57: The Darkness

Seit drei Wochen laboriere ich jetzt an meiner Bronchitis (oder eigentlich Asthma, wie eine bekannte Ärztin diagnostizierte) und so langsam schlägt es mir auf die Stimmung. Ich muss Anstrengungen vermeiden, sprich: Sport. Und ohne Sport geht es mir nicht gut. So viel kann ich gar nicht spazieren gehen, um das wieder auszugleichen.

Welche Auswirkungen das hat, kann ich gerade live an mir ablesen. Die Arbeit stresst mich mehr als gewöhnlich, ich habe Phasen am Tag, an denen ich unfassbar müde bin. Vor allem aber gehen mir andere Menschen auf den Geist, vornehmlich solche, die im Weg rumstehen oder aus dem Kollektiv ausbrechen.

Heute läuft da etwa dieser Typ auf dem Frankenbadplatz heiß. Redet extrem laut, schimpft über die anderen, brüllt herum, shakert fremde Leute an, die das gar nicht wollen, und entschuldigt sich im gleichen Moment ebenso lautstark. Das geht jetzt seit Stunden so. Ich kriege das mit, weil das direkt vor meinem Fenster passiert und ich die sommerliche Atmosphäre eigentlich mag.

Ich kenne ihn, ich weiß um seine Beeinträchtigung und normal sortiert mein gesundes Selbst den einfach in eine Schublade ein (hilft manchmal ungemein). Geht es mir nicht gut, bringt es mich nur noch auf die Palme. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was wäre, wenn die Asthma-Geschichte noch ein paar Monate weiterginge. Oder länger.

Ich habe Leute gesprochen, die nach Ärztepfusch oder Krankenhauskeimen ein ganzes Jahr außer Gefecht waren. Es gibt Menschen, die so chronisch krank sind, dass sie nie mehr so können, wie sie wollen. Was machen die mit ihrer negativen Energie, noch dazu in dieser Gesellschaft?

Mir ist dabei eine Doku wieder eingefallen, die ich vor einiger Zeit gesehen habe. Ein Reporterteam hat dabei Menschen aufgesucht, die in sozialen Netzwerken aufs Übelste gegen Migranten gehetzt und deren Tod gefordert hatten. Das Reporterteam überfiel die Verfasser teilweise an deren Arbeitsplatz, nachdem sie die Schriften zuvor dem Chef gezeigt hatten.

Mit seinen eigenen Hassbotschaften konfrontiert, brach ein älterer Mann zusammen. Es stellte sich heraus, dass er schon lange private und gesundheitliche Probleme hatte. Gegen Migranten – hatte er eigentlich nichts. Aufgeschreckt auf Facebook von geposteten Sensationsnachrichten über Gewalttaten von Migranten hatte er dann seinen Frust nach unten weitergegeben.

Was ist das eigentlich für eine Gesellschaft, in der selbst die Schwachen ihren Druck noch an die Schwächsten weitergeben? Die Gründe können gesundheitlicher Natur sein, ja. Aber warum läuft das dann derart schief? Es gibt ja auch Gesellschaften, in denen sich alle um den Versehrten kümmern, physisch wie psychisch, wo es darum geht, dass derjenige wieder Teil der Gemeinschaft wird. Wo die Menschen nicht danach gemessen werden, wie wertvoll sie für den Arbeitsmarkt sind. Ich spreche hier nicht von mir, ich werde hoffentlich schon bald wieder gesund sein. Aber was ist mit denen, die monate-, ja jahrelang krank sind?

Ich kann nur sagen: Habt mehr Verständnis! Zero tolerance gegenüber Dummheit und rechter Hetze, okay. Aber hört erstmal zu und schaut nach den Ursachen.

Und nehmt Gesundheit nicht als selbstverständlich hin! Ist sie nicht.

Ist doch eigentlich ganz nett hier – hatte ich mir vorgenommen zu schreiben. Aber irgendwie… nee.

Einen kurzen Moment lang hatte ich überlegt, ob man nach dem Überdruss an Facebook nicht reumütig zu StudiVZ/MeinVZ zurückkehren sollte. Weil’s da ja eigentlich mal ganz nett war, und ohne viel Hass und so.

Zeigt sich aber doch, dass es schon Gründe dafür gab, warum damals alle geflüchtet sind. Der wichtigste dürfte sein, dass da einfach nichts mehr los war. Ist jetzt eben die Frage: Facebook ist too much, StudiVZ too little. Wie social sollte ein modernes Social Network sein?

