Log #24: Das kleine Fernsehspiel vor meiner Haustür

Bei meinem Auto ist mal wieder die Batterie leer (jetzt kommt sie auch wirklich bald weg, die Mistkarre!), mein ganz persönlicher Pannendienst rückt aus, grüßt mich wie immer namentlich, parkt recht sportlich mitten auf der Straße. Ein Gelenkbus kommt angefahren. Der Fahrer denkt sich: „Da fahr ich rum!“ Schafft er auch wirklich. Bis auf den letzten halben Meter, wo er am rechts parkenden VW-Bus hängen bleibt. Autsch.

Der Busfahrer steigt aus, begutachtet den Schaden und sieht traurig aus. Mein Pannendienst geht auf ihn zu und ruft: „5 Sekunden! Hätten Sie doch gewartet, dann wäre ich schnell weggefahren.“ Die Businsassen gucken ratlos, der Busfahrer guckt ratlos, die Straße ist dicht.

Es ist alles ganz furchtbar.

Aktionismus setzt ein. Der Busfahrer ruft die Leitstelle, mein Pannendienst behält die Ruhe: „Jetzt machen wir erstmal Ihren Wagen wieder flott und lassen den Motor laufen, um die Batterie aufzuladen. Das dauert ja hier eh noch.“ Starthilfe. Erster Versuch, der Motor springt an, die Karre läuft. Aber ich kann nicht raus. Der Bus hat mich zugeparkt.

Mein Pannendienst fährt ans Ende der Straße, stellt seinen Wagen quer und sperrt die Zufahrt ab (Bild). Ich mache ein paar Fotos vom Bus und vom Schaden. Die Verkehrswacht kommt, und mittlerweile ist auch der Halter des VW-Bus‘ ermittelt. Es ist ein älterer Herr aus dem Nachbarhaus. Oft gesehen, nie mit gesprochen, ein brummiger Typ irgendwie. Er und der Mann von der Verkehrswacht unterhalten sich, haben eine laute Meinungsverschiedenheit. Der Busfahrer guckt noch trauriger.

Und es ist alles ganz furchtbar.

Mein Wagen röhrt derweil vor sich hin. Wenn er erstmal läuft, dann läuft er. Die Frau des VW-Bus-Fahrers ruft ihrem Mann vom Fenster aus zu, er solle mit mir sprechen: „Der Mann da steht schon die ganze Zeit da rum und macht Fotos. Frag den mal nach seinem Namen!“ Oha, kriege ich jetzt den Ärger ab? Der Bus klemmt immer noch fest. Die Männer werden sich nicht ganz grün und beschließen, die Polizei dazu zu rufen. Die müsse erst aus Duisdorf anrücken, heißt es, könne dauern.

Und es ist wirklich alles ganz furchtbar.

Immerhin: Der Busfahrer hat die Fahrgäste mittlerweile aussteigen lassen. Dass mein Pannendienst die Straße abgeriegelt hat, hat den Vorteil, dass neu eintreffende Linienbusse bereits einen Umweg fahren und keine weiteren Autos in ihr Verderben rennen, indem sie in unsere Straße einbiegen. Der Mann von der Verkehrswacht hat den Busfahrer mittlerweile etwas beruhigt und der VW-Bus-Fahrer kommt nun tatsächlich auf mich zu. Ob ich hier Fotos gemacht hätte.

Ich bin ganz entspannt: „Na ja, eigentlich bin ich der, das ganze Chaos hier verursacht hat…“ Er grinst. Wir kommen ins Gespräch. Er fragt nach meinem Namen und ob ich eventuell als Zeuge… Kein Problem, sage ich und deute bei der Anschrift auf meine Wohnung. „Ach, die mit dem Balkon“, freut er sich. „Die ist ja wirklich schön.“ Ich erzähle ihm, dass ich ihn schon oft beim Renovieren gesehen hätte und dass sie da ja Jahre zu Gange waren. „Jaja, meiner Frau und mir gehört das Haus. Wir haben nach und nach alle Wohnungen renoviert. Deswegen hat das so lange gedauert.“ Er erzählt von seiner Dachterrasse, wir reden über das alte Post-Areal, Geschichte und Zukunft des Frankenbads. Mensch, was ein netter Kerl! Ich sage, wie der ganze Unfall zustande kam und dass ich mich etwas mitschuldig fühle. „Ach, da können Sie ja nichts dafür.“

Die Polizei kommt und kommt nicht. Dafür hat sich die Frau des VW-Bus-Fahrers auch noch nach unten begeben. Es ist mittlerweile halb zwölf. „Dann hätten wir ja auch noch reinfeiern können“, sagt sie zu ihrem Mann. „Oh, Sie haben morgen Geburtstag?“, frage ich meinen Nachbarn. Er nickt. „Aber eigentlich wollten wir schon längst schlafen.“

Schließlich kommt die Polizei und beruhigt alle Beteiligten, nimmt Personalien auf. Mein Pannendienst kommt zurückgefahren und vermittelt zwischen allen Parteien. Zeigt dann auf meinen Wagen: „Der müsste jetzt eigentlich genug gelaufen sein.“ Wir probieren, ob er aus- und wieder anspringt. Es gelingt. Immerhin ist er jetzt eine ganze Stunde munter vor sich hin gerattert. Der Pannendienst rät mir noch zu einer kleineren Batterie – oder zu einem neuen Auto: „Sie haben keine Kinder, oder? Holen Sie sich doch nen Kleinwagen, wenn Sie so selten fahren. Nen Lupo oder so.“ – „Dann habe ich doch nach drei Wochen das gleiche Problem.“ – „Neinein, das ist bei Ihrem Auto nur, weil es so viel Elektronik hat. Oder weil es ein Renault ist.“

Ich muss lachen, mein Nachbar auch. Mein Pannendienst zuckt mit den Achseln: „Ich rücke auch gerne nochmal aus. Bei Ihnen ist immer was los.“ Er stellt sich mir endlich namentlich vor. Es ist mittlerweile das fünfte Mal, dass er mir Starthilfe gibt. Er wusste, welche Batterie beim letzten Mal noch drin war und dass mein Wagen beim letzten Mal noch ein halber Camper war. Kluger Mann! Die Polizei hat mittlerweile alle nach Hause entlassen, kommt aber selbst nicht am Bus vorbei. Verkehrswacht und Busfahrer fixieren das verbogene Blech am Bus mit Panzertape und rücken ab. Mein Pannendienst auch, danach die Cops. Mein Nachbar und seine Frau verabschieden sich. Ich wünsche ihm noch einen schönen Geburtstag. Es ist längst Mitternacht.

Und es ist alles ganz wunderbar.

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