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	<title>Leidartikel &#187; Asienreise</title>
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	<description>Das Leben aus einer anderen Perspektive.</description>
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		<title>Mal nach Asien Fliegen &#8211; Teil III: Patong Beach, wo Himmel und H&#246;lle dicht beieinander liegen</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Nov 2008 22:31:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Vielmeier</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p>Eigentlich wollte ich mir nur mal den Strand anschauen, aber meine Nerven liegen jetzt schon blank. Die Einheimischen halten nicht viel vom geschriebenen Angebot und so wird man an jedem, wirklich jedem Laden von den Verkäufern angesprochen: &#8220;Need a taxi?&#8221;, &#8220;Hello Sir, massage?&#8221;, &#8220;Have a look at the menu?&#8221;, &#8220;Welcome my friend. Need a suit?&#8221;, [...]


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			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.leidartikel.de/wp-content/uploads/phuketcity2.jpg" alt="" title="phuketcity2" class="alignnone size-full wp-image-861" align="left" />Eigentlich wollte ich mir nur mal den Strand anschauen, aber meine Nerven liegen jetzt schon blank. Die Einheimischen halten nicht viel vom geschriebenen Angebot und so wird man an jedem, wirklich jedem Laden von den Verkäufern angesprochen: &#8220;Need a taxi?&#8221;, &#8220;Hello Sir, massage?&#8221;, &#8220;Have a look at the menu?&#8221;, &#8220;Welcome my friend. Need a suit?&#8221;, &#8220;Boat trip to James Bond Island?&#8221;</p>
<p>Gerade mal eine halbe Stunde vorher bin ich meinem Hotel in Patong aufgeschlagen, der Touristenhochburg an der Westküste von Phuket in Thailand und nicht mehr weit vom Ende der Welt entfernt. Mangels Übernachtungsmöglichkeit habe ich mich gleich am Flughafen wider besseren Wissens treudoof von der Touristeninformation ansprechen lassen. Das Personal ist schwer engagiert und bietet mir nach mehrmaliger Nachfrage und Feilschen ein Hotel für 700 Baht die Nacht an. Das sind etwa 15 Euro und scheint mir für thailändische Verhältnisse überteuert, soll sich jedoch im Nachhinein als Schnäppchen herausstellen. Ein Minibus, in den man mich zusammen mit einem genauso herzensguten wie schwulen australischen Pärchen steckt, bringt mich über den Umweg in einem unsäglichen Reisebüro in einer knappen Stunde zu meinem Hotel.<span id="more-854"></span></p>
<p><a href="http://www.leidartikel.de/wp-content/uploads/phuketcity.jpg"><img src="http://www.leidartikel.de/wp-content/uploads/phuketcity.jpg" alt="" title="phuketcity"  class="alignnone size-full wp-image-857" /></a><br />
<br clear="all"></p>
<p><strong>In einer reizenden Nebenstraße</strong></p>
<p>Und von dort, nur einen halben Kilometer an der Haupt-Einkaufsstraße entlang, tun mir die Ohren vom Gebrüll und die Hände vom Abwinken der vielen Angebote weh, als ich plötzlich eine kleine Seitenstraße entdecke, die ein bisschen hinterhofartig wirkt aber direkt zum Strand führt. Auf geht&#8217;s! Doch weit komme ich nicht, denn plötzlich stellt sich mir eine aufreizend gekleidete Dame in den Weg: &#8220;Hello lonely boy. You want massage? Look over here, all my friend. Can choose the girl, you know, spend good time.&#8221; Sie deutet auf fünf gleich angezogene Kolleginnen am Straßenrand, die anfangen zu lachen und Kussgeräusche von sich geben.&#8221; Ich lehne höflich ab und will mich verabschieden, aber sie weicht nicht von der Stelle. Ich versuche um sie herumzulaufen, aber erst mit Händen und Füßen kann ich die Frau abwimmeln, die mir als Dank zur Verabschiedung in den Arsch kneift.</p>
