Nur Produkte können uns retten

Geht es eigentlich noch zynischer, frage ich mich. Der Weltklimarat warnt vor einem globalen Kollaps, wenn die Welt bis zum Ende des Jahrhunderts um 2 Grad wärmer wird. Und danach sieht es aus. Selbst 1,5 Grad sind schon viel zu viel. Come on, sagt da UN-Generalsekretär António Guterres sinngemäß auf Twitter. 1,5 Grad seien drin. Wenn sich alle am Riemen reißen, auch weniger.

Als könnte man mit dem Klima feilschen wie mit einem Kunden. Nee, 1,6 Prozent sind mir zu viel, ich will nur 1,2. 1,4? Deal!

Wir können nicht auf Politiker vertrauen, dass sie die passenden Ideen haben, um die Welt zu retten. Wir müssen selber aktiv werden. Der im Jahr 2000 unterlegene Präsidentschaftskandidat Al Gore hat mit dem Film „Eine unbequeme Wahrheit“ mehr Menschen aufgerüttelt, als er es als US-Präsident jemals hätte können. Nicht die allerschlechteste Idee. Ich habe vielleicht noch eine bessere: Das tun, was wir ohnehin den ganzen Tag tun. Kaufen.

Die Klimaerwärmung ist nur eine Folgeerscheinung unseres maßlosen Konsums. Mehr Fleisch, mehr Flugreisen, mehr Smartphones, mehr Klamotten, mehr mehr mehr mehr mehr. Wenn nur ein paar Menschen auf Dinge verzichten, reicht das nicht. Wir können die Welt nur mit Konsum retten.

Elektroautos zähle ich zwar nicht dazu. Die lösen nur das Luxusproblem nicht ganz sauberer Luft in europäischen Städten und sorgen bei der Batterieproduktion gleich für neue Probleme. Aber vom Marketing der Idee, mit einem Tesla die Welt retten zu können, kann man sich was abschauen. Es müssten nur die richtigen Produkte sein:

  • Fleisch, das nicht mehr aus Fleisch besteht, sondern aus Insekten oder fleischähnlichen Substanzen. Könnte das retten, was von den tropischen Regenwäldern noch übrig ist. Gibt es bereits, etwa Impossible Foods.
  • Solarzellen für jedermann, die so sexy daherkommen wie neue iPhones. Warum ist die halbe Technikwelt eigentlich völlig überflüssigerweise damit beschäftigt, viel zu viele neue Smartphones zu bauen und nicht mal clevere Wind- oder Solaranlagen für Zuhause? Für das Euronics Trendblog habe ich mich in diesem Jahr mit Solarstrom befasst. Ein preiswertes, Out-of-the-Box-Solarsystem gibt es leider noch nicht.
  • Und was wir eigentlich am dringendsten brauchen, sind Solarflugzeuge. Den Leuten vorschreiben zu wollen, weniger zu fliegen, weniger Auto zu fahren, weniger Fleisch zu essen und Strom zu sparen, hat meist den gegenteiligen Effekt. Den Zahn der Zeit zurückzudrehen, halte ich außerdem für keine gute Idee. Die globalisierte Welt hat die Chance, ein Geschenk zu werden. Bezahlbare Flugreisen müssen da möglich bleiben. Forschen wir also lieber an Elektroflugzeugen als an Elektroautos.

Der Kapitalismus hat uns darauf getrimmt zu konsumieren. Und weil wir nichts Anderes können, kann nur Kaufen die Lösung sein. Nur Produkte können die Welt retten. Wenn es Produkte sind, mit denen wir das Klima retten können. Suchen wir lieber nach denen als nach dem nächsten iPhone.

Es gibt zu viele Serien

Es gab mal eine Zeit, da haben mich Freunde gefragt, ob ich ihnen eine neue Serie empfehlen könnte. Das ist irgendwie vorbei seit… ach, seht selbst.

