Log #17: Selbstdarsteller

Wann fing das eigentlich an, dass Selbstdarsteller das Web übernommen haben? Neuerdings werde ich auf YouTube vor dem ersten Besuch mit 5-minütigen Werbevideos von 20-jährigen Selfmademen mit Gelfrisur, Mallorcabräune und einem NLP-Aufbaukurs begrüßt. „DAS HIER. IST. KEIN. NORMALES. VIDEO. WENN DU WISSEN WILLST, WIE DU SELBST REICH WERDEN KANNST, DANN FOLGE NICHT IRGENDWEM, FOLGE DIR SELBST. ICH ZEIGE DIR, WIE DU DAS. JETZT. SCHAFFST.“

Hm, ja, klar.

Früher hat man solche Typen einfach weggelacht. Heute tauchen sie ganz oben bei YouTube oder Instagram auf. Wer bei Google ganz oben landen will, der muss seine Seite so knallhart durchoptimieren, dass kaum noch Inhalt übrig ist. Google ist das egal. Es geht um Reputation, darum, wer das meiste Geld zahlt, Googles Spielregeln am unterwürfigsten befolgt und generell, wer am lautesten schreit. Das Web ist in den letzten Jahren sehr sonderbar geworden

Um meiner Freundin ein Geburtstagsständchen zu bringen und „I’m yours“ nachzuspielen, teste ich seit heute die Premium-Plus-Version von Yousician. Und Yousician ist ein trauriges Beispiel dafür, wie man ein tolles Programm aus Gier/Geldnot (welches von beidem ist es?) herunterrocken kann. Mit Yousician Free konntet ihr einmal 30 Minuten pro Tag kostenlos üben. Vor zwei Jahren, als ich mit dem Ukulelespielen begonnen habe, waren es immerhin noch 15 Minuten mit 30-sekündiger Werbung alle 5 Minuten, was mir für meine Verhältnisse voll ausgereicht hat. Mittlerweile sind es gerade noch 10 Minuten und an manchen Tagen lässt Yousician gar keine Sessions zu.

Statt dessen drängt das Tool dazu, dass ihr euch die Premium+-Version zulegt, die immerhin 180 Euro im Jahr kostet. Ist den Spaß vielleicht wert, aber ist eben auch ein Haufen Holz. Dass es die normale Premium-Version (ohne +) auch noch gibt, die „nur“ 120 Euro kostet, lässt sich an keiner Stelle im Tool oder auf der Website nachlesen. Erst nachdem ihr auf „Bestellen“ geklickt habt, zeigt Yousician euch die weiteren Optionen an.

Ich habe deswegen die 7-tägige Probe-Premium-Mitgliedschaft sofort wieder gekündigt. Habe ich mir ohnehin mittlerweile angewöhnt: Sofort kündigen. Nicht erst nach ein paar Tagen, was ich eh vergessen würde. Sofort nach der Anmeldung. Klappt bisher gut.

Ich habe mir mal wieder ein so genanntes Presse-Erzeugnis besorgt, das „Foto-Magazin – Fotokompetenz seit 1949″. Auf dem Titel heißt die Headline noch vollmundig: „Warum Ihre Kamera die besseren Bilder macht“. Drinnen ist es dann „nur“ noch ein Vergleich zwischen der Fuji X-A5 (die ich sogar gerade im Test habe) und dem Huawei P30 Pro.

Und, ach so, nein, kein Verriss. Die Story ist gut, das Heft eigentlich auch. Für mich weniger gewohnt als für euch: Es muss nicht immer online sein.

Gewonnen hat übrigens die Fuji-Kamera und zwar recht deutlich. Künstliche Intelligenz ist noch kein Ersatz für große Sensoren und echte Objektive. Und in meinen Augen ist die perfekte Kamera (klein, immer dabei, Profi-Bildqualität, voll vernetzt) immer noch nicht erfunden.

Leidcast 0.4: Wie soll es eigentlich weitergehen?

Mein MacBook wird es wohl nicht mehr lange machen. Es ist jetzt ziemlich genau sechs Jahre alt. Und mittlerweile häufen sich die Verbindungsprobleme (WLAN und Bluetooth). Ich hätte gar nichts gegen was Neues und würde sogar den Sprung auf ein Chromebook wagen. Wenn es denn ein paar Anständige für den deutschen Markt gäbe. Weder das Acer Chromebook 714, noch das Asus Chromebook Flip C434 sind in Sicht. Und ich habe mittlerweile kaum noch Hoffnung, dass sich das noch ändert.

Das neue MacBook Air? Ja, wäre ein Notnagel. Aber, seid mer net bees: Aus macOS ist irgendwie die Action raus. Apple entwickelt es kaum noch weiter, es ist ganz schön in die Jahre gekommen. Bei Chrome OS ist tatsächlich mehr Musik drin.

Hey, Jürgen, hast du nicht oben noch Google kritisiert? Und jetzt willst du auf ein Google Chromebook umsteigen?

Tja… Ja…

Bild des Tages:

Warum gerade das? Ich mag das Licht! Eine Ecke, an der ich schon tausend Mal vorbeigegangen bin, und die ich noch nie in der Form wahrgenommen habe. Aufgenommen übrigens mit dem Smartphone. Und SCHAUST. DU. GENAU. HIN… tschuldigung! Schaut ihr genau hin, seht ihr ein Rauschen hier eher, als ihr es mit einer Fuji-Kamera gesehen hättet. Aber wäre mit der das Licht auch so schön gewesen?

Trendblog-Content: Microsoft hat den Nachfolger der Xbox One angekündigt und Kollege Sven Wernicke fragt sinngemäß: Müsst ihr eure Xbox One jetzt wegschmeißen? Müsst ihr nicht. Ihr habt ja gar keine…

2 Kommentare

  1. Versuch es mit dem Huawei Matebook, durch die aktuelle Debatten günstiger geworden, aber solides Stück Technik.

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