Log #15: Meine 6 Monate ohne Nachrichten, Twitter und Facebook

… waren sehr erfrischend, aber am Ende auch nicht die Lösung.

Ich musste mir nichts von dem Schwachfug anhören, den ein Bundesinnenminister oder ein polemisierender AfD-Politiker täglich von sich geben. Kein Aufreger in irgendwelchen sozialen Netzwerken über irgendwelche Mücken, die von irgendwem zu irgendeinem Elefanten aufgepustet werden. Und, oh Wunder: die Welt dreht sich immer noch.

Die Welt ist ganz nebenbei gar nicht mal so schlecht, wenn man man sie ganz unverblümt ohne Dogmatisierung auf der Straße sieht. Jeder geht seinen Weg, jeder macht sein Ding.

So viele Bücher (hauptsächlich englische Fachbücher über Fotografie) habe ich seit dem Studium nicht mehr gelesen. Nebenbei habe ich meine halbe Bude ausgemistet (Minimalismus). Erstaunlich, wie viel Zeit man plötzlich hat, wenn man nicht mehr stündlich irgendwelche Nachrichten checken „muss“.

Eins der 127 Dinge, die ich an Singapur vermisse, ist, dass die Leute dort nicht alle Nasen lang mit irgendwelchen Trivialnews beschallt werden. Und siehe da: in dem Vielvölkerstaat haben die unterschiedlichen Volksgruppen wenig Hass aufeinander und keiner regt sich über eine Frau mit Kopftuch in öffentlichen Ämtern auf.

Die wichtigsten News habe ich trotzdem mitbekommen. Von anderen, aus den Technikfeeds, die ich – aus beruflichen Gründen natürlich – trotzdem weiter verfolgt habe.

Und doch muss ich zugeben, dass ich einige Dinge verpasst habe, die mich interessiert hätten. Ich weiß davon, weil ich erst einige Wochen danach von anderen oder bei einer zufälligen Recherche davon erfahren habe.

Wenn zwei Kritiken an den Online-Medien richtig sind, dann die, dass sie 1.) zu sehr dramatisieren, um die Klickraten hochzuhalten. Wenn in einem Ort in Hinterfranken nachts um zwei bei einem Streit zwei Männer einen anderen verprügeln und der verletzt ins Krankenhaus kommt, ist das schlimm, wäre aber früher ein Fall für die Lokalpresse gewesen. Heute liest ganz Deutschland darüber. In den sozialen Netzwerken nimmt es irgendeine radikale Gruppe zum Anlass, Hass über eine Volksgruppe zu säen. Und das Publikum verfällt der Illusion, dass es immer mehr Gewalt gibt und die Welt immer schlechter wird.

Kritik 2.) zu viel Meinung, zu wenige Fakten. Was mir fehlt, ist ein Medium, das einfach nur schnöde auflistet, was passiert, nicht was jemand über jemanden denkt. Das würde 2/3 der Jobs kosten, weiß ich auch, will ich auch nicht. Aber nur irgendwas rauszuhauen, weil man sonst nicht existieren könnte, kann auch nicht die Lösung sein.

Und jetzt? Ich suche weiter nach einem nüchternen Medium, das mir in kurzer Zeit täglich alles, was ich wirklich wissen muss, nüchtern auf dem Tablett serviert. Vielleicht können das sogar solche Klassiker wie die Tagesschau, die Deutschlandfunk-Nachrichten oder auch eine Tageszeitung sein. Und auch Online will ich noch nicht ganz abschreiben. Wo kämen wir dann dahin…

Seit Ewigkeiten mal wieder ein Spiel auf der Playstation gespielt: Far From Noise. Ihr seid drei Stunden lang in einem alten Auto gefangen, das am Abhang hängt und ihr unterhaltet euch mit einem Hirsch über das Dasein. Zu verrückt, um es nicht zu spielen. Einfache Grafik, simple Steuerung, ein sehr kurzes Spiel. Und doch: irgendwie schön. 🙂

Zweimal Schland-Sieg heute. Und Manu, der Libero:

Daily Cat Content: Lotti auf der Lauer nach einer Fliege:

Bild des Tages: Meine Hood während Abenddämmerung. Travel at home…

Bei der Gelegenheit meine eigene Webseite aktualisiert und reduziert. Das Blog ist eben jetzt hier. Gefällt?

3 Kommentare

  1. Moin Jürgen,
    bin auch seit einem Jahr „offline“ bei Twitter&Co., lese aber in der Mittagspause SZ, mobilegeeks, caschy´s und versuche regelmäßig die Tagesschau zu schauen, das kommt für mich am ehesten dem unaufgeregtem, aber informativem Medienkonsum nahe.
    Wenn ich bei Kumpels über die Schulter bei Twitter schaue (es lockt schon…), dann sehe ich das ich vieles verpasse, aber, der Zeitgewinn überwiegt für mich, also bleibe ich dabei. 🙂

    • Ja, was verpasst man da eigentlich genau, das ist die Frage. Ein bisschen Unterhaltung oder Unterhaltungsnachrichten. Und selbst eine politische Analyse ist ja hin und wieder alles andere als schlecht. Es fehlt der richtige Mix.

  2. Ja, genau, bei Twi ist es meist Unterhaltung – „Der Böhmi hat den nächsten Hit rausgehauen“, cool, interessant, aber vernachlässigbar…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.