Retten Elektroautos die Welt? Sorry, nein.

Als mich Richard Gutjahr vor einigen Wochen begeistert anrief und fragte, ob ich Teil seines Teams bei einem neuen Portal über Elektroautos sein wollte, da sagte ich spontan ja. So viel Energie ist ansteckend. Ein paar Dinge über Elektroautos wollte ich ohnehin schon einmal für mich selber recherchieren. Ich sagte also zu, für den Anfang einige Beiträge als Starthilfe beizusteuern.

Das Projekt ging diese Woche online. Ihr findet es unter emobly.com, meinen Beitrag über die Reichweite von Elektroautos dort auch. Richard und seine beiden Mitstreiter Georg und Grischa sind im Begrüßungsbeitrag voller Eifer. Klar, jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Und ich habe auch großen Respekt vor Menschen, die einfach mal machen und nicht nur drüber reden. Die drei schreiben in ihrem „Hello World“-Beitrag:

„Wenn man sich (…) vor Augen führt, welche Bedeutung das Automobil weltweit für uns Menschen, für unsere Umwelt hat, wieviele Arbeitsplätze direkt und indirekt an dieser Erfindung hängen (…), dann kann man ohne Übertreibung festhalten: Dieser Schritt, vor dem wir gerade stehen, ist groß.“

Und:

„Wir fahren BMW i3, BMW i3s, Tesla Model X und waren von Anfang an überzeugt: Emobilität ist die Zukunft!“

Ist sie das? Ich glaube es auch, aber aus anderen Gründen als Richard, Georg und Grischa. Ich sehe in Elektroautos das neue iPhone. Man hätte mal wieder etwas zu kaufen. Die Menschen wollen etwas Neues, die Wirtschaft braucht etwas Neues. Elektroautos sind die Saubermänner, mit denen die Automobilindustrie ihren dringend benötigten Neuanfang schaffen kann. Auch wenn viele technische Fragen heute noch nicht geklärt sind, etwa mit flächendeckenden Ladestationen vor allem für Mietwohnungen, glaube ich schon: das wird sich durchsetzen.

Aber dass man mit Elektroautos die Welt rettet? Nein, das glaube ich nicht. Ebenso wenig wie mit dem iPhone. Man löst hier ein Luxusproblem. Den Klimawandel stoppt man damit nicht, man verbessert allenfalls die ach so schlechte Luft in unseren Innenstädten, für die man in Bangkok oder Peking so einiges gäbe.

Mit noch mehr Elektroautos wird man den Braunkohleausstieg so schnell nicht schaffen. Für die Lithium-Produktion werden die letzten Oasen der Atacama-Wüste trockengelegt, die Einheimischen vertrieben. Seltene Metalle für die Elektronik werden aus den gleichen fragwürdigen Minen in Zentralafrika gewonnen, die man auch für Smartphones gewinnt (und was man als Smartphone-Fan leider gerne ausblendet).

Es gäbe viel dringendere Probleme, als effiziente Benziner durch Elektroautos zu ersetzen. Lieber wären mir eigentlich Elektroflugzeuge, um das CO2 der Kerosinabgase zu stoppen, wahrscheinlich der Klimakiller Nummer eins. Da ist die Forschung noch lange nicht so weit. Schade. Und die Innenstädte? Wären mit Elektroautos noch genauso verstopft, der Nahverkehr müsste attraktiver gemacht werden.

Ich mache keinem einen Vorwurf, der sich nun ein Elektroauto statt einen Benziner oder ein Diesel anschafft. Elektroautos sind elegant, leise, toll zu fahren. Sie verbessern die Luft in den Innenstädten, klar. Aber das Klima retten sie nicht. Sorry, euch das sagen zu müssen. Aber wenn ihr das Klima retten wollt, fliegt weniger, esst weniger Fleisch, fördert die Forschung in Elektroflugzeuge. Mit dem Kauf eines Elektroautos ist es nicht getan.

Aus Versehen Intervallfasten (16:8)

Ich glaube ja nach wie vor, dass Psyche und Gewicht zusammenhängen. Wenn sich die Wampe hartnäckig hält, so wie bei mir, dann kann ich noch so viele Diäten machen. Dann werde ich sie nicht los.