Wenn man mit Freunden über Serien spricht, verlaufen Gespräche seit einiger Zeit etwa so:

„American Gods galt ja als unverfilmbar, aber die Serie hat es echt hingekriegt.“
„Nie gehört. Ist das sowas wie Lucifer? Da fand ich Preacher als Parodie ja besser.“
„Lucifer kenne ich nicht. Aber Preacher war doch die Parodie auf Outcast?“
„Was ist Outcast? Hat eigentlich schon einer Jack Ryan gesehen?“
„Ja, das ist die Hollywood-Version von American Odyssey.“
„Was ist das schon wieder? Guckt ihr Babylon Berlin?“
„Wenn das so schlecht ist wie Dark, dann lieber nicht.“
„Dark?“

Es. gibt. zu. viele. Serien. Spätestens seit 1-2 Jahren, seit jeder Netflix hat und seit jede Woche neues gekauftes oder eigenproduziertes Netflix-Material auf die Plattform geschoben wird. Dazu noch Serien, die auf Arte laufen, bei Amazon Prime oder sogar mal in der ARD-Mediathek.

Wenn Freunde mich nach Serientipps fragen, dann längst nicht mehr, weil sie nichts mehr zu gucken haben. Es geht dann eher um Geheimtipps. Irgendwas, was unter den gefühlt 30 neuen Qualitätsserien pro Woche besonders heraussticht.

Weiß ich auch nicht!

Ich habe als Letztes Mad Men gesehen. Jetzt wollte ich mir mal die alten Black Mirror-Folgen anschauen. Es ist wie im Supermarkt: Bei zu viel Auswahl schaltet der Kopf ab und geht nach dem, was er schon kennt – oder was am besten aussieht. Muss das zwingend das Beste sein? Nö, aber es verschafft Ruhe, und verpassen kann man ja eh nichts. Es ist für immer im Netflix-Universum gespeichert.

Jetzt bloß keinen Fehler machen!

Egal, ob im Sport oder im Berufsleben: Profis machen keine Fehler. Isso. Und wenn es doch einmal passiert, hatte man einen schlechten Tag oder es war der Praktikant. Thema erledigt.

Stimmt schon. In Bereichen, in denen es um Leben, Tod oder viel, viel Geld geht, muss man sich darauf verlassen können, dass keine fatalen Fehler passieren. In allen anderen Lebensbereichen würde ich sagen: Um Himmels Willen, macht doch bitte Fehler!

Fehler passieren täglich. Der Burger im Restaurant, bei dem die Salatgurke fehlt. Der Laptop, der eindeutig ein Montagsgerät ist. Der Paketbote, der im Stress zu klingeln vergisst. Ist blöd, aber bringt niemanden um.

Wichtig finde ich nur den Umgang damit. Nennt man einen Fehler unverzeihlich oder lernt man daraus und macht es beim nächsten Mal besser? Der Unterschied ist wichtig.

Ich kann einen Kollegen völlig dafür runter machen, wenn er zum wiederholten Male ein Komma falsch setzt. Oder ich kann ihn jedes Mal auf die richtige Regel hinweisen. Letzteres dürfte mehr Erfolg haben. Nur eins muss ich machen: ihn darauf hinweisen. Ich versuche das möglichst konstruktiv.

Tischtennis ist immer eine wunderbare Analogie auf das Leben. Früher habe ich mich für jeden Fehler selbst kritisiert und „wie kann man nur so schlecht sein“ eingeredet. Heute analysiere ich jeden Fehler im gleichen Moment, in dem er passiert, und motiviere mich selbst, z.B.: „Da hattest du den Schläger beim Block zu weit auf. Mach ihn beim nächsten Ball weiter zu, dann müsste es reichen.“

Ratet mal, welche Taktik besser funktioniert…

Ich muss Fehler machen, um besser zu werden, ich sollte jeden Fehler analysieren. Warum, woher kommt der jetzt, welche Regel hast du da nicht beachtet, was genau hast du falsch gemacht, was kannst du tun, um es beim nächsten Mal besser zu machen, wie wirst du es beim nächsten Mal besser machen?

Nur so wird man besser. Und natürlich klappt das nur in einem Klima, in dem Fehler erlaubt sind. Das soll nicht bedeuten, dass schlampige Arbeit geleistet wird. Es sollte natürlich Kontrollinstanzen geben, die einen Fehler noch korrigieren, bevor das Produkt das Werk verlässt. Aber Fehler selbst sollten gemacht werden dürfen. Wer er schafft und die Geduld dafür hat, kann sie sogar als Bereicherung sehen.

Zu viele Autos in der Stadt? Dann macht den Nahverkehr attraktiv, gottverdammt!

