Titanic - zehn Jahre später
Hab neulich noch einmal “Titanic” gesehen, den Katastrophen-Liebesfilm, der bei den “Academy Awards” 1998 gleich elf Oscars abgeräumt hat. Warum, habe ich damals nicht verstanden. Hab ihn mir deswegen noch einmal angeschaut und muss sagen: Die Liebesgeschichte mit Leo und Kate ist mir immer noch zu konstruiert, und der Versuch, Herzschmerz zu verursachen misslingt.
Aber der Rest! Erstaunliche Kulissen, hervorragende Bauten, eine wirksame Reise zurück in die Zeit. Und als das Schiff dann (endlich) auf den Eisberg läuft und der Katastrophenfilm beginnt, spielt der Film seine wirkliche Stärke aus. Die Katastrophe wird erst nicht ernst genommen und ist dann nicht mehr zu verhindern - ganz im Stile der griechischen Tragödie. Die originalgetreu nachgebaute Kulisse versinkt Schritt für Schritt im Meer, mit ihnen die meisten Passagiere. Und als das Streichquartett die Abschiedssonate spielt und der Kapitän mit seinem Schiff untergeht, dann wird es wirklich trauig.
Das hat Maßstäbe gesetzt, und dafür hat der Film auch zu Recht die Oscars gewonnen - nicht für die blödsinnige Liebesgeschichte. Und das wurde leider von allen Filmproduzenten falsch verstanden, die seitdem einen Katastrophenfilm gedreht haben und ihn mit einer hanebüchenen Liebesgeschichte kombinieren wollten. Das misslang in “Armageddon”, in “Pearl Harbor” und noch viel mehr in allen deutschen Katastrophenfilmen seitdem. Mein Rat deswegen an Produzenten und Drehbuchautoren: Lasst es endlich bleiben und dreht Katastrophenfilme oder Liebesfilme, aber nicht beides gleichzeitig.