Vor einem halben Jahr hatte der Bonner Student Andreas Beer erst ein paar Schnappschüsse mit seiner Handykamera gemacht. Für ein Auslandssemester nach Portugal kaufte er sich seine erste Kamera und arbeitete sich damit einen eleganten, fast professionellen Stil an. Vor allem Nahaufnahmen sind seine Stärke. Auf seinem Flickr-Account (neue Bilder stehen vorne) kann man seitdem sehr schön nachvollziehen, wie seine Bilder über die Wochen und Monate in Lissabon immer besser geworden sind. In einem Interview versuchte Leidartikel.de ihm zu entlocken, wie er so schnell so gut geworden ist.

Leidartikel.de: Hallo Andreas. Auf deiner Flickr-Seite kann man ziemlich deutlich erkennen, wie sich deine Fotos innerhalb eines halben Jahres von normalen Schnappschüssen zu professionellen Fotos entwickelt haben. Was ist in dem halben Jahr passiert?

Andreas Beer: Ich hatte eine kleine Digicam, die in meine Hosentasche passte, und viel Zeit. Wenn man so viel zu Fuß unterwegs ist wie ich, will man halt gerne mal festhalten, was man an unbekannteren Orten sehenswertes entdeckt. Anfangs war teilweise die Enttäuschung recht groß, was als Endprodukt rauskam, also habe ich versucht bessere Perspektiven, Qualität und Motive zu finden, und mit viel Übung hat man dann eine entsprechende Lernkurve. Professionell sind meine Fotos aber noch lange nicht.

Was fehlt dir denn noch zum echten Profi?

Viel. Die Geheimnisse des richtigen Lichts fange ich gerade erst an zu entdecken. Auch gibt es viele Bereiche, an die ich mich noch gar nicht rangewagt habe: Porträts, Events, Sport, Industrie, Studio, und was es sonst noch so für Bindestrich-Fotografien gibt. Ein Profi zeichnet sich für mich dadurch aus, dass er eine große Bandbreite und Tiefe an Wissen und Erfahrung hat, und sich auch in komplett neuer Umgebung oder extrem schwierigen Situationen nicht verunsichern läßt. Was nicht zwingend heißt, daß ich Profi werden will, vielleicht kann man als Amateur mehr Spaß an der Sache haben.

Profis haben oft eine ganze Serie von Kameras, Objektiven oder Lichtkoffern. Womit arbeitest du?

Da ich nur das abbilden will, was ich sehe, brauche ich künstliches Licht eigentlich gar nicht. Selbst der Blitz kommt bei mir bisher nur in Experimenten zum Einsatz. Dank der schnellen Entwicklung der Kompaktkameras in den letzten Jahren, brauche ich eigentlich nicht mehr als eine Kompakte, einen guten Satz Akkus, ein USB-Kabel und einen PC für die Elektronische Bildverarbeitung. Mit meiner neuen (gebraucht gekauften) Bridgecam, die das Kompaktkamera-Prinzip bis ans Limit ausreizt, habe ich vom Vorbesitzer noch eine Supermakro-Linse dazu bekommen. Da das Auf- und Abschrauben aber viel Zeit benötigt, nehm ich sie meistens gar nicht erst mit. Dann lieber noch meine alte Kompaktkamera, die mich die letzten sechs Monate begleitet hat.

War das eine ganz normale Kompaktkamera, wie man sie auch im Supermarkt kaufen kann?

Ja, ich hatte kein großes Budget, wollte aber über meine vorherige Handykamera-Qualität hinaus gehen. Also habe ich mich umgeschaut, welche Low-Price-Cam gute technische Daten aufweist, und hab dann für 130 Euro zugeschlagen. Meine Bridgecam hingegen schlägt gebraucht schon mit 300 Euro zu Buche und wird auch nicht in Supermärkten vertrieben.

Welche technischen Details sind denn wichtig für gute Fotos bei Kameras in dieser Preisklasse?

