Tabuthema Alkoholsucht: Wenn die Volksdroge krank macht
Leidartikel wirbt hier von Zeit zu Zeit für andere Webseiten, zumindest für solche, deren Betreiber anderen Menschen helfen wollen. Und deswegen übergebe ich hiermit an Karsten Wollbrück, Moderator des Forums Alkoholiker, dessen Aufruf mich selbst zum Nachdenken gebracht hat – und der bei euch hoffentlich das gleiche erreicht:
In Deutschland sind Millionen von Menschen alkoholkrank, oft ohne es sich einzugestehen. Viele leben in der Gefahr alkoholkrank zu werden. Wir sagen bewusst alkoholkrank, denn entgegen der landläufigen Meinung ist Sucht kein Zeichen von Schwäche oder mangelnder Selbstdisziplin. Sucht ist eine Krankheit, die ebenso geheilt werden muss wie eine Grippe oder ein gebrochenes Bein.
Alkohol ist die meist genutzte Droge in Deutschland, von Millionen Menschen täglich in Maßen oder im Übermaß konsumiert. Sie wird für ihre bewusstseinsverändernde Wirkung missbraucht, dafür, um aus der realen Welt in eine Scheinwelt zu fliehen, die auf den ersten Blick vorteilhafter erscheint. Jeder Mensch, der Alkohol wegen seiner berauschenden Wirkung trinkt, geht das Risiko ein, alkoholabhängig zu werden. Denn die Idee, Probleme mit Hilfe einer Droge zu lösen, wirkt wie die einfachste Art. Man täuscht sich damit vor, sich Problemen nicht stellen zu müssen oder sie auf die lange Bank schieben zu können. Statt dessen nehmen die Probleme durch Alkohol nur weiter zu und die Bank wird länger und länger.
Alkoholsucht ist ein Thema, über das sehr wenige Menschen sprechen wollen. Man müsste sich dann nämlich selbst fragen, wie man mit Alkohol umgeht und ob man nicht oft selbst zu viel trinkt – und darüber denken die wenigsten gerne nach.
Noch größer ist die Gefahr der Alkoholabhängigkeit bei Kindern und Jugendlichen, weil sie im Entwicklungsstadium stecken und dort erst lernen, mit den Problemen des Lebens umzugehen. Wachsen Sie in einer Umgebung auf, in der Probleme mit Alkohol verdrängt werden, betrachten sie diese Umgebung als normal. Sie lernen dann nicht, dass man Probleme und Sorgen auf andere Weise lösen muss als mit Alkohol. Statt dessen erscheint ihnen der Versuch normal, Probleme in Alkohol zu ertränken.
Niemand ist freiwillig abhängig
Regelmäßiger Alkoholkonsum mit dem Ziel des Rauschs, ist ein Weg der viele Menschen in die Alkoholabhängigkeit geführt hat. Aber keiner der heutigen Alkoholiker hat sich beim ersten Alkoholkonsum vorgenommen, in die Abhängigkeit abzurutschen. Man trank des Geschmacks oder der Geselligkeit wegen.
Und so ist Alkoholismus eine Krankheit, die sich einschleicht und die niemand bewusst herbeiführt. Da das Klischee eines Alkoholikers sehr negativ behaftet ist, möchte sich kein Alkoholiker dazu bekennen. Statt dessen orientiert er sich an diesem Negativklischee, um vor sich selbst den vielleicht schon übermäßigen Konsum zu rechtfertigen und sich einzureden, man selbst wäre noch kein Betroffener. Die meisten Alkoholiker leben aber nicht so, wie man sich einen Alkoholiker vorstellt: Sie gehen noch einer Arbeit nach, haben Haus und Familie und sind auch sonst sozial und gesellschaftlich integriert.
Weil Alkohol in Deutschland einen sehr hohen Stellenwert hat und überall konsumiert wird, fallen diese Menschen auch nicht weiter auf, solange sie den gesellschaftlichen Anforderungen gerecht werden. Trotzdem leiden sie und ihre Familien unter der Krankheit, einer chronischen Krankheit. Nur der völlige Verzicht auf Alkohol kann ihnen wieder ein zufriedenes Leben ermöglichen. Der Weg dorthin ist aber sehr lang und mühselig. Das Forum Alkoholiker ist eine erste Anlaufstelle, um Menschen eine Perspektive zu geben, die mit ihrer Alkoholabhängigkeit in Not geraten sind. Wir versuchen, in akuter Not für die Betroffenen da zu sein und sie auf ihrem Weg in die Therapie und in ein normales Leben zu begleiten.
Werben möchte ich deswegen eigentlich nur für eines: Dass Alkoholismus nicht totgeschwiegen wird. Wenn Trinken kein Tabu in Deutschland ist, dann darf Alkoholismus auch kein Tabu sein. Alkoholabhängige benötigen Hilfe, genauso wie auch Kranke, Verletzte oder Katastrophenopfer Hilfe benötigen. Schauen Sie nicht herab auf Alkoholkranke und ignorieren sie das Problem nicht. Danke!
Karsten Wollbrück
www.forum-alkoholiker.de
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