Irgendwie bin ich jetzt trotzdem in den verdammt angesagten Trend des Intervallfastens gerutscht. Warum? Weil ich das ein paarmal eh schon gemacht habe, ohne es zu wissen:

  • Wenn ich Samstags feiern gehe, schlafe ich sonntags lange und esse oft nur eine Mahlzeit. Meistens bin ich dann 16 Stunden danach ohne.
  • Es gibt viele Abende, an denen ich gegen 1800 Uhr abendesse, zum Sport gehe und danach keinen großen Hunger mehr habe. Ich gehe dann ohne weitere Mahlzeit schlafen und hüpfe erst am nächsten Tag um 0900 aus den Federn. Bis zur 16. Stunde ist es dann auch nicht mehr weit. Überbrücken lässt sich das mit einem Pott schwarzem Filterkaffee.

Ich mache das längst nicht an jedem Tag. Eckart von Hirschhausen war derjenige, der das Intervallfasten populär gemacht hat: 10 Kilo runter in 3 Monaten. Durchaus respektabel. Er gibt an, dass zwei beliebige Fastentage in der Woche reichen (5:2-Prinzip). Ich gehe aber schwer davon aus, dass er weitere Fastentage dazwischen hatte. Auch wird er in den 8 Stunden, an denen nach der Methode Mahlzeiten erlaubt sind, recht gesund gegessen haben. Das tue ich schon nicht. 😉

Meine längste Etappe waren bisher 3 Tage mit 16:8. An jedem Tag könnte ich das nicht und will es irgendwie auch nicht. Aber zumindest ab und an mache ich es einfach, wenn ich zurückrechne und merke, dass 16 Stunden bald erreicht sind.

Interessanteste Erkenntnis bisher: Man starrt mitnichten die ganze Zeit auf die Uhr und stürmt nach den 16 Stunden nicht sofort das Allyoucaneat-Buffet. Meistens setzt nach diesen 16 Stunden ein besonderes Gefühl ein. Ich fühle mich frei, energiegeladen, gar nicht hungrig. Ich könnte etwas essen, muss es aber gar nicht. Manchmal hänge ich dann noch ein paar Stunden dran.

Gestern war ich geschätzt 20 Stunden ohne Mahlzeit. Ich genehmigte mir ein leckeres, spätes Mittagessen beim Italiener um die Ecke. Es bliebt neben einem Milchkaffee die einzige kalorienhaltige Mahlzeit des Tages. Daran schloss ich die nächste 16-Stunden-Phase gleich an. Ob ich damit abnehme? Ich schaue in fünf Wochen nochmal auf die Waage und berichte dann. Aktuell sind es knapp 85. Ich denke, zunehmen werde ich schon nicht. Mal sehen, ob es auch runtergeht. Nebenbei mache ich zweimal die Woche bisschen Bauchtraining im Fitnessstudio. Damit der Bauchspeck weiß, dass er gemeint ist.

Essen scheint viel mit Rhythmus zu tun zu haben. Besuche ich meine Schwester, bin ich mittendrin im Familienrhythmus und mein Körper kann problemlos viermal am Tag eine volle Mahlzeit aufnehmen. Im Urlaub eine deftige Mahlzeit und leckeres Bier gehören für mich irgendwie dazu. Und dann kann ich zuhause auch schnell wieder ein paar 16:8-Tage einlegen. Wenn nicht für die Waage, dann interessanterweise für die Psyche. Es geht mir damit eher besser als schlechter.

Als die Flüsse von uns schwanden

Es war nach dem Jahrhundertsommer
Lang kein Tropfen, lang, lang, lang
Nur die Alten erinnerten den letzten Regen
Wie war das damals, fragten sie,
Als noch Schiffe fuhren
Wasser floss.
Wie waren die Zeiten damals? Besser, doch?

Ich sog an meiner Wasserpfeife. Brachte es das alles auf den Punkt?

Als die Menschen konsumierten
Tagein, tagaus nichts mehr als das
Und sie kauften, kauften, kauften.
Den nächsten Kick, den nächsten Spaß.
Völlig gleich, welch Konsequenzen
Was kümmert’s mich. Ich trag sie nicht.

Ich hielt inne. Kam ich nicht vom Thema ab?

Einst flossen Flüsse
Schwammen Fische
Fuhren Schiffe
Gedieh das Grün
Es konnte nicht so weiter gehn
Nicht für immer, für uns nicht.

War da ein Zusammenhang? Greifbar, ja.