Das hängt in großem Maße davon ab, was man fotografieren will. Damals kannte ich mich selber nicht aus, und habe die gleiche Frage an Bekannte gestellt, und da sagte man mir, eine große Bandbreite bei den ISO-Werten und Belichtungszeiten sollte beachtet werden. Wer, wie ich, 99% in hellem Tageslicht fotografiert, braucht aber keine hohe ISO-Empfindlichkeit. Da ist es viel wichtiger, dass die Bilder bei niedrigen ISO-Werten nicht rauschen. Lange Belichtungszeiten sind dann zum Beispiel ebenfalls überflüssig. Für gute Fotos ist es viel wichtiger, eine ruhige Hand zu haben, oder im Zweifelsfall irgendein Stativ. Ich will nicht wissen, wieviele gute Bilder mir allein durch Verwackeln kaputt gegangen sind. Bildstabilisatoren gibt es in der Preisklasse noch gar nicht. Auch auf das Vermarktungsargument Megapixel sollte man nicht reinfallen. Wer keine Postergrößen von seinen Fotos drucken will, braucht keine 7 Megapixel. Aber eine hohe Auflösung kann ganz hilfreich sein, wenn man aus seinen Fotos nur Stücke herausschneiden will. Gerade am Anfang ist man sich extrem unsicher, welchen Ausschnitt man für das Endbild wählen soll.


Du arbeitest in letzter Zeit viel mit breiten Ausschnitten. Ist das besonders augenfreundlich?

Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht, es ist einfach eine persönliche Vorliebe. Ich kann es nicht wirklich erklären, aber immer wenn ich die Wahl zwischen einem 4:3-Ausschnitt und einem Breitbild-Ausschnitt habe, finde ich letzteres interessanter. Vielleicht ist das zur Zeit eine Mode, da auch die Fernseher, TFTs, Laptops, und sogar Spiegel-Online-Titelfotos ins Breite rutschen.

Zu guten Fotos gehört auch eine ganze Menge Wissen. Was ist deiner Erfahrung nach entscheidender für gute Fotos: Praktische Erfahrung oder Theorie?

Weder noch. Für „gute” Fotos muss man wissen, was man selbst als “gut” betrachtet. Man muss in sich hineinschauen, und seine Erwartungen kennenlernen. Und die Interaktion zwischen diesen Erwartungen und der Welt ständig aktualisieren. Ich habe eine Empfehlung gelesen, die lautete: “Wer gute Fotos machen will, soll sich Fotos anschauen, die er gut findet”. Wenn man weiß, was man anstrebt, entdeckt man auch den Weg dorthin. Theorie und Praxis sind zwei Facetten auf dem Weg, sich seinem Ziel anzunähern. Aber es gibt auch andere, wie Ausrüstung und Herangehensweise. Welche Kombination aus allen Faktoren einem am besten liegt, bleibt eine Frage der jeweiligen Persönlichkeit.

Du warst für ein Semester in Portugal und kamst danach als, ich sag mal, Halbprofi der Fotografie zurück nach Deutschland. Hat der Aufenthalt in Portugal dir dabei geholfen, die Umwelt anders wahrzunehmen?

In gewisser Weise schon, denn bei einem Auslandsaufenthalt ändert sich zuerst die Umwelt, die man dann wahrnehmen lernen muss, und durch das Lernen ändert sich die Wahrnehmung. Aber, um eine neue Umwelt zu erleben, muss man nicht nach Portugal fliegen. Gestern war ich drei Straßen weiter in einer Ecke meiner Stadt, wo ich noch nie gewesen bin. Wie heißt es bei Calvin & Hobbes so schön: „There’s treasure everywhere.”

Letzte Frage: Was sind deine Lieblingsmotive?

Meine Lieblingsmotive sind die, die sich durch ein schönes Farbspektrum auszeichnen. Da ich morgens nie weiß, wo ich hingehen werde und was für Motive ich abends nach Hause bringen werde, ist das Fotografieren jedesmal eine Entdeckungsreise.

Bilder: Andreas Beer. Lizenziert unter Creative Commons. Bestimmte Rechte vorbehalten.


Verwandte Beiträge

  1. Alt werden
 

4 Responses to Auf Entdeckungsreise

  1. CRen sagt:

    Ach, was solls, ich muss lästern…

    Fragestellung: Mies.
    Bilder: Untoll.
    Und “so gut” find’ ich das Zeug auch nicht, das kriegt jeder mit dem Blick für’s Wesentliche in kurzer Zeit auf die Kette… Auch mit einer offensichtlichen Billigkamera ;)

    Trotzdem bleibt meine große Frage: WO IST DER NUTZEN DIESES INTERVIEWS? Was willst Du dem Leser vermitteln? ;)

    Hach, Redakteur sein kann schöööön sein, auch und gerade ungefragt ;)

  2. JayWalker sagt:

    Hach ja, CRen wie er leibt und lebt. Einfach mal gegen alles sein. Ohne dich wär’s langweilig. ;)

  3. JayWalker sagt:

    Wir müssen dringend mal wieder ein Bier zusammen trinken. Das kann ja so nicht weitergehen.

Einen Kommentar hinterlassen

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Set your Twitter account name in your settings to use the TwitterBar Section.