Zwei Wochen ohne Nachrichten: ein Stückchen Freiheit

Das habe ich so schon lange nicht mehr gemacht, nicht einmal im Urlaub: mich völlig vom Nachrichtenstrom abkoppeln. Diesmal fiel es mir erstaunlich leicht.

Vielleicht weil ich gerade in Singapur war, 10.000 Kilometer von zuhause entfernt, und dort täglich etwas geplant hatte. Vielleicht weil auch gerade Weihnachten war und dann ohnehin nichts Wichtiges passiert. If the news is important, it will find me – lautet ein viel bemühtes Zitat eines unbekannten, schlauen Menschen. Aber so dringend war offenbar nichts.

Twitter aus, kein Spiegel Online, kein Bonner Generalanzeiger, keine sonstigen Nachrichtenpostillen von zuhause oder sonstwo. Facebook? Hahaha. Keine völlige Nachrichtensperre, sondern einfach mal aktiv zwei Wochen lang nicht nach den Nachrichten schauen. Was würde wohl passieren?

Das Interessante an Singapur ist: Natürlich gibt es auch hier Beschallung und Außenwerbung nicht zu knapp, aber an öffentlichen Plätzen kaum flackernde Bildschirme mit Nachrichten. Die sind in Deutschland mittlerweile allgegenwärtig. In Singapur wären sie natürlich technisch auch möglich. Verzichtet der Vielvölkerstaat darauf, um so Maßnahmen gegen mögliche Volksverhetzung zu ergreifen? Zumindest ein interessantes Gedankenspiel.

Ich habe die zwei Wochen ohne Nachrichten in herausragender Erinnerung. Ich konnte endlich einmal die Gedanken um etwas Anderes kreisen lassen, den Kopf frei machen für wesentliche Dinge. Wo will ich eigentlich hin im Leben? Was macht mir Spaß? Was könnte ich noch so alles unternehmen? Ich bin viel gewandert in der Zeit, habe fantastische Menschen getroffen, mich rundum wohl gefühlt.

Die zwei Wochen endeten gar damit, dass ich mich in einer Buchhandlung austobte. Zwei Bücher kaufte ich direkt vor Ort für meinen Rückflug, andere notierte ich mir für später. Gelesen habe ich sie natürlich auch. Also endlich auch einmal Raum für andere Themen, die mich wirklich interessieren. In meinem Falle vor allem: Fotografie.

Nachdem mein Flieger in München gelandet war, sprang mir direkt ein Bildschirm mit den brandheißen News ins Gesicht: „Gemeinsames Selfie von Heidi Klum und Tom Kaulitz“. Da scheine ich ja viel verpasst zu haben. Stefan Effenberg beklagt sich über mangelnde Transparenz der Bayern im Falle von Ribérys Goldsteak-Skandal, las ich heute in Bonn auf einer neuen Ströer-Außenwerbetafel. So sind unsere News also aufgebaut. Viele Leute nehmen sich zu wichtig und müssen das den anderen mitteilen.

Zumindest dieses eine nehme ich aus dem Urlaub mit: Es ist mir egal, wer in diesem Land was über wen denkt. Es ist mir egal, wenn ich einige Dinge nicht sofort mitbekomme. Das Spiegel-Online-Symbol aus meiner Favoritenleiste habe ich gelöscht (nichts gegen SpOn, aber ich habe einfach zu viel Zeit damit verbracht!), Twitter habe ich zumindest für den Nachrichtenkonsum abgeschafft. Facebook? Hahaha!

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