Die Straßen sind voll und ich mittendrin. Ich muss von der Altstadt nach Beuel und von dort weiter nach Troisdorf. An einem Samstagnachmittag. Teilweise Standverkehr. Die Leute fahren mit dem Auto und nehmen lieber einen Stau in Kauf. Ich auch.

Bist du blöd? Warum steigst du nicht einfach auf Bus oder Bahn um?

Weil das so verdammt unattraktiv ist. Busse stehen genauso lange im Stau. Sind überfüllt. Fahren unverständliche Umwege. Klar, es macht nichts, mal zwei, drei Stationen in der Bahn nur zu stehen. Aber dabei bleibt es ja nicht. Fährst du zur falschen Zeit, musst du eine ganze Halbstundenfahrt stehen und wirst durchgeschüttelt.

Hatte ich kürzlich noch im Flughafenbus, der – oh Wunder – an einem Freitagnachmittag überfüllt war. Der Fahrer hielt überhaupt nur an meiner Haltestelle, weil zufällig jemand ausstieg. „Wir sind eigentlich voll. Wenn Sie sich noch dazu quetschen wollen…“. Wollte ich. Der nächste Bus wäre ja auch überfüllt gewesen. Die Fahrgäste an der nächsten Haltestelle wurden einfach stehen gelassen.

Eine 20-Minuten-Fahrt von Bonn nach Köln und zurück kostet 16 Euro. Für kaum mehr fliegt man schon einmal nach Berlin. Dass die Bahn Verspätung hat, wenn man sie mal braucht, daran hat man sich längst gewöhnt. Dass dann Toiletten defekt sind, Reservierungen verloren gehen, ganze Wägen fehlen und Anschlusszüge verpasst werden, verschmerzt man nicht so leicht. Als ich im (Jahrhundert-)Sommer im Generalanzeiger las, dass Klimaanlagen für Linienbusse in Bonn gar nicht vorgesehen seien, ging mir der Hut hoch.

Ja, was bitteschön erwartet ihr denn?! Dass die Leute ihr Auto stehen lassen, um mit Bus und Bahn länger zu fahren, mehr zu bezahlen, in der Hitze zu schmoren und ewig zu stehen? Warum sollten sie denn?

Die Idee des ausgebauten, kostenlosen Nahverkehrs ist längst wieder vom Tisch. In der Politik beliebter ist die Idee, CO2-Ausstoß und Feinstaubbelastung zu verringern, indem man das Fahren mit dem Auto in den Städten weniger attraktiv macht. Also lieber Bestrafungs- als Belohnungsprinzip. So funktioniert das nicht.

Kriegt es irgendwie hin, dass der Nahverkehr komfortabler wird als Autofahren, DANN könnt ihr die Leute dafür gewinnen. Bequemere Sitze, schnellere Routen, höhere Takte, Klimatisierung, WLAN, vernünftige Preise. Und, oh Wunder. Die Autos würden plötzlich stehen gelassen.

Einfach mal „nö“

Es ist erstaunlich, wie viel man in diesem Alltag erreichen kann, wenn man einfach mal „nö“ sagt:

– „Nein, stimmt nicht.“
– „Nein, mache ich nicht.“
– „Nein, habe ich nie gesagt.“

Wenn man das nur stur genug durchzieht, kann man Diskussionen für sich entscheiden, für mediale Aufmerksamkeit sorgen, Wahlen gewinnen, US-Präsident werden.

Sagt man „nö“, müssen die Anderen aktiv werden. Argumente vorlegen, auf den Sturkopf einreden. Wie viel Energie verwenden gute Leute damit zu recherchieren, Studien zu wälzen, Fakten vorzutragen, zu argumentieren, dem Idioten vielleicht sogar noch entgegenzukommen, weil der sich nicht bewegen will?

Warum nicht den Spieß einfach umdrehen, das Verhalten spiegeln, selbst einfach mal „nö“ sagen und dabei bleiben. Was kann schlimmstenfalls passieren? Dass einen die Anderen, die man für dumm hält, selbst für dumm halten? Sollen sie doch. Vielleicht einfach mal ausprobieren, da wo Argumente nicht mehr ankommen.

Steuern, welche Steuern?

Fünfmal im Jahr geht mir die Pumpe, wenn ich mich mit dem Steuerdriss befassen muss. Ich hab es jetzt aufgegeben und suche eine/n Steuerfachmann/-frau. Problem ist: Der- oder diejenige kann mir auch nur die Hälfte abnehmen. Kontoauszüge durchgehen, Rechnungen zusammensuchen und sortieren muss ich selbst.

