Vor ein paar Wochen hab ich eigene, vom Balkon gedrehte Videos scherzhaft als “Journalismus 2.0″ bezeichnet. Tenor: Nicht der Reporter kommt zum Geschehen, das Geschehen kommt zum Reporter. Und das ist vielleicht gar nicht einmal so weit hergeholt, wenn man den Begriff an “Web 2.0″ anlehnt, die vom Anwender gemachten Inhalte fürs Internet.

Es gibt viele Ausnahmen, aber die meisten Podcasts werden zuhause am Schreibtisch aufgenommen. Ebenso viele Videocasts. Die Leute berichten von zuhause darüber, was sie so am Tag erlebt haben. Kaum etwas anderes sind Bürgerjournalismus und Blogging: Auch hier überwiegen Erzählungen und Meinungsäußerungen, für die man niemanden auf der Straße oder am Telefon interviewen muss.

Was unterscheidet den herkömmlichen Journalismus also von meiner Vorstellung von Journalismus 2.0? Wohl hauptsächlich die Tatsache, dass Journalisten Fakten sammeln und gegenchecken müssen. Wollen sie dabei etwas Neues entdecken und bei Überprüfungen auf Nummer sicher gehen, führt kein Weg daran vorbei, mit Menschen zu reden. Sei es am Telefon oder als Reporter mit Menschen auf der Straße. Blogger und “Bürgerjournalisten”, ebenso Podcaster, sind in erster Linie Zweitverwerter und Schreibtischtäter. Das ist nichts Schlechtes, das kann auch unterhaltsam sein. Aber wenn man diese 2.0-Journalisten zu gewöhnlichen Journalisten erklärt, dann wäre der Journalismus reichlich verarmt.

Hier mal ein kleiner Anreiz: Ich glaube, wer sich auf die Straße traut, andere Menschen zu Wort kommen lässt und davon ein Blog, Podcast oder Video macht, der kann sich hoher Besucherzahlen sicher sein.


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