45: Martial Law, oder: Angriff vom Placebo-Mann

Nur in der Stadt bist du wirklich frei, schrieb ich gestern, un e jede Jeck es anders. Heute sattele ich meine Kutsche für einen Ausflug nach Köln, bin spät dran, biege hinter der Pizzabude links ab – und sehe einen Typen mit nacktem Oberkörper mitten auf der Straße stehen. Er scheint gerade in eine feurige Diskussion mit einer Gruppe Jugendlicher verstrickt. Und weil er sie offenbar nicht mit seinen Argumenten überzeugen kann, wendet er sich ab und erspäht – mich.

Oha, kann ich noch…? Nein, da ist schon einer hinter mir. Also weg da, Jung, ich bin spät dran! Er kommt mit Drohgebärden auf mich zu und scheint mir was zu wollen. Wären das nur du und ich, hätte ich gesagt: okay. Aber, Dude! Ich sitze hier im Stahlross, fast 2 Tonnen, 160 PS. Du hast hier eindeutig die schlechteren Karten. Ich versuche, ihn wegzuhupen, was dazu führt, dass er mir auf die Motorhaube haut und „WER VERKAUFT HIER PLACEBO?!“ zubrüllt.

Na, ich nicht!

Tob dich aus, Jung! Die Karre landet in vier Wochen eh in einem westafrikanischen Entwicklungsland auf dem Schrotthaufen. Dennoch habe ich nach meinem Verständnis für Verhältnismäßigkeit spätestens jetzt das Recht erworben, dich über den Haufen zu fahren. Nur im Deutschunterricht hieß es mal, dass plump gelöste Konflikte neue Konflikte nach sich zögen, und da habe ich die Woche zu wenig Zeit für.

Ohnehin ist der Typ längst auf dem Weg zu meinem Fahrerfenster, was mir die Möglichkeit gibt, einfach weiterzufahren. Wir brüllen uns noch jeweils etwas durch’s (mittlerweile vorsichtshalber zu 3/4 geschlossene) Fenster zu, dann brause ich davon. Müssen halt die Anderen mal die Bullen rufen.

Ja klar, als ich gestern schrieb, das Leben in der Stadt sei besser, dann sollte das natürlich nicht heißen, dass hier alles ausnahmslos immer besser ist. Die Gentrifizierung in meiner Hood lässt in letzter Zeit auch ganz schön zu wünschen übrig. Typen wie der Placebo-Mann sind mittlerweile mehr die Regel denn die Ausnahme, und die Hitzewelle mit innerstädtisch 5-10 Grad mehr als im Umland kommt erst noch.

Vielleicht ist es euch oben aufgefallen: Ich habe angefangen, die Beiträge hier neu durchzunummerieren. Erst gab es hier 33 Logs, dann 8 Travellogs, dazwischen und danach noch ein paar andere. Mittlerweile müsste dies Log Nummer 45 sein. Ich schreibe nun einfach eine Zahl davor, und ihr wisst dann, was gemeint ist, okay?

Kudos, Citroën! Fernab des 1. Aprils trauen sich die Franzosen, sich in einer wohl nicht ganz ernst gemeinten Kampagne, in Deutschland in Zitrön umzubenennen, damit der frankophobe Deutsche den Namen endlich richtig aussprechen kann. Aber bei der Aktion bleibt es nicht nur bei einem schönen Video im Stromberg-Mockumentary-Stil…

… der Name schmückt auch tatsächlich die offizielle Website und, nun ja, zumindest die meisten der dortigen Unterseiten und Produkte:

Respekt, Zitrön! Das in einer Zeit, in dem diesem Land jegliche Selbstironie abhanden gekommen schien. Dann müssen also wieder mal die Franzosen kommen und uns zeigen, wie man sich weniger ernst nimmt. Schade, dass wir das nicht selbst können.

Es darf doch einfach nicht wahr sein, dass mir mit dem Smartphone bessere Bilder gelingen als mit den besten Kameras auf dem Markt. Aktuell ja im Test, die Canon EOS R. Natürlich braucht es ein bisschen Einarbeitung, und ich bin weit davon entfernt, mehr als ein Fotoamateur zu sein. Aber was genau mache ich eigentlich falsch?

Aufgenommen mit der Canon EOS R
Aufgenommen mit dem iPhone X
Canon EOS R
iPhone X

Was natürlich nicht heißen soll, dass man mit der Canon EOS R (die mitsamt dem Objektiv, das man mir dazu auslieh, immerhin 3.500 (!) Euro kostet) keine guten Bilder machen könnte.

Ich scheine nur einfach mit dem Smartphone mittlerweile viel geübter zu sein.

Trendblog-Content: Noch einmal der schicke E-Roller Kumpan 1950, diesmal der Testbericht.