Es ist ein komisches Gefühl. Zum einen war es sehr, sehr schön: Chor-Wochenende, fast so eine Art Trainingslager, aber mit hohem Freizeitwert: viel gesungen, im Wald spaziert, mal so richtig ausgespannt, über sich selbst nachgedacht, gelacht, gefeiert, fast auf Wolke 7 geschwebt.

Und gleichzeitig halten es gar nicht mal so weit von hier die Herren Putin und Saakaschwili für eine gute Idee, Städte in Schutt und Asche zu legen. Beobachter wie Journalisten sprechen dabei von Rhetorik: dass Putin zeigen will, wer der Herr im Hause ist, wenn er Wohnhäuser in Gori bombadieren lässt; dass Saakaschwili den Westen zum Vermitteln bewegen will, indem er Zchinwali dem Erdboden gleich macht. Eine sehr feine Rhetorik, die tausenden Unbeteiligten das Leben kostet.

Ein Freund ruft mich unterwegs an und berichtet traurig davon, dass die Polizei ihn nicht ernst genommen hat, weil er Ausländer ist. Und ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Dass es in Deutschland trotzdem weniger Ungerechtigkeit gibt als in den meisten anderen Ländern, hilft doch da auch nicht! Dass es nur um eine verhältnismäßig kleine Sache ging, ändert auch nichts am grundlegenden Problem, dass es in Deutschland eine latente Ausländerfeindlichkeit gibt. Weil wir zu keiner Lösung kommen, einigen wir uns darauf, dass der Krieg in Georgien schlimmer ist und beenden das Gespräch irgendwie.

Bei der anschließenden Chorprobe spukt mir ständig ein Gedanke im Kopf herum: Was würde ein Georgier/Südossetier gerade denken, wenn er mich bei der Chorprobe sehen würde, während er heute nichtmal sicher sagen kann, ob er morgen noch lebt? Ich denke, er würde es in Friedenszeiten genauso machen, während ich in Kriegszeiten genauso arm dran wäre. Deswegen kann ich ohnehin nichts anderes tun als das: Das Elend nicht ignorieren, die Polizei in Zukunft kritischer beobachten, aber auch das beste aus meinem Leben machen und scheinbare Selbstverständlichkeiten wie den Frieden schätzen lernen.


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4 Responses to Von Wolke 7 bis Kriegsrhetorik – ein kontrastreiches Wochenende und eine Erkenntnis

  1. lexxa sagt:

    *ein Kommentar ohne Worte* Ich kann dir da nur zustimmen…

  2. Kevin sagt:

    Putin und “Herr im Hause”? Nur weil die Bild Zeitung so einen Quatsch druckt, muß man das noch lange nicht nachplappern.
    Wie einfach es ist, wenn man kein russisch spricht und sich auf die einseitge Berichterstattung des Westens verlässt. Das Georgien ein Land annektieren will wird verschwiegen. Das sich Georgien sowas nur mit Hilfe amerikanischer Waffen und deren Rückendeckung traut kehren wir auch unter den Tisch. Achso, die versprochenen Stützpunkte für USA bleiben auch lieber unerwähnt, könnte ja sonst jemand auf die Idee kommen es wäre nicht der böse “undemokratische” Putin der damit angefangen hat. Putin, der schon einige Zeit lang nicht mehr Präsident ist und somit auch gar keinen Kriegseinsatz genehmigen kann.
    Hoppeln wir nur mit, im Einheitskanon des großen Verbündeten der USA und Ihrer Meinungsmaschinerie.

    Das Russland seiner Verfassung treu bleibt (so steht das übrigens auch in der deutschen Verfassung) in dem es seine Bürger schützt ist, finde ich gut. Das Menschen dabei sterben nicht. Aber so ist das nunmal, das Volk badet halt immer aus was die be******** Politiker sich so ausdenken.

  3. Marc sagt:

    Der deutschen Polizei traue ich schon lange nicht mehr zu im Sinne des Volkes zu handeln.

  4. JayWalker sagt:

    @ Kevin:
    Ertmal sorry, wegen der späten Antwort. Ich komm ja hier zu gar nichts mehr…
    Joa, ein paar Dinge scheinst du aber auch falsch verstanden zu haben: Zunächst einmal gehören Südossetien und Abchasien völkerrechtlich zu Georgien. Was hat Russland dann damit zu schaffen und was hat das mit Annektieren zu tun? Putin ist kein Präsident mehr, aber zweifelst du etwa daran, dass er nach wie vor der starke Mann in Moskau ist, nachdem Medvedew von ihm eingesetzt wurde und er nach wie vor eines der höchsten Regierungsämter inne hat? Georgien mag im aktuellen Konflikt angefangen haben, aber Russland hat den Kampf dankend angenommen und die Stimmung im Vorfeld angeheizt.

    Abgesehen davon habe ich niemandem irgendwas nachgeplappert oder mich auf eine Seite gestellt. Ich sehe auf beiden Seiten nur Verlierer und finde es auch bedenklich, dass der Westen sich auf die Seite Saakaschwilis geschlagen hat und Merkel Georgien sogar in die Nato aufnehmen will. Alles sehr bedenklich.

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