Es gibt da diesen “Verein”, dem ich angehöre und dem ich regelmäßig Geld überweise, obwohl ich in den letzten Jahren aus verschiedenen Gründen herzlich selten mal auf einer “Mitgliederversammlung” war. Ein Verein, dessen “Vorstand” sich anderen Glaubensrichtungen gegenüber gerne mal verschlossen zeigt und dessen lokaler Staatsmann aufgrund seiner erzkonservativen Ansichten gerne mal überregional für Peinlichkeiten sorgt. In den letzten Jahren hat sich mein Verständnis für Religion aber langsam gewandelt und seitdem kümmere ich mich weniger um oben und sehe Dinge gelassener.

Als ich jedenfalls neulich auf meiner Asienreise in Dubai die Jumeirah-Moschee besucht habe, dachte ich, ich könnte ja auch konsequenterweise mal wieder meinem “Verein” einen Besuch abstatten. Ich tue dies gleich am Tag nach meiner Rückkehr und erlebe einen entspannten Gottesdienst mit vielen Kindern, die bunt durch die Gegend laufen, niemanden, der sich daran stört. Einen Pfarrer, der vor der Messe um Mithilfe der Gemeinde bittet, Gläubige, die sich an der Lesung, den Fürbitten und der Gabenbereitung beteiligen und Obdachlose und Bettler, die wie selbstverständlich am Gottesdienst teilnehmen, die Kommunion empfangen, und auch hier wieder niemanden, der sich daran stört. Der Vikar predigt, dass er Missionierung nicht mehr in seiner einstigen Bedeutung versteht, Anders- oder Nichtgläubige zum Katholizismus zu bekehren. Sondern als Verständnis der und ein Zugehen auf Menschen anderer Glaubensrichtungen und Religionen, worum schon Lessing in “Nathan, der Weise” warb.

Das alles gefiel mir und so ging ich wieder hin. Vergangenen Mittwoch lud dieser “Verein” zusammen mit der evangelischen Lukasgemeinde in sein Gemeindehaus ein. Dort, im katholischen Gemeindehaus (!), stellte die muslimische Moscheegemeinde “An der Esche” ihre Pläne zum Neubau einer Moschee vor. Auf dem seit Jahren nicht mehr genutzten Gelände des Malteser-Hilfsdienstes an der Viktoriabrücke in Bonn baut die Moscheegemeinde ein neues Gotteshaus, das sich nach Worten von Pfarrer Peter Adolf perfekt in die deutsche Wohnbebauung eingliedere und dennoch klar als Moschee zu erkennen sei. Das Treffen, seit Tagen in Form von Plakaten in vielen Geschäften der Umgebung angekündigt, verläuft nach Worten von Peter Adolf harmonisch, Beschwerden über den Moscheeneubau gibt es nicht. Das könne ein Vorbild für ganz Bonn sein, sagt die städtische Integrationsbeauftragte Coletta Manemann zu dem friedlichen Verlauf. Vielleicht sogar für ganz Deutschland?

Die Islamophoben mal wieder

Heute im Gottesdienst staune ich nicht schlecht, als Pfarrer Peter Adolf in seiner Predigt auf das Internet und Blogs zu sprechen kommt. Sein Konterfei schmücke seit einigen Tagen den Eintrag in einem Blog, das täglich von 20.000 bis 30.000 Menschen gelesen werde. (Ich ahne etwas.) Es sei ein Blog, das sich “politisch inkorrekt” nenne und seine Person verunglimpft habe. Das lasse ihn relativ kalt. Härter getroffen hätten ihn die Zuschriften, die daraufhin an sein E-Mail-Postfach gingen (das Blog hat seine Adresse veröffentlicht), die an Dummheit, Hass und Unwissenheit kaum zu übertreffen gewesen seien. Woran ihn das erinnere? An die Reichspogromnacht 1938, genau heute vor 70 Jahren. 70 Jahre, das ist so lange her wie ein ganzes Menschenleben. Was uns das heute noch angehe? Damals wurden die Juden unter fadenscheinigen Gründen und lauter Hass auf feige Weise unterdrückt und zu Sündenböcken abgestempelt. 70 Jahre später haben einige Menschen offenbar noch immer nicht daraus gelernt, dass Geschichte mehr bedeutet als sich vor Ausländern für den Krieg zu entschuldigen und “Nazis raus” auf die Wände öffentlicher Toiletten zu kritzeln. Diesmal, so Peter Adolf, sind die Moslems in Deutschland diejenigen, die unter fadenscheinigen Begründungen und auf feige Art und Weise den Zorn der Idiotie zu spüren bekommen.

Die deutschen Moslems – die Juden des 21. Jahrhunderts? Wer sich die Kommentare im PI-Blog zum Beitrag über Pfarrer Peter Adolf anschaut, dem erscheint dieser Vergleich plausibel. Mal abgesehen davon, dass es betroffenen Menschen wirklich weh tut, was dort steht, ist es vom infantilen Inhalt her fast wieder zum Lachen. Menschen, die nicht verstehen, was Religion bedeutet, die in ihrer pauschalen Islamkritik Jahrzehnte missglückter Integrationspolitik außer Acht lassen, die nicht lange genug nachdenken können, um sich beide Seiten einer Geschichte anzuhören, die Tatsachen falsch verstehen wollen, ja, die nicht einmal das kleine Einmaleins beherrschen. Solche Menschen, die sich im Alltagsleben auf der Straße nicht trauen würden “piep” zu sagen, hinterlassen auf Blogs wie “Politically Incorrect” ihren geistigen Dünnpfiff. Schaut auch das zu eurer eigenen Belustigung vielleicht einfach einmal an.


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2 Responses to Mei, die Islamophoben!

  1. [...] Euro ins Phrasenschwein und fünf Schläge mit dem Rohrstock auf den erhobenen Zeigefinger für diesen Satz: Die deutschen Moslems – die Juden des 21. Jahrhunderts? Wer sich die Kommentare im PI-Blog zum [...]

  2. CRen sagt:

    Warst Du in der Vorlesung nicht da, als über “Phrasen” und deren mindere journalistische Qualität geredet wurde?

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