Die Woche nach dem Urlaub

Ein wenig graute mir schon am Sonntag vor dem Montag. Denn ich wusste, es wird wieder los gehen mit dem Arbeitsalltag nach drei traumhaften Wochen in der Südsee. Wo alles leichter war, die Menschen nett, das Essen gut, das Leben unbeschwert. Und nun schlägt die Normalität wieder mit der Faust auf den Tisch.

Denn der erste Arbeitstag nach dem Urlaub ist nicht einfach nur ein Arbeitstag. Es ist der Tag, an dem Versäumtes aufgeholt werden muss. Liegen gebliebene E-Mails von drei Wochen wollen beantwortet, hunderte Feeds gelesen werden. Das Team braucht Arbeitsanweisungen, der Kunde will wissen, wo es in diesem Jahr hingeht. Und das eigentliche Tagesgeschäft muss natürlich auch noch erledigt werden.

Das zieht sich durch die ganze erste Arbeitswoche. Stress ist toll, lautet der jüngste Trend. Ich bin gerade am Ende meines zweiten Arbeitstags im neuen Jahr und merke bereits, wie ich krank werde. Dabei habe ich längst auf die Bremse getreten. Gestern etwa zu einer halbwegs normalen Uhrzeit den Griffel hingelegt, als noch längst nicht alle Aufgeben erledigt waren. Heute einige Arbeiten delegiert, nachmittags ein längeres Päuschen gemacht. Nur so viel Zeit wie unbedingt nötig in jede Aufgabe gesteckt.

Man steht wie vor einem Abfluss und kann den gerade noch gewonnenen Erholungseffekt dahinrinnen sehen. Rasch, unaufhaltsam. Einiges versucht man noch in den Alltag rüberzuretten. Ich gönne mir täglich einen Singapurer Teh Tarik, versuche den starken Mokka von dort nachzuahmen, chatte mit einer Freundin von dort, lese noch an zwei englischen Büchern. Für immer wird sich der Effekt wohl nicht konservieren lassen.

Also wieder hin! Direkt heute habe ich die nächste Reise gebucht. Wenigstens dieses Gefühl von Freiheit soll nicht vom Alltag aufgefressen werden. Und was natürlich immer bleibt, ist der Gedanke an den wunderschönen Urlaub. Das Wetter, die Menschen, die Unbeschwertheit. Letztendlich der vernünftigste Grund, um in Urlaub zu fahren. Gäbe es ihn nicht, könnte man auch zuhause bleiben. Denn der Erholungseffekt wird aufgefressen von der Woche vor dem Urlaub und der danach.

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