50: Disaster Management

Mattes klingelt mich am Samstag gegen 1330 aus dem Bett, was zum einen offenbar bedeutet, dass ich immer noch nicht ganz gesund bin, und zum anderen, dass er sich ausgesperrt hat. Zweitschlüssel? Bei seiner Frau, die gerade in Berlin aufgeschlagen ist. Handy hat er natürlich in der Wohnung, Geld auch. Sein Vermieter hätte noch einen Schlüssel, aber der wohnt im tiefsten Beuel, und natürlich hat man von dem auch nicht die Nummer im Kopf.

Wir versuchen alles. Die Nummer seiner Frau hat er zum Glück noch im Kopf (da würd’s bei mir schon aufhören, ich kenne keine Handynummer außer meiner eigenen auswendig). Wir lassen ihr eine Nachricht auf der Mailbox, googeln den Vermieter, rufen aus Spaß mal bei einem Schlüsseldienst an, um zu erfahren, was die so für Preise nähmen (92€ + Mehrwertsteuer).

Früher war ich froh, wenn immer alles glatt gegangen ist. „It just works“, war mal Apples Credo und es ist wohl kein Zufall, dass ich seit 10 Jahren Mac-Nutzer bin. Immer wenn irgendwas schief gelaufen ist, hat mich das aus der Ruhe gebracht. Mittlerweile merke ich: Es macht viel mehr Spaß, Probleme direkt anzugehen.

Wie neulich, als ich meiner Nebenparkerin einen Blechschaden verpasst habe (meine Versicherung hat sich heute übrigens gemeldet btw. und meldet sich schriftlich bei Ihnen, Frau S., falls Sie das hier lesen. ;)) und die Geschädigte und ich uns gemeinsam Gedanken gemacht haben, wir wir das regeln. Wie jedes Mal, wenn mein Auto mal wieder kaputt ist.

Die Wirtschaft hat da sicher ein schönes Buzzword für. Disaster Management ist es nicht, aber das klingt für mich schöner. Man versucht nicht, Problemen lieber aus dem Weg zu gehen, man brainstormt, welche Probleme ziemlich sicher irgendwann auftreten werden und entwirft vorab Strategien, die dann greifen, wenn das Kind in den Brunnen fällt.

Probleme lassen sich ganz gut lösen, wenn man andere Leute ins Boot holt und sich zu mehreren darum kümmert. Wie neulich, als mein Nachbar einen halbtoten Jungvogel vor dem Haus gefunden und das an die Haus-WhatsApp-Gruppe geschickt hat. Wenig später hat sich das halbe Haus um den Vogel gekümmert und Jessie aus dem Erdgeschoss, die selber Vögel hat und sich damit auskennt, hat ihn bei sich aufgenommen (bis er dann leider 2 Stunden später doch verendet ist). Viel konstruktiver, als wenn sich jeder in seiner Wohnung verkrochen hätte.

Am Ende haben wir übrigens Mattes‘ Vermieter erreicht, sind mit meinem Noch-Auto dort vorgefahren, haben den Schlüssel geholt und Mattes wieder zuhause abgesetzt. 2 Stunden später war alles wieder gut. Aber, ja, jeder sperrt sich mal aus. Meistens, wenn man halbnackt nur kurz runter zur Wäsche will und natürlich Handy und Geld nicht dabei hat. Es lohnt sich, sich für solche Fälle Strategien zurechtzulegen.

Eventuell kann man mit der Canon EOS R doch ganz anständige Fotos aufnehmen…

Ui, darauf bin ich fast ein bisschen stolz. 🙂

Trendblog-Content: Kollege Sven hat weiter Spaß mit Sofortbildkameras, Kollege Daniel derweil eine Festplatte mit Fingerabdrucksensor getestet und, nun ja: it just works…

Gute Woche euch!