Zensierbare Kommentare bitte!
Das Landgericht Hamburg hat eine Unterlassung gegen den Blogger und Medienjournalisten Stefan Niggemeier erlassen. Es geht um den beleidigenden Kommentar eines Lesers in Niggemeiers Blog zu einem Beitrag über die Callactive GmbH. Diesen Kommentar hätte Niggemeier nach Ansicht des Gerichts aufgrund der Brisanz des Artikels schon vor der Veröffentlichung kontrollieren müssen. Das Gericht schlug vor, Niggemeier könne sich ja jeden Tag zwei bis drei Stunden hinsetzen und jeden einzelnen Kommentar nach beleidigenden Äußerungen durchsuchen und dann erst hochstellen.
Für einen der besten Medienjournalisten Deutschlands, der mehrere Blogs betreibt, sein Brot auch mit Artikeln in der Tagespresse verdienen muss und regelmäßig Dutzende Kommentare für jeden Eintrag bekommt, manchmal sogar weit mehr als hundert, wäre das meiner Meinung nach einfach eine untragbare Ressourcenverschwendung. Niggemeier hat sich zum Glück nicht auf einen Vergleich eingelassen, sondern will Berufung gegen das Urteil einlegen. Denn betroffen von diesem Blödsinn sind alle Blogger, die Kommentare auf ihren Blogs zulassen.
Der Kommentar, der Auslöser des Streits war, erschien an einem Sonntagmorgen um 3:37 Uhr. Niggemeier löschte diesen unaufgefordert um 11:06 Uhr am gleichen Morgen, als er von dem Eintrag erfuhrt. Das reichte aber weder der Callactive GmbH, noch dem Landgericht Hamburg. Sie sehen die Blogbetreiber in der Pflicht, beleidigende Kommentare gar nicht erst zu ermöglichen. Ich halte das für maßlos übertrieben. Dadurch würde der Grundgedanke hinter Weblogs, sich mit Lesern auszutauschen, massiv eingeschränkt. Das ist weder wünschenswert, noch praktikabel, und noch dazu schränkt es die Meinungsfreiheit ein.
Deswegen werde ich einmal versuchen aufzuzeigen, was für ein Aufwand es wird, die Forderung des Landgerichts Hamburg in die Tat umzusetzen und rufe zu einer einmaligen Wochenendaktion auf: Beleidigt hier, wen immer ihr wollt und wie immer ihr wollt, und ich werde eure Beiträge zensieren, bevor ich sie veröffentliche (oder veröffentliche sie erst gar nicht, das kommt auf den Inhalt an). Nutzt die Chance und kotzt euch aus, über was und vor allem wen ihr immer schonmal wolltet! Beteiligt euch zahlreich und oft!
Während der Aktion schalte ich die Kommentare aller Beiträge auf den Vorabkommentier-Modus. Es wird dadurch zu Verzögerungen bei der Veröffentlichung kommen.
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Leidartikel ist das private Blog von Jürgen Vielmeier, Journalist, Redakteur, Autor, Innovationsberater. Leidartikel hat kein festes Thema. Hier poste ich, was ich auf dem Herzen habe wannimmer es etwas zu erzählen gibt.Seiten
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