber recherchieren. Ich sagte also zu, für den Anfang einige Beiträge als Starthilfe beizusteuern.

Das Projekt ging diese Woche online. Ihr findet es unter emobly.com, meinen Beitrag über die Reichweite von Elektroautos dort auch. Richard und seine beiden Mitstreiter Georg und Grischa sind im Begrüßungsbeitrag voller Eifer. Klar, jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Und ich habe auch großen Respekt vor Menschen, die einfach mal machen und nicht nur drüber reden. Die drei schreiben in ihrem „Hello World“-Beitrag:

„Wenn man sich (…) vor Augen führt, welche Bedeutung das Automobil weltweit für uns Menschen, für unsere Umwelt hat, wieviele Arbeitsplätze direkt und indirekt an dieser Erfindung hängen (…), dann kann man ohne Übertreibung festhalten: Dieser Schritt, vor dem wir gerade stehen, ist groß.“

Und:

„Wir fahren BMW i3, BMW i3s, Tesla Model X und waren von Anfang an überzeugt: Emobilität ist die Zukunft!“

Ist sie das? Ich glaube es auch, aber aus anderen Gründen als Richard, Georg und Grischa. Ich sehe in Elektroautos das neue iPhone. Man hätte mal wieder etwas zu kaufen. Die Menschen wollen etwas Neues, die Wirtschaft braucht etwas Neues. Elektroautos sind die Saubermänner, mit denen die Automobilindustrie ihren dringend benötigten Neuanfang schaffen kann. Auch wenn viele technische Fragen heute noch nicht geklärt sind, etwa mit flächendeckenden Ladestationen vor allem für Mietwohnungen, glaube ich schon: das wird sich durchsetzen.

Aber dass man mit Elektroautos die Welt rettet? Nein, das glaube ich nicht. Ebenso wenig wie mit dem iPhone. Man löst hier ein Luxusproblem. Den Klimawandel stoppt man damit nicht, man verbessert allenfalls die ach so schlechte Luft in unseren Innenstädten, für die man in Bangkok oder Peking so einiges gäbe.

Mit noch mehr Elektroautos wird man den Braunkohleausstieg so schnell nicht schaffen. Für die Lithium-Produktion werden die letzten Oasen der Atacama-Wüste trockengelegt, die Einheimischen vertrieben. Seltene Metalle für die Elektronik werden aus den gleichen fragwürdigen Minen in Zentralafrika gewonnen, die man auch für Smartphones gewinnt (und was man als Smartphone-Fan leider gerne ausblendet).

Es gäbe viel dringendere Probleme, als effiziente Benziner durch Elektroautos zu ersetzen. Lieber wären mir eigentlich Elektroflugzeuge, um das CO2 der Kerosinabgase zu stoppen, wahrscheinlich der Klimakiller Nummer eins. Da ist die Forschung noch lange nicht so weit. Schade. Und die Innenstädte? Wären mit Elektroautos noch genauso verstopft, der Nahverkehr müsste attraktiver gemacht werden.

Ich mache keinem einen Vorwurf, der sich nun ein Elektroauto statt einen Benziner oder ein Diesel anschafft. Elektroautos sind elegant, leise, toll zu fahren. Sie verbessern die Luft in den Innenstädten, klar. Aber das Klima retten sie nicht. Sorry, euch das sagen zu müssen. Aber wenn ihr das Klima retten wollt, fliegt weniger, esst weniger Fleisch, fördert die Forschung in Elektroflugzeuge. Mit dem Kauf eines Elektroautos ist es nicht getan.

Aus Versehen Intervallfasten (16:8)

Ich glaube ja nach wie vor, dass Psyche und Gewicht zusammenhängen. Wenn sich die Wampe hartnäckig hält, so wie bei mir, dann kann ich noch so viele Diäten machen. Dann werde ich sie nicht los.

Irgendwie bin ich jetzt trotzdem in den verdammt angesagten Trend des Intervallfastens gerutscht. Warum? Weil ich das ein paarmal eh schon gemacht habe, ohne es zu wissen:

  • Wenn ich Samstags feiern gehe, schlafe ich sonntags lange und esse oft nur eine Mahlzeit. Meistens bin ich dann 16 Stunden danach ohne.
  • Es gibt viele Abende, an denen ich gegen 1800 Uhr abendesse, zum Sport gehe und danach keinen großen Hunger mehr habe. Ich gehe dann ohne weitere Mahlzeit schlafen und hüpfe erst am nächsten Tag um 0900 aus den Federn. Bis zur 16. Stunde ist es dann auch nicht mehr weit. Überbrücken lässt sich das mit einem Pott schwarzem Filterkaffee.