Klar. Die Politik hat kein ehrliches Interesse daran, die Steuererklärung zu vereinfachen. Zu viele Arbeitsplätze hängen da dran, man liefe Gefahr, am Ende weniger Steuern einzunehmen. Und überhaupt: „Steuererklärung auf einem Bierdeckel“ – wie sollte das funktionieren?

Ja, wie nur? Vielleicht so:

– Einnahmen addieren
– Krankenversicherung/Rente abziehen
– Darauf pauschal 30% Steuern für jeden

– Haste den/die Richtige(n) fürs Leben gefunden? Glückwunsch, ./. 2% und ich hoffe, et hält!
– Haste Kinder? Für jeden Dötz ./. 2%
– Pflegste nen Angehörigen? ./. 2%
– Biste in ner Ausbildung? ./. 2%
– Kannste nachweisen, dass dein Arbeitsplatz mehr als 5km von deiner Wohnung weg ist? ./. 2%
– Warste länger krank, haste ne Einschränkung? ./. 2%

Fertig. Steuererklärung in 5 Minuten na gut, 1 Stunde. Paar Nachweise dafür musste schon liefern.

Zu einfach gedacht? Höchstwahrscheinlich. Oder?

Elektrodiesel

Politisch gesehen ein interessanter Tag heute. Die Große Koalition kann sich also doch auf etwas einigen. Die deutsche Autoindustrie soll Dieselfahrzeuge nachrüsten, wird aber dazu nicht verpflichtet, das auf eigene Kosten zu tun. Ah ja.

Volkswagen – wo die ganze Misere damals begann – postet auf der eigenen Website eine Info à la „Wir nehmen jeden Kunden ernst“. BMW sieht sich als Saubermann und will nur Umtauschprämien zahlen, keine Nachrüstungen. Das würde VW am liebsten auch nicht.

Überhaupt, wie wäre das denn eigentlich gewesen: Jedem vergrämten Dieselfahrer eine saftige Umtauschprämie für ein Elektroauto oder einen Hybridwagen? Und die Politik legt noch was obendrauf. Mehrere Fliegen mit einer Klappe. Weniger Emissionen, wenige vergrämte Kunden, die ebenso wichtige wie schwerfällige deutsche Autoindustrie zum nötigen Wandel motiviert. Chance leider verpasst.

Halt, nein, ein Hersteller warb dann doch mit Prämien für den Umtausch von Diesel auf Elektro: Renault. Ein Franzose.

Scheiß auf die Welt

Ich hatte schon bessere Tage. Dann ist es der falsche Moment, wenn studentische Aktivisten am Eingang des Supermarkts aufmarschieren. Nicht, um für den Hambacher Forst zu demonstrieren, sondern um für neue Mitglieder ihres Naturschutzbundes zu werben. Kein Vorbeigehen, ohne eins mit der moralischen Keule übergebraten zu bekommen. Ganz schlechtes Timing. Die Konversation hier ist echt:

Ihre Kollegin hielt es für eine gute Idee, mich am Ausgang noch einmal zu fragen, ob ich 3 Minuten Zeit hätte. Hatte ich nicht.

Statt dessen bin ich bei McDonald’s essen gegangen.

Nein, ich habe natürlich nichts gegen Umweltaktivisten. Ich war schon Öko, bevor es die meisten anderen waren. Wir brauchen Umweltschutzorganisationen wie NABU, Greenpeace und wie sie nicht alle heißen. Und ich nehme es natürlich nicht persönlich, wenn sich Studenten dir für eine gute Sache auflauern.

Aber diese Wegelagerei bringt mich auf die Palme. Vor jedem Supermarkt stehen neuerdings ein bis zwei Leute, grüßen dich freundlich und aktivieren dein schlechtes Gewissen. Kein Besuch in der Fußgängerzone, ehe man von Amnesty, Ärzte ohne Grenzen oder Freiheit für Lamphukestan abgefangen wird. Ja, alle wichtig. Ja, es ist ein Problem, dass Menschen betteln müssen, weil das Sozialsystem sie absichtlich ausspart. Und nein, das müsste nicht sein.