<p>Zehn Meter weiter stellt sich mir die nächste Masseuse in den Weg: &#8220;Come here, Sir, come here! Beautiful girl, can choose best girl you like.&#8221; Ich wehre sie mit den Händen ab und schlängele mich an ihr vorbei, nicht ohne auch von ihr in den Arsch gekniffen zu werden. Kaum 20 Meter weiter sind zwei weitere Massage-Salons auf mich aufmerksam geworden und verschiedene Frauen stellen sich mir in den Weg.</p>
<p>Was zum &#8230; !</p>
<p>Zurück kann ich nicht mehr und in die andere Richtung warten diverse Masseusen und Marktschreier auf ihr gefundenen Fressen. Okay okay, ich hab&#8217;s begriffen. Bin in die falsche Straße eingebogen. Aber wie komme ich hier wieder raus? Ich gehe einen Schritt schneller, fahre die Ellenbogen raus, gucke so arrogant wie ich kann. Fünf sehr lange Minuten später habe ich die Straße dann endlich hinter mir, aber nicht ohne von weiteren drei Frauen betascht und von zwei Anzugverkäufern fast in ihre Schneiderei gezogen worden zu sein. Endlich am Strand! Aber himmlische Ruhe? Weit gefehlt! &#8220;Sir, you want coconut?&#8221;, &#8220;T-Shirt? Sun-glasses? Rolex-watches?&#8221;, &#8220;Jet-ski, my friend?&#8221;</p>
<p>Ich will hier wieder weg! Und zwar schnell!</p>
<p>Am späten Abend beruhigt sich die Lage zum Glück zusehends. Die Thais gehen früh schlafen, und mit den schließenden Geschäften sinkt der Lärmpegel. Ich gönne mir ein leckeres Abendessen mit herzhaftem Tintenfisch und Chang-Bier und suche mir danach in aller Ruhe den Massage-Salon aus, der am wenigsten verrucht aussieht. Eine Thai von vielleicht 35 Jahren gibt mir eine Öl-Massage. Weil mir nach dem Wakeboard fahren noch immer alles weh tut, genau das richtige. Ganzkörpermassage schließt auch die Oberschenkel und Leistengegend mit ein. Ich bin nur von einem Handtuch bedeckt und immer wieder massiert sie nur haarscharf an den interessanten Stellen vorbei. Das ganze ist nicht unerotisch, an der Leistengegend bin ich kitzelig und fange an zu kichern, was sie erwidert. Wundert mich selbst, dass ich so überrascht bin, als sie plötzlich fragt: &#8220;You want happy ending?&#8221; Manchmal staune ich über meine eigene Naivität. &#8220;You know what I mean, right?&#8221;, fügt sie mit einem Augenzwinkern an. &#8211; &#8220;Yes, but I cannot do it&#8221;, entgegne ich, was sie nicht verstehen will. &#8220;Why don&#8217;t want? You got wife? Girlfriend? You gay? You can do without?!&#8221;</p>
<p>Es ist gar nicht so leicht, das zu begründen. Am Ende ist sie sauer, dass ich ablehne und wird unhöflicher. Ihr geht gutes Geld dabei flöten. Eine einstündige Massage kostet weit unter 10 Euro. Entsprechende Extra-Services (was ich nach Gesprächen mit diversen Touristen erfahre), 30 bis 40 Euro. Ich gebe ihr 100 Baht extra, aber richtig zufrieden ist sie nicht. Was soll man machen.</p>
<p><a href="http://www.leidartikel.de/wp-content/uploads/phukethotel.jpg"><img src="http://www.leidartikel.de/wp-content/uploads/phukethotel.jpg" alt="" title="phukethotel"  class="alignnone size-full wp-image-859" /></a><br />
