Scheiß auf die Welt

Ich hatte schon bessere Tage. Dann ist es der falsche Moment, wenn studentische Aktivisten am Eingang des Supermarkts aufmarschieren. Nicht, um für den Hambacher Forst zu demonstrieren, sondern um für neue Mitglieder ihres Naturschutzbundes zu werben. Kein Vorbeigehen, ohne eins mit der moralischen Keule übergebraten zu bekommen. Ganz schlechtes Timing. Die Konversation hier ist echt:

Ihre Kollegin hielt es für eine gute Idee, mich am Ausgang noch einmal zu fragen, ob ich 3 Minuten Zeit hätte. Hatte ich nicht.

Statt dessen bin ich bei McDonald’s essen gegangen.

Nein, ich habe natürlich nichts gegen Umweltaktivisten. Ich war schon Öko, bevor es die meisten anderen waren. Wir brauchen Umweltschutzorganisationen wie NABU, Greenpeace und wie sie nicht alle heißen. Und ich nehme es natürlich nicht persönlich, wenn sich Studenten dir für eine gute Sache auflauern.

Aber diese Wegelagerei bringt mich auf die Palme. Vor jedem Supermarkt stehen neuerdings ein bis zwei Leute, grüßen dich freundlich und aktivieren dein schlechtes Gewissen. Kein Besuch in der Fußgängerzone, ehe man von Amnesty, Ärzte ohne Grenzen oder Freiheit für Lamphukestan abgefangen wird. Ja, alle wichtig. Ja, es ist ein Problem, dass Menschen betteln müssen, weil das Sozialsystem sie absichtlich ausspart. Und nein, das müsste nicht sein.

Aber wieso soll sich eigentlich ausgerechnet der kleine Mann auf der Straße darum kümmern, der in ständiger Angst lebt, genau dorthin abzustürzen? Lern schonmal, wie es ist, wenn du selber dort stehst? Es müsste nicht sein, dass in diesem reichen Land Menschen auf der Straße leben, NGOs unterfinanziert sind, Menschen andere Menschen für das Gute drangsalieren. Der Aufschwung kommt sonstwo an, aber nicht da, wo er müsste.

Und da bringt es gar nichts, wenn Ökostudenten genervte Leidartikler vor dem Eingang des Supermarktes anbetteln. Ein Tropfen auf den viel zu heißen Stein. Das Geld in den falschen Kanälen. Angry Jürgen is angry.

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