Log #27: Googles geballte Desinformation

Ein Karabiner ist ein Gewehr mit einem kurzen Lauf, das ursprünglich von der Kavallerie eingesetzt wurde. Mit einem Karabinerhaken haben Soldaten es einst schnell am Riemen befestigt. Weil Karabiner heute selten geworden sind und unsere Sprache heute weit weniger kriegerisch ist, verwenden wir das Wort Karabinerhaken heute auch synonym zu Karabiner. Das geht in Ordnung, allerdings sollte auf die Herkunft des Wortes immer noch zu schließen sein. Suche ich in der Google-Bildersuche nach Karabiner, erhalte ich folgendes Ergebnis:

In der Google-Textsuche folgende Treffer:

Weiter unten:

Seite 2:

Nur eine einzige Quelle in den ersten 20 Google-Suchergebnissen teilt mir mit, was ein Karabiner wirklich ist. Die Quelle ist Wikipedia.

Es ist heiß dieser Tage. Ich höre mich darüber um, was ich so tun kann, um nachts kühl zu schlafen. Eine Info, die ich aufschnappe: Kühlt ihr die Pulspunkte des Körpers, etwa mit umwickelten Kühlakkus, schlaft ihr besser. Ich google also „Pulspunkte“:

Die Bildtreffer dazu sehen gar nicht so schlecht aus. Das oberste Text-Ergebnis ist derweil ein Parfümtrick eines Lifestylemagazins.

In Treffer 2 geht es darum, was ein Puls ist. Danach habe ich nicht gefragt.

Es folgen Googles Schnellergebnisse:

Auch danach habe ich nicht gefragt. Es geht weiter mit einem Beitrag über „Pulsstatus“, dem Wikipedia-Eintrag über „Puls“. Ein weiteres Lifestyle-Magazin erklärt den Parfümtrick, noch eins und noch eins; es folgt ein Beitrag über Pulskontrolle und noch einmal der Parfümtrick. Auf Seite 2 das gleiche Bild, hin und wieder einige Beiträge über Akupunktur. Die „Cosmopolitan“ rät Frauen dazu, Parfüm um den Bauchnabel herum aufzutragen. Auf Seite 3: Notfallversorgung bei Tieren. Auf Seite 5 tatsächlich der erste Lifehack von Bento: „5 Tipps, die Hitze erträglicher zu machen“.

Aber mittlerweile habe ich Zweifel, dass der Tipp echt ist. Nur, wie finde ich das mit Hilfe von Google heraus? Ich google nach „Pulspunkte Unsinn“, „Pulspunkte gibt es nicht“, „Pulspunkte Wahrheit“, „Pulspunkt -Parfum“, aber valide Informationen erhalte ich keine. (Übrigens auch bei den anderen getesteten Suchmaschinen Bing, Qwant und DuckDuckGo nicht). Zumindest im Web mit Googles Hilfe bekomme ich nicht heraus, ob es a) Pulspunkte wirklich gibt oder ob sie eine Erfindung der Kosmetikindustrie sind. Und b) ob das mit dem Kühlungseffekt stimmt.

Googles Sucherergebnisse führen immer häufiger in die Irre. Ich werde mal weitere Beispiele sammeln, um meine These zu untermauern.

Und dann habe ich mal was Neues probiert, die letzten Tage:

Beyond Burger: Von der Textur sehr nah an Hackfleisch, geschmacklich wie kein Fleisch, das ich jemals gegessen habe. Ein leicht chemischer Geruch und Beigeschmack. Ansonsten lecker und als Burger-Pattie durchaus brauchbar – aber mit 6 Euro für zwei recht dicke Patties auch nicht wirklich billig.

Insektenburger: Erinnerte mich von der Textur her an Gemüseburger. Tatsächlich haben die Hersteller auch nur das Protein aus Buffalo-Würmern extrahiert. Geschmacklich in Ordnung, aber würde ich schon nicht bis ans Ende der Welt für fahren.

2 Kommentare

  1. I feel you.
    Google macht mich wahnsinnig in letzter Zeit weil es dauernd besser weiß was ich meine als selbst und damit oft daneben liegt. Und ich weiß nicht was ich machen soll um die Ergebnisse zu bekommen die ich will.
    Früher konnte man gut weitere Wörter ergänzen, aber die scheinen heute auch einfach ignoriert zu werden

    • Das sollte mal jemand disrupten. Aber schaue ich mir die Ergebnisse der anderen Suchmaschinen an, scheint das gar nicht so leicht zu sein. Vielleicht sind Suchmaschinen nicht mehr die Antwort. Vielleicht muss etwas Anderes kommen.

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