Ich mache das längst nicht an jedem Tag. Eckart von Hirschhausen war derjenige, der das Intervallfasten populär gemacht hat: 10 Kilo runter in 3 Monaten. Durchaus respektabel. Er gibt an, dass zwei beliebige Fastentage in der Woche reichen (5:2-Prinzip). Ich gehe aber schwer davon aus, dass er weitere Fastentage dazwischen hatte. Auch wird er in den 8 Stunden, an denen nach der Methode Mahlzeiten erlaubt sind, recht gesund gegessen haben. Das tue ich schon nicht. 😉

Meine längste Etappe waren bisher 3 Tage mit 16:8. An jedem Tag könnte ich das nicht und will es irgendwie auch nicht. Aber zumindest ab und an mache ich es einfach, wenn ich zurückrechne und merke, dass 16 Stunden bald erreicht sind.

Interessanteste Erkenntnis bisher: Man starrt mitnichten die ganze Zeit auf die Uhr und stürmt nach den 16 Stunden nicht sofort das Allyoucaneat-Buffet. Meistens setzt nach diesen 16 Stunden ein besonderes Gefühl ein. Ich fühle mich frei, energiegeladen, gar nicht hungrig. Ich könnte etwas essen, muss es aber gar nicht. Manchmal hänge ich dann noch ein paar Stunden dran.

Gestern war ich geschätzt 20 Stunden ohne Mahlzeit. Ich genehmigte mir ein leckeres, spätes Mittagessen beim Italiener um die Ecke. Es bliebt neben einem Milchkaffee die einzige kalorienhaltige Mahlzeit des Tages. Daran schloss ich die nächste 16-Stunden-Phase gleich an. Ob ich damit abnehme? Ich schaue in fünf Wochen nochmal auf die Waage und berichte dann. Aktuell sind es knapp 85. Ich denke, zunehmen werde ich schon nicht. Mal sehen, ob es auch runtergeht. Nebenbei mache ich zweimal die Woche bisschen Bauchtraining im Fitnessstudio. Damit der Bauchspeck weiß, dass er gemeint ist.

Essen scheint viel mit Rhythmus zu tun zu haben. Besuche ich meine Schwester, bin ich mittendrin im Familienrhythmus und mein Körper kann problemlos viermal am Tag eine volle Mahlzeit aufnehmen. Im Urlaub eine deftige Mahlzeit und leckeres Bier gehören für mich irgendwie dazu. Und dann kann ich zuhause auch schnell wieder ein paar 16:8-Tage einlegen. Wenn nicht für die Waage, dann interessanterweise für die Psyche. Es geht mir damit eher besser als schlechter.

Als die Flüsse von uns schwanden

Es war nach dem Jahrhundertsommer
Lang kein Tropfen, lang, lang, lang
Nur die Alten erinnerten den letzten Regen
Wie war das damals, fragten sie,
Als noch Schiffe fuhren
Wasser floss.
Wie waren die Zeiten damals? Besser, doch?

Ich sog an meiner Wasserpfeife. Brachte es das alles auf den Punkt?

Als die Menschen konsumierten
Tagein, tagaus nichts mehr als das
Und sie kauften, kauften, kauften.
Den nächsten Kick, den nächsten Spaß.
Völlig gleich, welch Konsequenzen
Was kümmert’s mich. Ich trag sie nicht.

Ich hielt inne. Kam ich nicht vom Thema ab?

Einst flossen Flüsse
Schwammen Fische
Fuhren Schiffe
Gedieh das Grün
Es konnte nicht so weiter gehn
Nicht für immer, für uns nicht.

War da ein Zusammenhang? Greifbar, ja.

Bar die Natur
Gegeneinander
Jeder für sich
Es konnte nicht gut gehen.
Konnte es nicht.
Das Wasser floss wieder.
Mehr als zuvor.
Nicht für uns.
Nur gegen uns.

Ein Hoch auf alles, was kein Display hat: Des Podcasts zweiter Frühling

Vielleicht bringt mein Job das mit sich, aber anderen Menschen dürfte es nicht viel anders gehen: Den ganzen Tag starrt man auf ein Display:

  • Im Job auf den Rechner. E-Mails beantworten, Bilder bearbeiten, Dinge planen, Texte schreiben.
  • Zwischendurch auf das Smartphone: Nachrichten an Freunde schicken, Twitter, Instagram verfolgen, den Wetterbericht studieren, News vom Tage lesen, mal ein paar Runden ein Spiel spielen.
  • Nach der Arbeit auf den Fernseher. Die Abendnachrichten, die neue Netflix-Serie. Zwischendurch immer mal wieder aufs Smartphone.
  • Wenn man doch mal dazu kommt, ein Buch zu lesen, ist das immer häufiger ein E-Book.