Bar die Natur
Gegeneinander
Jeder für sich
Es konnte nicht gut gehen.
Konnte es nicht.
Das Wasser floss wieder.
Mehr als zuvor.
Nicht für uns.
Nur gegen uns.

Ein Hoch auf alles, was kein Display hat: Des Podcasts zweiter Frühling

Vielleicht bringt mein Job das mit sich, aber anderen Menschen dürfte es nicht viel anders gehen: Den ganzen Tag starrt man auf ein Display:

  • Im Job auf den Rechner. E-Mails beantworten, Bilder bearbeiten, Dinge planen, Texte schreiben.
  • Zwischendurch auf das Smartphone: Nachrichten an Freunde schicken, Twitter, Instagram verfolgen, den Wetterbericht studieren, News vom Tage lesen, mal ein paar Runden ein Spiel spielen.
  • Nach der Arbeit auf den Fernseher. Die Abendnachrichten, die neue Netflix-Serie. Zwischendurch immer mal wieder aufs Smartphone.
  • Wenn man doch mal dazu kommt, ein Buch zu lesen, ist das immer häufiger ein E-Book.

Ihr versteht, was ich meine. Dass mir abends manchmal die Augen brennen, kommt da nicht überraschend.

Meiner Meinung nach ist das der Grund für den aktuellen Hörbuch- und Podcast-Boom. Man mag einfach nichts mehr sehen, und es ist eine Wohltat, wenn man einfach mal was hören kann. Hörbücher sind nicht meins; für sie bin ich schlicht zu ungeduldig. Aber zuletzt beim Autofahren kam ich via Spotify auf den Geschmack von Podcasts.

Irgendwas musste ich ja hören, im Radio läuft mittlerweile ein elendiger Einheitsbrei, auf neue Musik hat man manchmal keine Lust. Also Podcasts. Ich stolperte auf Spotify über den Cast Gratitude Daily. Irgendwann munitionierte ich noch mit dem Brand-eins-Podcast, mit Zeit Wissen und „Die Reportage“ von Deutschlandfunk Kultur auf. Spotify bietet hier eigentlich immer etwas spannendes Neues.

Neulich fiel mir auf, dass ich im Auto – wenn mal keine Lust auf Podcasts – lieber auf Deutschlandfunk oder WDR5 schalte als auf einen Musiksender. Und zuhause im Bad habe ich meinen Google Home Mini so eingerichtet, dass er als News vom Tage zunächst die deutlich ausführlicheren Nachrichten von WDR2 statt 1live spielt und danach die vom Deutschlandfunk.

Alles, was kein Display hat. Für mich eine Wohltat, für viele andere wahrscheinlich auch. Und Sprachlautsprecher können den Boom hier dank einfacher Bedienung noch vereinfachen, wie ich vor einigen Monaten für das Euronics Trendblog schrieb. Ich muss das nur revidieren. Nicht mehr pauschal Radio ist für mich die Killerapplikation auf einem Sprachlautsprecher, immer öfter sind es Podcasts.

Schlaf ist mein Allheilmittel

Schlafen erst, wenn man tot ist – das könnte mir nicht passieren. Schon von Haus aus brauche ich mehr Schlaf als andere. Das ist mir mittlerweile klar, und ich habe aufgehört dagegen anzukämpfen. Mehr noch: Ich genieße es.

Weil ich zuhause arbeite, habe ich zum Glück die Möglichkeit, länger zu schlafen als die meisten anderen Menschen. So oft es geht, schlafe ich aus. Ich bin dann mehr als nur ausgeschlafen. Schlaf ist auch für viele andere Dinge in meinem Alltag gut:

  • Ich fühle mich ausgeglichener.
  • Schlechte Stimmung, kleinere Probleme – einmal drüber schlafen, und die Sorgen sind oft nur noch halb so groß.
  • Schlafen hilft mir bei der Kreativität. Texte, die ich schreibe, nochmal einen Abend ruhen zu lassen und ihnen am nächsten Morgen den letzten Schliff zu geben, macht sie besser.
  • Gleiches gilt auch für Dinge, für die ich manchmal einfach keine Lösung weiß. Sei es im Beruf oder im Privaten. Manchmal hilft hier tatsächlich ein kurzes Mittagsschläfchen und mir kommt die goldene Idee.
  • Dass Schlaf dabei helfen kann Stress zu reduzieren und Bluthochdruck zu senken, werdet ihr kaum anzweifeln. Ihr erlebt es jeden Morgen beim Aufstehen.
  • Wenn ich mal etwas zu dolle gefeiert habe und fürchte, ein Kater könnte sich anbahnen, schlafe ich am Tag danach einfach ein paar Stunden länger. Oft hat es sich dann mit dem Kater schon erledigt.
  • Merke ich leichte Krankheitssymptome, setze ich alles daran, den nächsten und übernächsten Tag auszuschlafen. Seitdem werde ich viel seltener krank.

