Peinliche Werbeaktion im StudiVZ

studivz.jpgHeute Nachmittag hat ein gewisser Nico Shimmels in der Kommunikationsplattform StudiVZ tausende von Leuten in eine Gruppe eingeladen, darunter auch mich. Die Gruppe heißt “ZEIT zu LEBEN”, und wie sich herausstellt, ist das - natürlich - eine gefakete Werbeaktion der Wochenzeitung “DIE ZEIT”. Warum macht DIE ZEIT Werbung im StudiVZ? Hier muss man nur eins und eins zusammenzählen: Sowohl DIE ZEIT als auch StudiVZ sind Teil der Holtzbrinck-Gruppe. Holtzbrinck zahlte 85 Millionen Euro für den Kauf von StudiVZ und scheint nun mit allen Mitteln zu versuchen, das Geld über eine Mischkalkulation wieder hereinzuholen. Wie, scheint egal zu sein.

Gruppen sind eigentlich eine der nettesten Möglichkeiten, die das StudiVZ bietet: Jeder kann einer beliebigen Gruppe beitreten, die zu ihm passt und so vernetzen sich Simpsons-Liebhaber, Weinfreunde, Leute die am 5. August Geburtstag haben, die in Erftstadt aufgewachsen sind, einem Kleingartenverein angehören etc. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Oft ist es mit der Fantasie aber nicht weit her, so wie in der Gruppe, die Shimmels ausrufen ließ. Die Beschreibung lautet wie folgt:

- Anzeige -

Journalismus LEBEN – jetzt in der ZEIT-Gruppe!

Willkommen im LEBEN und Hallo in der ZEIT-Gruppe.
ZEIT LEBEN-Redaktionsleiter Christoph Amend steht euch heute abend live und direkt als „Reporter vor Ort“ Rede und Antwort zu all euren Fragen.
Besprecht mit ihm aktuelle Themen, diskutiert was guten Journalismus ausmacht, fragt, was Ihr immer schon mal fragen wolltet, zur ZEIT und zum LEBEN.

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Schlechter kann man Werbung kaum noch kaschieren, falls man das überhaupt wollte. Gegenwärtig sind bereits 1.895 Leute der Gruppe beigetreten. Auf der Pinnwand von Nico Shimmels Profil, allerdings, stapeln sich die wütenden Beschwerden.

Auf den allerersten Kommentar von einem gewissen Yi (”hi ,was arbeitest du in ZEIT?^^”) hat Shimmels noch folgendes geantwortet:

Moin,
ich arbeite im Verlag. Als Assistent der
Geschäftsführung.

Beste grüße
Nico

Danach brach die Protestwelle von zurzeit 50 Beschwerden erst los. Shimmels hat darauf nicht mehr geantwortet… Eine der treffendsten Einträge auf Shimmels Pinnwand kommt von einem Philipp C.:

Boah, nerv…! Erst das ständige
angequatsche in der Unimensa wegen Probeabos
und jetzt geht die Drückerkolonne hier
nahtlos weiter. Habt ihr’s so nötig, euer
Blatt an den Mann zu bringen?

Seit einigen Wochen stapeln sich nach dem Einloggen auf StudiVZ die Werbeanzeigen. Die Aktion von der ZEIT war nun die erste Werbemaßnahme, die auf den ersten Blick von einem StudiVZ-Nutzer kam, nicht von den Betreibern. Es gibt Leute, die schon lange vor den Machenschaften von Holtzbrinck und dem StudiVZ warnen. In solchen Momenten möchte man sich für all die Zweifel entschuldigen, die man an ihnen hatte. Holtzbrinck scheint auf jede nur erdenkliche Weise zu versuchen, die 85 Millionen Euro wieder hereinzuholen. Das ist schade!

[inspired by: Sajonara.de]

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6 Kommentare.

  1. Vielen Dank für die Erwähnung in diesem Artikel. Ich fühle mich geehrt und bin dankbar.

    Zum Thema Gruppen: Sie wurden und werden von Studierenden gegründet, jedenfalls in den weitaus meisten Fällen. Und sie sind im Übrigen auch die einzigen Punkte kreativ-schöpferischer Energie in diesem Netzwerk, die zeigen, was möglich ist. Aufrufe zu Spendenaktionen, Büchertausch, Organisation von Lerngruppen. Die Initiative geht jedes Mal von den Nutzern aus und die Betreiber lassen diese Energie sinnlos verpuffen, weil ihr Fokus einzig und allein der Ökonomie verhaftet bleibt. Schade. Sehr schade.

  2. Noch so ein Grund, warum ich StudiVZ niemals benutzen werde.
    Das war nach dem Kauf abzusehen, das irgendwann in einer wahrscheinlich allzu dämlichen Form die Werbung einsetzt. Wie soll man sonst mit dem geklauten Facebook Geld verdienen? Die Adressen darf der Besitzer schließlich (noch) nicht verkaufen.

  3. [...] ist das Holtzbrinck-Ghetto StudiVZ gerettet. Man wartet noch eine Weile, bis Gras über die letzte Hahnebüchen-Aktion von vorgestern gewachsen sein wird, und dann startet man durch, mit neuem Zuckerwasser im Tank. [...]

  4. wer lesen kann ist klar im vorteil.

    wenn ich einen Beitrag lese der mit den worten

    - Anzeige - ich wiederhole -Anzeige-

    anfängt. was erwarte ich dann ???

    fallunterschdeidung
    IQ 80 WERBUNG

    wenn sich nun studenten darüber beschweren das man unter werbung auch werbung findet (die sie auch noch angecklickt haben) dann haben die sich den uni zugang mit einem ABI h.c. im kindergarten erstreikt.

  5. Hallo SoSoSo.

    Ja, natürlich stand in der Gruppenbeschreibung “Anzeige” drüber, also handelt es sich um Werbung. In der Einladung zur Gruppe stand das allerdings nicht. Also kann mich ja in Zukunft jeder Hans und Franz in seine Gruppe einladen, so tun als wäre das eine private Gruppe und dann in der Gruppenbeschreibung auch “Anzeige” drüber schreiben. Nur wo ist dann der Unterschied zur echten Werbung? Warum schaltet Die Zeit nicht einfach eine Anzeige, sondern versucht die StudiVZ-Nutzer mit so einer Aktion in die Irre zu führen?

    Wäre übrigens ganz nett, wenn du beim Kommentieren hier einen Namen angibst, aus dem hervorgeht, wer du bist. Wenn du zu dem stehst, was du sagst, sollte das ja kein Problem sein. Ansonsten mache ich von meinem Recht Gebrauch solche Kommentare in Zukunft zu löschen.

  6. [...] wird. Das Fernsehen bangt um seine Quote, Printmedien machen so viel Wirbel wie noch nie, entsenden Drückerkolonnen sogar in den virtuellen Raum. Leserzahlen, Abonnentenziffern, sie stagnieren oder brechen ein. Der [...]

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