Zu viele Autos in der Stadt? Dann macht den Nahverkehr attraktiv, gottverdammt!

Die Straßen sind voll und ich mittendrin. Ich muss von der Altstadt nach Beuel und von dort weiter nach Troisdorf. An einem Samstagnachmittag. Teilweise Standverkehr. Die Leute fahren mit dem Auto und nehmen lieber einen Stau in Kauf. Ich auch.

Bist du blöd? Warum steigst du nicht einfach auf Bus oder Bahn um?

Weil das so verdammt unattraktiv ist. Busse stehen genauso lange im Stau. Sind überfüllt. Fahren unverständliche Umwege. Klar, es macht nichts, mal zwei, drei Stationen in der Bahn nur zu stehen. Aber dabei bleibt es ja nicht. Fährst du zur falschen Zeit, musst du eine ganze Halbstundenfahrt stehen und wirst durchgeschüttelt.

Hatte ich kürzlich noch im Flughafenbus, der – oh Wunder – an einem Freitagnachmittag überfüllt war. Der Fahrer hielt überhaupt nur an meiner Haltestelle, weil zufällig jemand ausstieg. „Wir sind eigentlich voll. Wenn Sie sich noch dazu quetschen wollen…“. Wollte ich. Der nächste Bus wäre ja auch überfüllt gewesen. Die Fahrgäste an der nächsten Haltestelle wurden einfach stehen gelassen.

Eine 20-Minuten-Fahrt von Bonn nach Köln und zurück kostet 16 Euro. Für kaum mehr fliegt man schon einmal nach Berlin. Dass die Bahn Verspätung hat, wenn man sie mal braucht, daran hat man sich längst gewöhnt. Dass dann Toiletten defekt sind, Reservierungen verloren gehen, ganze Wägen fehlen und Anschlusszüge verpasst werden, verschmerzt man nicht so leicht. Als ich im (Jahrhundert-)Sommer im Generalanzeiger las, dass Klimaanlagen für Linienbusse in Bonn gar nicht vorgesehen seien, ging mir der Hut hoch.

Ja, was bitteschön erwartet ihr denn?! Dass die Leute ihr Auto stehen lassen, um mit Bus und Bahn länger zu fahren, mehr zu bezahlen, in der Hitze zu schmoren und ewig zu stehen? Warum sollten sie denn?

Die Idee des ausgebauten, kostenlosen Nahverkehrs ist längst wieder vom Tisch. In der Politik beliebter ist die Idee, CO2-Ausstoß und Feinstaubbelastung zu verringern, indem man das Fahren mit dem Auto in den Städten weniger attraktiv macht. Also lieber Bestrafungs- als Belohnungsprinzip. So funktioniert das nicht.

Kriegt es irgendwie hin, dass der Nahverkehr komfortabler wird als Autofahren, DANN könnt ihr die Leute dafür gewinnen. Bequemere Sitze, schnellere Routen, höhere Takte, Klimatisierung, WLAN, vernünftige Preise. Und, oh Wunder. Die Autos würden plötzlich stehen gelassen.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Stattdessen erhöhen sie den Preis für ein Innenstadtticket auf 3€ – in Bonn!
    In Städten wie Berlin oder München kann man für weniger Geld Strecken zurücklegen, die es auf Bonner Stadtgebiet gar nicht gibt.

    Und wenn wir zu zweit für eine Busfahrt zum Bertha und zurück 15,60€ bezahlen für zwei Busfahrten a la 15 Minuten, dann ist es nicht verwunderlich wenn wir lieber Auto fahren und für 1,40€ Stunde ins Parkhaus gehen.

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