Promi-Klassen und Boulevard-Journalismus
In Deutschland wird mit prominenten Menschen auf eigenartige Weise umgegangen. Man teilt sie willkürlich in Promi-Klassen ein, lästert darüber, wenn von der D-Klasse etwas in den RTL2-Nachrichten kommt und freut sich über jeden Skandal eines Menschen der A-Klasse. Wenn jemand von ihnen hoch gestiegen ist und tief fällt, ist die hierzulande sehr beliebte Schadenfreude besonders groß. Ein paar Gedanken dazu.
A-Promis. Zu dieser Kategorie gehören Menschen, die fast jeder kennt und von denen man oft in seriösen wie Boulevard-Medien hört, ganz gleich, ob sie nun etwas geleistet haben oder nicht. Dazu würde ich rundum untalentierte Menschen wie Paris Hilton zählen, aber auch verdiente Persönlichkeiten wie Tom Cruise und Boris Becker. Man geht gerne ins Kino und schaut sich ihre Filme an oder jubelt mit, wenn sie Wimbledon gewinnen oder den Davis-Cup für Deutschland holen. Ihre Verdienste vergisst man aber dann, wenn sich herausstellt, dass sie einer unbequemen Religionsgemeinschaft angehören oder zu oft die Freundin wechseln.
B-Promis. Das sind Menschen, die gute Leistungen in ihrem Fach bringen, aber nur einer begrenzten Zielgruppe bekannt sind. Dazu gehören zum Beispiel national verdiente Künstler wie Reinhard Mey oder Ben Becker. Außer ihrer Musik und ihrer Filme weiß man nicht viel über sie. Wenn einer davon einen Alkoholkollaps erleidet und reanimiert werden muss, steht das dann aber schon mal auf der ersten Seite der BILD oder bei Spiegel.de im “Panorama”. Wenig später hat man sie wieder vergessen, zumindest bis zum nächsten Film oder der nächsten CD.
C-Promis. Das sind Menschen, die für kurze Zeit im Rampenlicht stehen, da auch berühmt sind, und danach entweder ganz von der Bildfläche verschwinden oder sich mit drittklassigen Fernsehjobs herumschlagen, also zum Beispiel eine Telefon-Gewinnshow auf 9Live leiten. Dazu gehört zum Beispiel Big-Brother-Jürgen. Man hat sich über sie amüsiert, als sie ihr Leben im Fernsehen nach außen gekehrt hat. Jetzt möchte man nichts mehr mit ihnen zu tun haben.
D-Promis. Sind das überhaupt noch Menschen? Zumindest standen auch sie eine kurze Zeit lang im Rampenlicht, aber nicht einmal dort haben sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Zum Beispiel jeder, der jetzt gerade noch bei Big Brother dabei ist. Deren Namen man nicht einmal kennt, für die man aber doch als Idiot hingestellt wird, wenn man sie in einer Fernsehumfrage nicht kennt. Nur weil das Fernsehteam meint, man müsse sie vielleicht kennen oder weil es einfach nur Stoff für den sogenannten Boulevard-Journalismus sucht.
Denn der Boulevard-Journalismus ist ja mit dafür zuständig, dass uns etwas über die A- bis D-Promis berichtet wird. Wir geißeln seine Methoden, selbst C-Promis kein Privatleben zu lassen, A-Promis auch nachts um elf noch am Telefon zu belästigen oder sich bei Beerdigungen eines Elternteils von B-Promis auf Grabsteine zu stellen, ob einen besseren Blickwinkel zu haben. Wir hassen solche Journalisten, aber wir wollen doch ihre Fotos sehen und ihre Geschichten lesen. Auch wenn uns dafür Geschichten der A- und B-Promis reichen würden. Aber das wäre zu wenig, um 40 Privatsender und 50 Boulevardblätter mit frischen “Nachrichten” zu füllen. Wir wollen Boulevard-Journalismus, aber nicht mit solchen Methoden und erst recht nicht mit solchen Promis.
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4 Responses to Promi-Klassen und Boulevard-Journalismus
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Leidartikel ist das private Blog von Jürgen Vielmeier, Journalist, Redakteur, Autor, Innovationsberater. Leidartikel hat kein festes Thema. Hier poste ich, was ich auf dem Herzen habe wannimmer es etwas zu erzählen gibt.Seiten
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Was möchtest Du uns sagen, Jürgen?
Abgesehen davon: Promis sind überflüssig wie ein Kropf und doch braucht der Mensch sie. Worüber, frage ich Dich, sollten sich Menschen sonst unterhalten?
Übrigens gibt’s auch noch die Promis, die keine sind. Das sind die Promis jeder Klasse, die es hinbekommen, dass sie ihr Privatleben völlig abschirmen. Womit schon klar wäre, worauf das alles hinausläuft: PR. Und die unglaubliche Angst mancher “Stars”, ins Vergessen zu geraten. Denn jede Schlagzeile, sei sie noch so schlecht, wirkt sich positiv auf die Verkäufe der eigenen Produkte aus. Und wenn Personality-Stories von Promis auftauchen, von denen man sonst nichts hört, weiß man, dass die bald einen neuen Film/CD/Buch rausbringen…
Zurück zu Deinem Eintrag: Wo genau ist jetzt die Kritik?
Ich will überhaupt keinen Boulevard-Journalismus! Meiner Meinung nach habe ich genug mit meinem eigenen Leben zu tun, als dass mich das anderer interessieren sollte.
Wenn sich hier im Dorf drei Straßen weiter jemand mir unbekanntes ins Koma säuft, ist mir das auch relativ egal, weil das seine Sache ist. Weshalb sollte ich mich jetzt für ähnliche Fälle begeistern, welche wesentlich weiter entfernt sind und Menschen betreffen, die von anderen in das Rampenlicht von Klatschmagazinen gedrückt wurden?
Die beste Definition für D-Promis ist “Menschen die nie irgendetwas richtiges gemacht haben und keiner weiss wieso sie überhaupt in den Medien auftauchen”. Solche Tussis die immer gerne andere “Promis” kommentieren und gelegentlich im Fernsehen sind, weil sie mit jemandem Bekannten gevögelt haben, also die einzige Möglichkeit noch unter Big-Brother-Jürgen zu stehen. Beliebtes Ziel von D-Schlampen: Boris Becker…
hallöchen
was ist tekin kurtulus???? und chriastina storm, der nochmals eine stufe unter ihm steht?