Social Networks könnten personalisierte Daten weitergeben. Wo ist der Skandal?
Soziale Netzwerke im Internet, wie Facebook, MySpace, Xing oder StudiVZ werden zunehmend von der Werbewirtschaft entdeckt. Das geht aus einem Bericht der britischen Regulierungsbehörde Ofcom hervor. Grund ist offenbar die Beliebtheit dieser Plattformen, die sich Unternehmen zunehmend zunutze machen wollen. So hat fast jeder vierte Brite (23 Prozent) ein Profil in einem solchen Netzwerk. Als Hauptgrund, solche Plattformen zu nutzen, gaben die meisten von Ofcom Befragten an, alte Freunde und Bekannte wiederzufinden. Die deutsche Vorzeige-Plattform StudiVZ zählt inzwischen über vier Millionen Mitglieder – und hat aufgrund des Erfolgs jetzt die AGB geändert. Die neuen Richtlinien sehen vor, jedem Nutzer personalisierte Werbung anzubieten. Diese wird den Daten angepasst, die von den Nutzern selbst eingegeben wurden, also Vorlieben, Lieblingsfilme, -bücher, -zitate etc.
Jeder StudiVZ-Nutzer muss den neuen AGB bis Anfang Januar zustimmen, wenn er die Plattform weiter nutzen will. Die Online-Presse hat sich kritisch mit den neuen AGB auseinander gesetzt. Befürchtet wird vor allem, dass StudiVZ personalisierte Daten an Werbetreibende weitergeben könnte. Das Unternehmen hat versichert, dass dies nicht der Fall sein wird und es das laut den AGB auch nicht kann. Von Spiegel Online befragte Rechtsexperten sind sich da weniger sicher. Auch Xing hatte bereits im November angekündigt, personalisierte Werbung einsetzen zu wollen. Bei Facebook war vor kurzem bekannt geworden, dass das Unternehmen Nutzerdaten an Werbetreibende weitergeben wollte. Nach massiven Protesten hat sich Facebook inzwischen bei seinen Nutzern dafür entschuldigt und die Aktion gestoppt.
Davon, dass Social Netzworks mit personalisierter Werbung Geld verdienen wollen, war meiner Meinung nach auszugehen. Nur mit Premium-Diensten und kleinen Werbeflächen sind solche Projekte auf Dauer wohl nicht zu finanzieren. Neu ist das aber nicht: Google arbeitet seit langem mit personalisierter Werbung, zum Beispiel in dem Webmailer Gmail. Die Plattformen – und vor allem die Konzerne, die Anteile an ihnen erworben haben – wollen ihre massiven Ausgaben natürlich wieder hereinholen. Ich finde daran wenig Verwerfliches, solange absolut sichergestellt ist, dass die Plattformen die Daten ihrer Nutzer nicht weitergeben. Da mahnen Datenschützer gerade zu Recht zur Vorsicht.
Und selbst bei einer Weitergabe der Daten an Dritte, wäre das Ärgernis größer als der Skandal. Man würde dann vielleicht mit Werbemails zugekleistert, in denen etwa für das neue Buch des Lieblingsautors geworben wird. Das wäre dann nichts anderes als die persönlichen Empfehlungen, wie man sie bei Amazon.de längst nutzt. Dass die eigenen persönlichen Daten dann von Dritten, also Unternehmen, Datenschützern, Stalkern, Verbrechern, Nachbarn etc. eingesehen werden können, ist diesmal nicht der Skandal. Denn das ist aufgrund der Quasi-Offenheit dieser Plattformen längst möglich. Das gibt keiner Plattform das Recht, die Daten einfach weiterzugeben, die man eingegeben hat, als von einer Weitergabe noch nicht die Rede war. Es wird die Nutzer aber hoffentlich ein wenig dafür sensibilisieren, was sie im Web veröffentlichen. Muss man wirklich die Namen aller Ex-Freundinnen, sexuelle Vorlieben und intime Partyfotos offenlegen? Oder lohnt es sich nicht doch, ein paar Geheimnisse für sich zu behalten?
via Fresh-Info-Blog
Verwandte Beiträge
5 Responses to Social Networks könnten personalisierte Daten weitergeben. Wo ist der Skandal?
Einen Kommentar hinterlassen Cancel reply
Info
Leidartikel ist das private Blog von Jürgen Vielmeier, Journalist, Redakteur, Autor, Innovationsberater. Leidartikel hat kein festes Thema. Hier poste ich, was ich auf dem Herzen habe wannimmer es etwas zu erzählen gibt.Seiten
Rückblende
- Juli 2011 (1)
- Dezember 2010 (5)
- November 2010 (1)
- Oktober 2010 (2)
- August 2010 (2)
- Juli 2010 (3)
- Juni 2010 (5)
- Mai 2010 (2)
- April 2010 (4)
- März 2010 (5)
- Juni 2009 (2)
- März 2009 (1)
- Dezember 2008 (5)
- November 2008 (13)
- Oktober 2008 (5)
- September 2008 (7)
- August 2008 (9)
- Juli 2008 (2)
- Juni 2008 (10)
- Mai 2008 (6)
- April 2008 (35)
- März 2008 (16)
- Februar 2008 (24)
- Januar 2008 (25)
- Dezember 2007 (12)
- November 2007 (14)
- Oktober 2007 (13)
- September 2007 (13)
- August 2007 (21)
- Juli 2007 (30)
- Juni 2007 (34)
- Mai 2007 (26)
- April 2007 (20)
- März 2007 (16)
- Februar 2007 (10)
- Januar 2007 (14)
- Februar 2006 (1)
- Januar 2006 (5)
Blogroll
- André Vatter
- Basic Thinking
- Bonn-Log
- Carta
- Der Stuff
- Enno Park
- Florian Treiß
- Georg Schneider
- Ibo Evsan
- Jakob Zogalla
- Jan Tißler
- Jens Arps
- Jott
- Katha
- Marc C. Schmidt
- Mathias Röckel
- Michael Friedrichs
- Natalie Schmidt
- Nicole Chemnitz
- Pocketbrain
- Rob Bubble
- Robert Basic
- Ronnie Grob
- Rootwerk
- Stereopoly
- Tonjuwelen
- Torsten Kleinz
- Tueksta
- Upload Magazin
- Uwe Ramminger
- Wp-Spezialist
- xTown
- YuccaTree





Zu Problemen kann es bei anstehende Bewerbungen kommen. Auf Grund der anonymen Anmeldemöglichkeiten im StudiVZ und der offenen Einblendung aller verlinkten Fotos ohne die Möglichkeit die verlinkten Fotos auszublenden (habe noch keine gefunden bisher) lässt sich nicht vermeiden, dass der zukünftige Chef im privaten fotografisch erfassten Umfeld herumschnüffelt und evtl. das ein oder andere peinliche Bild entdeckt. So bleibt einem nur, sobald einige zu private Dinge ans Licht kommen, den Account zu kündigen, erneut anzulegen und zu hoffen, dass man nicht erneut auf diesen Fotos verlinkt wird.
Web 2.0 ist doch was feines…
Gegen personalisierte Werbung ist nichts einzuwenden, ist doch gut, wenn es jetzt auch ordentlich in den AGB`s steht.
Hier bin ich für jeden Kommentar dankbar!
http://blog.openbc.com/2008/01/statement.html#comments
INTERESSANT UND WICHTIG
Hier steht genau und mit Bildern, wie man die neue umstrittene personalisierte Werbung ausschalten kann:
http://www.netzwerk-des-wissens.de/ArtikelZusammenstellen_DB.php?artikel_id=27