73: Das klimaneutrale Verkehrsmittel, das unsere Vorfahren schon kannten

In der aufgeladenen Klimadiskussion dieser Tage um die umweltschonendsten Fortbewegungsmittel scheint eine Technik völlig in Vergessenheit geraten, die schon unsere Vorfahren kannten und rege benutzt haben. Das Zufußgehen.

Das Zufußgehen ist nicht nur das Verkehrsmittel mit dem kleinsten CO2- (passt auf, passt auf!) Fußabdruck :). Mich trieb der Gedanke um, ob es auf der letzten Meile nicht sogar schneller sein könnte als manch andere. Busfahren zum Beispiel.

Und ich rede hier nicht von Wald- und Wiesen-Zufußgehen anno 1700. I’m talking modernes Urban Trekking mit Routenplaner, Smartphone und GPS-Unterstützung.

Gehen wir von einem guten aber nicht zu gutem Wetter von 18°C, bewölktem Himmel und wenig Wind aus, dann wäre für mich die Schmerzgrenze bei 15, maximal 20 Minuten Zufußgehen erreicht. Das wäre ungefähr die Zeit, nach der ich bei etwas flotterem Gang leicht ins Schwitzen käme. Wie weit kann ich also zu Fuß in dieser Zeit kommen und wäre ich in Bonn City damit schneller als der Bus?

Ich war heute im Café Schöllers direkt hinter dem Hauptbahnhof (dazu später noch mehr). Dort warf ich einmal Google Maps für die Fußgängernavigation an (die Screenshots hier sind später reproduziert):

Also 18 bis 19 Minuten zu Fuß, wobei Maps mir in weiser Voraussicht die besser ausgeleuchtete und 1 Minute längere Strecke schon blau markiert. (Die andere führt durch eine fiese Unterführung und an zwielichtigen Gestalten vorbei.)

Aber jetzt kommt’s: Google Maps weiß offenbar nicht, dass direkt neben dem Ziel eine Fußgängerunterführung ist. Gebe ich diese als Start- oder Zielpunkt ein, sind es plötzlich nur noch 14 Minuten (plus die eine, die der Weg unter die Unterführung kostet):

Das klingt doch schon deutlich besser. Ich bin die Strecke heute gelaufen, und tatsächlich waren es eher 12 Minuten. Google rechnet da wohl etwas konservativ.

12 Minuten zu Fuß zum Bahnhof! Google hat hier eine interessante Route entdeckt, die ich so noch nicht kannte: Durch das Stadthaus statt daran vorbei und dann durch die Franz- statt der Maxstraße. Das spart wohl noch einmal ein paar hundert Meter und 100 Meter sind ca. 1 Minute. Fast alle Ampeln werden ausgelassen (= weitere Minuten).

Wie lange hätte ich mit dem Bus gebraucht? Laut Google Maps:

6 Minuten reine Fahrtzeit. Aber schaut mal genau hin. Der Bus fährt zum Zeitpunkt der Berechnung erst in 17 Minuten. Insgesamt dauert die Tour also 23 Minuten plus die 1 Minute, die ich von da noch nach Hause gehen muss. Zurück würde es länger dauern, weil der Bus dann einmal um die ganze Fußgängerzone herumfährt:

14 Minuten plus An- und Abreise und Wartezeit. Das schlage ich mit dem Zufußgehen. Hier ist noch gar nicht mit eingerechnet, dass der Bus oft zu spät kommt und zumindest tagsüber vor dem Nadelöhr Bornheimer Straße immer ein paar Minuten Zeit verliert.

Okay, das Fahrrad ist kaum zu schlagen:

Gehe ich aber auch hier von Feierabendverkehr aus, wo auch ein Fahrrad im dichten Verkehr etwas länger braucht (sagen wir +2 min) und rechnen wir dann dazu, dass, wenn es mein eigenes Fahrrad ist, ich es erst aus dem Hof holen (+2) und danach wieder abstellen und abschließen muss (+1), dann kommen wir per Milchmädchenrechnung auf 10 Minuten und damit gar nicht einmal so viel weniger, als wenn ich zu Fuß gegangen wäre.

Worauf ich hinaus will: Dass Zufußgehen schneller ist als ihr denkt, dass es manchmal kürzere Wege gibt als die, die ihr jeden Tag lauft und schon für die schnellsten haltet und das per pedes ein unterschätztes Fortbewegungsmittel ist. Checkt eure Strecken bei Google Maps, vergleicht und joint the urban trekking movement!

„Könnten wir nicht eigentlich auch mit der Bahn nach Maastricht fahren?“

Nein, könnten wir nicht:

vs.

Aber wir könnten mit dem Flixtrain nach Hamburg fahren!

Rückfahrt kostet das gleiche. Ich bin mal gespannt, ob das halbwegs komfortabel ist, aber die Preise sind mal vernünftig! So können sich plötzlich auch Normalverdienende eine Bahnfahrt leisten.

„Es gibt eigentlich keine Hipster-Cafés mehr. Die sind alle ungefähr gleich. Haben ihr Menü auf einer schwarzen Tafel mir weißer Kreide, haben Sofas mit Kissen drauf und machen dir so oder so nen hochanständigen Milchkaffee.“

(Jürgen Vielmeier, gestern nach Besuch des Café Cultura in der Südstadt)

„Ach du scheiße, ich bin hier voll im Hipster-Laden gelandet! Die Einrichtung ist hipster, die Auswahl ist hipster (es gibt einen Rote Beete Latte und einen Black Tonic), die Gäste sind Hipster und die Barista sind es auch. Die strahlen sogar diese I don’t care-Attitude aus. Genial!“

(Jürgen Vielmeier, nach Besuch des Café Schöllers heute)

Das waren übrigens Coffee Challenge Nr. 3 und 4.

Zufall ist es bestimmt nicht, dass mir die Instagram-Werbung denselben Zirkuswagen anzeigt, den ich ein paar Stunden vorher auf AirBnB betrachtet habe:

Aber ein paar Gedanken macht man sich dann natürlich schon. Ich verwende gerade ein Android-Go-Smartphone, benutze dort wie auf dem Mac den Chrome-Browser und gehe jeweils all in mit Anmeldung, Synchronisierung und allem. Weil es herrlich bequem ist. Aber dass Instagram so schnell an die Daten kommt… Man muss doch hin und wieder mal überdenken, was man da tut.

Ich wollte fotografisch festhalten, wie groß der Mond heute ist. Aber dabei herausgekommen sind nur ein paar verrauschte Bilder, leider:

Aber groß ist er schon!

Heutige Schriftart: Exo.

Good night!

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