So social wie der offizielle StudiVZ-Nachfolger FreundeVZ vielleicht? Der lädt nämlich nicht…

Seit ich auf der Minimalismuswelle schwimme, kaufe ich ironischerweise mehr Technik denn je. Der angewandte Minimalismus bedeutet nicht, dass ihr gar nichts mehr besitzt. Es bedeutet: Ihr habt am Ende idealerweise nur noch Dinge, die euch Spaß machen. Und dazu müsst ihr die natürlich erst einmal kaufen…

Zwei einfache Regeln beschreiben den praktischen Minimalismus. Der zweite ist von Marie Kondo, der erste aus dem Buch „Goodbye Things“ von Fumio Sasaki, das ich dazu einmal gelesen habe:

  1. Brauche ich das wirklich?
  2. Bereitet es mir Freude? (Does it spark joy?)

Punkt 1 ließ mich beinahe alles aussortieren, was nicht niet- und nagelfest war. Das wenigste davon habe ich bereut. Punkt 2 haucht schönen Dingen Seele ein. Dinge zu behalten, die einem wirklich gefallen, ist die eine Sache. Die andere ist, dass sich das auch beim Einkaufen wunderbar umsetzen lässt, um weniger Zeugs anzuhäufen.

Du musst Affinity Foto zur Bildbearbeitung benutzen, heißt es derzeit von Kreativen allerorts. Ich habe Affinity ein paar Tage lang getestet und es hat kein Joy gesparkt. Für mich überladen, erstaunlich langsam (wolltet ihr Adobe damit Paroli bieten?), nicht so intuitiv erlernbar wie gedacht. Als Photoshop-Alternative sicher den Preis wert. Aber so viel besser als das Pixelmator, das ich schon habe, dann auch nicht. Vor allem aber: Brauche ich überhaupt eine Photoshop-Alternative?

Polarr Bildeditor

Und so bin ich bei Polarr hängen geblieben. Die Bedienung ist so anders, so viel leichter und schöner, und dabei ein so mächtiges Tool, das sogar im Browser funktioniert. Ich habe es bei meinem ersten Test in diesem Jahr mit einem Chromebook gesehen und bin seitdem hin und weg. Derart hin und weg, dass ich drauf und dran bin, für einen Monatsbetrag die Pro-Version zu bezahlen (die deutlich unter dem Preis für die Adobe Creative Cloud liegt).

Also ja, man kann klar sagen: Polarr sparks joy.

Nach dem unechten Fleisch kommt jetzt das wieder etwas echter wirkende Fleisch, also das, was geschmacklich dann gar nicht mehr von Fleisch unterscheidbar sein soll. Nachdem Beyond sich mit einer Fuhre zu Edeka und Lidl gewagt hatte, bläst die Konkurrenz mittlerweile zum Gegenangriff. Den Incredible Burger hatte ich schon. Und von der Rügenwalder Mühle kommt jetzt auch ein Erzeugnis, das Beyond imitiert. Sogar: Steak. Okay, das muss ich ausprobieren! (Bericht folgt.)

Für euch bereits ausprobiert: Butterkaffee. Trinkt man in Vietnam und hatte ich heute Bock drauf. Geschmacklich: nicht so schlimm, wie ihr denkt. Ich rate zu gesalzener Butter. Und mokka-artigerem Kaffee.

Leser-Service: Jens bat mich um die Links zu den Produkten, die mich zum Instagram-Werbeopfer werden ließen. Die sähen interessant aus. Nun denn, du hast es so gewollt! Noch gefunden: iPhone Photography School, papierartige Portemonnaies, Outdoor-Luftmatratze mit hohem Schlafkomfort, Sprachassistent fürs Auto, E-Mofa mit 240km Reichweite, der Reiseschuh für alle Gelegenheiten, T-Shirt, das ihr erst nach Tagen waschen müsst, Hose, die ihr nie wieder ausziehen müsst. Beeilt euch, alle Angebote sind streng limitiert!!! 😉

Final Space, SciFi-Animationsserie auf Netflix, empfohlen von Boris. Die Story hat Potenzial, aber dafür gingen mir Beteiligte und Handlung zu sehr auf die Nerven. Bis auf den knuffigen Mooncake, der mich stark an Nibbler von Futurama erinnert, sind mir eigentlich alle Charaktere unsympathisch, insbesondere die Hauptfigur. Und das hat schon bei genanntem Futurama für mich nicht funktioniert. Oder anders gesagt: Ist mir zu hektisch. Sorry, Boris, bin ich zu alt für!

