Elektrodiesel

Politisch gesehen ein interessanter Tag heute. Die Große Koalition kann sich also doch auf etwas einigen. Die deutsche Autoindustrie soll Dieselfahrzeuge nachrüsten, wird aber dazu nicht verpflichtet, das auf eigene Kosten zu tun. Ah ja.

Volkswagen – wo die ganze Misere damals begann – postet auf der eigenen Website eine Info à la „Wir nehmen jeden Kunden ernst“. BMW sieht sich als Saubermann und will nur Umtauschprämien zahlen, keine Nachrüstungen. Das würde VW am liebsten auch nicht.

Überhaupt, wie wäre das denn eigentlich gewesen: Jedem vergrämten Dieselfahrer eine saftige Umtauschprämie für ein Elektroauto oder einen Hybridwagen? Und die Politik legt noch was obendrauf. Mehrere Fliegen mit einer Klappe. Weniger Emissionen, wenige vergrämte Kunden, die ebenso wichtige wie schwerfällige deutsche Autoindustrie zum nötigen Wandel motiviert. Chance leider verpasst.

Halt, nein, ein Hersteller warb dann doch mit Prämien für den Umtausch von Diesel auf Elektro: Renault. Ein Franzose.

Scheiß auf die Welt

Ich hatte schon bessere Tage. Dann ist es der falsche Moment, wenn studentische Aktivisten am Eingang des Supermarkts aufmarschieren. Nicht, um für den Hambacher Forst zu demonstrieren, sondern um für neue Mitglieder ihres Naturschutzbundes zu werben. Kein Vorbeigehen, ohne eins mit der moralischen Keule übergebraten zu bekommen. Ganz schlechtes Timing. Die Konversation hier ist echt:

Ihre Kollegin hielt es für eine gute Idee, mich am Ausgang noch einmal zu fragen, ob ich 3 Minuten Zeit hätte. Hatte ich nicht.

Statt dessen bin ich bei McDonald’s essen gegangen.

Nein, ich habe natürlich nichts gegen Umweltaktivisten. Ich war schon Öko, bevor es die meisten anderen waren. Wir brauchen Umweltschutzorganisationen wie NABU, Greenpeace und wie sie nicht alle heißen. Und ich nehme es natürlich nicht persönlich, wenn sich Studenten dir für eine gute Sache auflauern.

Aber diese Wegelagerei bringt mich auf die Palme. Vor jedem Supermarkt stehen neuerdings ein bis zwei Leute, grüßen dich freundlich und aktivieren dein schlechtes Gewissen. Kein Besuch in der Fußgängerzone, ehe man von Amnesty, Ärzte ohne Grenzen oder Freiheit für Lamphukestan abgefangen wird. Ja, alle wichtig. Ja, es ist ein Problem, dass Menschen betteln müssen, weil das Sozialsystem sie absichtlich ausspart. Und nein, das müsste nicht sein.

Aber wieso soll sich eigentlich ausgerechnet der kleine Mann auf der Straße darum kümmern, der in ständiger Angst lebt, genau dorthin abzustürzen? Lern schonmal, wie es ist, wenn du selber dort stehst? Es müsste nicht sein, dass in diesem reichen Land Menschen auf der Straße leben, NGOs unterfinanziert sind, Menschen andere Menschen für das Gute drangsalieren. Der Aufschwung kommt sonstwo an, aber nicht da, wo er müsste.

Und da bringt es gar nichts, wenn Ökostudenten genervte Leidartikler vor dem Eingang des Supermarktes anbetteln. Ein Tropfen auf den viel zu heißen Stein. Das Geld in den falschen Kanälen. Angry Jürgen is angry.

Mehr Autofahren

Man lernt ja nichts dazu. Ein gutes Jahr habe ich mein Auto jetzt und zum vierten Mal kam nun der Pannendienst raus, um mir Starthilfe zu geben. Dreimal davon war es der gleiche Techniker, der mich längst namentlich kennt und immer herzlich begrüßt.

„Ich habe Ihnen doch schon beim letzten Mal gesagt, dass die Batterie sich entlädt, wenn Sie immer nur Kurzstrecke fahren.“ Ja nun, aber diesmal bin ich wirklich länger damit gefahren. „Und wann zum letzten Mal?“. Zwei Wochen könnte es schon her sein.