Vor allem auf den letztgenannten Punkt möchte ich noch einmal eingehen. Mittlerweile höre ich öfter auf meinen Körper und merke, wenn da irgendetwas nicht in Ordnung ist. Gerade in der kalten Jahreszeit fängt man sich ja schonmal was ein.

Nähern sich Erkältungsbeschwerden, tut man alles, um die drohende Krankheit noch abzuwenden: Tee trinken, was Gesundes essen, die Apotheke plündern. Nur zwei Dinge macht man nicht: Stress reduzieren – und genügend schlafen. Man steht am nächsten Morgen zur gleichen Zeit auf, meist noch kränker, schleppt sich ins Büro, steckt die Kollegen an, merkt mittags dass man nicht mehr kann, geht früher und ist die nächste Woche krank.

Merke ich erste Erkältungsbeschwerden, schlafe ich mich aus. Am nächsten Tag bis Mittag, wenn es sein muss. Meist reicht das schon, um nicht krank zu werden. Den Tag danach auch noch, um ganz sicher zu gehen. Arbeitgeber sollten hier nachrechnen: Was ist wirtschaftlicher? Wenn ein Mitarbeiter mal einen Vormittag ausfällt oder wenn er eine ganze Woche nicht da ist? Leider denkt kaum jemand so weit.

Mein Plädoyer deshalb an euch und alle Chefs da draußen: schlaft mehr! Es wird euch besser gehen. Gute Nacht.

Wann haben wir eigentlich aufgehört, Dinge verbessern zu wollen?

Ich komme gerade aus der Heimat wieder und habe mit dem Auto für die Strecke Meppen-Bonn 2:05h gebraucht. Gut, ich bin ziemlich gerast diesmal. Entspannter war die Hinfahrt mit 2:15h – ein guter Wert und man kann dabei trotzdem flott und doch entspannt durch die Lande kurven.

All die Jahre hat die Fahrt viel, viel länger gedauert. 2:45h war eigentlich lange Zeit normal. Ich kann mich aber auch noch an Fahrten erinnern, die länger als 3 Stunden gedauert haben. Dass es jetzt so viel schneller geht, liegt daran, dass Baustellen auf der A31 weggefallen sind. Die Fahrbahndecke wurde in vergangener Zeit erneuert. Ebenso die Ausfahrt Meppen-West, mit der ich seit ihrer Wiedereröffnung geschätzt 10 Minuten sparen kann.

Der Zeitgewinn ist nicht trivial. Wenn ich nun 2:15h fahre statt 3:00h, rechnet der Kopf da eher mit „ungefähr 2 Stunden“ statt „ungefähr 3“. Das ist eine Zeitspanne, die psychologisch wichtig ist. 2 Stunden? Och, kann man ja zur Not auch mal spontan rüberfahren. Vielleicht sogar morgens hin, abends zurück, bevor man sich ein paar Wochen gar nicht sieht. 3 Stunden? Hm, nee, lass ma‘. Hab gerade so viel zu tun…

Man stelle sich vor, man könnte in 2 Stunden von Köln nach Paris fahren, nach Hamburg oder München.

Die Bahn wirbt derweil mit dem Prestigeprojekt Berlin-München in 4 Stunden. Es hätten 3 Stunden sein können, wie der Spiegel damals treffend beschrieben hat. Aber ein Provinzpolitiker hat durchgesetzt, dass Erfurt an die Strecke angebunden wird. Deswegen nun eine Stunde mehr Fahrt, von der – außer in Erfurt – niemand etwas hat.

Von Bonn nach Hamburg dauert eine Fahrt der etwa 450km langen Strecke 4:30h, weil die Bahnen aus einem mir seit jeher unersichtlichen Grund im Ruhrgebiet vor jeder Milchkanne halten. Wanne-Eickel Hauptbahnhof.