Aber wieso soll sich eigentlich ausgerechnet der kleine Mann auf der Straße darum kümmern, der in ständiger Angst lebt, genau dorthin abzustürzen? Lern schonmal, wie es ist, wenn du selber dort stehst? Es müsste nicht sein, dass in diesem reichen Land Menschen auf der Straße leben, NGOs unterfinanziert sind, Menschen andere Menschen für das Gute drangsalieren. Der Aufschwung kommt sonstwo an, aber nicht da, wo er müsste.

Und da bringt es gar nichts, wenn Ökostudenten genervte Leidartikler vor dem Eingang des Supermarktes anbetteln. Ein Tropfen auf den viel zu heißen Stein. Das Geld in den falschen Kanälen. Angry Jürgen is angry.

Mehr Autofahren

Man lernt ja nichts dazu. Ein gutes Jahr habe ich mein Auto jetzt und zum vierten Mal kam nun der Pannendienst raus, um mir Starthilfe zu geben. Dreimal davon war es der gleiche Techniker, der mich längst namentlich kennt und immer herzlich begrüßt.

„Ich habe Ihnen doch schon beim letzten Mal gesagt, dass die Batterie sich entlädt, wenn Sie immer nur Kurzstrecke fahren.“ Ja nun, aber diesmal bin ich wirklich länger damit gefahren. „Und wann zum letzten Mal?“. Zwei Wochen könnte es schon her sein.

Muss man sich mal vorstellen. Zwei Wochen nicht mit dem Auto gefahren und schon ist die Batterie leer. Könnte natürlich daran liegen, dass mein Auto praktisch Knight Rider ist. Digitaler Tachometer, digitale Bordkonsole, digitale Tankanzeige, digitaler Kilometerstand… der Digitalgerät.

„Es könnte an Ihrem Fahrverhalten liegen – nicht persönlich gemeint! Fahren Sie längere Strecken damit, mindestens einmal die Woche!“

Eine tolle Antwort auf Klimawandel, CO2-Ausstoß, Feinstaubbelastung…

„Oder lassen Sie sich eine kleinere Batterie einbauen.“

Kleiner?! Wirklich?

„Ja klar. Eine Batterie mit mehr Kapazität braucht länger, bis sie wieder aufgeladen ist.“

Woran man so alles denken sollte. Da ohnehin jetzt ein neuer Satz Reifen ansteht und die Elektronik dringend mal in der Werkstatt untersucht werden sollte, ist jetzt wohl die Fly-or-Die-Phase gekommen. Nochmal investieren oder sonst weg mit dem Scheißteil.

Vor allem habe ich heute gelernt, dass sich Dinge nicht für immer aufschieben lassen. Klar, der Pannendienst kostet mich nichts. Ich zahle die gleiche Jahresgebühr, egal ob er einmal anrückt oder zwanzig Mal. Aber das Problem ist damit nicht gelöst. Da hilft wohl nur Werkstatt – oder ein neues Auto.

Und dann steht plötzlich jemand neben dir, den du 15 Jahre nicht gesehen hast

Es war der erste Tag. Nach ein wenig Stöbern auf Amazon legte ich mir jüngst ein Erfolgsjournal zu, ein abgewandeltes Tagebuch, in das man morgens Erlebnisse, Wünsche und Ziele einträgt. Die Idee: rauskommen aus der eigenen Lethargie, wieder etwas tun. Durch fast 50 Seiten Einleitung musste ich mich kämpfen, dann konnte es losgehen.

Meine erste Wunschvorstellung war recht konkret: Ich wollte zur Photokina fahren, über die Messe schlendern, ein paar gute Vorträge sehen und ein paar hübsche Kameras natürlich auch, einen tollen Bericht darüber schreiben und hinterher bei sonnigem Wetter über die Rheinbrücke schlendern und mir in der Segafredo-Bar im Kölner Hauptbahnhof einen Kaffee gönnen.

Gesagt getan. Und wie ich so ich in das Café hineinschlendere und dem Barista meine Bestellung zurufe, höre ich plötzlich neben mir ungläubig jemanden meinen Namen rufen.

Ein alter Mitstudent. Damals viel zusammen erlebt, irgendwann war er dann einfach verschwunden. Nie wieder gesehen, nie wieder etwas von gehört. Vor einem Jahr war ein gemeinsam improvisiertes Video aus dem Studium auf YouTube wieder aufgetaucht. Das heute recht amüsant bebilderte und von uns damals selbst organisierte Autorennen auf einem Dorf in der Nähe. Journalismus? Na ja. Aber eine schöne Erinnerung.