Muss man sich mal vorstellen. Zwei Wochen nicht mit dem Auto gefahren und schon ist die Batterie leer. Könnte natürlich daran liegen, dass mein Auto praktisch Knight Rider ist. Digitaler Tachometer, digitale Bordkonsole, digitale Tankanzeige, digitaler Kilometerstand… der Digitalgerät.

„Es könnte an Ihrem Fahrverhalten liegen – nicht persönlich gemeint! Fahren Sie längere Strecken damit, mindestens einmal die Woche!“

Eine tolle Antwort auf Klimawandel, CO2-Ausstoß, Feinstaubbelastung…

„Oder lassen Sie sich eine kleinere Batterie einbauen.“

Kleiner?! Wirklich?

„Ja klar. Eine Batterie mit mehr Kapazität braucht länger, bis sie wieder aufgeladen ist.“

Woran man so alles denken sollte. Da ohnehin jetzt ein neuer Satz Reifen ansteht und die Elektronik dringend mal in der Werkstatt untersucht werden sollte, ist jetzt wohl die Fly-or-Die-Phase gekommen. Nochmal investieren oder sonst weg mit dem Scheißteil.

Vor allem habe ich heute gelernt, dass sich Dinge nicht für immer aufschieben lassen. Klar, der Pannendienst kostet mich nichts. Ich zahle die gleiche Jahresgebühr, egal ob er einmal anrückt oder zwanzig Mal. Aber das Problem ist damit nicht gelöst. Da hilft wohl nur Werkstatt – oder ein neues Auto.

Und dann steht plötzlich jemand neben dir, den du 15 Jahre nicht gesehen hast

Es war der erste Tag. Nach ein wenig Stöbern auf Amazon legte ich mir jüngst ein Erfolgsjournal zu, ein abgewandeltes Tagebuch, in das man morgens Erlebnisse, Wünsche und Ziele einträgt. Die Idee: rauskommen aus der eigenen Lethargie, wieder etwas tun. Durch fast 50 Seiten Einleitung musste ich mich kämpfen, dann konnte es losgehen.

Meine erste Wunschvorstellung war recht konkret: Ich wollte zur Photokina fahren, über die Messe schlendern, ein paar gute Vorträge sehen und ein paar hübsche Kameras natürlich auch, einen tollen Bericht darüber schreiben und hinterher bei sonnigem Wetter über die Rheinbrücke schlendern und mir in der Segafredo-Bar im Kölner Hauptbahnhof einen Kaffee gönnen.

Gesagt getan. Und wie ich so ich in das Café hineinschlendere und dem Barista meine Bestellung zurufe, höre ich plötzlich neben mir ungläubig jemanden meinen Namen rufen.

Ein alter Mitstudent. Damals viel zusammen erlebt, irgendwann war er dann einfach verschwunden. Nie wieder gesehen, nie wieder etwas von gehört. Vor einem Jahr war ein gemeinsam improvisiertes Video aus dem Studium auf YouTube wieder aufgetaucht. Das heute recht amüsant bebilderte und von uns damals selbst organisierte Autorennen auf einem Dorf in der Nähe. Journalismus? Na ja. Aber eine schöne Erinnerung.

Auf den Schreck des zufälligen Wiedersehens hin schlenderten wir mit unseren Kaffeebechern zur Domtreppe und unterhielten uns über die alten Zeiten. Es stellte sich heraus, dass er trotz allem etwas mit diesem Internet gemacht hat und gerade auf dem Weg war, einen Vortrag zu geben. Dass er das Studium damals geschmissen hatte: an sich kein Problem. Aber es wurme ihn immer noch, sagte er.

Ansonsten wenig Anderes als das, was ich erwartet hätte: Er hat nun ein Haus nahe seines Heimatortes, eine Frau, zwei Kinder und eben einen soliden Job in einer wachsenden Branche. Eine halbe Stunde, dann wünschten wir uns alles Gute und gingen unserer Wege.

Der Autor des Erfolgsjournals prophezeite in der Einleitung, es würde sich viel bewegen. Nehme man das eigene Leben in die Hand, erreiche man Dinge, die man nie erwartet hätte. Dass man auch jemanden zufällig treffen würde, den man fast 15 Jahre nicht gesehen hatte, gleich am ersten Tag. Unglaublich. Aber doch, so könnte es weiter gehen.

