Nur Produkte können uns retten

Geht es eigentlich noch zynischer, frage ich mich. Der Weltklimarat warnt vor einem globalen Kollaps, wenn die Welt bis zum Ende des Jahrhunderts um 2 Grad wärmer wird. Und danach sieht es aus. Selbst 1,5 Grad sind schon viel zu viel. Come on, sagt da UN-Generalsekretär António Guterres sinngemäß auf Twitter. 1,5 Grad seien drin. Wenn sich alle am Riemen reißen, auch weniger.

Als könnte man mit dem Klima feilschen wie mit einem Kunden. Nee, 1,6 Prozent sind mir zu viel, ich will nur 1,2. 1,4? Deal!

Wir können nicht auf Politiker vertrauen, dass sie die passenden Ideen haben, um die Welt zu retten. Wir müssen selber aktiv werden. Der im Jahr 2000 unterlegene Präsidentschaftskandidat Al Gore hat mit dem Film „Eine unbequeme Wahrheit“ mehr Menschen aufgerüttelt, als er es als US-Präsident jemals hätte können. Nicht die allerschlechteste Idee. Ich habe vielleicht noch eine bessere: Das tun, was wir ohnehin den ganzen Tag tun. Kaufen.

Die Klimaerwärmung ist nur eine Folgeerscheinung unseres maßlosen Konsums. Mehr Fleisch, mehr Flugreisen, mehr Smartphones, mehr Klamotten, mehr mehr mehr mehr mehr. Wenn nur ein paar Menschen auf Dinge verzichten, reicht das nicht. Wir können die Welt nur mit Konsum retten.

Elektroautos zähle ich zwar nicht dazu. Die lösen nur das Luxusproblem nicht ganz sauberer Luft in europäischen Städten und sorgen bei der Batterieproduktion gleich für neue Probleme. Aber vom Marketing der Idee, mit einem Tesla die Welt retten zu können, kann man sich was abschauen. Es müssten nur die richtigen Produkte sein:

  • Fleisch, das nicht mehr aus Fleisch besteht, sondern aus Insekten oder fleischähnlichen Substanzen. Könnte das retten, was von den tropischen Regenwäldern noch übrig ist. Gibt es bereits, etwa Impossible Foods.
  • Solarzellen für jedermann, die so sexy daherkommen wie neue iPhones. Warum ist die halbe Technikwelt eigentlich völlig überflüssigerweise damit beschäftigt, viel zu viele neue Smartphones zu bauen und nicht mal clevere Wind- oder Solaranlagen für Zuhause? Für das Euronics Trendblog habe ich mich in diesem Jahr mit Solarstrom befasst. Ein preiswertes, Out-of-the-Box-Solarsystem gibt es leider noch nicht.
  • Und was wir eigentlich am dringendsten brauchen, sind Solarflugzeuge. Den Leuten vorschreiben zu wollen, weniger zu fliegen, weniger Auto zu fahren, weniger Fleisch zu essen und Strom zu sparen, hat meist den gegenteiligen Effekt. Den Zahn der Zeit zurückzudrehen, halte ich außerdem für keine gute Idee. Die globalisierte Welt hat die Chance, ein Geschenk zu werden. Bezahlbare Flugreisen müssen da möglich bleiben. Forschen wir also lieber an Elektroflugzeugen als an Elektroautos.

Der Kapitalismus hat uns darauf getrimmt zu konsumieren. Und weil wir nichts Anderes können, kann nur Kaufen die Lösung sein. Nur Produkte können die Welt retten. Wenn es Produkte sind, mit denen wir das Klima retten können. Suchen wir lieber nach denen als nach dem nächsten iPhone.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber eine gute Sache:
    https://www.atmosfair.de/de/

    Der Aufschlag für den Klimaschutz sollte genauso verpflichtend sein wie Flughafengebühren, aber bisher wissen die wenigsten dass es so etwas überhaupt gibt

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