In Frankreich zieht der TGV den Weg von Paris nach Marseille in etwas mehr als 3:00h durch. 750 Kilometer! Ohne Zwischenhalt. Das ist länger als von Bonn nach Berlin (was 5 Stunden dauert) und fast so weit wie von Hamburg nach München, wo man fast 6 Stunden fährt.

Ihr werdet mir einen Haufen Gründe nennen können, warum das so ist und warum man daran nichts machen kann. Wir stellen Lokalinteressen und manchmal auch persönliche Interessen über das Gemeinwohl. Vor allem aber über den Fortschrittswillen, vor den Hunger, Dinge besser zu machen. Wir geben wir uns lieber mit Platz 35 zufrieden und sagen: Platz 50 ist ja auch nichts besser als wir.

Wann haben wir damit angefangen? Warum haben wir aufgegeben? Viel wichtiger aber: Wann fangen wir wieder an, Weltspitze sein zu wollen und wie gehen wir das an?

Wenn Grün ist das neue Rot ist, wer ist dann das neue Grün?

Also eins scheint sicher: Die CSU wird bei der Landtagswahl in Bayern – zu Recht – eine historische Niederlage hinnehmen. Wer sich rechts anbiedert, nur um der AFD ein paar rechte Wähler zu klauen, hat es nicht anders verdient. Der SPD wird es auch nicht besser ergehen. Die liegt ebenso am Boden. Irgendwie auch: zu Recht.

Die Frage ist, wer außer der AFD also noch davon profitieren kann. Klare Antwort: Die Grünen. Grün scheint irgendwie das neue Rot zu sein. Die SPD hat fertig. Federführend bei Hartz IV und noch immer keine klare Distanz davon, soziale Gerechtigkeit predigend, Brot und Wasser verteilend. Innerlich zerrüttet, immer irgendwie die nachgebende Fraktion im Koalitionsstreit, keine klare Linie findend, obwohl die sozialen Probleme der Gesellschaft doch so offensichtlich sind.

Nein, eine solche SPD braucht kein Mensch, aber wir brauchen eine funktionierende, demokratische Linke. Wer käme da in Frage?

Irgendwie nur noch die Grünen. Okay, auch die haben Hartz IV mitverantwortet. Dass sie – damals noch an der Regierung in NRW – die Rodung des Hambacher Forstes mitgetragen haben und nun dagegen trommeln, nun ja. Zeigt, dass Wunsch und Realität manchmal unvereinbar sind. Immerhin: Beim Dieselskandal zeigen sie klare Kante gegen die Automobilindustrie, während die GroKo die Schuldigen noch belohnt. Grün also als einzige noch wählbare Volkspartei?

Wer weiß. Die Frage ist einerseits: Wen haben wir denn sonst? Und andererseits: Wie soll diese Welt noch ohne grüne Politik gerettet werden können? Klimaveränderung, Ressourcenverknappung, Migrationsströme, auch dadurch bedingt. Ökologie wird zum beherrschenden Thema des 21. Jahrhunderts. Die einzigen, die das wirklich zu interessieren scheint, während CDU und SPD die Industrie hofieren und lieber noch mehr CO2 rauspusten wollen: die Grünen.

Ohnehin: Was zu Gründungszeiten der Grünen anarchistisch und revolutionär war, ist heute Mainstream. Die Grünen sind alt geworden, ihre Ideen in der aktuellen Eltern-Generationen fest verankert. Spießig geworden und sich damit im Kern eigentlich widersprechend. Aber für dieses derzeit so verunsicherte, rückwärtsgewandte Land gäbe es wahrlich Schlimmeres.

Die Frage ist nur: Wenn die Grünen jetzt zu Volkspartei aufsteigen, also Grün das neue Rot wird, was wäre dann das neue Grün? Wer käme wieder so aufmüpfig, alternativ und revolutionär daher wie in den frühen 80ern die Grünen? Und brauchen wir da was Neues?

Meppen, Weltkulturerbe

Meppen Rathaus Weltkulturerbe

Meppen Rathaus Weltkulturerbe

Ja, richtig gelesen. Es fing damit an, dass der Moorbrand in der Tinner Dose bei Meppen nun nach gerade mal sechs Wochen gelöscht worden war. Schade eigentlich. So oft war Meppen nicht einmal zu glorreichsten Zweitligazeiten in den Schlagzeilen. Das sah auch Horst Hutzel so, der auf Twitter schrieb:

Darauf musste ich selbstverständlich reagieren:

Und wie so oft kommt beim Schreiben (oder dem Trinken) der glorreiche Gedanke: Meppen! Weltkulturerbe! Warum eigentlich nicht?

