Und dann steht plötzlich jemand neben dir, den du 15 Jahre nicht gesehen hast

Es war der erste Tag. Nach ein wenig Stöbern auf Amazon legte ich mir jüngst ein Erfolgsjournal zu, ein abgewandeltes Tagebuch, in das man morgens Erlebnisse, Wünsche und Ziele einträgt. Die Idee: rauskommen aus der eigenen Lethargie, wieder etwas tun. Durch fast 50 Seiten Einleitung musste ich mich kämpfen, dann konnte es losgehen.

Meine erste Wunschvorstellung war recht konkret: Ich wollte zur Photokina fahren, über die Messe schlendern, ein paar gute Vorträge sehen und ein paar hübsche Kameras natürlich auch, einen tollen Bericht darüber schreiben und hinterher bei sonnigem Wetter über die Rheinbrücke schlendern und mir in der Segafredo-Bar im Kölner Hauptbahnhof einen Kaffee gönnen.

Gesagt getan. Und wie ich so ich in das Café hineinschlendere und dem Barista meine Bestellung zurufe, höre ich plötzlich neben mir ungläubig jemanden meinen Namen rufen.

Ein alter Mitstudent. Damals viel zusammen erlebt, irgendwann war er dann einfach verschwunden. Nie wieder gesehen, nie wieder etwas von gehört. Vor einem Jahr war ein gemeinsam improvisiertes Video aus dem Studium auf YouTube wieder aufgetaucht. Das heute recht amüsant bebilderte und von uns damals selbst organisierte Autorennen auf einem Dorf in der Nähe. Journalismus? Na ja. Aber eine schöne Erinnerung.

Auf den Schreck des zufälligen Wiedersehens hin schlenderten wir mit unseren Kaffeebechern zur Domtreppe und unterhielten uns über die alten Zeiten. Es stellte sich heraus, dass er trotz allem etwas mit diesem Internet gemacht hat und gerade auf dem Weg war, einen Vortrag zu geben. Dass er das Studium damals geschmissen hatte: an sich kein Problem. Aber es wurme ihn immer noch, sagte er.

Ansonsten wenig Anderes als das, was ich erwartet hätte: Er hat nun ein Haus nahe seines Heimatortes, eine Frau, zwei Kinder und eben einen soliden Job in einer wachsenden Branche. Eine halbe Stunde, dann wünschten wir uns alles Gute und gingen unserer Wege.

Der Autor des Erfolgsjournals prophezeite in der Einleitung, es würde sich viel bewegen. Nehme man das eigene Leben in die Hand, erreiche man Dinge, die man nie erwartet hätte. Dass man auch jemanden zufällig treffen würde, den man fast 15 Jahre nicht gesehen hatte, gleich am ersten Tag. Unglaublich. Aber doch, so könnte es weiter gehen.

Kommentare sind geschlossen.