Retten Elektroautos die Welt? Sorry, nein.

Als mich Richard Gutjahr vor einigen Wochen begeistert anrief und fragte, ob ich Teil seines Teams bei einem neuen Portal über Elektroautos sein wollte, da sagte ich spontan ja. So viel Energie ist ansteckend. Ein paar Dinge über Elektroautos wollte ich ohnehin schon einmal für mich selber recherchieren. Ich sagte also zu, für den Anfang einige Beiträge als Starthilfe beizusteuern.

Das Projekt ging diese Woche online. Ihr findet es unter emobly.com, meinen Beitrag über die Reichweite von Elektroautos dort auch. Richard und seine beiden Mitstreiter Georg und Grischa sind im Begrüßungsbeitrag voller Eifer. Klar, jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Und ich habe auch großen Respekt vor Menschen, die einfach mal machen und nicht nur drüber reden. Die drei schreiben in ihrem „Hello World“-Beitrag:

„Wenn man sich (…) vor Augen führt, welche Bedeutung das Automobil weltweit für uns Menschen, für unsere Umwelt hat, wieviele Arbeitsplätze direkt und indirekt an dieser Erfindung hängen (…), dann kann man ohne Übertreibung festhalten: Dieser Schritt, vor dem wir gerade stehen, ist groß.“

Und:

„Wir fahren BMW i3, BMW i3s, Tesla Model X und waren von Anfang an überzeugt: Emobilität ist die Zukunft!“

Ist sie das? Ich glaube es auch, aber aus anderen Gründen als Richard, Georg und Grischa. Ich sehe in Elektroautos das neue iPhone. Man hätte mal wieder etwas zu kaufen. Die Menschen wollen etwas Neues, die Wirtschaft braucht etwas Neues. Elektroautos sind die Saubermänner, mit denen die Automobilindustrie ihren dringend benötigten Neuanfang schaffen kann. Auch wenn viele technische Fragen heute noch nicht geklärt sind, etwa mit flächendeckenden Ladestationen vor allem für Mietwohnungen, glaube ich schon: das wird sich durchsetzen.

Aber dass man mit Elektroautos die Welt rettet? Nein, das glaube ich nicht. Ebenso wenig wie mit dem iPhone. Man löst hier ein Luxusproblem. Den Klimawandel stoppt man damit nicht, man verbessert allenfalls die ach so schlechte Luft in unseren Innenstädten, für die man in Bangkok oder Peking so einiges gäbe.

Mit noch mehr Elektroautos wird man den Braunkohleausstieg so schnell nicht schaffen. Für die Lithium-Produktion werden die letzten Oasen der Atacama-Wüste trockengelegt, die Einheimischen vertrieben. Seltene Metalle für die Elektronik werden aus den gleichen fragwürdigen Minen in Zentralafrika gewonnen, die man auch für Smartphones gewinnt (und was man als Smartphone-Fan leider gerne ausblendet).

Es gäbe viel dringendere Probleme, als effiziente Benziner durch Elektroautos zu ersetzen. Lieber wären mir eigentlich Elektroflugzeuge, um das CO2 der Kerosinabgase zu stoppen, wahrscheinlich der Klimakiller Nummer eins. Da ist die Forschung noch lange nicht so weit. Schade. Und die Innenstädte? Wären mit Elektroautos noch genauso verstopft, der Nahverkehr müsste attraktiver gemacht werden.

Ich mache keinem einen Vorwurf, der sich nun ein Elektroauto statt einen Benziner oder ein Diesel anschafft. Elektroautos sind elegant, leise, toll zu fahren. Sie verbessern die Luft in den Innenstädten, klar. Aber das Klima retten sie nicht. Sorry, euch das sagen zu müssen. Aber wenn ihr das Klima retten wollt, fliegt weniger, esst weniger Fleisch, fördert die Forschung in Elektroflugzeuge. Mit dem Kauf eines Elektroautos ist es nicht getan.

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