Travellog .4: Playing a bad hand

Mensch, ist das hier schön! Görlitz, Dresden, Pirna:

Die Bastei im Elbsandsteingebirge:

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#sächsischeschweiz in #schwarzweiss

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Ach so, und ganz nebenbei habe ich die Schwarzweiß- und Silberton-Funktion an der iPhone-Kamera wiederentdeckt. Mein Dresden-Tourguide Daniel heute meinte, ich würde das noch bereuen. Werde ich wohl auch, aber für Dresden waren Silbertöne heute wie eine Zeitreise. Schaut euch die Bilder oben genau an. Ihr erkennt erst auf dem zweiten Blick, dass sie von 2019 stammen.

Weil heute Montag war und ich zufällig gerade in Dresden, hätte ich die „Chance“ gehabt, mir eine Pegida-Montagsdemonstration aus der Ferne anzuschauen. Mein Tourguide Daniel rät mir davon ab: „Du würdest dich nur ärgern und den Glauben an die Menschheit verlieren“. Als Journalist hätte es mich irgendwie schon mal interessiert. Aber dann fand ich bei der Suche nach meinem nächsten Aufenthaltsort eine sehr günstige Pension in Görlitz und die Info, dass ich nur noch 90 Minuten habe um einzuchecken. Da musste ich dann „leider“ doch los…

In Dresden haben Gebäude schon einmal ein Extra-Dach.

Ob es eigentlich noch Gegendemonstrationen gegen Pegida gäbe, frage ich Daniel noch. Nicht mehr so wirklich. Die Leute hätten zwar nicht aufgegeben, wohl aber akzeptiert, dass Pegida bleibt und dabei nur heiße Luft ist. „Die wollen gar nichts verändern, die wollen nur Opfer sein. Und sie haben einen mehrfach vorbestraften Leader an der Spitze, der die Montagsdemos hauptberuflich macht.“

Eine Monsterpension direkt am Fluss in Görlitz, direkt unterhalb der Peterskirche zu einem lachhaft günstigen Preis. Da muss es natürlich einen Haken geben. Vielleicht ist es der viel zu enge Parkplatz. Ich sehe einen freien Platz, komme nicht ganz um die Kurve, entdecke im Rückspiegel, dass da ein viel besserer frei ist, will ganz easy zurücksetzen und übersehe dabei den Fiesta, der links neben mir parkt… Kratsch!

Meine Karre wird ja eh bald eingemottet, aber beim Fiesta mit Leipziger Kennzeichen ist der Lack angekratzt, ein Reflektor gebrochen. Das fehlte noch! Ich parke noch ein, steige aus, fotografiere den Schaden und das Nummernschild.

Scheiße, sowas hatte ich noch nie! Was mache ich denn jetzt?

Glück im Unglück: Die Halterin des Fiesta hat das alles mitbekommen, steht wenige Augenblicke später neben mir (muss also nicht erst aufwändig ermittelt werden), ist ungefähr in meinem Alter, sieht zwar nicht superzufrieden aus – aber ist die Ruhe selbst.

Dass sie sieht, dass ich die Sache nicht einfach abtun will, sondern ernst nehme, schafft Vertrauen. „Wie machen wir das denn jetzt?“, frage ich, denn ich weiß es wirklich nicht. Sie beruhigt mich und schlägt vor, erst einmal Daten auszutauschen, die Versicherungen zu informieren: „Ich bin bei der Allianz. Wie das geht, steht in dem Versicherungsschein.“ Oha, sowas habe ich gar nicht. Bin aus Kostengründen bei einer reinen Online-Versicherung gelandet. Müsste die Nummer bei GMail suchen, aber habe hier im Grenzgebiet natürlich just in dem Moment kein Netz.

Die Dame beruhigt mich weiter. „Das klärt sich schon alles.“ Wir gehen zur Rezeption und bitten den Mitarbeiter darum, meine Versicherung zu googeln. Mittlerweile habe ich aber ein wenig Empfang und finde den Versicherungsschein online.

Um es kurz zu machen: Wir gehen danach unserer Wege und versprechen beide vorher noch, dass wir uns darum kümmern. Sie fragt einen befreundeten Automechaniker, was sie machen soll, ich erreiche wenig später über das Hotel-WLAN meine Versicherung. Das alles schreiben die Dame und ich uns über WhatsApp. Na, das hätte ja wahrlich schlimmer kommen können! Am liebsten würde ich in die nächste Werkstatt fahren, ihr Auto kurz reparieren lassen und die Rechnung begleichen. So einfach scheint das leider nicht zu sein. Aber ich bin trotzdem dankbar, denn entspannter hätte das eigentlich kaum laufen können.

Auch in Farbe nicht hässlich: Görlitz

Görlitz ist zweigeteilt. Es gibt eine deutsche und eine polnische Seite, getrennt von der Weichsel. Die deutsche Seite scheint mit der Peterskirche etwas hübscher zu sein, dafür haben die Polen die Sonnenseite und den schöneren Blick auf die Kirche. Als Tourist kann man auf der polnischen Seite gut und günstig essen und ein Bier dazu trinken (was ich nach dem kleinen Schrecken mit dem Auto auch mache). Während ich auf deutscher Seite in meiner Pension wahlweise im deutschen oder im polnischen Netz gar keinen Empfang habe, habe ich auf polnischer Seite LTE im deutschen Netz. Scheint ein ganz schön verrücktes Städtchen zu sein.

Auf der Elbe fahren Raddampfer

Was ich bisher hier von „Mitteldeutschland“ gesehen habe, fläscht mich nicht weg, aber gefällt mir. Dresden, Görlitz, Pirna – tolle alte Architektur. Ein wunderschönes Elbsandsteingebirge, auf dem Raddampfer fahren… Leipzig eher laid back. Ich weiß noch gar nicht, wohin es danach gehen wird. Muss es überhaupt woanders hingehen?

Was ich vom Prime Day bisher mitbekommen habe…