15-Minuten-Blogartikel

Ich blogge zu wenig. Also ursprüngliches Bloggen. bei der Arbeit auf dem Techblog schreibe ich natürlich beinahe täglich etwas. Aber das eigentliche Bloggen, tagebuchähnliche Einträge, die mich als Schreiber bewegen. So gut wie gar nicht mehr.

Kürzlich erhielten wir auf der Arbeit Post und die Anfrage nach einer Kooperation. Der Mann hatte ein eigenes Themenblog und bloggte sehr industrienah. Zwei Drittel seiner Beiträge waren Produkttests. Nur der Rest tatsächliche Tipps an die Leser. Blog? Nichts tagebuchähnliches, eher ein kleiner Eigenverlag und mit wenig persönlichen Inhalten.

Kann man nur so heute ein Blog finanzieren? Kann man nur mit solchen Blogbeiträgen überhaupt auf Google gefunden werden? Geht es nur noch darum?

Ich habe einmal anders angefangen. Mir Dinge, die mich bewegen, einfach von der Seele geschrieben. Es hat damals schon kaum jemand gelesen und das wäre heute nicht viel besser, weil prosaische Beiträge durch nichts gefunden werden könnten. Aber darum sollte es ja beim ursprünglichen Bloggen gar nicht gehen. Bis es irgendwann doch darum ging.

Lieber wieder zwei Schritte zurück: Schreiben, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Einfach runter damit, was mich bewegt. Vielleicht nach einem alten Muster, das ich mal im Schreibkurs gelernt habe: 2 Minuten lang ohne Pause runterschreiben, was mir gerade durch den Kopf geht und dann erst drüber nachdenken. Ich mache 15 Minuten draus. Samt sprachlicher Glättung, Korrekturlesen und vielleicht sogar noch kurzer Bildrecherche, wenn es sich anbietet.

15 Minuten, das ist nicht viel für einen Text. Aber das ist die Zeit, die ich täglich zur Verfügung habe, ohne dass es ein lästiger Zwang würde. Ich fange hier einfach einmal damit an. Und ich weiß noch nicht, wohin das führt. Nach allen verzweifelten Neuanfängen der letzten Jahre hier auf Leidartikel.de würde ich vermuten: nicht sehr weit. 😉

Aber immerhin: Der erste Artikel ist hiermit gemacht. 15 Minuten Arbeit, wirklich nicht mehr. Und stolze 300 Wörter. Das SEO-Plugin auf der Arbeit wäre stolz auf mich. Ich bin es auch so.

Ich vermisse Raucher und ich hab Rücken

Smoker (Abdulaziz Ceylan)

Wenn eine Berufsgruppe viel raucht, dann ist das die der Journalisten – so ein gängiges Vorurteil. Die Wahrheit ist, dass ich in den vergangenen Wochen an zwei Fortbildungen zusammen mit rund 20 Kollegen teilgenommen habe und keiner von ihnen geraucht hat. Ein weiteres Seminar an der Volkshochschule kam noch hinzu – und wieder: keine Raucher. Weiterlesen →

Ach, Bonn…

Testbetrieb

Vielleicht war es Zufall, dass die Verkäuferin bereits eine der zwei Eingangstüren zugeschlossen hatte, als ich um kurz vor 22:30 Uhr an einem Dienstagabend in die Bonner Bahnhofsbuchhandlung stürme. „Sie haben noch zwei Minuten!“, ruft sie mir entgegen, um direkt danach die Pointe hinterher zu schieben: „Spaß. Bisschen länger schon noch. Schauen Sie in Ruhe!“

Ja, das ist Bonn, wie ich es mag. Höflichkeit, es mal fünfe gerade sein lassen, mal Fremden gegenüber einen Witz reißen, das alles nicht zu ernst nehmen.

Aber auch das ist Bonn, wie ich es kaum noch verstehe: Eine 300.000-Einwohner-Stadt mit dem maroden und hässlichen Provinzbahnhof, in dem der letzte Laden um 22.30 Uhr dicht macht.

Meine Cousine, die in Leipzig studiert, schwärmt mir von dort vor. Kultur, preiswerte Mieten, eine lebendige alternative Szene, viele Menschen, die barfuß durch die Stadt laufen…

Gut, mir eigentlich egal, was die Leute in meiner Stadt an den Füßen tragen. Aber Leipzig steht für etwas. Wofür steht Bonn?