<br clear="all"></p>
<p><strong>Bei Nacht: Ladyboy und Kidnapping</strong></p>
<p>Ich bin kurz vor meinem Hotel, als mich ein Ladyboy anspricht und an den Arm fasst. Es ist der erste, den ich in Thailand sehe und so offensichtlich, dass er keine Frau ist, dass anfange zu lachen. Er nimmt das als Anlass mir zu folgen. Ich will ihm sagen, dass ich nur auf &#8220;echte&#8221; Frauen stehe, aber auch keine Masseusen, keine gekaufte Liebe und so weiter. Aber dann belasse ich es bei einem gut gemeinten &#8220;No thank you&#8221;, was er akzeptiert. Meine Gründe verstehen die hier doch sowieso alle nicht. Warum auch? Es gibt genug Touristen, die genau deswegen nach Thailand kommen.</p>
<p>Mitten in der Nacht weckt mich das Geschrei einer jungen Frau auf der Straße. Als sie nicht aufhört, quäle ich mich aus dem Bett, werfe einen Blick auf die Uhr &#8211; es ist 3:40 Uhr &#8211; und schaue auf dem Balkon nach, was los ist. Es ist eine vielleicht 18-jährige Thai, die von zwei Männern in einen schwarzen Pick-up gezogen wird und sich vehement dagegen wehrt, um sich schlägt und brüllt. Ein paar besoffene Touristen gehen vorbei, tun aber so als ob sie das nicht interessiert. Die Männer verfachten das Mädchen ins Auto und düsen davon. Ohhhkaaay&#8230; Hab ich das richtig verstanden, eine Entführung? Oder war es &#8220;nur&#8221; der große Bruder, der seine ungezogene Schwester nach Hause holt? Die kulturellen Unterschiede halt. Aber was soll ich jetzt machen? Mich einfach wieder schlafen legen? Der Rezeption Bescheid sagen? (Wenn da noch einer wach wäre, hätten sie das hören müssen.) Die Polizei rufen? Ohne die Rufnummer zu kennen, ohne das Nummernschild erkannt zu haben und ohne bis auf Swadee kaa kein Wort Thai zu sprechen?</p>
<p><a href="http://www.leidartikel.de/wp-content/uploads/phuketbeach.jpg"><img src="http://www.leidartikel.de/wp-content/uploads/phuketbeach.jpg" alt="" title="phuketbeach" class="alignnone size-full wp-image-858" /></a><br />
<br clear="all"></p>
<p><strong>Hilfsbereit und hilflos: Die Touristenpolizei</strong></p>
<p>Ich entscheide mich nach langem Hin und Her am nächsten Morgen nach dem Auschecken zur Touristenpolizei am Strand zu gehen. Zwei Beamte sind anwesend. &#8220;Yes, what can do for you?&#8221;, fragt der eine. Ich erkläre ihm die ganze Geschichte auf Englisch, worauf er sich ratlos umblickt und seinen Kollegen hinzuholt. Beiden erkläre ich die Geschichte noch einmal auf langsamstem, einfachstem Englisch. Sie scheinen nur Wortfetzen zu verstehen. &#8220;It was a tourist?&#8221;, fragt der Zweite dann. Ich überlege kurz, ob ich &#8220;ja&#8221; sagen soll, damit sie überhaupt etwas unternehmen, entscheide mich aber dagegen. &#8220;It was a local girl.&#8221; &#8211; &#8220;What did they do?&#8221; Ich beschreibe ihm nun mit Händen und Füßen noch einmal pantomimisch, wie das Mädchen erst gezogen, dann gestoßen wurde. Die beiden gucken sich rätselnd an.</p>
<p>&#8220;And they put her in black pick-up car?&#8221;, fragt der eine. Woher weiß er das? Das hatte ich noch gar nicht erwähnt. Ich weiß selbst, dass meine Aussage ohne KFZ-Kennzeichen herzlich wenig wert ist. Ich dachte ja nur, falls ein Mädchen als vermisst gemeldet wird, dann wurde sie von Männern in einem Pick-up-Truck entführt. Ach, sinnlos. Nach meiner Aussage verabschieden sich die beiden Polizisten freundlich, sind aber nicht an einer schriftlichen Stellungnahme oder irgendwas interessiert. Ich ärgere mich ein wenig, dass ich dem Mädchen nicht helfen kann. Aber so ist das wohl.</p>