Auf den Schreck des zufälligen Wiedersehens hin schlenderten wir mit unseren Kaffeebechern zur Domtreppe und unterhielten uns über die alten Zeiten. Es stellte sich heraus, dass er trotz allem etwas mit diesem Internet gemacht hat und gerade auf dem Weg war, einen Vortrag zu geben. Dass er das Studium damals geschmissen hatte: an sich kein Problem. Aber es wurme ihn immer noch, sagte er.

Ansonsten wenig Anderes als das, was ich erwartet hätte: Er hat nun ein Haus nahe seines Heimatortes, eine Frau, zwei Kinder und eben einen soliden Job in einer wachsenden Branche. Eine halbe Stunde, dann wünschten wir uns alles Gute und gingen unserer Wege.

Der Autor des Erfolgsjournals prophezeite in der Einleitung, es würde sich viel bewegen. Nehme man das eigene Leben in die Hand, erreiche man Dinge, die man nie erwartet hätte. Dass man auch jemanden zufällig treffen würde, den man fast 15 Jahre nicht gesehen hatte, gleich am ersten Tag. Unglaublich. Aber doch, so könnte es weiter gehen.

15-Minuten-Blogartikel

Ich blogge zu wenig. Also ursprüngliches Bloggen. bei der Arbeit auf dem Techblog schreibe ich natürlich beinahe täglich etwas. Aber das eigentliche Bloggen, tagebuchähnliche Einträge, die mich als Schreiber bewegen. So gut wie gar nicht mehr.

Kürzlich erhielten wir auf der Arbeit Post und die Anfrage nach einer Kooperation. Der Mann hatte ein eigenes Themenblog und bloggte sehr industrienah. Zwei Drittel seiner Beiträge waren Produkttests. Nur der Rest tatsächliche Tipps an die Leser. Blog? Nichts tagebuchähnliches, eher ein kleiner Eigenverlag und mit wenig persönlichen Inhalten.

Kann man nur so heute ein Blog finanzieren? Kann man nur mit solchen Blogbeiträgen überhaupt auf Google gefunden werden? Geht es nur noch darum?

Ich habe einmal anders angefangen. Mir Dinge, die mich bewegen, einfach von der Seele geschrieben. Es hat damals schon kaum jemand gelesen und das wäre heute nicht viel besser, weil prosaische Beiträge durch nichts gefunden werden könnten. Aber darum sollte es ja beim ursprünglichen Bloggen gar nicht gehen. Bis es irgendwann doch darum ging.

Lieber wieder zwei Schritte zurück: Schreiben, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Einfach runter damit, was mich bewegt. Vielleicht nach einem alten Muster, das ich mal im Schreibkurs gelernt habe: 2 Minuten lang ohne Pause runterschreiben, was mir gerade durch den Kopf geht und dann erst drüber nachdenken. Ich mache 15 Minuten draus. Samt sprachlicher Glättung, Korrekturlesen und vielleicht sogar noch kurzer Bildrecherche, wenn es sich anbietet.

15 Minuten, das ist nicht viel für einen Text. Aber das ist die Zeit, die ich täglich zur Verfügung habe, ohne dass es ein lästiger Zwang würde. Ich fange hier einfach einmal damit an. Und ich weiß noch nicht, wohin das führt. Nach allen verzweifelten Neuanfängen der letzten Jahre hier auf Leidartikel.de würde ich vermuten: nicht sehr weit. 😉

Aber immerhin: Der erste Artikel ist hiermit gemacht. 15 Minuten Arbeit, wirklich nicht mehr. Und stolze 300 Wörter. Das SEO-Plugin auf der Arbeit wäre stolz auf mich. Ich bin es auch so.

Ich vermisse Raucher und ich hab Rücken

Smoker (Abdulaziz Ceylan)

Wenn eine Berufsgruppe viel raucht, dann ist das die der Journalisten – so ein gängiges Vorurteil. Die Wahrheit ist, dass ich in den vergangenen Wochen an zwei Fortbildungen zusammen mit rund 20 Kollegen teilgenommen habe und keiner von ihnen geraucht hat. Ein weiteres Seminar an der Volkshochschule kam noch hinzu – und wieder: keine Raucher. Weiterlesen →