Log #23: Flugreisen disrupten

„Disrupt yourself“ ist ein erstaunlich inspirierendes Buch von Ex-Springer-„Außenminister“ Christoph Keese. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet der Mann, der das unsägliche Leistungsschutzrecht zum Erhalte der etablierten Strukturen der großen Verlagsgesellschaften bis aufs Blut verteidigt hatte, nun Ratgeber dafür schreibt, wie Unternehmen und Einzelpersonen sich neu erfinden können. Mit einem Leistungsschutzrecht jedenfalls nicht.

Der Ratgeber geht erstaunlich tief, liest sich in einem Rutsch und ist ungemein ansteckend. Na dann! Disrupten wir doch mal was!

Wie wäre es mit Flugreisen? Einer der größten Klimakiller, dabei aber konkurrenzlos schnell und nicht selten auch noch deutlich billiger als die Reise per Bahn. Ich setze mich in Köln in eine Maschine und bin 3-4 Stunden später in Lissabon, Moskau oder Istanbul. Wie soll ein anderes Verkehrsmittel das schlagen?

Spinnen wir mal ein bisschen rum. Es ist ja technisch möglich, mit der Bahn in 1h von Köln bis Frankfurt zu fahren, in 3h von Paris bis Marseille und in immerhin noch 4h von Berlin bis München. Stellt euch vor, es gäbe Bahn-Schnellverbindungen zwischen allen europäischen Metropolen, zu nur leicht höheren Preisen als mit dem Flugzeug und mit vollem Komfort (gutem Essen, Bordprogramm, keine Verspätungen, kein Umsteigen). Immer noch unattraktiv, weil es zu lange dauert?

Nicht mehr, wenn es über Nacht geht. Stellt euch zwei Szenarien vor:

  1. Es ist 1800 Uhr. Ihr müht euch durch den Feierabendverkehr zum Flughafen. Euer Flug geht um 2000 Uhr. Um 2230 Uhr seid ihr am Zielflughafen, wartet auf euer Gepäck, schleppt euch in den Flughafenbus. Um 2330 Uhr seid ihr am Hotel, checkt gerade noch ein, fallt tot ins Bett. Ihr schlaft aus, und am nächsten Morgen nach dem Frühstück seid ihr gegen 1000 Uhr bereit die Stadt zu erkunden.

    vs.
  2. Der Highspeed-Nachtzug geht um 1900 Uhr. Ihr checkt ein, guckt noch eine Serie im Bordprogramm und geht dann in Ruhe schlafen, während der Zug durch die Lande rollt. Morgens macht ihr euch im Bad frisch, nehmt ein Frühstück im Bordbistro ein und erreicht um 0900 Uhr den Zielbahnhof. Jetzt nur noch kurz im Hotel einchecken und um 1000 Uhr seid ihr startklar, die Stadt zu erkunden.

Gehen wir also davon aus, dass der erste Abend bei einer Flugreise eh verloren ist, könntet ihr auch genauso gut einen Nachtzug nehmen. Der sollte dann nicht länger als 12-15 Stunden unterwegs sein.

Wohin könntet ihr in 12-15 Stunden mit der Bahn reisen?

Von Berlin nach…AktuellOptimiert
Moskau25h20h
Stockholm13h10h
Istanbul46h30h + Zwischenstopp
Rom14h12h
Lissabon32h24h + Zwischenstopp

Heißt: Nach Rom und Stockholm kämt ihr mit jetzt schon erhältlichen Angeboten in vertretbarer Zeit. Und jetzt stellt euch vor: Die Strecken würden ausgebaut, Schnellzüge eingesetzt, mehr Angebote geplant, ein Umsteigen entfiele.

Würde viel Geld kosten, pan-europäische Abkommen wären notwendig, ein EU-Förderprogramm würde helfen. Technisch möglich? Ja. Attraktiv? Käme auf das Angebot an. Klimafreundlicher? Auf jeden Fall.

Der Generalanzeiger hat sich gestern in Form einer früheren Kollegin per E-Mail bei mir gemeldet und auf meine Kritik reagiert. Das möchte ich hier einmal lobend erwähnen. Die kehren das nicht einfach unter den Tisch.

Erwähnte ich eigentlich schon, wie großartig ich Karins Instagram-Storys von Bonn geht essen finde? Lässt sich hier leider nicht einbetten, also folgt ihr mal auf Instagram!

Ihr braucht gerade kein Rezept für ein erstaunlich leckeres 10-Minuten-Chilli-sin-Carne? Ich gebe euch trotzdem eins:

  1. Vegetarisches Hack (das von Aldi Süd ist recht gut) in etwas Olivenöl anbraten. Reichlich mit Gemüsebrühe und Kräutern der Provence würzen.
  2. 1 Dose Kidneybohnen abtropfen lassen, in die heiße Pfanne geben, 1 Dose gehackte Tomaten hinterherschicken.
  3. Das ganze mit reichlich Chilliflocken aus der Gewürzmühle (oder wenn ihr habt: frisches Chilli) und Rosenpaprika würzen. Mit ein paar Spritzern scharfem Hela Curry-Gewürzketschup abschmecken (Do not skip this step!)
  4. Bisschen köcheln lassen. Fertig.

Überraschend gemeldet hat sich auch Uwe vom Ukulelentreff und mir vorgeschlagen, beim G-Akkord ein wenig zu cheaten. Klingt gut, aber ich glaube, ich versuche mal, den geraden Weg zu gehen. Klasse auf jeden Fall: Uwes Seite Ukulelentreff.de, und danke für die Einladung für kommenden Dienstag! Ich hoffe, ich schaffe es. Meine Nachbarn durften sich heute auf jeden Fall schon einmal die Begleitung zu „Shake it off“ anhören.

Apples teurer neuer Mac Pro wird wegen seines ungewöhnlichen Designs von Fans auch liebevoll „Käsereibe“ genannt. Ihr wollt nicht wirklich wissen, ob ihr damit auch wirklich Käse reiben könnt? Winston Moy hat es ausprobiert:

Mein Bild des Tages ist ein Nachzügler. Passt dann auch zum Thema. So schön dunkel kann der Sonnenuntergang auf dem Messdorfer Feld sein:

Ein Kommentar

  1. Flug- bzw. Bahnthema finde ich interessant, wie wärs mit Crowdfunding um Aufmerksamkeit zu wecken? 🙂

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