Ihr versteht, was ich meine. Dass mir abends manchmal die Augen brennen, kommt da nicht überraschend.

Meiner Meinung nach ist das der Grund für den aktuellen Hörbuch- und Podcast-Boom. Man mag einfach nichts mehr sehen, und es ist eine Wohltat, wenn man einfach mal was hören kann. Hörbücher sind nicht meins; für sie bin ich schlicht zu ungeduldig. Aber zuletzt beim Autofahren kam ich via Spotify auf den Geschmack von Podcasts.

Irgendwas musste ich ja hören, im Radio läuft mittlerweile ein elendiger Einheitsbrei, auf neue Musik hat man manchmal keine Lust. Also Podcasts. Ich stolperte auf Spotify über den Cast Gratitude Daily. Irgendwann munitionierte ich noch mit dem Brand-eins-Podcast, mit Zeit Wissen und „Die Reportage“ von Deutschlandfunk Kultur auf. Spotify bietet hier eigentlich immer etwas spannendes Neues.

Neulich fiel mir auf, dass ich im Auto – wenn mal keine Lust auf Podcasts – lieber auf Deutschlandfunk oder WDR5 schalte als auf einen Musiksender. Und zuhause im Bad habe ich meinen Google Home Mini so eingerichtet, dass er als News vom Tage zunächst die deutlich ausführlicheren Nachrichten von WDR2 statt 1live spielt und danach die vom Deutschlandfunk.

Alles, was kein Display hat. Für mich eine Wohltat, für viele andere wahrscheinlich auch. Und Sprachlautsprecher können den Boom hier dank einfacher Bedienung noch vereinfachen, wie ich vor einigen Monaten für das Euronics Trendblog schrieb. Ich muss das nur revidieren. Nicht mehr pauschal Radio ist für mich die Killerapplikation auf einem Sprachlautsprecher, immer öfter sind es Podcasts.

Schlaf ist mein Allheilmittel

Schlafen erst, wenn man tot ist – das könnte mir nicht passieren. Schon von Haus aus brauche ich mehr Schlaf als andere. Das ist mir mittlerweile klar, und ich habe aufgehört dagegen anzukämpfen. Mehr noch: Ich genieße es.

Weil ich zuhause arbeite, habe ich zum Glück die Möglichkeit, länger zu schlafen als die meisten anderen Menschen. So oft es geht, schlafe ich aus. Ich bin dann mehr als nur ausgeschlafen. Schlaf ist auch für viele andere Dinge in meinem Alltag gut:

  • Ich fühle mich ausgeglichener.
  • Schlechte Stimmung, kleinere Probleme – einmal drüber schlafen, und die Sorgen sind oft nur noch halb so groß.
  • Schlafen hilft mir bei der Kreativität. Texte, die ich schreibe, nochmal einen Abend ruhen zu lassen und ihnen am nächsten Morgen den letzten Schliff zu geben, macht sie besser.
  • Gleiches gilt auch für Dinge, für die ich manchmal einfach keine Lösung weiß. Sei es im Beruf oder im Privaten. Manchmal hilft hier tatsächlich ein kurzes Mittagsschläfchen und mir kommt die goldene Idee.
  • Dass Schlaf dabei helfen kann Stress zu reduzieren und Bluthochdruck zu senken, werdet ihr kaum anzweifeln. Ihr erlebt es jeden Morgen beim Aufstehen.
  • Wenn ich mal etwas zu dolle gefeiert habe und fürchte, ein Kater könnte sich anbahnen, schlafe ich am Tag danach einfach ein paar Stunden länger. Oft hat es sich dann mit dem Kater schon erledigt.
  • Merke ich leichte Krankheitssymptome, setze ich alles daran, den nächsten und übernächsten Tag auszuschlafen. Seitdem werde ich viel seltener krank.

Vor allem auf den letztgenannten Punkt möchte ich noch einmal eingehen. Mittlerweile höre ich öfter auf meinen Körper und merke, wenn da irgendetwas nicht in Ordnung ist. Gerade in der kalten Jahreszeit fängt man sich ja schonmal was ein.

