Urban Hiking

Im Frühtau zu Berge wir zieh’n, fallera.
Es grünen die Wälder und die Höh’n, fallera.

Ich gehe gerne wandern, aber ganz sicher nicht im Frühtau. Da schlafe ich lieber. Deswegen wird es bei mir mit dem Wandern eher der Nachmittag. Und manchmal auch der Abend. Weil der rurale Wald da per se was ungemütlich und schwer überschaubar ist, gehe ich ganz gerne auch mal in der gut ausgeleuchteten Stadt wandern. Urban Hiking sozusagen.

Spiegel Online war so nett, meine Wander-Erlebnisse aus Singapur zu veröffentlichen. Der Stadtstaat eignet sich gar vorzüglich für Urban Hiking, weil er neben Asphalt- auch echten Dschungel bietet.

Gerade fremde Städte erkundet man ja ohnehin am liebsten zu Fuß. Oft ist man dafür aber völlig falsch angezogen. Ich rate zu einem funktionalen Wanderoutfit mit Laufschuhen und Smartphone eher als zu Sandalen, Jeans und Spiegelreflex. Man hält länger durch.

Klar steht das Wandern bei Urban Hiking im Vordergrund. Aber selbst wenn man es wollte, ließe es sich kaum vermeiden, beim Wandern durch eine fremde Stadt auch an ein paar Sehenswürdigkeiten vorbeizuschrammen. Ganz nebenbei abseits der verpönten, ausgelatschten Touripfade.

Wer meint, dass das alles Kindergeburtstag sei und keine Schikanen hätte, ist wohl noch nicht den Arthur’s Seat in Edinburgh heraufgekraxelt, oder hat die Hügel von Lissabon und Rom bei über 25 Grad erklommen. Einmal durch Singapur zu laufen, verlangt vom Urban Hiker, sich mit bestem Sonnenschutz zu präparieren und sich rund 12 Stunden lang 35 Kilometer weit durch die Stadt zu schlängeln.

Wer Berlin oder Tokyo mal von allen Seiten kennenlernen will, der läuft mitten hindurch. Selbst die größte Stadt verliert ihren Schrecken, wenn man sie mit einer täglichen Durchschnittswanderetappe von 15-25 Kilometern vergleicht. Das praktische an Urban Hiking: Wird einem die Sache zu bunt oder schwinden einem die Kräfte, sind die nächste U-Bahn-Station, ein Kiosk oder ein Schnellrestaurant meist nicht weit.

Frische Luft? Sicher, die hat man eher im Wald. Aber wer sagt denn, dass es in Städten keinen Wald gäbe? Berlin hat den Grunewald, Wien den Wienerwald, Paris den Bois de Boulogne.

Früh morgens Wandern hat bestimmt seinen Reiz und ist das Ding für Frühaufsteher. Für alle anderen gibt es den ausgedehnten Nachmittagsspaziergang – oder eben Urban Hiking. Viel Spaß!

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