Einerseits habe ich es ja nicht so mit Weltkulturerben. Einige davon fand ich maßlos überschätzt (sorry, Tallinn!), bei anderen fragt man sich: warum jetzt ausgerechnet dieses und nicht jenes? Immer verbunden mit einem Weltkulturerbe sind auf jeden Fall steigende Preise, Touristennepp, Souvenirshops und vor allem viel, viel mehr Besucher in der Stadt.

Im Falle von Meppen könnte das höchst interessant werden:

  • Hop-on-Hop-Off-Busse, die von der Innenstadt zur legendären Hänsch-Arena des SV Meppen rausfahren. Eine deutliche Aufwertung des in Meppen quasi brach liegenden Nahverkehrs.
  • Die atemberaubende Gymnasialkirche wäre für den Pöbel nicht mehr dauernd geschlossen, könnte Influencern Zutritt gewähren und damit noch mehr Touristen anlocken, vielleicht sogar Eintritt verlangen.
  • Mike’s Pub am südlichen Ende der Fußgängerzone, in dem schon Generationen von Schülern lieber ihren Mathematikunterricht verbrachten, wäre die neue Szenekneipe mit „Free WiFi, even for tourists“, hahaha.
  • Bur’n Schänke up’n Bült, heute ein, sagen wir, eher dörfliches Gasthaus, würde endlich in seiner angestammten Rolle aufgehen, zum traditionellen Spezialitätenlokal zu werden. Lecker Moorbrand zu jedem Buchweizenpfannkuchen.
  • Restaurant Delphi würde zur klassischen Tourifalle mit 10% off every beer und free tourist menu mit Blick auf das historische Rathaus. Natürlich ließen sich hier auch Gutscheine einlösen. Wobei, Moment, das geht eigentlich auch jetzt schon.
  • Mobile Handelsvertreter böten auf der Fußgängerbrücke zum Bootshaus Selfie-Sticks feil, um Besuchern der Stadt traumhafte Erinnerungsfotos vor der malerischen Höltingmühle zu ermöglichen.
  • Der Rockpalast würde in Reiseführern zum Geheimtipp erklärt. Besitzer George Gambier würde ein (ohnehin überfälliges!) Denkmal gepinselt.
  • Der Jesuitengang von der Gymnasialkirche zur Schülerwiese könnte zum Walk of Shame ausgebaut werken in Gedanken an die vielen traurigen Schüler wie einst @leidartikel.

Ich sehe Hipster-Cafés und Burgerbuden an allen Ecken und Enden. In der MEP könnte endlich mal was los sein. Boßeln würde zum Ganzjahressport erklärt und das Pilgern zur Hase am Vorabend des 1. Mai zum Fest des Jahres mit Bischofssegnung und 500.000 Besuchern aus aller Welt.

Erstmal einen Korn auf den Gedanken… passt!

Die meisten Weltkulturerben leiden heute unter den Touristenströmen. Aber sagt, was ihr wollt: Meppen würde das enorm aufwerten. Ich fände das eine ziemlich witzige Sache und werde nicht eher ruhen, bis es so weit ist.

Paid Content

Es ist bemerkenswert, wie schnell sich Plus-Bezahlmodelle unter den großen Verlagen in Deutschland durchgesetzt haben. Spiegel Plus, Bild Plus, Zeit Plus, Süddeutsche Plus, seit Jüngstem auch die FAZ: F+.

Das kann natürlich überhaupt nur funktionieren, wenn alle mitmachen. Und da sich alle Produkte ziemlich gleichen, könnte man fast auf die Idee kommen, da hätte sich wer abgesprochen. Fast. Außer wenn man das Gefühl hat, dass die Verlage sich mittlerweile preislich unterbieten. Und dann wird das schon wieder interessant.

Die FAZ hatte ziemlich lange ein sehr teures, starres E-Paper-Angebot, kostet mit F+ jetzt aber nur noch 2,95 Euro pro Woche, also knapp 12 im Monat. Das unterbietet Spiegel Plus, das 20 kostet, so viel wie auch Zeit Plus.