Bonn hat den Ruf langweilig zu sein. Anderswo sei so viel mehr los, auch in gleich großen Städten, höre ich oft.

„Ach ja?!“, schwärme ich dann direkt entgegen. Aber Bonn ist die Beethoven-Stadt! Du hast das Beethoven-Haus (eine Touri-Falle), die Beethoven-Statue (hässlich und unspektakulär), die Beethoven-Halle (alt und marode). Du kannst eine (spießige) Bootstour zum Drachenfels machen – der in Königswinter steht – oder im Sommer in der Sieg baden (die durch Troisdorfer und Niederkasseler Stadtgebiet führt). Du hast die alternative Altstadt (in der an einem Wochentag kaum noch etwas los ist), eine alternative Szene (die sich nach reichlich Problemen mit Ordnungsamt und Lärmmotzkis fast aufgelöst hat). Du hast viel Geschichte der Bonner Republik (und das Bundesviertel in einer Viertelstunde abgefrühstückt) und den riesigen Post-Tower (in dem der Rundumblick über die Stadt der Post-Vorstandsetage vorbehalten ist).

Tja, was hat Bonn denn dann eigentlich noch?

Tolle Menschen, definitiv. Aber sorry, das alleine ist mir etwas zu wenig…

Wir sitzen auf einer Kiste voll Gold und machen nichts daraus

Nachdem ich mich an „Big Bang Theory“ und „How I met your mother“ seit ein paar Monaten satt gesehen habe, habe ich mich nach anderen Comedyserien umgeschaut. „Hung“ gefiel mir anfangs gut mit der durchaus sozialkritischen Komponente. In der dritten Staffel fiel das Sozialkritische fast vollends weg und ließ etwas Komödienhaftes mit ein wenig Tragikomik zurück. Ging für mich trotzdem in Ordnung, weil es immer noch gut gespielt war und nie ins Klamaukhafte abglitt. Leider wurde die Show von HBO nach der dritten Staffel abgesetzt. Meine weitere vergebene Suche nach einer guten Comedy-Serie:

– „Rules of Engagement“ – einfach nicht lustig
– „Modern Family“ – gute Ansatz! Mir aber zu offensichtlich und vorhersagbar
– „Men at Work“ – sehr amerikanischer Humor
– „Two broke girls“ – Klischeehumor
– „Mike & Molly“ – OMG

Außerdem habe ich langsam genug von Sitcoms, bei denen die Lacher des Publikums eingespielt werden. Hab den Sinn dahinter noch nie gesehen und langsam geht mir das auch ein- für allemal auf den Wecker. Genug davon!

Es mag nur mir so gehen, aber ich sehe derzeit keine wirklich gute neue US-Comedyshow. Wäre das nicht eigentlich die große Chance für das deutsche Fernsehen, ein eigenes Comedy-Format ins Leben zu rufen? Und ich meine jetzt hier weder „Weißblaue Geschichten“ (auch wenn die für mich schwer in Ordnung gingen), noch „Bulle von Tölz“, noch platte Klischees à la „Männerherzen“ oder „Weißichwiewenig Ohrenhasen“ und auch kein weiteres Daily-Soap-Format à la „GZSZ“ oder „Verbotene Liebe“.

Ich meine eine gute Serie mit bekannten Schauspielern, starkem Drehbuch und einer neuen Handlung, kein Remake eines US-Formats. Etwas eigenes. Etwas, das so gut ist, dass US-Sender es kopieren wollen, wie sie es mit „Hatufim“ aus Israel („Homeland“) oder „Borgen – gefährliche Seilschaften“ aus Dänemark gemacht haben. Come on: Fernsehsender in Isreal und Dänemark sollen Geld für gute Formate haben, aber deutsche nicht? Der deutsche Film ist international angesehen, das deutsche Fernsehen ist ein Witz. Wir haben fantastische und international angesehene Drehbuchautoren, Regisseure und Schauspieler. Wir sitzen auf einem Kessel voll Gold und machen nichts daraus.

Warum eigentlich nicht? Es gab sehr gute deutsche Komödien in den vergangenen Jahren: Ich denke da an „Agnes und seine Brüder“, „Oh Boy“, „Sonnenallee“, „Wer früher stirbt, ist länger tot“, „Alles auf Zucker“ oder „Soul Kitchen“. Es gab hoch angesehene Dramen wie „Das weiße Band“, „Gegen die Wand“, „Die Fremde“ oder „Barbara“.

