Cyberfreak Monday

Kaum jemand, der dieses Jahr nicht mit Angeboten zum Black Friday, Cyber Monday oder zur Cyberweek gelockt hätte. Ein weiteres Ding aus Amerika, das nun endgültig auch in Deutschland findige Geschäftemacher die Euro-Zeichen in neongelbe Augen treibt.

Ganz ehrlich: Im klassischen Sinne finde ich es gar nicht schlecht. Der Black Friday ist der Tag nach Thanksgiving, einem der höchsten Feiertage in den USA und einem Familienfest, das immer am vierten Donnerstag im November stattfindet. Den Freitag danach nutzen viele Menschen als Brückentag, gehen in die Warenhäuser und nutzen die freie Zeit, um mal so richtig groß einzukaufen. In Amerika haben die Menschen bekanntlich weniger Urlaub als hier. Kaufhäuser machen an diesem Tag einen Großteil ihres Jahresumsatzes und locken dafür mit Angeboten. Ein fairer Deal für beide Seiten.

Und hier könnte man schon reingrätschen und die Frage aufwerfen, ob es dann überhaupt passt, wenn auch Online-Händler mit den besten Deals locken. Aber warum nicht: Unser Konsumverhalten hat sich verändert, findet immer mehr online statt. Den freien Tag werden viele US-Bürger auch nutzen, um online einzukaufen. Von daher schon einmal okay.

Wenn nun international tätige Versandhäuser wie Amazon ihren Black Friday aus den USA auch nach Deutschland rüberholen, dann kann man da noch eine gewisse Verwandtschaft erkennen. Ganz passt es nicht, denn der genannte Freitag ist in Deutschland kein Feiertag. Soll meinetwegen trotzdem okay sein. Ist ja nett, wenn nicht nur US-Bürger international begehrte Produkte günstiger bekommen. Zum Black Friday bekam ich von den genannten US-Retailern in diesem Jahr auch wirklich gute Deals. Amazon hat seine Echo- und Fire-Produkte nahezu verramscht. Ich habe lange mit einem Pixel 3 geliebäugelt, das Google für 200 Euro weniger verkauft hat als regulär.

Und dann, nun ja, hat Amazon als Versandhaus eben auch Mitbewerber in Deutschland. Einer davon ist mein Kunde und ich kann verstehen, wenn der Wettbewerbsdruck eben dafür sorgt, dass er versuchen muss, mit Angeboten dagegenzuhalten.

Aber dann sieht man es in letzter Zeit immer häufiger, dass auch Unternehmen einen Cyber-irgendwas-Tag ausrufen, bei denen ich eine harte Konkurrenzsituation zu einem großen US-Unternehmen nicht mehr ganz so klar entdecken kann. Möbelshopper Home24 etwa wirbt in diesem Jahr besonders aggressiv für die besten Wohnzimmerdeals. Nur noch 6 Stunden, dann endet der Cybermonday!1!11 Jetzt noch schnell 20% abgrasen, bevor der Digital Tuesday kommt, von dem wir euch allerdings erst morgen erzählen.

Und dann gibt es noch diejenigen, bei denen ich so gar keinen Zusammenhang mehr mit irgendwelchen Black-Friday-Geschichten entdecken kann. Höhepunkt war wahrscheinlich in diesem Jahr der freie Coach und Speaker, dessen Newsletter ich nie bestellt aber trotzdem bekommen habe, und der seine Dienste schon vor dem Black Friday bis zum Cybermonday zum Sparpreis feilbot. 1x Coaching nur 800 Euro, 1x Vortrag 3.000. Alles muss raus!

Und wenn dann genannte fachfremde Gestalten gar eine ganze Cyberweek ausrufen, Pre-Friday-Sales oder Post-Cyberweek-Deals, dann wird’s auch irgendwie lächerlich und eine unsägliche Rabattschlacht der Ladenhüter, die man selbst bei Rabattaktionen nicht losbekommen hat. Cyberfreak Monday. Weniger wäre mehr, gar nichts wäre besser.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Ich habe genug Geld, um mir alles zu kaufen, was ich will | Leidartikel