<p>Ich setze mich noch einmal an die Promenade und schaue aufs Meer hinaus. Diesmal spricht mich kein Verkäufer an. Es ist noch früh am Tag und nicht so furchtbar heiß. Gleich werde ich ein Taxi nehmen und weiter in Richtung Süden fahren. Es ist schon ein verrücktes Fleckchen Erde hier, wo Osten und Westen so ungedämpft aufeinander prallen. Mein Reiseführer schreibt über Patong Beach: &#8220;Mit seinem Hang, die Midlife-Crisis in eine komplette Industrie zu verwandeln, wuchert Patong mit unfreiwilliger Komik. Aber werfen Sie einen Blick auf den unglaublich weißen Sand, die wunderschöne Bucht und Sie werden verstehen, wie all das angefangen hat.&#8221; Das mit dem Strand stimmt. Das Paradies kann nicht weit weg sein &#8211; das Ende der Welt aber auch nicht.</p>


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		<title>Mal nach Asien fliegen &#8211; Teil II: Hach, Singapur!</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Nov 2008 09:27:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Vielmeier</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p>Warnung: Einer der längsten Artikel, die ich jemals geschrieben habe, dafür mit netten Fotos unterlegt. Aber nehmt euch 20 Minuten Zeit zum Lesen, überfliegen is nich!&#8221;</p> <p>Chinatown ist mein Ziel. Unschlüssig stehe ich in der U-Bahn-Station vor der Info-Karte und überlege mir, welche Strecke ich nehmen soll. Es gibt zwei Verbindungen, die in etwa gleich [...]


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			<content:encoded><![CDATA[<p><em><small>Warnung: Einer der längsten Artikel, die ich jemals geschrieben habe, dafür mit netten Fotos unterlegt. Aber nehmt euch 20 Minuten Zeit zum Lesen, überfliegen is nich!&#8221;</small></em></p>
<p><img src="http://www.leidartikel.de/wp-content/uploads/lousyfish.jpg" alt="" title="lousyfish" width="300" height="400" class="alignleft size-full wp-image-821" />Chinatown ist mein Ziel. Unschlüssig stehe ich in der U-Bahn-Station vor der Info-Karte und überlege mir, welche Strecke ich nehmen soll. Es gibt zwei Verbindungen, die in etwa gleich weit sind, und einmal umsteigen muss auf jeden Fall sein. Mit meinem geflochtenen Hut, meiner Umhängetasche, als Kaukasier und planlos vor der Karte stehend, könnte ich kaum mehr wie ein Tourist aussehen, und so dauert es nicht lange, bis eine alte Frau vom Personal neben mit steht, kaum größer als 1,45 Meter. Wohin ich wolle, fragt sie mit dem niedlichen Singapurer Akzent und erklärt dann: &#8220;To Chinatown go down the stairs, take train to Jurong East. When the train reach Dhoby Ghaut and the door open &#8211; tuck tuck tuck tuck &#8211; you leave train, turn left, go up stairs and take North East Line to Harbour Front. Get off Chinatown station.&#8221; Aha. Aber ich könnte doch auch hier über Outram Park fahren und von dort Richtung Norden, zeige ich ihr auf der Karte. Wäre eine Station weniger. &#8220;No no, exchange at Outram Park too complicated for tourist! When the train door open &#8211; tuck tuck tuck tuck &#8211; people get lost, come back to Auntie and say: Help me Auntie, I got lost!&#8221; <span id="more-816"></span></p>
