Log #32: Für die, die nach uns kommen

„Mir kann et ja ejaal sinn. Isch bin schon alt. Aber für eusch junge Leute dürfen wir die Erde doch nit so hinterlaaße.“

„Äh, ich bin maximal fünf Jahre jünger als du. Ich wirke nur noch recht jugendlich.“

„Näh, isch bin schon alt. Aber wir müssen da wat tun, escht!“

Mein Gesprächspartner ist schon gut angeschäkert, als ich mich verabschiede, auf dem Weg zum E-Scooter, den Helm schon in der Hand. In der vergangenen Tagen habe ich so viel mit anderen Menschen über das Weltklima, die E-Revolution und die Zukunft des Planeten gesprochen wie noch nie. Sei es mit meinem neuen Freund auf der Party gestern oder heute mit einem Rennradfahrer, mit dem ich zusammen vor der geschlossenen Bahnschranke gewartet habe. Und alles, was ich dafür tun musste, war, mir einen schönen E-Scooter auszuleihen.

Das Thema ist in aller Munde; es beschäftigt die Leute. Rezo, die Europawahl, der heiße Sommer und die jüngst zugelassenen E-Scooter. Kaum jemand, der da nichts zu zu sagen hat.

Selbst wer der überwältigenden Mehrheit der Klima-Experten nicht glauben mag, wird immer noch zugeben müssen, dass wir über unsere Verhältnisse leben. Wenn wir noch so etwas wie ein Gewissen haben, dann sollten wir langsam mal damit aufhören. Was ist die Lösung?

Weniger fliegen, weniger Fleisch essen, Strom sparen, Heizkosten senken, weniger Dinge kaufen, die wir gar nicht brauchen, Minimalismus, die Grünen wählen? Was muss genau getan werden? Was sagt ihr? Und vor allem: Was tut ihr schon, was könntet ihr noch tun? Sollte es am Ende eines Jahres so etwas wie ein Klima-Zeugnis für jeden geben? „Beim Plastik-Einsparen warst du gut, aber beim Fliegen diesmal nur mangelhaft.“

Passend dazu laufen die letzten Planungen für Rennis Abschiedstournee übernächste Woche. Geplante Stationen: Meppen, Oldenburg, Hamburg, Hannover, Braunschweig, Leipzig, Dresden + eventuell noch Berlin, Frankfurt, Lübeck. Straffer Zeitplan, viele nette Menschen unterwegs und noch überhaupt keine Idee, in welcher Reihenfolge ich wo sein kann.

Renni ist übrigens mein Auto, aber nicht mehr lange. Ich würde ja gerne sagen, ich trenne mich von ihm aus Umweltgründen, aber das wäre nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Denn ich mag Autos. Renni ist mein erstes eigenes Auto und erst seit ich es habe, fühle ich mich wirklich frei. Das wird euch nicht viel anders gehen und es bedeutet: Wer will, dass die Leute weniger Auto fahren, muss ein Nahverkehrssystem schaffen, das seinesgleichen sucht. Am besten eins, das den Menschen das gleiche Gefühl von Freiheit gibt.

Tatsächlich kommen diesem Gefühl zwei Services für mich am nächsten: Flexible Mietdienste für E-Scooter wie das hier im Log zuletzt schon mehrfach beschriebene Tier, oder Carsharing-Dienste wie Car2Go.

Hier wäre mal eine Idee für Verkehrsverbünde: Kooperationen eingehen und die Routendaten von Tier, Car2Go und am besten Taxi-Apps gleich mit auswerten. Dann könntet ihr auf einer Heatmap sehen, von welchen Punkten A zu welchen Punkten B die Leute am häufigsten wollen und vor allem: wann. Und warum sie dafür keinen Bus nehmen. Spoiler: Herauskommen werden ein paar überraschende neue Strecken und dass eine Buslinie dort nicht wirtschaftlich wäre, weil Buslinien eher nach Wirtschaftlichkeit als nach Verkehrsströmen geplant werden.

Und wenn’s ums Geld geht, schaut man auf die Politik. In meinen Augen ist es der falsche Weg, den Nahverkehr kostenlos machen zu wollen. Tier, Car2Go und Co. zeigen, dass die Leute durchaus bereit sind, für eine kurze Direktfahrt Geld zu bezahlen. Es muss nur fair und flexibel sein. Außerdem löst ein kostenloser Nahverkehr in meinen Augen das Problem schlecht geplanter Routen nicht.

Ihr wolltet gar nicht wissen, ob ihr auch sehr leckere vegetarische Käse-Lauch-Hack-Suppe machen könnt? Könnt ihr! 1 Stange Porree, 200g gerieben Cheddar-Käse, Gemüsebrühe, 200g vegetarisches Hackfleisch, Kräuter-Creme-Fraiche (gibt es alles bei Aldi).

Den Lauch in kleine Scheiben schneiden und in etwas Olivenöl andünsten, das vegetarische Hack hinzugeben und beides nach Geschmack mit Trockenbrühe würzen, den Käse hinzugeben, laufend umrühren. Mit Wasser ablöschen, mit etwas Creme Fraiche abschmecken. Schmeckt vorzüglich. Und keine Sau würde hier herausschmecken, dass da gar kein „echtes“ Hackfleisch drin ist.

OMFG – mehr kann ich hierzu immer noch nicht sagen:

Bild des Tages: Der Himmel hat Schuppen:

Es ist spät. Gute Nacht!

Ein Kommentar

  1. Moin! Massenverkehrsmittel werden leider nie die Freiheit der Individual-mobile bieten. Ich fände E-Kabinenroller/-räder gut, aber das Schwein in uns wird diese demolieren, vollmüllen, etc., schwierig…
    Das Ecozeugnis ist eine gute Sache, Quartalsweise, würde uns vielleicht unsere Verhaltensweisen vor Augen zerren.
    Andererseits müsste man viele Daten erheben und zusammenführen, einfacher wäre klimaschädigendes Verhalten zu bestrafen (Steuer) und freundliches zu belohnen (Subvention), beides nicht bei dem Endverbraucher, sondern bei dem Verkäufer (nicht Hersteller). Der Einkauf hat die Macht über die Hersteller, egal wo die sitzen, in China oder in DE.

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