Ich habe genug Geld, um mir alles zu kaufen, was ich will

Während ich diese Zeilen schreibe, klopfe ich dreimal auf Holz. Ja, das war vor fünf Jahren noch nicht so und nein, ich weiß nicht, ob das in fünf Jahren noch so sein wird. Wer weiß das schon sicher. Aber im Moment habe ich genug Geld, um mir alles zu kaufen, was ich will.

Kürzlich war ich drauf und dran, den Cyberfreak Monday zu nutzen, um mir ein neues Smartphone für 650 Euro zu leisten. Dabei habe ich eigentlich ein gutes und 650 Euro sind eine Summe, bei der ich vor zehn Jahren überhaupt froh gewesen wäre, sie auf dem Konto zu haben.

Die Maßstäbe haben sich verschoben. Ich kann bedenkenlos ein paar Mal im Jahr in Urlaub fahren, ich gönne mir ein – leider recht reparaturanfälliges – gebrauchtes Auto, bin gut versichert, habe eine schöne Wohnung mitten in einem mittlerweile angesagten Viertel in Bonn und kann mir häufig neue Klamotten und Elektronikkram kaufen.

Nicht alles will ich mir leisten. Ich spare nicht auf ein Haus oder einen Neuwagen und finanziere auch beides nicht. Lediglich das mit der Altersvorsorge könnte ich mittlerweile mal etwas strategischer angehen.

Die Frage ist jetzt: Fühle ich mich anders? Macht mehr Geld wirklich nicht glücklicher?

Und die Antwort ist: Glücklicher bin ich nicht, aber das habe ich auch nicht erwartet. Was das Geld angeht, ist es aber so, dass mehr davon mich gelassener macht. Herrje, dann kostet der Liter Milch halt mal 89 Cent statt 49. Und die Brötchen sind schon wieder um 2 Cent teurer geworden? Was soll’s! Ein neuer Koffer muss her, ein neues Funktionsshirt für den Sport? Dann gar nicht groß rummachen, sondern einfach kaufen. Die Jacke für 70 Euro sieht einfach besser aus als die für 50? Dann wird’s eben die für 70! Es ist schön, wenn man diese Pfennigfuchserei nicht mehr nötig hat.

Das Smartphone für 650 Euro habe ich mir am Ende trotzdem nicht gekauft. Ich hätte Bock drauf gehabt, ich hätte das Geld übrig gehabt. Aber ich habe es einfach nicht gebraucht. Und das freut mich irgendwie auch.

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