Beginnt da ein Preiskampf? Dann könnte das Ganze schon wieder interessant werden. Gerade wenn man sich anschaut, dass das vergleichbare Angebot der New York Times gerade mal noch 1 Euro pro Woche kostet, also 4 Euro im Monat.

Den ganzen Spiegel für 4 oder 5 Euro im Monat? Das wäre interessant. Nur wohl nicht für den Spiegel…

Nur Produkte können uns retten

Geht es eigentlich noch zynischer, frage ich mich. Der Weltklimarat warnt vor einem globalen Kollaps, wenn die Welt bis zum Ende des Jahrhunderts um 2 Grad wärmer wird. Und danach sieht es aus. Selbst 1,5 Grad sind schon viel zu viel. Come on, sagt da UN-Generalsekretär António Guterres sinngemäß auf Twitter. 1,5 Grad seien drin. Wenn sich alle am Riemen reißen, auch weniger.

Als könnte man mit dem Klima feilschen wie mit einem Kunden. Nee, 1,6 Prozent sind mir zu viel, ich will nur 1,2. 1,4? Deal!

Wir können nicht auf Politiker vertrauen, dass sie die passenden Ideen haben, um die Welt zu retten. Wir müssen selber aktiv werden. Der im Jahr 2000 unterlegene Präsidentschaftskandidat Al Gore hat mit dem Film „Eine unbequeme Wahrheit“ mehr Menschen aufgerüttelt, als er es als US-Präsident jemals hätte können. Nicht die allerschlechteste Idee. Ich habe vielleicht noch eine bessere: Das tun, was wir ohnehin den ganzen Tag tun. Kaufen.

Die Klimaerwärmung ist nur eine Folgeerscheinung unseres maßlosen Konsums. Mehr Fleisch, mehr Flugreisen, mehr Smartphones, mehr Klamotten, mehr mehr mehr mehr mehr. Wenn nur ein paar Menschen auf Dinge verzichten, reicht das nicht. Wir können die Welt nur mit Konsum retten.

Elektroautos zähle ich zwar nicht dazu. Die lösen nur das Luxusproblem nicht ganz sauberer Luft in europäischen Städten und sorgen bei der Batterieproduktion gleich für neue Probleme. Aber vom Marketing der Idee, mit einem Tesla die Welt retten zu können, kann man sich was abschauen. Es müssten nur die richtigen Produkte sein:

  • Fleisch, das nicht mehr aus Fleisch besteht, sondern aus Insekten oder fleischähnlichen Substanzen. Könnte das retten, was von den tropischen Regenwäldern noch übrig ist. Gibt es bereits, etwa Impossible Foods.
  • Solarzellen für jedermann, die so sexy daherkommen wie neue iPhones. Warum ist die halbe Technikwelt eigentlich völlig überflüssigerweise damit beschäftigt, viel zu viele neue Smartphones zu bauen und nicht mal clevere Wind- oder Solaranlagen für Zuhause? Für das Euronics Trendblog habe ich mich in diesem Jahr mit Solarstrom befasst. Ein preiswertes, Out-of-the-Box-Solarsystem gibt es leider noch nicht.
  • Und was wir eigentlich am dringendsten brauchen, sind Solarflugzeuge. Den Leuten vorschreiben zu wollen, weniger zu fliegen, weniger Auto zu fahren, weniger Fleisch zu essen und Strom zu sparen, hat meist den gegenteiligen Effekt. Den Zahn der Zeit zurückzudrehen, halte ich außerdem für keine gute Idee. Die globalisierte Welt hat die Chance, ein Geschenk zu werden. Bezahlbare Flugreisen müssen da möglich bleiben. Forschen wir also lieber an Elektroflugzeugen als an Elektroautos.

Der Kapitalismus hat uns darauf getrimmt zu konsumieren. Und weil wir nichts Anderes können, kann nur Kaufen die Lösung sein. Nur Produkte können die Welt retten. Wenn es Produkte sind, mit denen wir das Klima retten können. Suchen wir lieber nach denen als nach dem nächsten iPhone.

Es gibt zu viele Serien

Es gab mal eine Zeit, da haben mich Freunde gefragt, ob ich ihnen eine neue Serie empfehlen könnte. Das ist irgendwie vorbei seit… ach, seht selbst.