<p>Ich lache mich kaputt darüber, wie sie es so treffend beschreibt, aber sie verzieht keine Miene. Entweder hat sie einen unglaublich trockenen oder einen ganz anderen Sinn für Humor. Ich bedanke mich lachend. Inzwischen bin ich zum zweiten Mal während meiner Reise in Singapur aufgeschlagen. Es ist Freitagabend, und nach meinem Besuch in der Chinatown, die mich komischerweise an Thailand erinnert, will ich zur Esplanade. Das Theater wurde vor fünf Jahren in Form zweier Moskitoaugen fertig gestellt, erinnert an das Opernhaus in Sydney und war schon damals das Mekka der jungen Leute. In den letzten fünf Jahren hat sich Singapur aber noch einmal stark gewandelt. Die Landzunge, auf dem jetzt das Riesenrad &#8220;Singapore Flyer&#8221; steht, das Pendant zum London Eye, gab es vor fünf Jahren noch gar nicht &#8211; Neulandgewinnung macht es möglich. Und auch die Menschen haben sich verändert. Hat man vor fünf Jahren höchstens mal ein zaghaftes Händchenhalten zwischen verliebten Menschen gesehen, sieht man auf einmal überall junge Menschen öffentlich turteln, am Wasser sitzend Gitarre spielen oder einfach nur abhängen. Singapur scheint immer liberaler zu werden. Schön!</p>
<p><a href="http://www.leidartikel.de/wp-content/uploads/esplanade1.jpg"><img src="http://www.leidartikel.de/wp-content/uploads/esplanade1.jpg" alt="" title="esplanade1" class="alignnone size-full wp-image-828" /></a><br />
<small>Die Singapurer Esplanade: Links die Konzerthalle in Form einer Durian-Frucht, recht das Riesenrad &#8220;Singapore Flyer&#8221;, größer als das &#8220;Eye of London&#8221;.</small><br />
<br clear="all"></p>
<p><strong>Der höfliche Taiwaner</strong></p>
<p>Als ich nach dem <a href="http://www.leidartikel.de/mal-nach-asien-fliegen-teil-i-alan-und-die-stewardessen.html">Flug mit Alan</a> in Singapur lande, fühle ich mich schnell sehr heimisch, aber auch bald sehr einsam. Lecker essen, alte Heimat, hektische Menschen &#8211; aber kaum eine Chance, mit den Einheimischen näher in Kontakt zu kommen. Seltsam, dass man in einer Großstadt genauso einsam sein kann wie auf dem Land. Also versuche ich mein Glück in meinem Hostel. Den ersten, den ich näher kennenlerne, ist Andrew aus Taiwan. Als wir uns unterhalten, entschuldigt er sich ständig: sein Englisch sei sehr schlecht. Aber in Taiwan, so sagt er, würden die Menschen einfach lächeln, und dann könne man sich auch so verstehen. Und: In Taiwan arbeite man die ganze Zeit. Auch er arbeite jetzt gerade. Er ist Reiseleiter und hilft seinem Chef bei einem Projekt. Echt, einfach immer arbeiten und dabei fröhlich sein, wundere ich mich. Ich kenne da Bilder aus dem Parlament in Taiwan, entgegne ich, wo Politiker mit Fäusten aufeinander losgehen. Ja, das gebe es auch, lacht Andrew. Aber das sei doch auch nur, um die Leute zu belustigen und zeuge von Temperament.</p>
<p><a href="http://www.leidartikel.de/wp-content/uploads/chinesegarden.jpg"><img src="http://www.leidartikel.de/wp-content/uploads/chinesegarden.jpg" alt="" title="chinesegarden" class="alignnone size-full wp-image-829" /></a><br />
<small>Im Chinesischen Garten.</small><br />
<br clear="all"></p>
