Bonn-MarathonSeit dem Bonn-Marathon gestern habe ich den Beweis dafür: Jeder Mensch ist beeinflussbar, solange er keine Kopfhörer trägt. Jeder kann jeden auf recht mühelose Weise herunterziehen und zur Sau machen und tut das auch, weil es halt einfacher ist. Zumindest scheint es so, denn die meisten scheinen einfach nur verlernt zu haben, wie man Menschen eigentlich motiviert. Als Zuschauer bei einem Marathonlauf hat man die Möglichkeit über seinen eigenen Schatten zu springen. Wir haben das gestern mal ausprobiert.

Notwendige Hilfsmittel
- Rasseln, Tröten, faltbare Transparente, auf denen “Weck den Kenianer in dir” o.ä. steht
- Gute Akustik mit möglichst viel Hall (ideal dafür ist eine dicht bebaute Straße)
- Mehrere motivierte Mitstreiter (alleine funktioniert das nicht)

Versuchsaufbau
Platzierung am Straßenrand bei Kilometer 40, also zwei Kilometer vor dem Ziel, wo sonst keiner steht. Klar, auf der Zielgerade jubeln Hunderte den Läufern zu. Hart sind für die Läufer deswegen die Streckenabschnitte, an denen niemand steht.

Versuchsdurchführung
Massiver Einsatz akustischer Motivationsgeräte (siehe Hilfsmittel). Direkte und individuelle verbale Interaktion mit dem Läufer. Besonders eignen sich dafür Läufer mit Motto-T-Shirt (“FC Bruchsal for Life”, “Jesus liebt euch”, “Meike, willst du mich heiraten?”), Läufer, die kurz vor dem Kollaps stehen, oder solche, die schon Gehpausen eingelegt haben. Zurufen allgemeiner oder personalisierter Parolen. Nicht locker lassen, ehe der Läufer reagiert. Wichtig sind positiv formulierte Parolen.
Falsch: “Da läuft meine Oma ja schneller als du und sieht auch noch jünger dabei aus!”
Besser: “Ihr faulen Säcke! Gebt mal Gas!”
Gut: “Gas geben jetzt! Da vorne ist schon das Ziel!”

Bei den Sprüchen kann man sich weit aus dem Fenster lehnen. Vorteil: Der Läufer kann sich vor Erschöpfung ohnehin nicht wehren.

Überraschendes Ergebnis
Läufer fingen an zu lachen, winkten zurück oder wurden merklich schneller. Läufer, die eine Gehpause eingelegt hatten, fingen wieder an zu laufen.

Positiver Nebeneffekt
Man fühlt sich überraschend gut dabei, wenn man herausfindet, dass man die Möglichkeit hat, Menschen zu Höchstleistungen zu motivieren. Und das auf recht simple Weise. Und man überlegt sich, ob es diese Möglichkeit vielleicht auch in anderen Bereichen des Lebens geben könnte …

P.S. Superleistung, Bene!


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11 Responses to Marathonläufer zu motivieren ist überraschend einfach

  1. kaczy sagt:

    Jo der bene ist der man!!!

  2. Alexander sagt:

    Netter Artikel und vor allem: Vielen Dank an euch alle, die gestern geklatscht, gejubelt, angefeuert haben! Es motiviert einen wirklich, wenn viele Zuschauer am Rand stehen und einen begeistert empfangen, selbst wenn man weiß, daß niemand davon einen kennt. Ihr alle habt mir über die letzten Kilometer geholfen.

  3. TaxiDriver sagt:

    Stimmt, war schon spannend, was die Marathonis so alles auf Zuruf gemacht haben. Besonders wenn man ihnen, kurz vor dem Münsterplatz, fröhlich mit einem Glas Sekt zugeprostet hat. Hach, gestern war schon ein schöner Tag.

  4. lexxa sagt:

    ja, wär’ schon nicht schlecht, wenn Mensch(en) sich im Alltag auch mal ab und an gegenseitig motivieren würden.. Aber dazu fehlt ihnen (den Gebenden) eben meist ebenfalls die Motivation ;-) Die eure war ja augenscheinlich der Versuch, das Experiment – oder?
    Auf alle Fälle beib ich trotzdem dabei: Laufen nur mit Musik im Ohr!! Anders geht da gar nichts..

  5. Zuperman sagt:

    Meine Recherche im Zielbereich hat ergeben: Ihr hättet euch mal lieber bei km 37 positioniert. DA hätten die Leute euch wirklich gebraucht. Geiles Bild jedenfalls, wie die im Ziel reihenweise auf den Boden (alternativ Vordermann) kotzen. Hoffentlich zeichnet ihr da nicht auch für verantwortlich.

  6. JayWalker sagt:

    @ Zuperman: Doch klar. Mir han dene jesach: Noch nit hier, erst im Ziel! Und du solltest ja auch was zu aufnehmen haben für deine Reportage. ;)

    @ TaxiDriver: Bist du verliebt?! :)

    @ lexxa: Laufen zusammen mit netten Leuten macht mehr als Spaß als mit Musik im Ohr, glaub es mir! ;) Na ja, unsere Motivation war in erster Linie die halbe Stunde totzuschlagen bis der Bene endlich vorbeischleichen würde. Und wo wir schonmal da standen, …

  7. Nicky sagt:

    Hier schlagen ja echt die Frühlingsgefühle durch.. überall der Verdacht, dass igrnedwer verliebt ist… Sonne macht albern

  8. Marc sagt:

    “Sonne macht albern”… oh nein gute Laune…. Hilfe… wir brauchen mehr Sonne :)

  9. JayWalker sagt:

    Stimmt, keine falschen Anschuldigungen hier! ;) Vorher Faktelage überprüfen.

  10. TaxiDriver sagt:

    Jawoll, Sonne macht gute Laune und sonst nichts. ;-)

    Ich muß euch da leider enttäuschen, denn albern bin ich auch meist so.

  11. Zuperman sagt:

    Krass. Der Typ ist ja den ganzen Marathon gelaufen. Und jetzt hat er auch noch Post von Bärbel, die ihm persönlich gratuliert. Aber das hat der Racker sich auch verdient.

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