Trendblog-Content: Ein technisches Gerät ohne optisches Laufwerk – das kann im ausgehenden zweiten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts tatsächlich immer noch ein Zankapfel sein. Kollege Daniel Wendorf hat sich die Xbox One S All Digital trotzdem mal vorgenommen. Ich habe derweil das neue Galaxy Note 10 vorgestellt. Sparkt eher nicht genug Joy, als dass ich das Galaxy S10 dafür in Zahlung geben würde, zumal der Akku sicher auch nicht länger hält, aber sieht doch verdammt gut aus!

Bild des Tages: Kleine Pflanze muss noch viel wachsen (verfremdet mit Polarr)

6 Kommentare

  1. Moin Jürgen, bei dem Gedanken Schwache gegen Schwächste sind wir auch schnell bei der Sache warum einfache Arbeiter gegen Arbeitslose und Hilfeempfänger wettern.
    Es ist wirklich interessant wie die kollektive Empfindung über 40 Jahre sich nach und nach in großen Teilen von „die da oben“ auf „die da unten“ geändert hat.
    Aber da sind wir wieder bei Politik…
    *Asthma – Ich kann Dir wärmstens 3-4 Wochen an der Nord/Ost-See empfehlen, mit ausgedehnten Spaziergängen (1-2h) am Strand (hin) und durch den Wald (zurück), 1x morgens und 1x abends.
    Hat bei mir Wunder gewirkt, bei unserer (meist digitalen und meist freien) Arbeitsweise ist es eigentlich kein Problem für diese Zeit den Ort zu wechseln, am Ende sogar eine Bereicherung (und haufenweise Fotomotive…).
    *SozNetz – braucht man das überhaut noch? Du hast WhatsApp, du hast Insta, den Blog ;-), alles andere ist nur noch zeitraubend und ohne Mehrwert.
    *Final Space – Mit dem Alter hat`s nichts zu tun (42!) ;-). Schade, aber ja, es ist speziell. Habe derweil mit Jessica Jones angefangen, nach 5 Folgen – neee…
    *Samsung Note – das das Gerät kompakter wurde ist schön, nun müsste der Trend in dem 5“-Bereich ankommen, so ein Teil mit ca. 120x70mm – perfekt!

    • Stimmt eigentlich. Also klar, „Danke Merkel“ und „Merkel muss weg“ wird schon von den Gleichen skandiert, die auch Migranten raus haben wollen. Aber das Getrete von unten nach ganz unten scheint irgendwie neu zu sein.

      Das mit dem Meer klingt gut. Kostet natürlich auch ein bisschen Geld. 😉 Früher hat man sich da eine Kur verschreiben lassen.

      Jessica Jones mochte ich wiederum recht gerne (wobei ich nach Staffel 1 nicht weiter geschaut habe). Also ist es einfach nur unterschiedlicher Geschmack.

  2. Ach komm, gesund werden oder etwas sparen 😉 Ne Kur gibts heute wahrscheinlich nicht mehr…, aber 3 Wochen an der Küste in MeckPomm in der Nebensaison (ich war im September da) müssten gehen.
    Och, bzgl. Geschmack, es passte schon sehr oft was Du an Serien empfohlen hattest. Aber ja, diesmal scheints daneben zu liegen…

    • Ist nicht nur eine Geldfrage. Ich habe auch paar Dinge zu tun, für die ich hier sein muss. Die Idee ist natürlich gut und Nord- und Ostsee sind immer eine Reise wert (Juist, mon amour!). Wird aber auch langsam endlich besser mit der Schose.

      Jeder hat so seine anderen Serienvorlieben und das ist auch okay so. Jetzt gerade bin ich bei der neuen Glow-Staffel. Irgendwie eine Feelgood-Serie.

  3. Gute Genesung noch!

    Habe am WE die Serie Superstore „wiederentdeckt“, hatte damit mal angefangen bei S1, und aus den Augen verloren, nun gibt es wohl bald S4 in DE!!!
    S5 von Brooklyn 99 steht auf dem Plan, freue ich mich schon lange…

    • Danke!

      Beide Serien haben mich damals nicht über die jeweils sehr gute erste Folge hinaus überzeugen können. Mir war so, als hätten die Autoren für die Piloten alles gegeben und sich dann nach erfolgreichem Verkauf gesagt: „30% der Gags tun’s auch, so viele haben wir auch gar nicht.“ Aber auch hier vielleicht nochmal Zeit für eine zweite Chance.

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