Wahrscheinlich habe ich es Alan zu verdanken, dass mich die Urlaubsstimmung überhaupt eingeholt hat. Ich lerne ihn auf dem Flug von Dubai nach Singapur kennen. Wir haben gute Plätze bekommen, teilen uns eine Zweierreihe am Fenster ganz am Ende der Maschine mit viel Beinfreiheit, direkt vor dem Aufenthaltsraum der Stewardessen. Alan ist Engländer, Anfang 40 und hat gerade eine Auszeit genommen. Er enttarnt sofort meinen deutschen Akzent, was ihn aber nicht zu stören scheint. Er ist nett, anfangs nicht sehr gesprächig. Doch das ändert sich nach dem Abendessen. Ich bestelle mir ein Bier, Alan einen Gin Tonic und eine kleine Flasche Wein. Danach taut er auf.

Ich hatte überhaupt keine Lust mehr, in den Urlaub zu fahren. Die Woche vor dem Urlaub ist meist so stressig, dass man die freie Zeit kaum genießen kann: Sachen vorarbeiten, Sachen besorgen, Sachen packen, alles mehr schlecht als recht schaffen. Und dann wird selbst die Fahrt zum Flughafen zum Fiasko. Es ist Sonntagabend und rund um Köln reiht sich Stau an Stau. Nicky und ihr Mann, die mich zum Flughafen bringen (hatte ich mich eigentlich schon dafür bedankt? :-P ) versuchen gelassen zu bleiben. Dabei rückt der Flug immer näher und mir kommen die üblichen Zweifel: Schaffen wir’s noch bis zum Flughafen? Was soll ich eigentlich ganz alleine in Asien, sind zwei Wochen nicht zu lang für einen Urlaub mutterseelenalleine und schon wieder zu kurz um richtig abzuschalten? Wo soll ich nach Singapur hin? Was mache ich hier eigentlich?

Wer Alan kennenlernt, dürfte jeden Gedanken an Zuhause für eine Weile vergessen. Er macht wie ich Zwischenstation in Singapur und reist danach weiter auf die Philippinen. Dort, sagt er, gibt es die schönsten Frauen der Welt. Um es mir zu beweisen, hält er eine Stewardess an und fragt sie über ihre Herkunft aus, und ach ja, ob er noch was zu trinken bekommen könne. Sie ist tatsächlich eine Filipina und gar nicht über seine Art pikiert. In kürzester Zeit hat er ein neues Getränk bekommen und flirtet mit einer weiteren Stewardess, einer Australierin. Wir unterhalten uns über unsere Reisepläne, über unsere Arbeit, die Frauen, das Leben. Prosten uns zu, ich mit Budweiser, er mit Gin-Tonic, und verbringen einen feucht-fröhlichen Flug. Er hat mehrere Internet-Bekanntschaften auf den Philippinen, die er dort treffen wird. Allesamt Frauen. Nein, keine Prostitution, keine Bar-Girls, keine schnellen Nummern, keine Frauen, die einen reichen Europäer heiraten wollen. Nur einsame Herzen, die einen netten Kerl suchen. Schon etwas angeheitert, scheint mir die Idee immer reizvoller, meine Reisepläne noch einmal umzuschmeißen.

Die schönsten Frauen der Welt

Natürlich hat sich die Aufregung nicht gelohnt. Nicky, ihr Mann und ich erreichen den Düsseldorfer Flughafen noch vor der Eincheck-Zeit und haben sogar noch Zeit, Fast Food zu essen. Die Gepäckaufgabe geht problemlos, aber die Wechselstube hat keine Singapur-Dollar vorrätig. Warum auch immer ich die jetzt schon haben will. Ich mache mir Sorgen, dass man mich in Singapur nicht mehr in mein Hostel lässt, wenn ich zu spät komme. Einchecken ist bis 23 Uhr, um 22 Uhr landet meine Maschine erst. Passkontrolle, Geld wechseln, U-Bahn-Karte kaufen, durch die Stadt irren – das dauert. Vielleicht kann ich’s eh nicht ändern und sollte mich einfach mal zurücklehnen, aber es will mir nicht so recht gelingen. Selbst als ich mich von Nicky und ihrem Mann verabschiede und durch die Gepäckkontrolle gehe, bin ich noch nicht überzeugt, dass das alles klappt. Was ist wenn das Wetter schlecht ist, eine Stewardess krank, die Maschine kaputt? Alles schon einmal erlebt.

Alan entschuldigt sich kurze Zeit später, um die Stewardessen in der Kabine zu besuchen. Ich finde ja, dass er es übertreibt, aber er kommt mit einem breiten Grinsen und einen weiteren Gin-Tonic wieder. Den Stewardessen scheint es zu gefallen. Die Australierin steht auf einmal mit einer Polaroid-Kamera vor uns und nimmt unsere Schnapsnasen auf. Die Kolleginnen würdigen ihn und dankbarerweise sogar mich daraufhin bei jedem Vorbeigehen mit einem Lächeln. Was für ein Flug!

Tage später setze ich mich im Aufenthaltsraum in meinem Hostel in Singapur neben zwei Filipinas, die etwa in meinem Alter sind, und erwähne ganz nebenbei, was Alan über Frauen von den Philippinen gesagt hat. Sie gucken sich schweigend an, lächeln ein wenig und bedanken sich dann höflich. Scheinen nicht sehr gesprächig zu sein, denke ich. Doch das soll sich einige Tage später noch ändern.

Zusammen mit Alan betrete ich Singapur und bin sofort angekommen. Asiaten, Palmen, knapp 30 Grad noch am späten Abend. Willkommen im Urlaub! Wir nehmen die U-Bahn in die Stadt, tauschen E-Mails aus und verabschieden uns fürs erste, bleiben danach aber im E-Mail-Kontakt. Als ich mich am Hotelrechner nach Billigflügen in die Region umsehe und nur noch etwas nach Phuket in Thailand finde, bin ich fast ein wenig traurig. Aber na ja, soll ja auch sehr hübsch sein. Alan scheint es sich derweil sehr gut gehen zu lassen. Er meldet sich per E-Mail von den Philippinen: “I’m in Cebu now, must be the greatest place on Earth! Have a great time in Phuket, and watch out for those ladyboys!”

Werde ich machen!

Fortsetzung folgt…


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2 Responses to Mal nach Asien fliegen – Teil I: Alan und die Stewardessen

  1. Marc sagt:

    Sehr spannend geschrieben… ich freue mich auf die Fortsetzung!

  2. [...] ich nach dem Flug mit Alan in Singapur lande, fühle ich mich schnell sehr heimisch, aber auch bald sehr einsam. Lecker [...]

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