Ein Hoch auf alles, was kein Display hat: Des Podcasts zweiter Frühling

Vielleicht bringt mein Job das mit sich, aber anderen Menschen dürfte es nicht viel anders gehen: Den ganzen Tag starrt man auf ein Display:

  • Im Job auf den Rechner. E-Mails beantworten, Bilder bearbeiten, Dinge planen, Texte schreiben.
  • Zwischendurch auf das Smartphone: Nachrichten an Freunde schicken, Twitter, Instagram verfolgen, den Wetterbericht studieren, News vom Tage lesen, mal ein paar Runden ein Spiel spielen.
  • Nach der Arbeit auf den Fernseher. Die Abendnachrichten, die neue Netflix-Serie. Zwischendurch immer mal wieder aufs Smartphone.
  • Wenn man doch mal dazu kommt, ein Buch zu lesen, ist das immer häufiger ein E-Book.

Ihr versteht, was ich meine. Dass mir abends manchmal die Augen brennen, kommt da nicht überraschend.

Meiner Meinung nach ist das der Grund für den aktuellen Hörbuch- und Podcast-Boom. Man mag einfach nichts mehr sehen, und es ist eine Wohltat, wenn man einfach mal was hören kann. Hörbücher sind nicht meins; für sie bin ich schlicht zu ungeduldig. Aber zuletzt beim Autofahren kam ich via Spotify auf den Geschmack von Podcasts.

Irgendwas musste ich ja hören, im Radio läuft mittlerweile ein elendiger Einheitsbrei, auf neue Musik hat man manchmal keine Lust. Also Podcasts. Ich stolperte auf Spotify über den Cast Gratitude Daily. Irgendwann munitionierte ich noch mit dem Brand-eins-Podcast, mit Zeit Wissen und „Die Reportage“ von Deutschlandfunk Kultur auf. Spotify bietet hier eigentlich immer etwas spannendes Neues.

Neulich fiel mir auf, dass ich im Auto – wenn mal keine Lust auf Podcasts – lieber auf Deutschlandfunk oder WDR5 schalte als auf einen Musiksender. Und zuhause im Bad habe ich meinen Google Home Mini so eingerichtet, dass er als News vom Tage zunächst die deutlich ausführlicheren Nachrichten von WDR2 statt 1live spielt und danach die vom Deutschlandfunk.

Alles, was kein Display hat. Für mich eine Wohltat, für viele andere wahrscheinlich auch. Und Sprachlautsprecher können den Boom hier dank einfacher Bedienung noch vereinfachen, wie ich vor einigen Monaten für das Euronics Trendblog schrieb. Ich muss das nur revidieren. Nicht mehr pauschal Radio ist für mich die Killerapplikation auf einem Sprachlautsprecher, immer öfter sind es Podcasts.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Sehe ich etwas anders. Ich konsumiere inzwischen elendig viele Podcasts, komme mit dem Hören gar nicht hinterher, obwohl ich täglich häufiger – auch mal länger – versuche, den Berg an „Unerhörtem“ abzuarbeiten.

    Aber meiner Meinung nach ist das kein „Statement gegen den Screen“, so wie Du es nennst, sondern vielmehr die einzige Möglichkeit, auch dann zu konsumieren, wenn man eben notgedrungen nicht aufs Smartphone schauen kann. Du nennst selbst das Beispiel Autofahren. Dass man dabei nicht auf den Bildschirm gucken sollte, sagen uns der normale Menschenverstand und unzählige Kampagnen in den Medien. Oder nimm Hausarbeit, die besser von der Hand geht, wenn einen das Bluetooth-Headset mit Podcasts verwöhnt. Oder nimm Sport, denn mit Podcasts erscheinen nicht nur tägliche Pendelfahrten zur Arbeit, sondern auch ausgedehnte Radtouren oder wahlweise Joggingrunden schneller rum zu gehen. Oder nimm das Einschlafen, z. B. Mit dem Einschlafen-Podcast von Toby Baier.

    In der Freizeit gibt es dennoch genug Momente, in denen man eigentlich was anderes, tolleres, aufregenderes, entspannenderes, sinnvolleres machen könnte als auf den doofen Screen zu schauen – und trotzdem noch mal checken muss, ob es was neues bei Twitter gibt oder wie das Abendessen der Freunde auf Instagram in Szene gesetzt wurde. 😉

    • Man muss das nicht zwingend als Statement gegen den Screen verstehen. Ich sehe es – genau wie du – eher als Überforderung: Man WÜRDE gerne auf den Screen gucken, kann aber nicht mehr. Oder darf gerade nicht. Für mich ist es noch neu und interessant und deswegen eine Oase. Bei dir klingt es mir, als hätte sich da schon ein gewisser Stress eingeschlichen. Take it easy, Jung! Sonst geht’s deinen Ohren bald wie meinen Augen. 😉