64: Ich pfeife auf Word of Mouth

Irgendwo im Call Center bei UnityMedia müssen sie eine Liste der Kategorie haben: „Idioten, denen wir alles verkaufen können“. Und auf der stehe auch ich.

Vermutlich, weil ich wirklich vier Jahre lang meinen 100-Mbit-Anschluss für 40 Euro einfach so weiterlaufen ließ. Er lief halt. Dann irgendwann lernte ich, dass du kündigen musst, wenn du willst, dass ein Anbieter dich ernst nimmt. Und so wechselte ich auf 150 Mbit/s für 25 Euro.

Zwei Wochen später klingelte das UM-CallCenter durch und bot mir an, meinen 100-Mbit/s-Vertrag upzugraden. Gleiche Geschwindigkeit, aber künftig einen direkten Ansprechpartner und das alles für nur 50 Euro. Ich wurde leicht ungehalten.

Heute haben sie es wieder versucht. Ein CallCenter-Mitarbeiter wollte mir weiß machen, mein 25-Euro-Vertrag würde bald 35 kosten, weil es die Ersparnis nur im ersten Jahr geben würde, ob ich nicht auf 250 Mbit/s für 32,50 updaten wolle und ob wir das direkt machen und aufzeichnen könnten, Angebot wäre nur kurz gültig.

Ich sagte weder ja noch nein, sondern erbat mir zwei Tage Bedenkzeit, weil ich mit dem Telefon am Ohr nicht recherchieren könne. Aber auch, weil er mich verunsichert hatte. Galten die 25 Euro wirklich nur für ein Jahr?

Zuhause angekommen, hatte ich es dann schnell geklärt. Für das zweite Jahr hatte ich damals eine Gutschrift über 120 Euro erwirkt, die mittlerweile gilt. Ich zahle also weiterhin nur 25 Euro. Und außerdem hatte ich Angebote am Telefon bei UM eigentlich abbestellt. Aber na gut.

Wenn man so will, habe ich das am Telefon heute recht clever gelöst. Leider bin ich nicht immer so schlagfertig, vor allem dann, wenn es um unangenehme Themen geht.

Mein neuer Steuerberater hat mir einen Posten auf die Rechnung gesetzt, über den wir im Kennlerngespräch zwar sprachen, den ich aber explizit nicht beauftragt habe, als ich mittlerweile vor fast einem Jahr meinen Ordner für 2017 abgab, um Einkommens- und Umsatzsteuererklärung machen zu lassen. Leider habe ich das nur mündlich beauftragt und jetzt keine Beweise mehr dafür. (Note to self: Alles nur noch schriftlich aushandeln).

Heute ging es darum, diese Rechnung zu beanstanden. Telefonisch immer schwer. Ich rief an – immer die schwierigere Position, ein uphill battle. Er sagte, es wäre – ob beauftragt oder nicht – ein notwendiger Posten gewesen. Ich sagte, ich würde das bezweifeln, fände ihn überhaupt für das Geleistete zu teuer und hätte ihn ganz nebenbei nicht beauftragt.

Und jetzt? Einer von beiden muss nachgeben. Ich bin nicht der Typ, der am Telefon brüllt oder ungemütlich wird (vielleicht würde ich das, wäre ich täglich im Handel tätig, außerdem wäre es einfacher, wenn ich angerufen würde und mir einer was aufschwatzen will), ich versuche immer freundlich zu bleiben und Konflikte mit Argumenten und Gelassenheit zu lösen. Aber einfach sagen: „Nö, zahle ich nicht!“? Bringe ich nicht heraus. Und brachte ich auch hier nicht heraus.

Er bot mir an, mir um 250 Euro entgegen zu kommen. Ich sagte, das würde ich natürlich begrüßen. Aber zufrieden bin ich trotzdem nicht. Auch so ist die Summe noch gut das Doppelte vom dem, was ich ansonsten am Ende für Steuerkram bezahlt habe.

Und jetzt? Einfach nicht zahlen, noch einmal schriftlich nachhaken und meine Unzufriedenheit äußern? Das ganze völlig eskalieren lassen, es aussitzen, vielleicht sogar einen Anwalt einschalten? Oder aus Schaden klug werden?

Ich habe mich für Letzteres entschieden. Ich kann die Rechnung bezahlen (allein schon von dem Betrag, den mir der Steuerberater für das Jahr herausgeholt hat). Ich zahle zähneknirschend und dann sehe ich mittlerweile ein, dass es an der Zeit ist, sich endlich einmal vernünftig mit dem Thema zu befassen und auch endlich einmal mit der Digitalisierung des Ganzen anzufangen.

Und mir einen neuen Steuerberater zu suchen? Auch das schließe ich nicht aus. Aber eins mache ich nicht mehr, ich lasse mir keine Empfehlungen mehr von irgendwem geben. So bin ich nämlich auf meinen aktuellen gekommen und nun eben enttäuscht worden. Das nächste mal pfeife ich auf Word of Mouth. Ich werde einfach schlicht 5 bis 10 Steuerberater anschreiben und um Angebote bitten.

A propos Angebote. Mein Auto kommt ja jetzt weg und für so etwas gibt es sogar Webseiten mit Lockvogelangeboten, die dein Auto schätzen und dir ein Angebot machen. Kostet ja nichts, das mal auszuprobieren, dachte ich. War auch in zwei Minuten erledigt. Als ich letzten Samstag das Angebot las, gingen mir die Augen auf und ich dachte „Shut up and give me the money!“

Natürlich war ich skeptisch. Das Angebot kam, ohne dass die Seite nach TÜV oder überhaupt nur den Zustand des Wagen gefragt hatte. Genau würde das dann bei einem Sichtungstermin geschätzt. Der war heute.

Ich fuhr vor, machte eine Probefahrt mit dem Techniker, der das Fahrverhalten und das Innenraumkonzept lobte (stimmt ja auch). Dann sah er sich den Wagen von oben an, warf auch einen Blick unter die Haube (aber nicht unter das Auto selbst) und zeigte sich recht zufrieden mit dem Ding. Aber schätzen müssten das „die Kollegen in Berlin“.

Das Ende vom Lied war dieses Angebot:

Hm nee, Jungs. Jetzt nur ein Drittel vom ursprünglich Geschätzten? Erst heiß machen, dann fallen lassen? Dann bringe ich es doch lieber auf den Schrott. Oder zu einem dieser Typen (beachtet den letzten Satz, hrhr):

Auch wenn heute ein turbulenter Tag war und sehr viel schief ging, wurde ich irgendwann immer ruhiger dabei. Mein eigentlich sehr hohes Stresslevel stieg nicht weiter, sondern sank. Vielleicht, weil das Ganze irgendwann so absurd wurde, dass ich es nicht mehr zu ernst nehmen konnte.

Vielleicht aber auch, weil ich gestern einen langen Spaziergang über die Nordbrücke nach Beuel gemacht habe, um den Kopf endlich mal wieder freizukriegen (hat geholfen):

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A walk in Beuel City to clear the head

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Lime wird in Bonn noch nicht ganz so gut angenommen. Dieser hier stand heute im Grunde den ganzen Tag vor meiner Tür und hat sich nicht vom Fleck bewegt:

Wenn er morgen früh immer noch da steht und ich ihn für meinen regelmäßigen 1100-Termin verwenden kann (wofür ich noch nie einen Scooter bekommen habe), dann werde ich sagen: E-Scooter sind endlich angekommen.

Trendblog-Content: Manchmal kann eine einfache Lampe faszinieren.

Gute Nacht!

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