<p>Der Aufenthaltsraum ist gleichzeitig der Frühstückstisch und eigentlich sehr gemütlich. Es liegen ein paar Lonely-Planet-Reiseführer dort herum, und ein Deckenventilator sorgt für Kühlung. Wenn Andrew nicht dort sitzt und mit seinem Acer-Laptop werkelt, sitzen dort die Filipinas, die in Singapur auf Jobsuche sind. Sie kommen aus dem Verlagswesen und verschicken täglich 50 Bewerbungen, erzählen sie. Singapur sei wie die Philippinen, aber es gebe mehr Geld für die Arbeit und vor allem gebe es dort Arbeit. Sie bekommen nur Absagen oder gar keine Antwort und seien inzwischen bereit, jede Art von Arbeit anzunehmen, sagen sie. Ich traue mich aus Höflichkeit gar nicht zu fragen, was das bedeutet, und ob das auch Prostitution mit einschließt.</p>
<p>Davon gebe es auch in Singapur mehr als ihm lieb ist, erzählt mir am gleichen Abend ein Engländer, von Beruf Fitnesstrainer und Thai-Boxer, der eigentlich nur kurz aus seiner Wahlheimat Australien raus ist, damit seine Aufenthaltserlaubnis verlängert wird. Dreimal war er abends unterwegs, sagt er, und schon nach wenigen Minuten kamen jedes Mal Frauen auf ihn zu und fragten &#8220;Sir, you want to spend the night with me?&#8221;. Und nein, das passiere ihm nicht, weil er so gut gebaut sei, flachst er. Wer in Singapur die Drecksarbeit erledigt, wie der Staat einerseits Dinge verbiete und andere toleriere, womit die Wirtschaft hauptsächlich Geld verdient. Er ist gerade einmal zwei Wochen hier und weiß jetzt schon Dinge über das Land, die ich nicht wusste, obwohl ich mich seit Jahren mit dem Land beschäftige. Und er wirkt unglaublich ausgeglichen. Ich bin genauso erstaunt wie beeindruckt.</p>
<p><a href="http://www.leidartikel.de/wp-content/uploads/singaporeairport.jpg"><img src="http://www.leidartikel.de/wp-content/uploads/singaporeairport.jpg" alt="" title="singaporeairport" class="alignnone size-full wp-image-830" /></a><br />
<small>Willkommen in der Zukunft: Der ultramoderne neue Terminal 3 von Singapurs Flughafen &#8220;Changi&#8221;.</small><br />
<br clear="all"></p>
<p><strong>Der mies gelaunte, alte Klemptner</strong></p>
<p>Als ich ihn am nächsten Tag wieder treffe, um mich für das interessante Gespräch zu bedanken, ist er dafür in schlechter Stimmung: &#8220;Dem Laden hier werde ich eine ganz schlechte Bewertung geben&#8221;, sagt er verärgert: &#8220;Die Leute checken zu allen Tageszeiten ein, ständig geht die Klingel, es wimmelt von Kindern, es gibt überhaupt nur vier Zimmer, die ein Fenster haben, und das Bad ist schon zum dritten Mal kaputt.&#8221;</p>
<p>Von letzterem kann ich ein Lied singen. Der Concierge, der den ganzen Laden alleine schmeißt, heißt Son. Er scheint überhaupt Tag und Nacht da zu sein und hält deswegen gerne mal ein Schläfchen im klimatisierten Fernsehraum. Eines Nachmittags höre ich ihn laut mit einem alten Mann streiten. Der Alte ist ein Chinese, offenbar Klemptner, der kaum Englisch spricht und die Duschen reparieren soll. Er hat sie notdürftig geflickt und ist nun wütend, weil Son ihn nicht bar bezahlen will. Son hat Anweisung von seinem Chef, per Rechnung zu zahlen und das Geld zurückzuhalten, falls die Duschen am nächsten Tag schon wieder kaputt sein sollten. Die beiden streiten sich. Als der Alte gegangen ist, erzählt mir Son die ganze Geschichte, worüber ich mich sehr freue. So viel Offenheit ist selten für einen Asiaten.</p>
<p><a href="http://www.leidartikel.de/wp-content/uploads/singapurcomic1.jpg"><img src="http://www.leidartikel.de/wp-content/uploads/singapurcomic1.jpg" alt="" title="singapurcomic1"  class="alignnone size-full wp-image-831" /></a><br />
<small>Ich liebe diese Comics, mit denen die Behörden auf Gefahren im Alltag aufmerksam machen&#8230;</small><br />
