Wenn Grün ist das neue Rot ist, wer ist dann das neue Grün?

Also eins scheint sicher: Die CSU wird bei der Landtagswahl in Bayern – zu Recht – eine historische Niederlage hinnehmen. Wer sich rechts anbiedert, nur um der AFD ein paar rechte Wähler zu klauen, hat es nicht anders verdient. Der SPD wird es auch nicht besser ergehen. Die liegt ebenso am Boden. Irgendwie auch: zu Recht.

Die Frage ist, wer außer der AFD also noch davon profitieren kann. Klare Antwort: Die Grünen. Grün scheint irgendwie das neue Rot zu sein. Die SPD hat fertig. Federführend bei Hartz IV und noch immer keine klare Distanz davon, soziale Gerechtigkeit predigend, Brot und Wasser verteilend. Innerlich zerrüttet, immer irgendwie die nachgebende Fraktion im Koalitionsstreit, keine klare Linie findend, obwohl die sozialen Probleme der Gesellschaft doch so offensichtlich sind.

Nein, eine solche SPD braucht kein Mensch, aber wir brauchen eine funktionierende, demokratische Linke. Wer käme da in Frage?

Irgendwie nur noch die Grünen. Okay, auch die haben Hartz IV mitverantwortet. Dass sie – damals noch an der Regierung in NRW – die Rodung des Hambacher Forstes mitgetragen haben und nun dagegen trommeln, nun ja. Zeigt, dass Wunsch und Realität manchmal unvereinbar sind. Immerhin: Beim Dieselskandal zeigen sie klare Kante gegen die Automobilindustrie, während die GroKo die Schuldigen noch belohnt. Grün also als einzige noch wählbare Volkspartei?

Wer weiß. Die Frage ist einerseits: Wen haben wir denn sonst? Und andererseits: Wie soll diese Welt noch ohne grüne Politik gerettet werden können? Klimaveränderung, Ressourcenverknappung, Migrationsströme, auch dadurch bedingt. Ökologie wird zum beherrschenden Thema des 21. Jahrhunderts. Die einzigen, die das wirklich zu interessieren scheint, während CDU und SPD die Industrie hofieren und lieber noch mehr CO2 rauspusten wollen: die Grünen.

Ohnehin: Was zu Gründungszeiten der Grünen anarchistisch und revolutionär war, ist heute Mainstream. Die Grünen sind alt geworden, ihre Ideen in der aktuellen Eltern-Generationen fest verankert. Spießig geworden und sich damit im Kern eigentlich widersprechend. Aber für dieses derzeit so verunsicherte, rückwärtsgewandte Land gäbe es wahrlich Schlimmeres.

Die Frage ist nur: Wenn die Grünen jetzt zu Volkspartei aufsteigen, also Grün das neue Rot wird, was wäre dann das neue Grün? Wer käme wieder so aufmüpfig, alternativ und revolutionär daher wie in den frühen 80ern die Grünen? Und brauchen wir da was Neues?

Kommentare sind geschlossen.