Gut gemacht, und jetzt bitte noch die Zwei-Klassen-Medizin abschaffen!

Ganz nebenbei kann die Große Koalition sogar noch Gesetze erlassen, und hin und wieder sogar mal eins, das gar nicht so schlecht ist. Etwa dieses, dass für Selbstständige der Mindestbeitrag für die Krankenkasse halbiert wird. Mit dem schönen Nebeneffekt, dass Selbständige und Freiberufler sich bald eine gesetzliche Krankenkasse leisten können. Yay!

Ah, da werden Erinnerungen wach! Als ich mich damals selbstständig machte, war die Krankenkasse das größte Hindernis. Ich kam gerade frisch von der Hochschule, hatte ein paar lose Aufträge für den Anfang, womit ich gerade so über die Runden hätte kommen können, hätte ich nur um die 100 oder 150 Euro für die Krankenkasse zahlen müssen. Die gesetzliche Krankenkasse wollte aber fast 500 Euro im Monat für KV und Pflege. Rente hatte ich damit noch gar nicht abgedeckt.

Ich hatte noch Glück, konnte in die Künstlersozialkasse eintreten, die nicht nur die Hälfte der Beiträge übernimmt (gleichwertig mit dem Arbeitgeberanteil für Angestellte), sondern den Krankenkassenbeitrag auch an tatsächlichen Einkünften misst. In den Anfangsjahren, in denen ich sehr wenig verdiente, rette mir das den Allerwertesten.

Wer selbständig ist und nicht unter die Berufsgruppe der Künstler fällt, wurde bislang gleich mehrfach gevö****. Er musste den vollen Krankenkassenbeitrag bezahlen, den der Staat willkürlich an einem Einkommen von 2.240 Euro maß. Und wenn er Pech hatte, kam noch die IHK-Gebühr obendrauf. Wenn man Selbstständige heute als „die Besserverdienenden“ sieht, dann liegt das auch daran. Man musste besser verdienen, um sich die sozialen Abgaben überhaupt leisten zu können.

Wer sich selbstständig machen wollte, konnte es also entweder bleiben lassen – oder in eine private Krankenversicherung eintreten, die mit niedrigen Anfangsbeiträgen lockt. Für viele ein Traum. Bis im hohen Alter die Beiträge kräftig steigen und, wer schlecht verdient, sich diese kaum noch leisten kann. Also den Mist, den junge Selbstständige mit der gesetzlichen Krankenversicherung erleben, erleben Privatversicherte im Alter.

Es ist gut und richtig, dass der Gesetzgeber diesen Bemessungsbeitrag nun auf nicht mehr weit über 1.000 Euro senkt – was eine Halbierung der Krankenkassenbeiträge mit sich bringt. Jetzt könnte man eigentlich auch einen Schritt weiter gehen und die elendige Zwei-Klassen-Medizin noch dazu abschaffen.

Woran mich das noch erinnert? Als ich mich damals selbständig machte und die Krankenkasse mich mit den Gebühren zu erschlagen drohte, war ich zufällig gerade Mitglied im Journalistenverband DJV. Ich fragte bei der Beratung an, ob man nicht mal versuchen könnte, gegen die willkürlich erlassene Bemessungsgrenze vorzugehen.

Die Antwort war: „Nö, das ist nicht unsere Aufgabe.“ – „Aha, und was ist Ihre Aufgabe?“ – „Na, für die Tarife der Kollegen in den großen Verlagshäusern zu kämpfen!“ Dann bekam ich noch den Ratschlag, ich könne ja vors Bundesverfassungsgericht ziehen. „Ich alleine?!“ – „Ja, wenn Sie wirklich etwas ändern wollen…“

Ratet mal, wer seitdem kein DJV-Mitglied mehr ist.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Jupp, ich hab noch keinen Plan wie das mal
    laufen soll.
    Keine relevante Altersvorsorge, aber für zwei Personen im Alter die PKV zahlen müssen, die geschätzt etwa das doppelte des Hartz4-Satzes kosten wird.

    Aber ich hatte halt keine andere Wahl ohne KSK…. uns bleibt nur zu hoffen dass sie in den nächsten zwanzig Jahren das System kippen. Sonst bleibt nur noch ins Ausland zu gehen