Warum nicht zum Beispiel mal einen Sven Regener engagieren und „Herr Lehmann – die Serie“ produzieren? Oder wenn es lieber Drama oder Horror sein soll: „Das weiße Band“ oder „Hell“ in Serienform als Gegenstück zu „The Walking Dead“ oder „Game of Thrones“. Warum nicht mal einen Fatih Akin für eine zehnteilige Serie gewinnen oder den großartigen Jan Ole Gerster für einen Dreiteiler im Stile von „Oh Boy“? „Soul Kitchen – die Serie“ mit Hamburg im Mittelpunkt – warum denn nicht?

Ja, das würde eine ganze Stange Geld kosten. Ja, das würde eine große Portion Mut erfordern. Ja, es kann passieren, dass die Quote hier nicht stimmen wird. Aber soll ich euch was sagen: die Gefahr ist immer da, und es wird nicht besser dadurch, dass niemand etwas riskiert. Es gibt nur wenige erfreuliche Ausnahmen pro Jahr wie den „Tatortreiniger“ und „Unsere Mütter, unsere Väter“ – eine Serie, die allerdings sehr gute Quoten erzielte und zum Exportschlager wurde.

Und da soll niemand dazu in der Lage sein, das zu wiederholen?
Niemand, der eine gute Serie für das deutsche Fernsehen produzieren kann?
Kein Sender, der Geld dafür hätte, eine aufwändige Serie zu produzieren?
Kein Intendant oder Produzent, der den Mut dazu hätte, das zur besten Sendezeit auszustrahlen?
Kein Drehbuchschreiber mit einer Idee für eine gute Serie?
Keine bekannten Leinwand-Schauspieler, die sich für eine qualitativ hochwertige Serie hergäben, wenn sie sich nicht einmal für eine Reihe von lächerlichen McDonald’s-Werbespots zu schade sind?
Kein deutscher Regisseur, der genug Zeit für eine solche Produktion hätte?
Wirklich niemand?

Bitte nicht!

Bitte nicht noch einer. Es ist etwa das zehnte Angebot, das in dieser Woche von einer SEO-Agentur kommt: Das Angebot, einen Gastbeitrag über ein eigenes Produkt bei uns zu „platzieren“. Dafür würde man sich auch erkenntlich zeigen, etwa mit einem geschenkten Produkt oder einem Gewinnspiel. Der Text sei nach journalistischen Grundsätzen erstellt. Man wolle nur einen Link auf das eigene Produkt platzieren, schreibt man inzwischen recht unverholen. Bei der Recherche nach geeigneten Blogs sei man nämlich auf unser Blog gestoßen und man habe gemerkt, wie interessant die Beiträge und Themen dort seien.

Was die Agentur damit bezweckt, ist klar: das eigene Produkt soll mehr Links bekommen und damit weiter oben in den Ergebnislisten der Google-Suche erscheinen. Was der Blogger davon hat: nichts. Die Reputation wäre sofort dahin, weil jedes kleine Kind sofort merkt, dass der Beitrag gekauft ist. Müssten die Agenturen sich eigentlich denken können. Können Sie sich wahrscheinlich auch. Aber ein paar Willige scheinen sie trotzdem zu finden. Warum nur?

Great Beasts of the Southern Gatsbys

Zwei der Filme, die ich zuletzt gesehen habe: „Beasts of the Southern Wild“ (Budget: 1,3 Millionen US-Dollar) und „The Great Gatsby“ (Budget: 105 Millionen Dollar).

„Beast of the Southern Wild“ hat mich mehr beeindruckt.

Und jetzt frage ich mich natürlich wieso. Dabei habe ich eigentlich gar nichts gegen „The Great Gatsby„. Die Geschichte hat alles, was ein guter Film braucht. Macht, Bewunderung, Intrigen, Liebe, tolle Kostüme, computergenerierte Spezialeffekte, Leo DiCaprio. Regisseur Baz Luhrmann hat eine gute Geschichte vor die bildgewaltige Kulisse der 20er Jahre gehievt. Die Geschichte eines tragischen Helden, mit Stars besetzt – und heute noch so aktuell wie vor knapp 90 Jahren, als die Romanvorlage entstand.

