61: Zur Sicherheit SUV fahren

Einen interessanten Debattenbeitrag zum Thema „Hell is other people“ gibt es derzeit auf dem Trendblog. Wir haben gerade eine Aktion laufen, in der wir ein paar Dashcams an Tester abgeben. Und die Bewerbungen darunter sind offenbarend. Zwei Auszüge:

„Da bekommt man die Vorfahrt genommen, wird von Radfahrern geschnitten oder gelegentlich kreuzt ein Geisterfahrer den Weg an der Kreuzung.“

„Warum ich seit Jahren mit Dashcam fahre? Weil draussen nur noch Egoisten unterwegs sind und ich schon zu viele knappe Situationen hatte.“

Der interessanteste Kommentar zum Thema verirrte sich allerdings unter einen anderen Beitrag. Inhalt dennoch ähnlich und umso bemerkenswerter:

„Übrigens fahr ich einen schweren SUV V8. Ich fühle mich in diesem Auto ob der immer mehr Idioten auf der Straße viel sicherer.“

Zur Sicherheit SUV fahren?! Ist das der Grund, warum sich ausgerechnet die schweren Spritschlucker in Deutschland mit Abstand am besten verkaufen?

Ich denke, das lässt sich herleiten. Der Verteilungskampf hat begonnen, die Leute drehen durch. Klar, die Umwelt müsste gerettet werden, aber die Zombieapokalypse ist imminent oder wir sind längst mittendrin – wenn ihr „die ganzen Verrückten da draußen“ also solche betrachten wollt, was gar kein so schlechter Vergleich ist. Also Pflug vor die Kühlerhaube gespannt und mittendurch.

Schaue ich mir die Verkehrssituation am Bertha in Bonn an, bestätigt sich der Eindruck. Der Audi schert noch schnell nach rechts aus und brettert dabei fast über mich drüber, wie ich mit dem E-Scooter ein Auto überhole, das mit Warnblinklicht auf dem Fahrradstreifen parkt. Eine Ecke weiter nimmt mich der Busfahrer beinahe aufs Korn, der nach links über den Radweg muss, den kluge Stadtplaner in die Mitte der Straße gesetzt haben. Während ich beinahe von einem Autofahrer in die Zange genommen werde, der von links kommt und keine Wahl hat, als auf höchstens 50 Metern Länge über den Radweg hinweg nach rechts abzubiegen.

Man könnte die Verkehrsplaner fragen, welches Gras sie an dem Tag geraucht haben, als sie das Konzept für eine gute Idee gehalten haben. Mir scheint, viel anders konnten sie gar nicht (wobei, den Radweg wie üblich am rechten Rand? Was hätte dagegen gesprochen?). Das Problem ist, dass da einfach zu viele verschiedene Verkehrsmittel auf zu wenig Platz zu schnell von A und D nach C und B wollen. Und das einfach nicht gut gehen kann.

Das wahre Problem sind die Autos, kommentiert Dieter Nürnberger im Deutschlandfunk. Kann man so sehen, aber eine echte Alternative ist immer noch nicht gefunden. Stichwort: Regen.

Bonn will (oder vielmehr muss) in der Zwischenzeit wegen schlechter Luftqualität zur Lead City werden. Maßnahmen? Paar mehr Buslinien, immer noch kein verdichteter Takt zu Stoßzeiten für den ständig überfüllten Flughafenbus, weil Fliegen ja voll evil ist. @ellebil fasst das auf Twitter treffend zusammen:

5 Minuten Twitter-Stream sind mittlerweile für mich wie früher 10 Minuten Facebook und noch früher 15 Minuten Bild-Zeitung. Ich fühle mich klein, abgehängt, nutzlos und völlig demotiviert. Das Leben läuft an mir vorbei, während alle anderen sich mit komischen Dingen befassen und über Sachen aufregen, von denen ich gar nichts mitbekommen habe (weil es mich auch nicht interessiert hätte – hätte es das sollen?). Dabei ging es mir gerade doch noch gut. Twitter erstmal wieder aus. Ist zu seltsam hier.

Und eventuell brauche ich in Bälde doch noch einmal eine neue Kamera. Ich arbeite ja jetzt damit und soll schöne Fotos und sogar Videos drehen. Die Sony Alpha 7 aber…

  • Weigert sich in 9 von 10 Fällen einfach scharf zu stellen, egal mit welchem Fokusmodus. Dude, da, DA sollst du scharf stellen. Der Fokusspot markiert genau den Punkt. Kamera: „Nö, mach ich nicht. Ach, du willst meine Kompetenz in Frage stellen und manuell fokussieren? Na, dann mach ich’s zu dunkel.“
  • Nimmt Videos in Full HD auf, zumindest das, was sie für Full HD hält. 1080 x 1440 px. Äh, Kamera, Full HD sind eigentlich 1080 x 1920 px. Kamera: Nö, hier nich, musste halt an die Seiten noch was dranpflanschen.
  • Display lässt sich nicht nach oben klappen. Noch nie von der Generation Selfie/Vloggern gehört, Sony? Na gut, die Kamera ist 6 Jahre alt…

Mal sehen, was der Markt hergibt. Jemand ne Idee?

Du liegst im Bett, schaust aus dem Fenster, siehst den Nachthimmel und denkst dir: Wow! Das wäre doch ein phänomenales Foto… 30 unscharfe Bilder später kommt dann wenigstens eins raus, das halbwegs vorzeigbar ist. Nee, sorry, ich glaub, Alpha 7, das wird nichts mehr mit uns.

Bild des Tages, trotzdem:

Und falls ihr nicht schlafen könnt, hier ein wenig Eisenbahnromantik meine 5-minütige Bergauffahrt mit dem Metz Moover von Poppelsdorf nach Ippendorf. YouTube-tauglich gemacht von unserer neuen Cutterin Ines. Großen Dank!

Und weil’s gestern so schön war und ich den Song heute rauf und runter gehört habe, hier noch einmal für euch. Das Video ist ebenso schlicht wie großartig, auf so vielen Ebenen. Enjoy!

2 Kommentare

  1. Dein Satz zu deinem Empfinden nach fünf Minuten Lektüre von Twitter ist grandios.
    Ich glaube mir tut das Internet bisweilen psychisch auch nicht gut. Und trotzdem häng ich immer am Handy. Manchmal träume ich davon, dass das Internet einfach abgeschaltet wird. Ich stelle mir die Welt friedlicher und ruhiger vor.

    • Fürchte, so einfach ist das nicht. Könnte mir sogar vorstellen, dass die Leute dann ihre Konflikte eher wieder in der realen Welt austrügen, was auch nicht wirklich besser wäre. In Sachen E-Learning ist das Internet ganz nebenbei ein Segen.

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