Scheiße, nichts mehr im Kühlschrank. Schnell zum Supermarkt fahren und noch was kaufen. In Bremen-Schwachhausen, wo ich gerade bin, ist das mit den Ladenöffnungszeiten bis 22 Uhr etwas absurd. Hier wohnen vornehmlich reiche und superreiche Leute – ich gehöre weder zu den einen noch den anderen – und bis auf ein paar Restaurants werden bei Sonnenuntergang die Bürgersteine hochgeklappt. Die Fahrt zum Penny-Markt am Ende der Straße ist bei so geringem Verkehrsaufkommen sehr spannend und lehrreich – besonders, wenn man ohne Licht unterwegs ist.

Den ersten Teil meiner Strecke musste ich nicht nur ohne Licht, sondern auch noch auf dem Radweg entgegen der Verkehrsrichtung fahren. Die Radfahrer, die mir entgegen kamen, ließen mir Platz, aber guckten streng. Sie hatten das Recht dazu, denn ich war gleich in zweifacher Hinsicht in der schlechteren Position. Auf halber Strecke bin ich auf die rechte Straßenseite und den dortigen Radweg gewechselt, also die richtige Seite, nur halt immer noch ohne Licht. Ein Radfahrer, der Licht an seinem Rad hatte, kam mir entgegen, aber wich vor mir auf den Bürgersteig aus. Offenbar fühlte er sich im Unrecht, weil er auf der falschen Straßenseite fuhr.

Nach dem Einkauf im Penny-Markt überquerte ich mit meinem Rad die Straße. Ein Kleinwagen hielt vor mir an uns ließ mich durch, obwohl das weder notwendig war (keine Ampel, kein Zebrastreifen) und ich außerdem ja kein Licht am Rad hatte. War wohl einfach nur eine nette Geste. Auf dem Nachhauseweg fuhr ich den ganzen Weg über auf der richtigen Seite auf dem Radweg. Ein Radfahrer, der mir, ebenfalls ohne Licht, entgegen kam, wich vor mir auf den Bürgersteig aus. Obwohl ohne Licht ebenbürtig, fühlte er sich offenbar in der schwächeren Position, weil er auf der falschen Seite fuhr.

Ist schon irgendwie lustig: Selbst wenn man die öffentliche Ordnung missachtet, gibt es immer noch Regeln dafür, was man darf und was nicht. Es kann natürlich auch sein, dass die Menschen in Bremen einfach nur sehr höflich sind – oder ich im Schatten der Nacht eine furchterregende Gestalt abgebe…


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4 Responses to Die Hackordnung beim nächtlichen Radfahren

  1. CRen sagt:

    RRRRRRadfahrer… *brrrr*

  2. ulf sagt:

    Tja, Radfahrer sind schon widerliche Gestalten. Da ich häufig auch einer bin, kann ich das mit Recht behaupten, vorallem aber weil ich auch häufig der Autofahrer bin.

    Aber die schlimmsten Exemplare sind nicht Studenten auf Damenfahrrädern, sondern Rennradfahrer, die – weil sie ja so wahnsinnig schnell fahren – auf der Hauptstraße direkt neben dem Radweg unterwegs sind (“heul, meine räder könnten kaputt gehen”).

  3. CRen sagt:

    Radrennfahrer sind toll. Noch toller sind allerdings die Typen mit ihren Liegerädern. Oder die Trekkingrad-Arschgeigen mit Helm und Hosenklammer, die meinen, dass ökologische Korrektheit automatisch auch das Recht auf Vorfahrt beinhaltet.

  4. Zuperman sagt:

    Rennradfahrer SIND toll! Wenn ich im Schritttempo fahren wollen würde, könnt ich ja genausogut laufen.

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