Nähern sich Erkältungsbeschwerden, tut man alles, um die drohende Krankheit noch abzuwenden: Tee trinken, was Gesundes essen, die Apotheke plündern. Nur zwei Dinge macht man nicht: Stress reduzieren – und genügend schlafen. Man steht am nächsten Morgen zur gleichen Zeit auf, meist noch kränker, schleppt sich ins Büro, steckt die Kollegen an, merkt mittags dass man nicht mehr kann, geht früher und ist die nächste Woche krank.

Merke ich erste Erkältungsbeschwerden, schlafe ich mich aus. Am nächsten Tag bis Mittag, wenn es sein muss. Meist reicht das schon, um nicht krank zu werden. Den Tag danach auch noch, um ganz sicher zu gehen. Arbeitgeber sollten hier nachrechnen: Was ist wirtschaftlicher? Wenn ein Mitarbeiter mal einen Vormittag ausfällt oder wenn er eine ganze Woche nicht da ist? Leider denkt kaum jemand so weit.

Mein Plädoyer deshalb an euch und alle Chefs da draußen: schlaft mehr! Es wird euch besser gehen. Gute Nacht.

Wann haben wir eigentlich aufgehört, Dinge verbessern zu wollen?

Ich komme gerade aus der Heimat wieder und habe mit dem Auto für die Strecke Meppen-Bonn 2:05h gebraucht. Gut, ich bin ziemlich gerast diesmal. Entspannter war die Hinfahrt mit 2:15h – ein guter Wert und man kann dabei trotzdem flott und doch entspannt durch die Lande kurven.

All die Jahre hat die Fahrt viel, viel länger gedauert. 2:45h war eigentlich lange Zeit normal. Ich kann mich aber auch noch an Fahrten erinnern, die länger als 3 Stunden gedauert haben. Dass es jetzt so viel schneller geht, liegt daran, dass Baustellen auf der A31 weggefallen sind. Die Fahrbahndecke wurde in vergangener Zeit erneuert. Ebenso die Ausfahrt Meppen-West, mit der ich seit ihrer Wiedereröffnung geschätzt 10 Minuten sparen kann.

Der Zeitgewinn ist nicht trivial. Wenn ich nun 2:15h fahre statt 3:00h, rechnet der Kopf da eher mit „ungefähr 2 Stunden“ statt „ungefähr 3“. Das ist eine Zeitspanne, die psychologisch wichtig ist. 2 Stunden? Och, kann man ja zur Not auch mal spontan rüberfahren. Vielleicht sogar morgens hin, abends zurück, bevor man sich ein paar Wochen gar nicht sieht. 3 Stunden? Hm, nee, lass ma‘. Hab gerade so viel zu tun…

Man stelle sich vor, man könnte in 2 Stunden von Köln nach Paris fahren, nach Hamburg oder München.

Die Bahn wirbt derweil mit dem Prestigeprojekt Berlin-München in 4 Stunden. Es hätten 3 Stunden sein können, wie der Spiegel damals treffend beschrieben hat. Aber ein Provinzpolitiker hat durchgesetzt, dass Erfurt an die Strecke angebunden wird. Deswegen nun eine Stunde mehr Fahrt, von der – außer in Erfurt – niemand etwas hat.

Von Bonn nach Hamburg dauert eine Fahrt der etwa 450km langen Strecke 4:30h, weil die Bahnen aus einem mir seit jeher unersichtlichen Grund im Ruhrgebiet vor jeder Milchkanne halten. Wanne-Eickel Hauptbahnhof.

In Frankreich zieht der TGV den Weg von Paris nach Marseille in etwas mehr als 3:00h durch. 750 Kilometer! Ohne Zwischenhalt. Das ist länger als von Bonn nach Berlin (was 5 Stunden dauert) und fast so weit wie von Hamburg nach München, wo man fast 6 Stunden fährt.

Ihr werdet mir einen Haufen Gründe nennen können, warum das so ist und warum man daran nichts machen kann. Wir stellen Lokalinteressen und manchmal auch persönliche Interessen über das Gemeinwohl. Vor allem aber über den Fortschrittswillen, vor den Hunger, Dinge besser zu machen. Wir geben wir uns lieber mit Platz 35 zufrieden und sagen: Platz 50 ist ja auch nichts besser als wir.

Wann haben wir damit angefangen? Warum haben wir aufgegeben? Viel wichtiger aber: Wann fangen wir wieder an, Weltspitze sein zu wollen und wie gehen wir das an?