56: Instagram-Werbeopfer

Die letzte Social-Media-App, die ich noch wirklich nutze, ist Instagram. Und wenn mich die App bei einer Sache immer wieder kriegt, dann ist das bei der Werbung. Ich weiß nicht genau, wie sie das machen, dass sie immer genau wissen, was mir gefällt oder was ich gerade brauche. Oder ob sie einfach nur den Traum kleiner Jungen (im Manne) erfüllen.

Angezeigt hat mir Instagram unter anderem Werbung für…

  • Das Online-Master-Programm für Fotografie für nicht 6.000, auch nicht 2.000, nein, für nur 95 Dollar
  • Das Portemonnaie, das wirkt wie aus Papier *
  • Die platzsparende Outdoor-Luftmatratze mit hohem Schlafkomfort *
  • Den Sprachassistenten für jedes Auto
  • Das E-Mofa mit 240km Reichweite
  • Das Paar Schuhe für alle Gelegenheiten *
  • Das T-Shirt, das ihr 7 Tage lang tragen könnt, bevor ihr es waschen müsst
  • Die Hose, die ihr nie wieder ausziehen müsst

GENIAL!

Bei den mit * markierten Produkten habe ich tatsächlich zugeschlagen… Ja, ich weiß… Ja, was soll ich machen…

So passend diese Werbung ist, es ist nicht ohne Probleme. Der genannte Schuh für alle Gelegenheiten etwa verlinkte zu einer Kickstarter-Aktion. Das Projekt sah ziemlich solide aus, aber mit Kickstarter hatte ich in der Vergangenheit nicht nur gute Erfahrungen gemacht.

Und dann ist da noch die Sache mit den T-Shirts… Das waren einfach nur wunderhübsche T-Shirts mit Knopfleiste. Ich war sofort Feuer und Flamme, besuchte den Shop, bestellte gleich drei Farben (kann man ja alles zurückschicken), fand noch eine Shorts, eine Mütze und ein paar Schuhe, die mir gefielen, und gab schließlich eine Bestellung für 200 Euro auf. Stutzig hätte ich schon werden sollen, als der Versand nochmal extra kosten sollte. Abgerechnet in US-Dollar. Aber ich wollte die T-Shirts unbedingt. Und beim Online-Shopping hatte ich bisher tatsächlich fast nur gute Erfahrungen gemacht.

Na ja, die Bestellung ist nun 2 Monate her. Bestellt und bezahlt am 5. Juni. Für den 19. Juli steht da: wurde versandt, aber konnte nicht zugestellt werden. Warum nicht? Der Anbieter gibt eine Tracking-Nummer bei der China Post an und sagt, ich solle mich bei denen melden. Gebe ich die Nummer dort ein, kommt eine leere Seite. Bei Fragen und Beschwerden kann ich mich jederzeit an den Shop wenden, der dafür die Adresse noreply@… angibt…

Sagen wir’s so: Falls die Klamotten noch irgendwann ankommen sollten, ist der Sommer vermutlich längst vorbei. Und mit dem Rückversand und der Erstattung einzelner Teile dürfte es sooo einfach auch wieder nicht werden.

Der langen Rede kurzer Sinn: Überlegt euch das zweimal mit dieser Werbung auf Instagram! Selbst wenn sie dort T-Shirts verkaufen, auf denen „I hate people“ steht….

Für 26,75…..

Statt 30,95……

……..

*

Matthias, unser Admin und im früheren Leben Produktfotograf, hatte ein paar Verbesserungsvorschläge für meine Beitragsfotos zum Testbericht der Canon EOS R. Und weil ich Kritik ja immer sofort persönlich nehme zum Anlass nehme, zu lernen und Dinge danach besser zu machen, habe ich mich die vergangenen zwei Tage mehr als geplant mit Fotografie befasst.