<br clear="all"></p>
<p>Ich nutze die Gunst der Stunde und verschwinde schnell in der Dusche, solange sie wieder geht. Sie war fast einen halben Tag kaputt und die zwei Ausweichduschen waren ständig besetzt. Als ich mich gerade abgetrocket habe, klopft jemand laut an die Tür, stemmt sich dagegen und drückt die Plastiktür fast aus dem Schloss. Ja geht&#8217;s noch? Ich ziehe schnell meine Sachen an und mache dann selbst auf, um denjenigen zur Rede zu stellen. Es ist der alte Klemptner. Er ist zurückgekommen, offenbar mit der Anweisung von seinem Chef, die Dusche diesmal ordentlich zu reparieren, und noch zorniger als zuvor. Er flucht auf Chinesisch vor sich hin und wirft mir etwas an den Kopf, was ich zum Glück nicht verstehe. Ich beleidige ihn auf Deutsch zurück.</p>
<p><a href="http://www.leidartikel.de/wp-content/uploads/singapurcomic2.jpg"><img src="http://www.leidartikel.de/wp-content/uploads/singapurcomic2.jpg" alt="" title="singapurcomic2" class="alignnone size-full wp-image-832" /></a><br />
<small>&#8230; und Tipps und Lebenshilfen geben, wie man das Land noch weiter verbessern kann. Ob&#8217;s wirkt, steht auf einem anderen Blatt. Auf alle Fälle ist es lustig.</small><br />
<br clear="all"></p>
<p><strong>Die trinkfesten Koreaner</strong></p>
<p>Am vierten Tag endlich ein kleines Abenteuer: Ich habe einen Ausflug auf die indonesische Ferieninsel Batam gebucht, um Wakeboardfahren zu lernen. Was ich da noch nicht ahne: Die einzigen Touris außer mir sind eine koreanische Berufsschulklasse. Als wir auf Batam zusammen in den Bus steigen, ist mir etwas mulmig zumute, es mit einer eingeschworenen Gemeinschaft zu tun zu haben. Aber sofort kommen zwei von ihnen auf mich zu. Ob ich alleine reise, fragt mich ein Mädchen. Woher ich käme, fragt mich ein anderer. Der Rest des Tages ist unbeschreiblich: Ich brauche gute 30 Anläufe, um überhaupt die Startrampe zu verlassen. Zum Glück ergeht es den anderen Anfängern nichts besser. Die Koreaner sind unglaublich herzlich: Jubeln jedem zu, der es ein paar Meter geradeaus schafft, laden mich in den Pausen ein, mit ihnen Bier und Tequila zu trinken und &#8211; das überrascht mich am meisten &#8211; bechern ganz schön was weg. Die meisten von ihnen, erfahre ich, sind von einer Hotelfachschule der Universität von Las Vegas, studieren in Singapur und kommen aus Korea. Ziemlich kompliziert. Das Wakeboarden ist verdammt frustrierend. Der Tag neigt sich dem Ende und ich habe es noch immer nicht wirklich gelernt. Erst als es gegen 18 Uhr langsam zu dämmern beginnt, habe ich mein größtes Erfolgserlebnis an diesem Tag: Ich falle nach dem Start nicht gleich ins Wasser, sondern schaffe es rund 50 Meter vom Start weg. Die Koreaner jubeln mir zu, ich lächle. Na immerhin.</p>
<p><a href="http://www.leidartikel.de/wp-content/uploads/wakeboarder.jpg"><img src="http://www.leidartikel.de/wp-content/uploads/wakeboarder.jpg" alt="" title="wakeboarder" class="alignnone size-full wp-image-826" /></a><br />
<small>Sehr nette Menschen und ausgezeichnete Wakeboarder!</small><br />
<br clear="all"></p>
