Krank sein

Etwa einmal im Jahr erwischt es mich und fast immer auf die gleiche Weise. Es beginnt mit einem Kratzen im Hals im Büro. Und ab da ist es eigentlich schon zu spät, ich kann die Uhr danach stellen und mich bei meinem Chef schon einmal für den nächsten und die kommenden Tage krank melden – was ich diesmal auch vorsorglich getan habe. Denn ab da gibt es kein Zurück mehr: Ich werde krank. Erst kommen die Halsschmerzen, dann das Fieber, Schnupfen, Gliederschmerzen, schließlich der Husten. Ich habe in der Vergangenheit alles versucht, um das abzuwenden. Von heißem Bier bishin zu Metavirulent; helfen tut nie etwas. Der Arzt nennt es “Bronchitis” und fragt, ob ich Antibiotika oder lieber Soledum will. Bei letzterem würde ich bald wie ein Koala-Bär riechen. Klingt erstrebenswert, kaufe ich also.

In den ersten zwei Tagen bin ich beinahe dankbar für die Zwangspause. Ich verlasse das Bett kaum, gucke meine Lieblingsserien und Filme auf DVD oder iTunes. Mein Körper erholt sich vom Stress der vergangenen Wochen, der sicherlich eine Mitschuld für die Krankheit trägt. Ich bin zu nichts zu gebrauchen, tue nur hin und wieder draußen ein paar Schritte an der frischen Luft, klinge laut einem Freund, den ich zufällig auf dem Heimweg vom Arztbesuch treffe, wie Alf.

Spätestens am dritten Tag wird mir langweilig. Ich habe diesmal eine ganze Staffel “Breaking Bad” geschafft, einen Roman und zwei Spielfilme und langweile mich zu Tode. Vielleicht könnte ich mal im Feedreader gucken, ob schonmal etwas für die Arbeit… – nein nur keinen Stress, sonst verschleppt man die Krankheit. Am vierten Tag sind plötzlich die meisten Symptome weg und man kommt sich vor wie ein Faulpelz, weil man noch nicht wieder arbeitet. Dabei bin ich noch lange nicht geheilt, der Körper tut nur so. Ich schniefe immer noch wie ein kleiner Junge, bekomme gelegentliche Hustenanfälle und Schweißausbrüche und wäre nicht im Stande, einen Kilometer im Dauerlauf zurückzulegen. Das ist die gefährlichste Zeit, bei der viele den Fehler machen, schon wieder arbeiten zu gehen, obwohl sie noch lange nicht gesund und in hohem Maße ansteckend sind.

Ich versuche, das beste aus der Situation zu machen. Ein bisschen Kultur und Unterhaltung (Romane und DVDs halt), ein paar Leute anrufen, auf Facebook und im Privatblog (right here!) über das Kranksein herumheulen. Ansonsten wirklich mal entspannen. Was man eigentlich sonst im Urlaub macht. Es sei denn, man wird vorher krank.

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