Filmverriss: “Eat, Pray, Love”

Eat Pray Love

Ich bin heute eher zufällig im Kino gelandet und habe “Eat, Pray, Love” gesehen. Julia Roberts spielt darin eine unglückliche New Yorker Enddreißigerin, die nicht weiß, was aus ihrem Leben noch werden soll. Sobald Alltag in eine ihrer Beziehungen kommt, hat es sich auch schnell mit selbiger. So schießt sie ihren Ehemann Stephen ebenso in den Wind wie den unkomplizierten Theaterschauspieler David und verordnet sich ein Jahr Selbstfindung im Ausland. In Italien lernt sie das zwanglose Genussleben kennen, in Indien gefällt es ihr schon weniger gut, weil sie da früh aufstehen und arbeiten muss. Außerdem setzt ihr anfangs der cholerische Richard mit seiner rauhen texanischen Art zu. Auf Bali schließlich lernt sie zwischen den täglichen Meditationssitzungen mit einem – ja – Schamanen den brasilianischen Beau Felipe kennen, der nach seiner Scheidung vor zehn Jahren keinen Sex mehr hatte. Klar. Natürlich kommen die beiden zusammen, aber verlieben kann sie sich nicht, weil… weil… ja warum, das wird dem Zuschauer nicht so ganz klar. Dass der Film trotzdem nicht tragisch endet, liegt aber wohl in der Natur des amerikanischen Selbstfindungsfilms.

Beim Urteil muss man fair bleiben. 1. Was erwartet man denn bitteschön, wenn man sich so einen Film anschaut? 2. Der desillusionierte, aber erstaunlich wenig vergnügungssüchtige Charakter der Julia Roberts ist dem männlichen Zuschauer nicht gerade angenehm und deswegen wohl umso authentischer. 3. Mit Javier Bardem darf einer meiner Lieblingsschauspieler den Latin Lover spielen. Der vielseitige Oscar-Preisträger (er gewann die begehrte Trophäe für seine Darstellung des gefühllosen Profikillers in “No Country for old Men”) ist mit seiner Rolle als wenigschichtiger Sunnyboy allerdings so unterfordert, dass er einem fast Leid tut. Wobei wir auch schon mitten in den Nachteilen wären. An Klischees über Italiener, Inder und Balinesen mangelt es diesem eigentlich klassischen Flugzeugunterhaltungsfilm nicht, den Regisseur Ryan Murphy auf stolze 133 Minuten gezogen hat. Der alte Mann im Sessel neben mir ist drei (!) Mal eingeschlafen, zweimal in Indien, einmal auf Bali (ich hab’s protokolliert). Dass er neben mir saß, ist der erstaunlichen Tatsache geschuldet, dass das Kino an einem Dienstagnachmittag ausverkauft war. In den USA hat der Streifen, der angeblich 60 (!) Millionen US-Dollar in der Produktion gekostet haben soll, auch bereits erstaunliche 80 Millionen Dollar wieder eingespielt.

Ich vermute, dass dies an den Zuschauerinnenmagneten Roberts und Bardem liegt, die ansonsten durchaus für Qualität stehen, in diesem flachen Film aber ihr Talent verschleudern. Die Moral von der Geschicht? Lernen, alles los und sich mal gehen zu lassen, geht nur dort, wo andere Urlaub machen. Wer Antworten auf seine Lebenskrisen sucht, dürfte aber enttäuscht werden, denn die bleibt der Film schuldig. Und wenn es um gelungene offene Enden geht, ist Woody Allens Lebensfindungssatire “Vicky Cristina Barcelona” – ebenfalls mit Bardem – deutlich unterhaltsamer. Lust hätte ich jetzt allerdings schon, mal ins schöne Bali zu fliegen…

Foto: Sony Pictures

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Es ist nunmal ein wahrer Frauenfilm… :)
    Bitte auch nicht vergessen: Die Geschichte ist Teil der – sicherlich sehr stilisierten – Lebensgeschichte der Elizabeth Gilbert, die diese ja vor zwei Jahren als Buch veröffentlicht hat.

  2. Na gut, dann will ich mal nicht so sein. Und ein Frauenfilm ist halt nicht “The Expendables”. ;)