Auf der anderen Seite haben wir das Erstlingswerk von Nachwuchsregisseur Benh Zeitlin, einen Low-Budget-Film. Die Geschichte eines kleinen Mädchens, das mit ihrem exzentrischen Vater in den Sümpfen Louisianas wohnt, als eines Tages der Hurricane kommt. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als ihre Angst vor den Monstern aus ihrer Fantasie (und in der Realität) zu besiegen. Erstaunlicherweise ist das nicht minder bildgewaltig als „The Great Gatsby“, auch wenn Zeitlin auf beeindruckende Kostüme und computergenerierte Kulissen nahezu verzichten musste.

Die Schlagzeile „Guter Low-Budget-Film schlägt bösen Hollywood-Blockbuster“ ist mir eigentlich zu plakativ. Luhrmann hat sich hier ordentlich ins Zeug gelegt. Und doch geht man hier eher mit einem Achselzucken aus dem Kino als beim genannten Low-Budget-Streifen. Wahrscheinlich ist er dem Anspruch nicht gerecht geworden, mit einem Budget, das das eines „Herr der Ringe“-Teils übersteigt, ein schlichtes Drama zu einem bilgewaltigen Hollywood-Epos aufzupusten. Weniger und mehr und so. Das Auge gibt sich mit Magerkost zufrieden, wenn eine gute Geschichte das Hirn stimuliert. So können Einzelheiten bei „Beasts of the Southern Wild“ besser in Erinnerung bleiben. Und das sind neben der Geschichte die tolle Leistung der erst neunjährigen Quvenzhané Wallis sowie Dan Romers fantastischer Soundtrack.

Krank sein

Etwa einmal im Jahr erwischt es mich und fast immer auf die gleiche Weise. Es beginnt mit einem Kratzen im Hals im Büro. Und ab da ist es eigentlich schon zu spät, ich kann die Uhr danach stellen und mich bei meinem Chef schon einmal für den nächsten und die kommenden Tage krank melden – was ich diesmal auch vorsorglich getan habe. Denn ab da gibt es kein Zurück mehr: Ich werde krank. Erst kommen die Halsschmerzen, dann das Fieber, Schnupfen, Gliederschmerzen, schließlich der Husten. Ich habe in der Vergangenheit alles versucht, um das abzuwenden. Von heißem Bier bishin zu Metavirulent; helfen tut nie etwas. Der Arzt nennt es „Bronchitis“ und fragt, ob ich Antibiotika oder lieber Soledum will. Bei letzterem würde ich bald wie ein Koala-Bär riechen. Klingt erstrebenswert, kaufe ich also.

In den ersten zwei Tagen bin ich beinahe dankbar für die Zwangspause. Ich verlasse das Bett kaum, gucke meine Lieblingsserien und Filme auf DVD oder iTunes. Mein Körper erholt sich vom Stress der vergangenen Wochen, der sicherlich eine Mitschuld für die Krankheit trägt. Ich bin zu nichts zu gebrauchen, tue nur hin und wieder draußen ein paar Schritte an der frischen Luft, klinge laut einem Freund, den ich zufällig auf dem Heimweg vom Arztbesuch treffe, wie Alf. Weiterlesen →

Der unangenehmste Gast, mit dem man einen Abend verbringen kann

… ist: man selbst. Ein Gast, der einfach da ist und nicht wieder geht, selbst wenn man drauf besteht, aber immer wieder was zu essen und zu trinken haben will. Am besten noch was Gutes. Dann erzählt er den ganzen Abend nichts, will aber gut unterhalten werden und sich dabei am besten noch auf den gemütlichsten Teil der Couch ausstrecken. Dann nörgelt er am Fernsehprogramm rum und will ständig den Sender wechseln. Die Werbung hat er schon gesehen, den Spot betet er auswendig mit. Meistens trinkt er dann zu viel, was überhaupt nicht gut für ihn ist, aber er verbittet sich jede Einmischung in sein Intimleben. „So dick bin ich doch gar nicht“, sagt er dann. „Guck mal, der Steffen, der kann nicht mal mehr einen Blick auf seinen Maschinenraum werfen, so dick ist der. Aber ich?“. Und wenn er dann doch mal Ruhe gibt, dann auch nur, wenn er auf der Couch eingeschlafen ist.

Raus mit ihm!