Die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt ist in vielen Branchen ruinös. Zu viele Bewerber drängen auf einen zu kleinen Arbeitsmarkt, zum Beispiel bei den Rechtswissenschaften, den Geisteswissenschaften oder dem Journalismus. Klar, dass viele schon im Studium dagegensteuern, um nicht arbeitslos zu werden: zahlreiche Praktika, Auslandsaufenthalt, Einschleimen für Empfehlungsschreiben beim Prof. Viele junge Leute lassen sich dadurch in ihrer Studienzeit zu Dingen hinreißen, die sie eigentlich gar nicht wollen. Folgt danach der Schritt in eine Festanstellung, stellt sich vielen die Frage, was der ganze Aufwand eigentlich sollte: Miese Bezahlung, ewige Arbeitszeiten, befristete Anstellung, ruinöses Arbeitsklima, ein riesiger interner Verwaltungsapparat und Kollegen, die in höheren Positionen deutlich weniger können, aber das Sagen haben. Und dann am Ende noch eine Tätigkeit, die weder sinnvoll ist, noch Spaß macht.

Erst neulich beklagte sich ein Freund von mir darüber, was für Wald- und Wiesenredakteure eigentlich in seiner Redaktion arbeiten. Können kaum einen Satz geradeaus schreiben, bemühen sich nicht bei der Recherche und legen auch keinen Wert mehr auf verständliche Darstellungen und guten Stil. Beschäftigt sind sie in der Redaktion aber schon seit Jahren. Eine Erklärung für das Phänomen lieferte er gleich mit: Wer auf Arbeitssuche ist, bemüht sich, belegt Kurse, macht Praktika, strengt sich an und tut alles, um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Wer es in die Festanstellung schafft, gibt dann noch einmal richtig Gas, um nach der Probezeit übernommen zu werden. Ist die Probezeit dann um, wird der Fuß wieder vom Gas genommen.

Sonst würde die Gesundheit auch nicht mehr lange mitspielen. Zudem hat man in dem halben Jahr im Betrieb genug gelernt, um die Grundzüge der inneren Abläufe zu verstehen und die Anforderungen zu erfüllen. Jetzt ist man auch so schnell nicht mehr kündbar und kann es ruhiger angehen lassen. Irgendwann sinkt die Motivation, sich noch mehr Mühe zu geben als notwendig und die Qualität gleitet ins Mittelmäßige ab. Derselbe Freund meinte dazu: “Eigentlich tritt das Gegenteil ein, von dem was man erwarten würde: Wer zehn Jahre lang bei derselben Redaktion beschäftigt ist, schreibt mitunter schlechter als vorher.”

Nach Jahren oft schlechter als vorher

Wer schon lange in einem Unternehmen beschäftigt ist, begegnet den hoch qualifizierten Berufsanfängern oft mit Ignoranz oder Argwohn. Nicht selten bekommen ältere Beschäftigte Angst vor den Fähigkeiten eines Berufseinsteigers – und das nicht zu Unrecht. Die Anforderungen für den Berufseinstieg waren vor fünf oder zehn Jahren deutlich geringer als heute. Zahlreiche Praktika, Fremdsprachen, gute IT-Kenntnisse und Auslandsaufenthalte waren damals noch nicht notwendige Voraussetzung für eine Anstellung.

Heute sind genau diese Anforderung fast schon Standard für jemanden, der in einem DAX-100-Unternehmen oder einem weltweit operierenden Konzern unterkommen will. Was die Berufseinsteiger aber noch nicht kennen, sind die internen Abläufe, und da werden sie von ihren älteren Kollegen oft untergebuttert. Was genau man dem Vorgesetzten erzählen muss, um die eigene Arbeit in günstigem Licht erscheinen zu lassen, oder mit welchen Kollegen man sich gut stellen muss, das hat man oft erst nach Monaten oder Jahren verinnerlicht.

Berufseinsteiger werden ausgebremst

Dafür haben Berufseinsteiger oft weit mehr aktuelles Theorie- und Methodenwissen, bei dem Angestellte nur mit sporadischen Fortbildungen nach ein paar Jahren nicht mehr mithalten können. Das sorgt für die Kollegen für Frustration und kann dazu führen, dass Berufseinsteiger absichtlich klein gehalten werden: Interna werden ihnen nicht mitgeteilt, es wird ihnen weniger geholfen als nötig, wichtige Informationen werden ihnen vorenthalten. Auf diese Weise bremst man das Aufstreben der jungen Kollegen und sichert sich als alt Eingesessener den eigenen Arbeitsplatz. Der Firma tut das hingegen alles andere als gut.

Allerdings bleibt das gleiche Schicksal auch den Berufseinsteigern nicht erspart: Zu viel Arbeitspensum, um die knappe Freizeit auch noch in regelmäßige Fortbildungen zu investieren. Oft ein Job, für den man weit überqualifiziert ist und seine zahlreichen Kenntnisse gar nicht anwenden kann. (Unternehmen können es sich ja aufgrund der Situation am Arbeitsmarkt leisten, selbst für wenig anspruchsvolle Stellen nur die Besten der Besten herauszusuchen.) Viel Zeit und Energie muss darauf verwendet werden, um interne Abläufe zu verstehen und sich ihnen anzupassen. Viel vom einmal erlernten Theoriewissen muss abgewandelt werden, weil das Unternehmen Abläufe intern gänzlich anders handhabt, als es eigentlich sein sollte. Meistens stimmen am Ende auch das Verhältnis von Arbeitsklima, Arbeitsaufwand und Lohn nicht mehr. Es blüht ihnen das gleiche Schicksal wie den älteren Kollegen: man geht im Arbeitsalltag unter.

Hat man keine andere Wahl?

Stellt sich die Frage: Warum tut man sich das an? Warum studiert man vier oder fünf Jahre und sammelt jede Menge praktischer Erfahrung in Form von Praktika und Nebenjobs schon in einer Zeit, die eigentlich fürs Lernen gedacht ist? Warum sammelt man Erfahrung im Ausland, auch wenn man das vielleicht gar nicht will und die spezielle Erfahrung aus dem Land später nie wieder braucht, nur weil das in Stellenanzeigen gefordert, im Berufsprofil aber oft nicht einmal sehr oft benötigt wird? Warum will man mit all diesen Fähigkeiten und einem Einser-Diplom oder -Master unbedingt eine feste Anstellung, die einem kaum noch Freiräume lässt? In der man vielleicht noch ein Drittel von dem benötigt, was man vorher gelernt hat, und in der man am Ende noch nicht einmal etwas Sinnvolles macht. Geschweige denn das, was man eigentlich gerne macht oder mal als Traumberuf hatte. Warum das alles? Hat man wirklich keine andere Wahl?


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