Lustig, was sich so alles tut, wenn mal wieder ein neuer Hype entsteht: Aktuell: Web 2.0. Das bedeutet eigentlich nichts anderes, als dass es Techniken gibt, mit denen Webnutzer ihre Inhalte selber produzieren können. Die Techniken sind Ajax, APIs oder RSS und existieren fast alle schon seit Ende der 90er Jahre. Anwendungen, die darauf aufbauen, kamen etwas später auf: Weblogs, Dynamic HMTL, Podcasts, Wikis. Dass sich Web 2.0 erst jetzt als Schlagwort durchsetzt, liegt daran, dass immer mehr Menschen von den neuen Anwendungen Gebrauch machen und das Gefühl haben, nun selbst im großen Maße Inhalte fürs Web produzieren zu können.

Einzelne Unternehmen reiben sich gerade die Hände deswegen, weil sie ihr “Web-2.0-Unternehmen” teuer verkaufen können. So kaufte Google die Video-Plattform YouTube für 1,3 Milliarden Euro und der Holtzbrinck-Verlag riss sich das Studenten-Netzwerk StudiVZ für 200 Millionen Euro unter den Nagel. Dabei steht – genau wie noch zu Web-1.0-Zeiten – in den Sternen, wie sich die Ausgaben jemals refinanzieren lassen. Wie soll zum Beispiel StudiVZ die 200 Millionen wieder einspielen, wo sich doch nur Studenten dort präsentieren?

[Update: Das Blog www.sajonara.de hat mich in einem eigenen Blog-Eintrag darauf aufmerksam gemacht, dass der Holtzbrinck-Verlag StudiVZ nicht für 200 Millionen Euro übernommen hat. Das stimmt natürlich, da ist mir ein Fehler unterlaufen. Tatsächlich wurde über den Kaufpreis Stillschweigen vereinbart. In ersten Meldungen war von 100 Millionen Euro die Rede. Die Bewertung lag bei 85 Millionen, der Holtzbrinck-Verlag sprach von einer Summe "über 50 Millionen, aber deutlich unter 100 Millionen Euro". Der Spiegel hat den Kaufpreis kürzlich auf 85 Millionen Euro geschätzt. Auf jeden Fall interessant zu sehen, dass nichts, was man schreibt unentdeckt bleibt.]

Viel interessanter scheint mir aber ein Trend zu sein, wie Begriffe wie “2.0″ in die Sprache eingreifen. Alles, was jetzt neu und modern sein will, heißt im Augenblick “2.0″: Modem 2.0, Kühlschrank 2.0, Kindergarten 2.0…
Dafür nimmt heute keiner mehr die Wörter “pimp” oder “gepimpt” in den Mund, die vor zwei Jahren voll im Trend lagen. Analog zur Fernsehserie “Pimp my ride” konnte alles möglich neu und besser gemacht, also gepimpt, werden: Pimp my wife, pimp my Bruder, pimp my Zimmer, pimp my Girlfriend.

Zwei Jahre davor war alles hip, was “Reloaded” war, angelehnt an die Matrix-Fortsetzung “Matrix Reloaded”: Spiegel Reloaded, Ü-30-Party Reloaded…
In den 80ern und frühen 90ern war das Pendant dazu das Suffix “2000″: 3D-Simulator 2000, DJ 2000, Disco 2000. Das Millennium als Großereignis machte das Jahr 2000 zu etwas Großem, mitunter sogar Futuristischem. Ende der 90er, als das Jahr 2000 dann fast erreicht war, überlegten sich findige Marketing-Strategen, was denn eigentlich mit ihren “2000er”-Produkten werden soll, wenn das Jahr 2000 erstmal da ist. Wird dann alles veraltet sein? Deswegen kamen sie mit etwas Revolutionärem auf den Markt: dem Produkt “3000″: Waschmaschine 3000, Staubsauger “Turbo 3000″.

Verblüffend, wie schnell solche Begriffe veralten. Wir dürfen gespannt sein, was als nächstes kommt. Was glaubt ihr?


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3 Responses to Bist du schon 2.0?

  1. CRen sagt:

    Turbo 3000 geht noch ein paar Jährchen :-)

    Bleibst Du jetzt beim Bloggen? Dann pack’ ich Dich in meine Blogroll :-)

  2. vieli sagt:

    Klar, ich bleib dabei. Ich werd dich auch in mein neues Blogroll packen, wenn mein Providerumzug vollzogen ist (in ein paar Tagen, denke ich). Dann muss ich eh alles neu installieren.

    Kannst du mir mal erklären, warum dein Blog nur noch unter blog.xtown.net zu finden ist und nicht mehr http://www.xtown.net?

  3. Danke für die Erwähnung. ;) Und na ja, liegt wohl am Thema, das ich oft nachhalte und regelmäßig die Seiten abklappere bei Technorati, die zum Thema schreiben.

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