Postbeamte mit Galgenhumor
Als ich gestern Nachmittag in der Postfiliale in der Dorotheenstraße Geld abheben wollte, sah ich einen schäbigen alten Koffer in der Halle herumstehen, der offenbar niemandem gehörte. Ich schaute auf den Geldautomaten, dann auf den Koffer, dann in die Halle und wieder auf den Koffer und dachte mir in einem plötzlichen Anfall von Terrorangst: Hm, vielleicht fragst du mal lieber am Schalter nach, ob das alles so seine Richtigkeit hat und den nicht am Ende ein Fundamentalist oder Bankräuber dahin gestellt hat. Ich konnte ja nicht ahnen, dass ich am Schalter an einen Zyniker geraten würde, der auch noch allen Grund hatte schlecht drauf zu sein.
Moi: “Moin. Wissen Sie, dass da hinten am Geldautomaten ein herrenloser Koffer herumsteht?”
Der Mann am Schalter: “Ja, da stellen die Leute so einiges hin. Ist denen wohl auch egal, jetzt wo die Filiale bald dicht gemacht wird.”
Moi: “Ehrlich? Die Filiale hier wird geschlossen?”
Er: “Ja ja, so in drei, vier Monaten ist hier alles dicht.”
Sein Kollege sieht im Vorbeigehen die Überraschung in meinem Gesicht und ruft: “Ja. Das stimmt, was er sagt.”
Moi: “Oh, rationalisiert die Post also mal wieder?”
Der Mann am Schalter nickt mit dem Kopf und guckt dabei nicht gerade zufrieden.
Moi: “Und was wird dann aus Ihnen und Ihren Kollegen?”
Er: “Ich bin Beamter. Also ich hab meinen Job sicher.”
Ich lache, aber es fand das wohl nicht wirklich witzig.
Moi: “Na, dann ist’s ja nicht so schlimm.”
Er zuckt mit den Achseln, mag mir aber nicht so recht zustimmen.
Moi: “Gut, das war’s dann auch schon. Ich dachte nur, ich sag mal Bescheid wegen dem Koffer. Man muss ja vorsichtig sein heutzutage. Nicht, dass da einer ne Bombe drin versteckt hat.”
Er: “Macht auch keinen Unterschied mehr. Von mir aus kann der ganze Laden hier in die Luft fliegen.”
Ich bin dann mal gegangen. Auf jeden Fall schade um die Postfiliale in der Dorotheenstraße; egal ob sie nun von einer Bombe platt gemacht wird oder von einer Abrissbirne …
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7 Responses to Postbeamte mit Galgenhumor
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Leidartikel ist das private Blog von Jürgen Vielmeier, Journalist, Redakteur, Autor, Innovationsberater. Leidartikel hat kein festes Thema. Hier poste ich, was ich auf dem Herzen habe wannimmer es etwas zu erzählen gibt.Seiten
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Das erklärt die ausgesprochene Freundlichkeit der Postbeamten in den letzten Wochen.
Ich brauche die Postfiliale eigentlich nur noch, um ab und zu ein Päckchen aufzugeben. Habe das noch nie an einer Packstation versucht. Wird wohl auch kein Problem sein. Wenn ich mir aber vorstelle, wie meine Eltern vor Jahren das Problem hatten, Geld aus dem Automaten zu ziehen und später dann mit der EC-Karte eine Fahrkarte am Automaten zu kaufen.
In der Altstadt wohnen doch nur junge Leute, oder? Da wird das ohne Post sicherlich kein Problem werden.
@ Matthias: Wohnst du schon lange hier in der Gegend?
Die waren eigentlich immer schon das Gegenteil von freundlich, seit ich die Typen kenne. Neu ist mir nur der Zynismus…
@ Peter: Man kann da ganz preiswert Stifte, Grußkarten, Kopierpapier und Versandmaterial kaufen. Wo bekomme ich denn jetzt Luftpolster-Versandtaschen her?
Etwas von Aksoys Kiosk in der Vorgebirgsstraße?
Im Internet. Oder von Staples.
Ich will das gar nicht rechtfertigen. Aber die Unternehmen wollen die Kosten senken und schließen ihre Filialen. Die Post fängt übrigens an, in anderen Läden Ständer mit ihren Paketverpackungen aufzubauen. Auch in Supermärkten. Vielleicht sind auch da deine Luftpolster-Versandtaschen dabei.
Schweine! Wo muss ich denn dann zukünftig meine Pakete abholen, wenn ich, wie meistens, beim Zustelltermin nicht zu Hause bin?? Am Münsterplatz? Die ham se doch nich mehr alle! Den stell ich morgen erstmal nen Koffer in den Laden!
Kannst auch nen Paket Sch..ße verschicken und das Paket nicht richtig zukleben. Ne, wat bin ich fies.
[...] habe ich vor meiner geliebten Postfiliale bei einem SPD-Stand gegen die geplante Schließung derselben unterschrieben. Drinnen, beim Warten am Geldautomaten, habe ich folgendes interessantes [...]