<p>Vollkommen erschöpt und mit einsetzendem Muskelkater erreiche ich schließlich mein Hostel und quäle mich mit letzter Kraft die Treppe herauf. An der Schwelle erlebe ich eine Überraschung. Auf der Couch sitzen wie aufgereiht alle Kerle, mit denen ich mich bis dahin unterhalten habe: Andrew, Son, die beiden Australier, der Kanadier und der Schweizer, und selbst der englische Kickboxer ist noch da. Andrew begrüßt mich fröhlich, auch die anderen fragen mich wie es war. Schade, dass ich so müde bin, dass ich tot ins Bett fallen könnte, sonst hätte ich gerne mit allen nochmal einen drauf gemacht. A propos draufmachen: Die Männer sitzen im Fernsehraum an der Treppe, weil die fünf Filipinas den Aufenthaltsraum unter Beschlag genommen haben. Als ich an ihnen vorbeigehe, fangen sie aufgeregt an zu tuscheln und zu kichern. Etwas irretiert grüße ich im Vorbeigehen mit &#8220;&#8216;Evening, ladies!&#8221; und verziehe mich in die Dusche. Als ich wieder heraus komme, bestehen sie darauf, ein Foto mit mir zu machen.</p>
<p><strong>Die emsigen Filipinas</strong></p>
<p>Nancy ergreift das Wort. Ich sehe sie zum ersten Mal. Sie ist deutlich älter als die anderen, gesprächiger &#8211; und offener: &#8220;The others told me about you&#8221;, sagt sie. &#8220;They said that you&#8217;re from Germany &#8211; and that you&#8217;re very handsome.&#8221; Die anderen kichern, ich lache mit. Wir reden ein bisschen hin und her. Ob sie schon verheiratet seien &#8211; keine von ihnen ist es &#8211; und wie lange sie noch hier bleiben. Nur noch eine Woche. Hoffentlich finden sie bis dahin einen Job. Auf einmal deutet Nancy auf das Mädchen neben sich: &#8220;Do you know Sally? You know she has never been touched and kissed before?&#8221; Ach echt? fragte ich erstaunt. Sally guckt böse und boxt Nancy in die Seite. Wahrscheinlich ist es Spaß. Sally ist hübsch und, wie sie selber sagt, schon 28. Als wir das Foto machen, fordern die anderen mich auf, mich neben sie zu setzen. Ich nehm sie für das Foto den Arm, worauf die anderen laut loslachen und jubeln. Sally schließt die Augen und sagt gar nichts. Es scheint ihr peinlich zu sein. &#8220;You know, in the Philippines we don&#8217;t usually do that&#8221;, erklärt Nancy grinsend. &#8220;The society is still very conservative.&#8221; Ich nicke und lächle dabei.</p>
<p><a href="http://www.leidartikel.de/wp-content/uploads/filipinas.jpg"><img src="http://www.leidartikel.de/wp-content/uploads/filipinas.jpg" alt="" title="filipinas" class="alignnone size-full wp-image-825" /></a><br />
<small>Wer wer ist, sag ich nicht &#8230;</small><br />
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<p>Ich fühle mich ein bisschen an meine frühe Teenagerzeit zurückerinnert, die Zeit bevor Sex wichtig wurde. Tuscheln, kichern, sich anlächeln, anderen davon erzählen, wen man gerne hat. War nicht die schlechteste Zeit meines Lebens.. Am nächsten Morgen begrüßt mich in der Lobby eine Deutsche, die ich bis dahin noch nie gesehen habe, mit den Worten: &#8220;Hallo Jürgen&#8221;. Die Filipinas haben ihr von mir erzählt. Ich mache noch einmal ein Foto von allen und verabschiede mich dann. Die Mädels winken hinter mir her. Nach dem Auschecken schultere ich meinen Rucksack und meine Umhängetasche und mache mich auf in Richtung Flughafen. Das schwere Gepäck, die hohe Luftfeuchtigkeit, die rund 27 Grad an diesem Morgen: Ich bin schon nassgeschwitzt, bevor ich überhaupt die U-Bahn-Station erreiche. Auch das ist Singapur.</p>
<p><em>Teil III folgt.<br />
<a href="http://www.leidartikel.de/mal-nach-asien-fliegen-teil-i-alan-und-die-stewardessen.html">Teil I: Alan und die Stewardessen</a></em></p>


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