Wenn man mit Freunden über Serien spricht, verlaufen Gespräche seit einiger Zeit etwa so:

„American Gods galt ja als unverfilmbar, aber die Serie hat es echt hingekriegt.“
„Nie gehört. Ist das sowas wie Lucifer? Da fand ich Preacher als Parodie ja besser.“
„Lucifer kenne ich nicht. Aber Preacher war doch die Parodie auf Outcast?“
„Was ist Outcast? Hat eigentlich schon einer Jack Ryan gesehen?“
„Ja, das ist die Hollywood-Version von American Odyssey.“
„Was ist das schon wieder? Guckt ihr Babylon Berlin?“
„Wenn das so schlecht ist wie Dark, dann lieber nicht.“
„Dark?“

Es. gibt. zu. viele. Serien. Spätestens seit 1-2 Jahren, seit jeder Netflix hat und seit jede Woche neues gekauftes oder eigenproduziertes Netflix-Material auf die Plattform geschoben wird. Dazu noch Serien, die auf Arte laufen, bei Amazon Prime oder sogar mal in der ARD-Mediathek.

Wenn Freunde mich nach Serientipps fragen, dann längst nicht mehr, weil sie nichts mehr zu gucken haben. Es geht dann eher um Geheimtipps. Irgendwas, was unter den gefühlt 30 neuen Qualitätsserien pro Woche besonders heraussticht.

Weiß ich auch nicht!

Ich habe als Letztes Mad Men gesehen. Jetzt wollte ich mir mal die alten Black Mirror-Folgen anschauen. Es ist wie im Supermarkt: Bei zu viel Auswahl schaltet der Kopf ab und geht nach dem, was er schon kennt – oder was am besten aussieht. Muss das zwingend das Beste sein? Nö, aber es verschafft Ruhe, und verpassen kann man ja eh nichts. Es ist für immer im Netflix-Universum gespeichert.

Jetzt bloß keinen Fehler machen!

Egal, ob im Sport oder im Berufsleben: Profis machen keine Fehler. Isso. Und wenn es doch einmal passiert, hatte man einen schlechten Tag oder es war der Praktikant. Thema erledigt.

Stimmt schon. In Bereichen, in denen es um Leben, Tod oder viel, viel Geld geht, muss man sich darauf verlassen können, dass keine fatalen Fehler passieren. In allen anderen Lebensbereichen würde ich sagen: Um Himmels Willen, macht doch bitte Fehler!

Fehler passieren täglich. Der Burger im Restaurant, bei dem die Salatgurke fehlt. Der Laptop, der eindeutig ein Montagsgerät ist. Der Paketbote, der im Stress zu klingeln vergisst. Ist blöd, aber bringt niemanden um.

Wichtig finde ich nur den Umgang damit. Nennt man einen Fehler unverzeihlich oder lernt man daraus und macht es beim nächsten Mal besser? Der Unterschied ist wichtig.

Ich kann einen Kollegen völlig dafür runter machen, wenn er zum wiederholten Male ein Komma falsch setzt. Oder ich kann ihn jedes Mal auf die richtige Regel hinweisen. Letzteres dürfte mehr Erfolg haben. Nur eins muss ich machen: ihn darauf hinweisen. Ich versuche das möglichst konstruktiv.

Tischtennis ist immer eine wunderbare Analogie auf das Leben. Früher habe ich mich für jeden Fehler selbst kritisiert und „wie kann man nur so schlecht sein“ eingeredet. Heute analysiere ich jeden Fehler im gleichen Moment, in dem er passiert, und motiviere mich selbst, z.B.: „Da hattest du den Schläger beim Block zu weit auf. Mach ihn beim nächsten Ball weiter zu, dann müsste es reichen.“

Ratet mal, welche Taktik besser funktioniert…

Ich muss Fehler machen, um besser zu werden, ich sollte jeden Fehler analysieren. Warum, woher kommt der jetzt, welche Regel hast du da nicht beachtet, was genau hast du falsch gemacht, was kannst du tun, um es beim nächsten Mal besser zu machen, wie wirst du es beim nächsten Mal besser machen?

Nur so wird man besser. Und natürlich klappt das nur in einem Klima, in dem Fehler erlaubt sind. Das soll nicht bedeuten, dass schlampige Arbeit geleistet wird. Es sollte natürlich Kontrollinstanzen geben, die einen Fehler noch korrigieren, bevor das Produkt das Werk verlässt. Aber Fehler selbst sollten gemacht werden dürfen. Wer er schafft und die Geduld dafür hat, kann sie sogar als Bereicherung sehen.