Ihr denkt, Produktfotografie sei einfach? Draufhalten und fertig? Denkt nochmal nach! Und denkt dabei an Staubkörner, die es nicht geben darf und die ihr im Display oder Sucher noch nicht seht, denkt an Schärfentiefe, die schon bei Blende 8 nicht ausreichen kann, um das Produkt von vorne bis hinten scharf abzubilden und den Hintergrund trotzdem in angenehme Unschärfe zu tauchen. Denkt an gerade Proportionen, stürzende Linien, passende Hintergründe. Es wurde eine stundenlange Fotosession, in der ich meine Küche halb zum Fotostudio ausgebaut und dutzende Fotos geschossen habe. Ich war am Ende schweißgebadet…

Aber okay, es dürfte sich einigermaßen gelohnt haben.

Aus…

… wurde…

Und aus…

… wurde…

Aber ernsthaft: Fotografie ist ein beinhartes Geschäft und ich kann mittlerweile verstehen, warum eingesessene Fotografen leicht pikiert auf diejenigen schauen, die mal eben das Smartphone draufhalten (was ich ja so gerne mache).

Übermorgen befassen wir uns dann mit dem Thema Video…….

Bild des Tages: Meine Küchenpflanze. Ausnahmsweise aufgenommen mit einer echten Kamera. Und verdammt, wo kommt denn da jetzt schon wieder dieser Aufkleber…

4 Kommentare

  1. Hallo Jürgen,
    vielleicht eine Anregung: könntest Du in den nächsten Folgen die anderen Produkte kurz vorstellen, die Du Dir gekauft hattest, nachdem Du durch Werbung auf sie aufmerksam gemacht worden bist. Die Sachen klingen interessant und haben mich neugierig gemacht.
    Viele Grüße, Jens

  2. Ja, die Instagram-Werbung. Die meisten davon kenne ich auch. Aber da ich selbst Werber bin, reagiere ich oft etwas zurückhaltender, wenn mit Superlativen um sich geworfen wird. Bei Merino-Shirts, die man (sogar beim Wandern) sieben Tage tragen kann, bevor sie anfangen zu müffeln, vertraue ich lieber Marken, und wenn mir eine Hose mit Parcoursläufen und Salti angedient wird, werde ich auch skeptisch. (Ich habe aktuell die https://www.fjallraven.de/fjallraven-manner-high-coast-trousers-navy-f82461/ als perfekte Hose für mich entdeckt. Gibt’s in drei Farben und auch günstiger. Bei Instagrams Werbung sind schon mal nette Sachen dabei, aber die Ansprache ist mir generell zu kickstarterig. Da werden teils interessante, aber nicht einzigartige Produkte als das Größte, Neueste und Noch-nie-Dagewesene angepriesen. Bin aber schon nach solcher Werbung auf Recherche nach etablierte Alternativen gegangen. Du bist also nicht allein, Jürgen.

  3. Diese Instagram-Werbung passt bei mir auch oft erschreckend gut. Manchmal ist aber auch seltsames Zeug dabei, z.B. Holzuhren und Holzsonnenbrillen. Keine Ahnung, wie die da drauf kommen … Da es dann doch oft nervt, nach jedem 3 Bild Werbung zu sehen, benutze ich Instagram mittlerweile meistens völlig werbefrei in Firefox für iOS.

    Es muss wohl eher heißen „… im früheren fast Produktfotograf“. Habe eine Zeit lang freiberuflich Veranstaltungen, Portraits und gelegentlich Produkte fotografiert und in das Foto-Business reingeschnuppert. Heute bin ich froh, dass ich dann beruflich doch den Weg ins Webdesign eingeschlagen habe und mir die Fotografie als Hobby erhalten geblieben ist.

  4. Die haben schon feine Sachen zum Teil.

    Aus Erfahrung kann ich übrigens sagen, dass auch Merino-Shirts keine ganze Woche beim Wandern durchhalten. 2 Tage maximal, dann wird’s auch da fies. Bei diesen 7-Tage-Shirts haben die noch Silber mit reingewebt.

    Ich kaufe auch nicht blind drauflos. Aber gemein ist das schon, dass sie die Zeitpunkte und das, was man brauchen könnte, genau zu kennen scheinen. 😉

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